Farbenfrohes Ende des Spätsommers

30. August 2017, 3 Kommentare
Themen: Wetter

Die spätsommerliche Episode neigt sich heute dem Ende zu. Zum Abschied präsentierte sich der Spätsommer vor allem zum Sonnenaufgang und gestern zum Sonnenuntergang in einem farbenfrohen Kleid.

Purpurlicht Dienstagabend; D. Gerstgrasser

Die Kaltluft lauert im Westen

Die Schweiz lag heute auf der Rückseite des gestern wetterbestimmenden Hochdruckrückens. Oder anders gesagt: wir lagen auf der Vorderseite eines markanten Troges, welcher sich von den Britischen Inseln bis nach Nordafrika erstreckt. Mit einer südwestlichen Höhenströmung wurde weiterhin warme und labil geschichtete zur Schweiz geführt.

Die Grundschicht war aber noch relativ trocken. Die dynamische Hebung auf der Vorderseite des Troges hat zur Bildung eines Bodentiefs mit Zentrum über den Benelux Staaten geführt. Die dazugehörende Kaltfront wird uns im Laufe des Donnerstagvormittags überqueren. Im Vorfeld der Kaltfront entstehen - wie so oft bei sommerlichen Lagen - präfrontale Gewitter. Diese dürften uns heute Abend noch beschäftigen.

Im Süden bewölkter Vormittag, im Norden hohe Wolkenfelder

Im Tessin startete der heutige Mittwoch, analog zum gestrigen Tag, mit einer dichten Stratocumulus-Bewölkung, welche sich in der Nacht gebildet hat. Die Untergrenze lag auf rund 1800 Metern über Meer. Die Auflockerung gestaltete sich mit dem Stau vor allem im Nordtessin zäh, auch am Nachmittag waren noch grössere Teile des Tessins bedeckt.

Auf der Alpennordseite war es dagegen meist sonnig, trotz zeitweiser hoher und mittelhoher Wolkenfelder. So konnte die Sonne fast ungehindert einstrahlen, und die ohnehin schon warme Luftmasse aufheizen. So wurde bereits um 14 Uhr Lokalzeit an mehreren Stationen die 30-Grad-Marke überschritten.

Am Nachmittag vor allem im Westen zunehmende Bewölkung

Über Frankreich entstanden am Nachmittag im Vorfeld der Kaltfront einige präfrontale Schauer und Gewitter. Deren abgeschwemmte mittelhohe und hohe Bewölkung sorgte am Nachmittag vor allem in der Westschweiz für nicht mehr ganz so sonnige Verhältnisse. In der Deutschschweiz und in Graubünden hingegen blieb es bis gegen Abend noch meist sonnig. Bis Redaktionsschluss entstanden über Schweizer Boden erst wenige Schauerzellen. Dies dürfte sich im Laufe des Abends noch ändern.

Temperaturmässig ging es dieses Jahr wohl zum letzten Mal (ausser Petrus straft den Blogger Lügen) verbreitet über die 30 Grad Marke. Spitzenreiter war bis 17 Uhr mit 32.2°C die Station Leibstadt. Ebenfalls erwähnenswert die 31.4°C in Ilanz dank föhnigem Effekt. Auf gleiche Art kamen auch die 32°C in Delémont zu Stande (der Wind erreichte dort in Böen rund 57 km/h).

Spezielle Dämmerungsfarben - intensives Purpurlicht

Vergrösserte Ansicht: Wunderschöne Dämmerungsfarben, fotografiert am Abend des 29. August 2017 vom Chli Aubrig im Kanton SZ.
Wunderschöne Dämmerungsfarben, fotografiert am Abend des 29. August 2017 vom Chli Aubrig im Kanton SZ.
D. Gerstgrasser

Bereits gestern sind wir an dieser Stelle kurz auf die teils intensiven Himmelsfarben in den Morgen- und Abendstunden eingegangen. Nun spielte sich gestern Abend nach Sonnenuntergang und heute Morgen vor Sonnenaufgang erneut ein Farbspektakel am Himmel ab.

Das Phänomen wird als Purpurlicht bezeichnet und tritt in der Regel nach grossen Vulkanausbrüchen oder grossräumigen Wald- und Buschbränden auf. Verursacht wird es durch Lichtstreuung an Aerosolen (Schwebeteilchen), welche bis in die Stratosphäre gelangt sind (z.B. auf 15 km Höhe). Das Phänomen erscheint also oberhalb der eigentlichen Wetterschicht (Troposphäre).

Dementsprechend tritt das Purpurlicht am Morgen vor und am Abend nach dem „normalen“ Morgen- respektive Abendrot auf. Dabei steht die Sonne etwa 3 bis 7 Grad unter dem Horizont und die Troposphäre befindet sich im Schatten.  Sind in grosser Entfernung Wolken (am Abend im Westen, am Morgen im Osten), so können sie eindrückliche Schatten auf das Purpurlicht werfen.

Unser Meteorologe Daniel Gerstgrasser verbrachte den gestrigen Abend auf dem Chli Aubrig (1642 m, zwischen Sihlsee und Wägital) und konnte das Spektakel fotografisch dokumentieren. Sein Kommentar: „Wohl einer der schönsten Sonnenuntergänge, den ich je gesehen habe…“. Die Sonne ging um 20.13h unter, das Purpurlicht war bis um 20.45h zu sehen, zu dieser Zeit stand die Sonne bereits knapp 7 Grad unter dem Horizont.  Für den Heimweg leuchtete der halbvolle Mond und eine Stirnlampe den Wanderweg aus…

Doch lassen wir die Bilder sprechen:

Saharastaub

Vergrösserte Ansicht: Gelbliche Verfärbung des Himmels und reduzierte Sicht aufgrund Saharastaubs. Aufgenommen gestern Abend auf dem Chli Aubrig mit Blick nach Westen.
Gelbliche Verfärbung des Himmels und reduzierte Sicht aufgrund Saharastaubs. Aufgenommen gestern Abend auf dem Chli Aubrig mit Blick nach Westen.
D. Gerstgrasser

Zusätzlich zu den Aerosolen in der Stratosphäre, gab es in den unteren Schichten der Troposphäre eine leicht erhöhte Aerosolkonzentration, und zwar durch Saharastaub.

Anders als die kleineren Rauchpartikel in der Stratosphäre lassen die grösseren Sandpartikel den Himmel gelblich bis grauweiss erscheinen. Sind die Radien der Partikel grösser oder in der Grössenordnung der Wellenlänge des Sonnenlichts, so wird nicht nur das kurzwellige Licht vorwärts gestreut, sondern das ganze Lichtspektrum wellenlängenunabhängig. So kommt die gelbliche bis grauweisse Färbung zu Stande. Ebenfalls nimmt die optische Dicke zu, und führt so zu einer reduzierten Sicht.

Mehr zu Saharastaub finden sie im Blog Saharastaub in der Schweiz.

Weitere Links mit Informationen:

Infos zu Aerosolen

LIDAR-Messungen von MeteoSchweiz

Infos zum Purpurlicht

https://www.meteoros.de/themen/atmos/lichtstreuung/purpurlicht/

Kommentare (3)

  1. Johan Montal, 31.08.2017, 08:47

    Wie immer, wunderbare Naturfotos ihres Meteorologen-Fotografes Daniel Gerstgrasser. Der hat ja einen wurderbaren Traumjob. Es würde mich freuen, wenn er sich gelegentlich in einem Blogg vorstellte, seine Arbeit, seine Ausrüstung, Reisevehikel, Erzählungen über besondere Ereignisse, Erfahrungen etc. würden mich sehr interessieren.

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  2. Baur H.P., 30.08.2017, 23:58

    In Zeiten der Klimaerwärmung sind auch im September noch einzelne Hitzetage mit 30 Grad und (wenig) darüber durchaus wahrscheinlich, hier im Flachland der Alpennordseite. Erwähnenswert sind ferner noch die heutigen und gestrigen ungewöhnlichen Regenfälle in der trockensten Gegend Festlandeuropas, dem südostspanischen Almeria (Jahresniederschlag knapp 200 mm), wo normalerweise im August kein einziger Tropfen Regen fällt, sich vom 28.8.-30.8.2017 aber nun rund 60 mm Regen aufsummiert haben was daher dort mehr als einem Viertel der sonst üblichen Jahres-Regenmenge entspricht, notabene im dort sonst knochentrockenen Sommer. Mehr Wärme=mehr Starkregenereignisse. Das dürfte also selbst für die einzige Halbwüste vor den Toren Almerias gelten (Quelle WetterOnline Daten aeropuerto de Almeria)

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  3. andreas Luder, 30.08.2017, 22:10

    Ich bedanke mich herzlich für die Erklärung dieses wunderbaren Naturschauspiels des Purpurrotes! Ich war gestern zwischen 2015 und 2045 im Gebiet der Bäregg beim ehemaligen unteren Grindelwaldgletscher. Ich war mega erstaunt, als 15 min nach Sonnenuntergang plötzlich die ganze Landschaft inkl Fiescherhörner in ein oranges Licht getaucht wurden und der Abendhimmel so hell wurde! Nun weiss ich auch warum das so war! Leider kann ich kein Photo hochladen... macht nichts... die Bilder vom D. Gerstgrasser sind ja wunderbar! Nachdem der Spektakel vorbei war, musste auch ich für nach Grindelwald hinunter zur Stirnlampe greifen unter Begleitung des Mondes, der zwar hinter dem Eiger versteckt war...

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