Neuschnee im Hochsommer

25. Juli 2017, 10 Kommentare
Themen: Wetter

In den Alpen ist Schneefall im Hochsommer gar nicht so selten. Die Neuschneemengen sind jedoch meist nur gering und schnell wieder weg. Im heutigen Blog erfahren Sie unter anderem ein paar Details zu Schneefall im Juli.

Auch auf dem Aroser Weisshorn lag heute Vormittag etwas Neuschnee (Quelle: hweisshorn.roundshot.com
Auch auf dem Aroser Weisshorn lag heute Vormittag etwas Neuschnee (Quelle: hweisshorn.roundshot.com

In weniger als zwei Monaten beginnt der Herbst, und in genau fünf Monaten ist Weihnachten, der Winter ist also nicht mehr weit. Nein, keine Angst, liebe Sommerliebhaber, der Sommer ist noch da! Am kommenden Wochenende wird es bereits wieder (hoch-)sommerlich warm.

Das heutige Wetter konnte allerdings nicht wirklich als sommerlich beschrieben werden. War man beispielsweise am zentralen und östlichen Alpennordhang in höheren Lagen unterwegs, so musste man sich zum Teil sogar durch eine rund 10 cm dicke Neuschneedecke kämpfen. Dies oberhalb von etwa 2600 bis 2800 Metern. Schnee gab es in der Nacht auf heute und heute Morgen bis gegen 2200 Meter. In diesen Höhenlagen war das "Schümli" Neuschnee aber relativ rasch wieder weg.

Schneefall im Juli

Schneefall im Hochsommer? Gehts noch?! Ja, dies ist eigentlich nichts Aussergewöhnliches und kommt immer mal wieder vor. Für den Monat Juli sind die Neuschneemengen allerdings meist sehr bescheiden, und die Kaltlufteinbrüche sind oft nur von kurzer Dauer, sodass der Schnee rasch wieder wegschmilzt.

Die obige Tabelle beinhaltet einige ausgewählte Bergstationen nach der Höhe aufgelistet und zeigt deren Schneeklimatologie für den Monat Juli. Die Schneemengen, welche im Schnitt im Juli fallen, sind meist nur wenige Zentimeter. Oberhalb von etwa 2500 Metern sind die Schneemengen aber bereits etwas grösser. Schneetage [Tage] zeigt die durchschnittliche Anzahl Tage im Juli, an welchen mindestens 1 cm Schnee gefallen ist. Beispiel: auf dem Gütsch ob Andermatt liegt im Mittel jeden Juli an einem Tag Schnee von mindestens 1 cm. Auf dem Weissfluhjoch rund 400 Meter höher wird pro Jahr schon an drei Julitagen Schnee von mindestens 1 cm beobachtet.

Für Schneefall im Juli sind im Übrigen natürlich Nord- oder Nordwestlagen zuständig. Nur diese Wetterlagen führen im Sommer (mehr oder weniger auf direktem Weg) genügend kalte Luft zu den Alpen.

Diesmal war ein Tiefdruckgebiet mit Schwerpunkt über Polen Schuld an der gar nicht sommerlich anmutenden Wetterlage (uff, gerade nochmals das Wort "winterlich" elegant umgangen :-)...). An der West- bis Südwestflanke des Tiefs strömte mit einer mässigen bis starken nordwestlichen Höhenströmung feuchte und eben recht kühle Luft zur Alpennordseite. Vor ein paar Tagen lag diese Luft noch in subpolaren Regionen, sprich um Island.

Natürlich wurde die Luft auf dem Weg zu uns modifiziert, das heisst schon etwas erwärmt. Trotzdem, für die Jahreszeit war sie natürlich zu kalt. Klimatologisch betrachtet liegt die Temperatur in rund 1500 m ü.M. Höhe im Schnitt bei etwa 13 Grad. Heute war sie rund 5 Grad kälter. Eine ähnliche Abweichung gilt auch für Höhenlagen von 3000 Metern. Dort kann man im Juli eine Mitteltemperatur von 3 Grad erwarten. Heute wurden in diesen Höhenlagen kaum -2 Grad erreicht.

Labil geschichtete Kaltluft

Die Luft war nicht nur kühl, sondern auch noch labil geschichtet, denn das Tief bzw. Höhentief hatte auch Höhenkaltluft im Gepäck. So wurden im Laufe des Tages doch ein paar gewittrig durchsetzte und teils recht kräftige Schauer auf der Alpennordseite beobachtet. Dazwischen gab es im Flachland auch kurze sonnige Abschnitte, in welchen die Temperatur maximal 17 bis 20 Grad erreicht.

Am Alpennordhang gab es staubedingt praktisch keine Aufhellungen, dafür am meisten Niederschlag seit gestern. Bis Redaktionsschluss um ca. 18 Uhr fielen am Alpennordhang im Schnitt etwa 20 bis 40 mm, lokal bis rund 50 mm in den vergangenen 24 Stunden. Im Flachland sowie auch inneralpin fiel mit etwa 5 bis 10 mm deutlich weniger Niederschlag.

Wie es bei Nordstaulagen üblich ist, profitiert die Alpensüdseite von trockenen und ziemlich sonnigen Verhältnissen. Da bildete der heutige Tag keine Ausnahme. Mit Nordwindunterstützung wurden im Mittel- und Südtessin mit rund 10 Stunden Sonne bis 28 Grad erreicht. Im Nordtessin lag man allerdings zu nahe am Alpenhauptkamm, sodass von Norden übergreifend die Bewölkung oft dicht war und zeitweise sogar etwas Regen fiel.

Kommentare (10)

  1. Fire Blaster, 28.07.2017, 17:05

    Und da ret no einä for Klimaerwärmig...

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  2. Thomas Rutschmann, 26.07.2017, 17:57

    Von Appenzell mit dem Zug ins Engadin geflüchtet. Kalt auf Chamanna Boval aber trocken.
    Hervorragend unterhaltsamer Blog heute!
    Danke

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  3. Annemieke, 26.07.2017, 17:30

    Mehr von solchen Blogs bitte!!! Sehr unterhaltsam und ich lerne etwas.

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  4. A. West, 26.07.2017, 17:05

    Tolles Feature, klasse und humorvoll geschrieben. Dazu verständlich und informativ. Danke und weiter so :-).

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  5. Gar, 26.07.2017, 12:34

    Weiter so!!
    Sehr informativ und humorvoll geschrieben!

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  6. max dossenbach, 26.07.2017, 11:34

    Das Tessin wäre auch froh wenn es mal regen gäbe 'denn der Boden ist zu trocken und es besteht immer noch Waldbrand Gefahr.

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  7. Reto Petris, 26.07.2017, 09:44

    Sehr interessanter Beitrag. Bin froh, dass es endlich auch wieder mal 2-3 Tage gibt, während denen die Temperatur unter dem saisonalen Schnitt liegt, ein bisschen Pause von der Sommerhitze und Trockenheit ist sehr angenehm. Sommerschneefälle sind bestimmt auch gut für unsere schmelzenden Gletscher......

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  8. Pat Eitsch, 26.07.2017, 09:38

    Sehr interessant. Diese Art von erweitertem Wetterbericht habe ich heute zum ersten Mal in der Meteo App gefunden. Weiter so.

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  9. Verena Shabbir, 26.07.2017, 09:10

    Erstens finde ich Ihre Kommentare sehr interessant und so abgefasst, dass es ein Leihe wirklich verstehen kann (was bei dem Thema nicht ganz einfach ist!). Und zweitens geniesse ich Ihren Humor mit Randbemerkungen und ;)

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  10. Commander, 26.07.2017, 07:17

    Vielen Dank für den informativen Blog. Ich lese Ihre Beiträge regelmässig und ziehe wertvolle Schlüsse daraus. Weiter so!

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