Meist sonnig, aber mit Bise kalt

20. April 2017
Themen: Wetter

Mit einer Bisenströmung gelangte vergangene Nacht für die Jahreszeit sehr kalte Luft zur Alpennordseite. Da es zum Teil aufklarte, sanken die Temperaturen bis am frühen Morgen teilweise in Rekordnähe, zumindest was die Periode vom 16. bis zum 30. April betrifft. Mit viel Sonne stiegen die Temperaturen tagsüber deutlich an. Dennoch blieb es speziell in der Ostschweiz recht kalt. Demgegenüber konnte man im Mittel- und Südtessin mit 17 bis 19 Grad den Frühling geniessen.

Mit -13.2 Grad neuer Tiefstwert in Andermatt in der zweiten Aprilhälfte - oder doch nicht?

In der Nacht auf heute Donnerstag floss aus Nordosten für die Jahreszeit sehr kalte Luft zur Alpennordseite. Da die Nacht teilweise klar war, sanken die Temperatur bis am Morgen deutlich in den Frostbereich.

Teilweise wurden auch neue Tiefsttemperaturen für die Periode zwischen dem 16. und 30. April aufgezeichnet. Überaus deutlich war dies in Andermatt der Fall. So wurden dort letzte Nacht -13.2 Grad gemessen, während der bisherige Tiefstwert bei -9.9 Grad lag, gemessen am 22. April 1973. Allerdings war damals die Messbedingungen ganz anders. Das Thermometer war damals an einer Nordwand im eines Hauses in 4 Metern Höhe in einer sogenannten Zinkblechhütte angebracht.

Damit kann gesagt werden, dass die Temperatur damals im Vergleich zu heute wahrscheinlich zu hoch war. Denn erfahrungsgemäss lieferten Messungen in Zinkblechhütten, welche an einer Hausmauer befestigt waren, etwa 1 bis 2 Grad zu hohe Tiefsttemperaturen, dies besonders bei heiteren Verhältnissen. Zum andern liegt die heutige Station Andermatt in der unbebauten Ebene, welche stark zur Kaltluftseebildung neigt, während die frühere Station im Dorf davon etwas weniger betroffen war.

Somit ist ein direkter Vergleich eher schwierig. Immerhin zeigte es sich in der Parallelphase, als beide Stationen Tiefstwerte lieferten, dass die neue Station öfters 4 und mehr Grad kälter war als die alte Station im Dorf. So kann davon ausgegangen werden, dass die heutigen Tiefstwerte von -13.2 Grad wahrscheinlich auch schon unterboten wurden und zwar etwa um 1 bis 2 Grad.

Rekordwerte in Pully Lausanne von 26. April 1972 egalisiert, wobei damals am Vortag dort noch ein weit heftigeres Phänomen stattfand ...

Plausible neue Rekordwerte sind aber dennoch zu Stande gekommen. So zeigte das Thermometer in Elm heute am frühen Morgen -8.3 Grad an, was seit anfang der 70er Jahres des vorigen Jahrhunderts zwischen dem 16. und 30. April noch nie vorkam.

In Pully bei Lausanne wurde der bisherige Rekord von -0.5 Grad vom 26. April 1972 gerade egalisiert. Die Kälte vom 26. April 1972 folgte im übrigen unmittelbar an den bisher schwersten Bisensturm im Westschweizer Mittelland vom 25. April 1972, der gerade in der Region Lausanne Windmittel von 60 km/h und Böen von über 100 km/h brachte und dadurch schwere Schäden an Waldungen und auch an Gebäuden verursachte. Allein in den Wäldern nördlich von Lausanne fielen 35000 Kubikmeter Holz an, im Kanton Waadt waren es 170000 Kubikmeter. Der Schaden an den Gebäuden belief sich im Kanton Waadt auf 3 Mio. Franken.

Übrigens blies in der Westschweiz auch heute die Bise. Allerdings waren die Windmittel mit 40 km/h und die Böenspitzen mit rund 70 km/h doch deutlich moderater als vor ziemlich genau 45 Jahren.

Doch zurück zur aktuellen Kälte. Im allgemeinen lagen die Tiefstwerte etwa 1 bis 2 Grad über den bisherigen Rekordwerten. Allerdings dürfte die nun folgende Nacht zum Teil noch tiefere Werte liefern, womit noch einige Rekorde gebrochen werden könnten

In der Ostschweiz auch tagsüber kalt - im Mittel- und Südtessin Frühling pur

Nach einem kalten Morgen war es dann heute in der Schweiz meist sonnig, einzig entlang der zentralen und östlichen Voralpen war die Quellbewölkung zeitweise dichter. Speziell spürbar war die Einschränkung der Sonnenscheinschauer in den Bisenstaugebieten der Voralpen.

So zeigte sich die Sonne auf dem Napf und auf dem Hörnli nicht einmal an 4 Stunden, während andernorts 9 Stunden überschritten wurden. Die Bise sorgte besonders in der Bodenseeregion auch für einen kalten Nachmittag.

In Salen-Reutenen zeigte das Thermometer maximal 4.2 Grad an, was für einen 20. April nicht eben warm ist. Demgegenüber konnte man in Locarno-Monti mit maximal 18.9 Grad den Frühling in vollen Zügen geniessen.

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