Anpassung von Stationsnamen im MeteoSchweiz-Bodenmessnetz

4. September 2017, 10 Kommentare

Für die Benennung der Messstationen von nationalen Wetterdiensten gelten die Regeln der Weltmeteorologischen Organisation WMO. Bedingt durch Stationsverschiebungen, Gemeindefusionen, Anpassungen von Ortschaftsbezeichnungen in den Landeskarten etc. kann es nötig sein, Stationsnamen anzupassen. MeteoSchweiz überprüft deshalb etwa alle zehn Jahre ihre Stationsnamen. Auf den 1. September 2017 treten die neusten Anpassungen an 48 Stationen des Messnetzes in Kraft: Dieser Blogbeitrag erläutert die Hintergründe.

Die Station „Sattel-Aegeri“ heisst ab heute „Sattel, SZ“.
Die Station „Sattel-Aegeri“ heisst ab heute „Sattel, SZ“.

Wie soll gemäss der Weltmeteorologische Organisation WMO eine Station benannt sein?

Die Weltmeteorologische Organisation WMO regelt den weltweiten Austausch von Messdaten zwischen den nationalen Wetterdiensten. Zu diesem Zweck hat sie Vorgaben erlassen bezüglich der Art und Weise wie Messstationen benannt werden müssen. Die vier wichtigsten Regeln lauten:

  1. Der Stationsname (bzw. der erste Teil bei Doppelnamen) muss auf einem „umfassenden Atlas“ zu finden sein. MeteoSchweiz verwendet als Referenz für Stationsnamen die Swisstopo-Landeskarte im Massstab 1:200‘000. Beispiele: Aigle, Zermatt, Glarus.
  2. Befinden sich mehrere Messstationen in derselben Ortschaft, so kann der Stationsname eine genauere geographische Ortsbezeichnung, welche durch einen Schrägstrich abgetrennt sein muss, beinhalten. MeteoSchweiz verwendet als Referenz für den zweiten Teil von Doppelnamen die Swisstopo-Landeskarte im Massstab 1:25‘000. Beispiele: „Zürich / Fluntern“, „Zürich / Affoltern“ und „Zürich / Kloten“.
  3. Befindet sich in einem Doppelnamen zur genaueren Bezeichnung des Standortes ein „übergeordneter Kontext“ wie beispielsweise ein Tal, eine Region oder ein Kanton, so wird diese durch ein Komma abgetrennt. Beispiele: „Sta. Maria, Val Müstair“, „Blatten, Lötschental“ oder „Altstätten, SG“.
  4. Sonderzeichen (ausser Schrägstrich und Komma, verwendet wie in Regel 2 und 3 erläutert), Bindestriche, etc. sollten in Stationsnamen vermieden werden. Die Länge des Stationsnamens sollte maximal 24 Zeichen betragen. MeteoSchweiz übernimmt wo immer möglich die von Swisstopo in den Landeskarten publizierte Schreibweise von Ortschaften.

Nun kann es im Verlauf der Jahre durch Stationsverschiebungen, Gemeindefusionen oder Änderungen in den Swisstopo-Landeskarten dazu kommen, dass Stationsnamen nicht mehr den obigen Regeln genügen. Gleichzeitig unterlagen manuelle Niederschlagsmessstationen bisher nicht den WMO-Regeln, wurden aber wo möglich trotzdem eingehalten. Mit der aktuellen Anpassung hat man sich zudem zum Ziel gesetzt, dass man die WMO-Regeln auf alle MeteoSchweiz-Bodenmessstationen anwendet. Da die letzte Anpassung vor knapp zehn Jahren stattfand, möchte MeteoSchweiz in Zukunft in regelmässigen Abständen Stationsnamen auf ihre WMO-Konformität hin überprüfen. Dieser Blog stellt die auf den 1. September 2017 vorgenommenen Änderungen von Stationsnamen mittels ein paar Beispielen vor. Wichtig ist festzuhalten, dass jeweils weder die Stationskürzel (bspw. SMA, KLO etc.) noch die Nummern des nationalen Indikativs geändert werden, sondern nur die Stationsnamen.

Vereinfachte Namensgebung

Befindet sich in einer Ortschaft nur eine Messstation, so kann auf Doppelnamen verzichtet und der Stationsname vereinfacht werden. Beispiele mit Gültigkeit ab dem 1. September 2017:

  • Aus „Brusio-Piazzo“ wird neu „Brusio“
  • Aus „Klosters / Aeuja“ wird neu „Klosters“
  • Aus „Martigny / Ravoire“ wird neu „Martigny“
  • Aus „Schaan / Untere Au“ wird neu „Schaan“

Gemeindefusionen wirken sich auf Stationsnamen aus

Im Normalfall haben Gemeindefusionen keine Auswirkungen auf die Stationsnamen, denn die Ortschaften behalten ihre ursprünglichen Namen. In der aktuellen Anpassung hat sich aber MeteoSchweiz in zwei Fällen trotzdem entschieden, Stationsnamen zu ändern.

Korrekte Schreibweise von Doppelnamen

Wie bereits erwähnt wurden bei manuellen Niederschlagsmessstationen die WMO-Regeln nicht in jedem Fall konsequent angewendet. Bei der Umwandlung in eine automatische Niederschlagsmessstation wurden die bestehenden Namen ohne Anpassung übernommen. Beispiele von Doppelnamen von automatischen Bodenmessstationen, welche ab dem 1. September 2017 nun WMO-konform sind (gemäss Regel 2):

  • Aus „Bernina-Curtinatsch“ wird „Bernina / Curtinatsch“
  • Aus „Crana-Torricella“ wird „Torricella / Crana”
  • Aus „Doggen-Benken“ wird „Benken / Doggen”
  • Aus „Winterthur-Seen“ wird „Winterthur / Seen”
  • Aus „PSI Würenlingen“ wird „Würenlingen / PSI”

Kantonskürzel neu Teil des Stationsnamen

Gewisse Orts- oder Gemeindenamen kommen in mehreren Kantonen vor. Stationsnamen ohne Kantonsabkürzung können deshalb zu Verwirrungen führen. Beim Entscheid, welche Messstationen in Zukunft das Kantonskürzel im Namen tragen sollen, wurde die Swisstopo Landeskarte 1:200‘000 als Referenz beigezogen. Das Kantonskürzel wird durch ein Komma abgetrennt, weil es sich um einen „übergeordneten Kontext“ handelt (gemäss Regel 3). Von dieser Änderung betroffen waren nur manuelle Niederschlagsmessstationen. Folgende Stationen wurden umbenannt:

  • Allenwinden heisst neu „Allenwinden, TG“
  • Kaiserstuhl heisst neu „Kaiserstuhl, AG“
  • Marbach heisst neu „Marbach, LU“
  • Pfäffikon heisst neu „Pfäffikon, ZH“
  • Teufen heisst neu „Teufen, AR“
  • Die Station „Wil bei Rafz“ heisst neu „Wil, ZH“

Stationsverschiebungen führen in seltenen Fällen zu Änderung des Stationsnamen

Muss eine Station verschoben werden, so wird versucht, einen Standort möglichst in der Nähe der bestehenden Station zu finden. Ist dies nicht möglich, so kann es vorkommen, dass eine Station in eine andere Gemeinde verschoben wird und der Stationsname angepasst werden muss. Beispiele von Stationsnamen von manuellen Niederschlagsmessstationen, welche am 1. September 2017 wegen einer Verschiebung angepasst werden mussten:

  • Die Station „Le Châtelard“ wurde 2013 vom gleichnamigen Kraftwerk ins Dorf „Finhaut“ verschoben und wird neu auch so heissen.
  • Die Station „Löwenburg“ steht seit 2006 in der Gemeinde „Pleigne“ und wird in Zukunft auch so heissen.
  • Die Station „Marcelin“ steht seit 2011 bei der Kläranlage Morges und wird deshalb in Zukunft auch „Morges“ heissen.

Weitere Anpassungen von Stationsnamen

Die in der Einführung abgebildete Station „Sattel-Aegeri“ (SAG) befand sich lange Zeit am gleichnamigen Bahnhof. So kam der etwas exotische, aus zwei Gemeindenamen zusammengesetzte Stationsname zustande. Mit dem Bau der automatischen Messstation auf der Kronenmatt, wurde nun entschieden, die Station in „Sattel, SZ“ umzubenennen.

Die Station oberhalb von Andermatt hiess bis anhin „Gütsch ob Andermatt“. Da Präpositionen wie „ob“ gemäss WMO nicht Teil des Stationsnamens sein sollten, und da der Gipfel „Gütsch“ nicht auf der Landeskarte 1:200‘000 zu finden ist, wurde entschieden, die Station in „Gütsch, Andermatt“ umzubenennen („Andermatt“ ist der „übergeordnete Kontext“). Der Name „Andermatt / Gütsch“ wäre ebenfalls denkbar, hätte aber die Sortierreihenfolge geändert, was bei einer bekannten Station wie Gütsch vermutlich für Verwirrung gesorgt hätte.

Die Augenbeobachtungen der Station „Disentis / Sedrun“ fanden bis Ende 2012 in Sedrun statt, weshalb die Ortschaft im Stationsnamen vorkam. Mit der Aufhebung der Augenbeobachtungen heisst die automatische Messstation in Zukunft nur noch „Disentis“.

 

Weiterführende Informationen

Automatisches Messnetz

Bodenstationen

Kommentare (10)

  1. Michael Seidel, 08.09.2017, 19:38

    Was mich dazu noch interessieren würde, warum heisst die Station "Schaffhausen" eigentlich genau so obwohl diese doch innerhalb der Gemeindesgrenzen von Neuhausen am Rheinfall steht. Ansonsten ein sehr interessanter Beitrag, vielen Dank.

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    1. MeteoSchweiz, 11.09.2017, 11:25

      MeteoSchweiz versucht Stationsnamen trotz Verschiebungen soweit als möglich und sinnvoll beizubehalten. Wir benennen deshalb nur Stationen um, die eine gewisse Distanz zur namensgebenden Ortschaft (welche auf der 200'000er Swisstopo-Karte aufgeführt sein muss) erhalten. Beispielsweise wurde die Station Löwegenburg in Pleigne umbenannt, weil sie heute knapp 4km von Löwenburg liegt. Die Gemeinde in welcher sie liegt, spielt für den Namen eine untergeordnete Rolle.
      Im Fall der Station Schaffhausen liegt der seit 1971 bestehende Standort zwar in der Gemeinde Neuhausen, die Station selbst liegt aber nur rund 1km vom Stadtzentrum von Schaffhausen entfernt. Eine Umbenennung in Neuhausen wäre nicht gerechtfertigt.

    2. Kombi007, 02.10.2017, 19:41

      Das intressirt mich auch!

  2. Paul Muller, 07.09.2017, 21:33

    Leider wurden auch bei dieser Aktion die OpenData "Verpflichtungen" (MeteoSchweiz will diese nicht so wahr haben) stiefmütterlich behandelt. Die via https://opendata.swiss/de/dataset/messdaten-smn-swissmetnet verfügbaren Daten sind nicht nachgeführt worden. Die Liste mit Stationsnamen auf http://data.geo.admin.ch/ch.meteoschweiz.swissmetnet/info/VQHA69_DE.txt weiss z.B. noch nichts von „Gütsch, Andermatt“.
    Wieso stiefmütterlich? Nun, die OpenData Bewegung wartet seit Jahren darauf, dass MeteoSchweiz die Daten aller SMN Stationen auf opendata.swiss veröffentlicht und nicht nur ein subset davon.

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    1. Paul Muller, 09.09.2017, 21:40

      Offensichtlich mittlerweile korrigiert.

    2. MeteoSchweiz, 10.09.2017, 10:40

      Die Listen mit Metadaten zu den Stationen werden im Gegensatz zu den Datenauszügen noch nicht automatisch generiert, sondern müssen bei Erweiterungen manuell hochgeladen werden. Wir danken für den Hinweis, die Files sind jetzt angepasst.
      Zusammenhang zwischen Datenliberalisierung und den Sparmassnahmen des Bundes:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/ueber-uns/portraet/datenliberalisierung.html

  3. Patrick Stoop, 06.09.2017, 15:29

    Ich finde es problematisch, wenn bei Standortwechseln von Stationen sowohl die Bezeichnungen als auch die Stationskennzeichen beibehalten werden. Besser wäre ein Abschluss der alten Reihe und ein Neuanfang mit neuem Kennzeichen oder Index. Wenigstens sind dann die Zeitreihen der unterschiedlichen Stationen klar ersichtlich.
    Standortwechsel sollten ohnehin möglichst vermieden werden, das Mikroklima oft zu verschieden.
    Am Beispiel der Station "Ehrendingen" sieht man schon auf der Karte, dass sowohl die Messwerte für Temperatur als auch für Wind Brüche in den Zeitreihen haben werden.

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    1. MeteoSchweiz, 08.09.2017, 12:35

      Aus Anwender-Perspektive sind ihre Bedenken zu Stationsverschiebungen und Namensgebung absolut berechtigt. Grundsätzlich setzen wir alles daran, solche Verschiebungen zu vermeiden, indem wir langfristig planen und die Zukunft von Standorten vor dem Bau einer Station abklären. Bei einem Messnetz von mehreren hundert Stationen ist es in der heutigen Welt jedoch unmöglich, keine Veränderungen erleben zu müssen. Würden wir bei jeder Verschiebung eine neue Messreihe mit neuem Namen beginnen, wäre dies aus Nutzersicht in vielerlei Hinsicht aber äusserst unpraktisch, zumal lange nicht alle Verschiebungen auch einen Einfluss auf die Homogenität einer Messreihen haben. Die Veränderungen werden allerdings in der Stationsgeschichte dokumentiert und stehen bei der Analyse der Datenreihen zur Verfügung. Bei Aussagen zur Klimaentwicklung werden alle Messreihen vorgängig auf künstliche Veränderungen unter Einbezug der Stationsgeschichte untersucht. In diesem Sinne ist die Beibehaltung der Stationsnamen ein Kompromiss verschiedener Anliegen, wobei wir den Nachteilen mit flankierenden Massnahmen begegnen.

  4. Stephan Trösch, 05.09.2017, 07:52

    Da darf beim Generationenwechsel in der Schreibweise nicht vergessen werden, die automatische Wortergänzung (in MS-Word) zu deaktivieren, sonst sind die Bewohner von "Will ZH" bei Rafz nicht so glücklich.

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    1. MeteoSchweiz, 08.09.2017, 09:45

      Danke für den Hinweis. Ist korrigiert worden.