Temperaturen auf Achterbahnfahrt

21. April 2017, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Bereits am dritten Tag in Folge wurden heute verbreitet frostige Temperaturen im Flachland der Alpennordseite gemessen. Der heutige Morgen war aber nochmals etwas kälter als die Tage zuvor, und wir kamen weiter in Rekordnähe, nicht jedermanns Freude!

Frostschaden an einer Apfelbaumblüte im Apfelgarten der ZHAW in Wädenswil. Foto: D. Gerstgrasser
Frostschaden an einer Apfelbaumblüte im Apfelgarten der ZHAW in Wädenswil. Foto: D. Gerstgrasser

Frostiger Morgen

Die Nacht war meist klar, die Bise liess nach, es war nur schwachwindig im Mittelland. Allgemein günstige Faktoren für möglichst tiefe Nachtminima. Ein weiterer, günstiger Grund für tiefe Temperaturen waren die tiefen Taupunkte. Die Luft über der Schweiz war in der Nacht und heute sehr trocken.

So sanken die Temperaturen bis am Morgen fast in der ganzen Schweiz unter den Gefrierpunkt, einzig am Genfersee sowie in Lugano und Locarno Monti blieben sie im positiven Bereich. Dazu wurde verbreitet starker Bodenfrost verzeichnet, die Temperaturen auf 5 cm über dem Boden sanken in den Niederungen meist auf -6 bis -10 Grad.

Rekordverdächtige Minima

Damit wurden heute besonders in Muldenlagen der Niederungen nochmals um etwa 1 Grad tiefere Werte gemessen als gestern.

Schaut man die Nachtminima für die zweite Frühlingshälfte (also jeweils ab dem 15. April bis Ende Mai) an, so wurde das Rekordminimum von -4.7 Grad in Koppigen egalisiert, diese Messstation besteht seit 1960.

In Bern Zollikofen sank das Thermometer auf -4.1 Grad, so tief wie zu dieser Jahreszeit seit der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts nicht mehr. Diese Messreihe besteht seit 1864. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden -5 Grad mehrmals unterboten. Wobei erwähnt werden muss, dass die Station damals noch an einem etwas anderen Standort stand.

Nahe an den Rekord kam das heutige Tagesminimum auch in Kloten mit -4.8 Grad. Hier wurde es seit 1959 erst einmal in der zweiten Frühlingshälfte noch kälter als heute Morgen, am 1.5.1962 sank die Temperatur auf -5.6 Grad.

Extrem tiefe Temperaturen für diese Jahreszeit wurden gestern und heute in Hintergräppelen (Toggenburg, SG) gemessen. In diesem ausgeprägten Kaltluftsee sank das Thermometer auf -21.8 Grad, gestern auf -27.2 Grad.

Dies war sogar noch etwas tiefer als auf der Glattalp, die ebenfalls für sehr tiefe Temperaturen bekannt ist. Hier betrug das Minimum gestern -26.6 Grad, heute auf -24.9 Grad. An beiden Orten liegt im Moment Schnee, gestern noch in vorwiegend pulvriger Form, heute bereits etwas umgewandelt zu Bruchharsch.

Dieser hat wohl etwas weniger gut gegen die Bodenwärme isoliert als der Pulverschnee von gestern, so waren die Nachtminima von heute etwas weniger tief als gestern, also genau umgekehrt wie im schneefreien Mittelland.

Auf dem Weg in den Kaltluftsee von Hintergräppelen mit Stephan Vogt.

Frostschäden

Vergrösserte Ansicht: Frostschäden an Apfelbaumblüten im Apfelgarten der ZHAW Wädenswil
Frostschäden an Apfelbaumblüten im Apfelgarten der ZHAW Wädenswil
Foto: D. Gerstgrasser

Nun aber genug der Rekordejagd; als Schlussfolgerung kann gesagt werden, dass es nun seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist, dass es in der 2. Frühlingshälfte verbreitet derart kalt wurde. Besonders prekär für die Vegetation ist aber die diesjährige Kombination mit der äusserst milden ersten Frühlingshälfte. Bereits im Februar wurde es mild. Darauf folgte dann der zweitwärmste März seit Messbeginn. Die erste Aprilhälfte war rund 3-5 Grad über der Norm, und das Temperaturniveau entsprach ungefähr jenem von Mitte Mai.

Wie im gestrigen Klima-Blog beschrieben, führte dies zu einer sehr früh blühenden und damit frostanfälligen Vegetation. Zusammen mit dem Frost dieser Tage eine Kombination, welche für Teile der Landwirtschaft wie Obst- oder Weinbau wohl den „Super-GAU“ bedeutet. Hoffen wir nur, dass die Schäden nicht ganz so gross ausfallen, wie das der Temperaturverlauf dieses Frühlings befürchten lässt.

Sonst sonnig

Ansonsten ist das Wetter schnell erzählt. Ein Zwischenhoch sorgte für sonnige und sehr trockene Verhältnisse, kaum eine Wolke zeigte sich am Himmel. Lediglich im Osten zogen, ausgehend von einer Warmfront, welche die östlichsten Landesteile streifte, einige Wolkenfelder vorüber.

Mit der Aprilsonne und den sehr trockenen Verhältnissen vermochte sich die Luft tagsüber auch einigermassen gut zu erwärmen. Die Tagesmaxima in den Niederungen lagen meist zwischen 12 und 15, im Tessin um 16 Grad.

Sommergruss

Für all jene unter uns, welche genug von diesem „Frühlinter“ haben, entdeckte die Webcam am Flughafen Altenrhein einen ersten Sommergruss, wenn auch nicht meteorologischer Natur.

Kommentare (1)

  1. Gisela, 21.04.2017, 20:50

    Noch fast mehr beeindruckt, resp. geschockt als die tiefen Temperaturen im Kaltluftsee hat mich diese Hand, die die stetig zunehmende Eiseskälte OHNE Handschuh "cool" auszuhalten schien. Wenn die jetzt bloss nicht auch so aussieht wie die armen Apfelblüten, die Kiwiblätter oder die erfrorenen Rebentriebe....vorsorglich mal alles Gute und danke für die Demo!

    Antworten

    Antworten auf Gisela

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis