Sehr warmer August – extrem heisser Sommer

28. August 2015, 1 Kommentar
Themen: Klima

Nach den beiden sehr warmen Sommermonaten Juni und Juli lieferte auch der August viel Wärme. Unter Einbezug der bis zum Monatsende erwarteten hochsommerlichen Verhältnisse ergibt sich über die ganze Schweiz gemittelt ein Monatsüberschuss von 1.8 Grad im Vergleich zur Norm 1981–2010. Damit gehört er zu den wärmsten Augustmonaten seit Messbeginn vor 152 Jahren.

Auf der Alpensüdseite und ganz im Westen liegt der Überschuss bei rund 1 Grad, in mittleren und höheren Lagen des östlichen Alpennordhangs bei knapp 2.5 Grad. Weite Landesteile blieben im August zu trocken, während das Wallis und regional auch die Alpensüdseite deutlich überdurchschnittliche Niederschlagsmengen erhielten.

Nach kühlem Start sehr heiss

Eingebettet in eine tiefdruckbestimmte Südwestströmung zeigte sich das 01. August-Wetter überall in der Schweiz kühl, trüb und nass. Die Tagesmittel-Temperaturen lagen verbreitet 1.5 bis 3.5 Grad unter der Norm 1981–2010. Auf der Alpensüdseite sanken sie lokal gar mehr als 4 Grad unter die Norm. Die  Tageshöchstwerte erreichten beidseits der Alpen maximal 21 bis 22 Grad. Es war der Abschluss einer einwöchigen Phase mit Kaltluftzufuhr.

Vom 3. bis am 8. August herrschten wieder meist sonnige und hochsommerlich heisse Verhältnisse. Unter Hochdruckeinfluss stiegen die Tagesmittel-Temperaturen zunächst meist 2 bis 4 Grad, in den Bergen 4 bis 5 Grad über die Norm. Sehr heiss wurde es vom 6. bis am 8. August. Die Tagesmittel-Temperaturen bewegten sich auf der Alpennordseite und in den Alpen 6 bis 9 Grad,  auf der Alpensüdseite 4 bis 6 Grad über der Norm. Die  Tageshöchstwerte erreichten verbreitet zwischen 32 und 36 Grad, am Nordrand der Schweiz und im Wallis lokal auch 37 Grad.

Gewitter mit Rekordregen

Der Zustrom feuchtwarmer Luft aus Südosten brachte am 9. und 10. verbreitet, am 11. vereinzelt Schauer und Gewitter mit Tagesmaximum-Temperaturen von meist unter 30 Grad. Während eines ungewöhnlich kräftigen Gewitters in der Nacht vom 9. auf den 10. fielen am Messstandort St. Gallen innerhalb von zwei Stunden 64 mm bzw. innerhalb von drei Stunden 78 mm Regen. Das bisher kräftigste hier registrierte Niederschlagsereignis seit Beginn der kontinuierlichen Messung im Jahr 1981 lieferte am 10. Juli 2011 innerhalb von zwei Stunden 53.9 mm. Innerhalb von drei Stunden waren es damals 57.7 mm.

Wieder heiss

Ab dem 11. floss aus Südwesten subtropische Warmluft zur Schweiz. Am 12. und 13. lagen die Tagesmittel-Temperaturen verbreitet  5 bis 6 Grad, lokal auch 6 bis 7 Grad über der Norm 1981–2010. Im Wallis und auf der Alpensüdseite erreichten die Überschüsse meist zwischen drei und knapp 5 Grad. Die Tageshöchstwerte stiegen auf der Alpennordseite über 34 Grad, auf der Alpensüdseite auf knapp 33 Grad. In der schwülheissen Luftmasse entwickelten am 13. zunächst in der Westschweiz, am 14. dann in der ganzen Schweiz Gewitter mit zum Teil kräftigen Sturmböen von 80 bis 100 km/h.

Frische Meeresluft

Am 15. und 16. August zog eine Niederschlagszone über die Schweiz. Dahinter folgte aus Nordwesten frische Meeresluft. Bis am 20. lagen die Tagesmittel-Temperaturen verbreitet 2 bis 4 Grad unter der Norm 1981–2010. Die Tageshöchstwerte sanken auf der Alpennordseite auf 18 bis 22 Grad, im Wallis und auf der Alpensüdseite erreichten sie 22 bis 27 Grad. Dabei blieb es oft trüb begleitet von Schauern.

Nach zwei sonnigen Hochdrucktagen mit Tagesmaximum-Temperaturen von 24 bis 28 Grad beidseits der Alpen wurde die Schweiz am 23. und 24. aus Westen von einer Tiefdruckzone überquert. Die Alpensüdseite erhielt Niederschlagsmengen von 30 bis 75 mm, in der Westschweiz waren es 30 bis 50 mm. In der Ostschweiz blieben die Mengen vielerorts unter 10 mm.

Erste Boten des Frühherbstes

Reife Holunderbeeren und Vogelbeeren wurden im August an mehreren Orten der Schweiz beobachtet. Verglichen mit dem Mittel können die Beobachtungstermine als normal bis sehr früh eingeordnet werden. Noch etwas weniger häufig lassen sich blühende Herbstzeitlosen blicken. Ihr Auftreten im August liegt deutlich früher als im Mittel.

Extrem heisser Sommer

Der Schweizer Sommer 2015 geht als Zweitwärmster in die 152jährige Mess-Geschichte ein. Unter Einbezug der Prognosen bis Ende August ist im Mittel über die ganze Schweiz ein Wärmeüberschuss von 2.4 Grad im Vergleich zur Norm 1981–2010 zu erwarten. Damit liegt der Sommer 2015 mehr als ein Grad über allen bisherigen Rekordsommern, mit Ausnahme des legendären Hitzesommers 2003. Dieser lag nochmals rund ein Grad über dem aktuellen Sommer 2015.

Die grosse Wärme setzte bereits zum Sommerbeginn ein. Mit einem Überschuss von 1.8 Grad gegenüber der Norm 1981–2010 wurde der viertwärmste Juni seit Messbeginn 1864 aufgezeichnet. Der Juli war auf der Alpensüdseite, im Engadin, im Wallis und in der Westschweiz verbreitet der heisseste Monat seit Messbeginn. In den übrigen Gebieten gehörte er meist zu den drei heissesten Monaten in den über 150jährigen Aufzeichnungen. Die Monatstemperaturen lagen 3 bis 4 Grad über der Norm 1981–2010. Und zum Abschluss brachte der Sommer 2015 einen der wärmsten Augustmonate seit Messbeginn. Über die ganze Schweiz gemittelt stieg die  Augusttemperatur 1.8 Grad über die Norm 1981–2010.

Hitzewellen in Rekordnähe

Vom 01. bis zum 07. Juli 2015 erlebte die Schweiz eine der extremsten Hitzewochen seit dem Messbeginn vor über 150 Jahren. Die durchschnittliche Tagesmaximum-Temperatur erreichte im Flachland der Alpennordseite 33 bis über 36 Grad. Am Messstandort Genf war es mit 36.3 Grad praktisch gleich heiss wie während der Rekordwoche im Sommer 2003, welche 36.7 Grad brachte. An anderen Messstandorten lieferten die Sommer 2003, 1952 und 1947 heissere Wochen.

Zum Abschluss der Hitzewoche registrierte Genf am 7. Juli 2015 mit 39.7 Grad die höchste je auf der Alpennordseite gemessene Temperatur. Sie liegt fast 1 Grad über dem bisherigen Rekord von 38.9 Grad vom 28. Juli 1921, gemessen ebenfalls in Genf.

Auf der Alpensüdseite folgte die grosse Hitze ab Julimitte. Die heisseste Woche erstreckte sich vom 17. bis am 23. Juli. In Locarno-Monti stieg die durchschnittliche Tagesmaximum-Temperatur auf 34.7 Grad. Auch hier war es praktisch gleich heiss wie während der Rekordwoche vom August 2003, welche 35.0 Grad zeigte. Das diesjährige südalpine Hitzemaximum wurde am 22. Juli mit einem Tagesmaximum von 36.8 Grad am Messstandort Locarno-Monti gemessen. Das ist der dritthöchste Messwert in der seit 1935 verfügbaren Messreihe von Locarno-Monti.

Verbreitet wenig Niederschlag

Alle drei Sommermonate lieferten verbreitet unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Einzig im August verzeichneten das Wallis und regional auch die Alpensüdseite deutlich überdurchschnittliche Werte. Es sind auch diese Gebiete, welche für den Sommer normale oder überdurchschnittliche Niederschlagssummen ausweisen. In den übrigen Regionen lagen die Sommerniederschläge verbreitet zwischen 60 und 80 Prozent der Norm 1981–2010. Je nach Gewittertätigkeit gab es lokal auch Mengen gegen 100 Prozent oder unter 50 Prozent der Norm. Punktuell dürfte es einer der trockensten Sommer seit Messbeginn werden, so zum Beispiel an den Messstandorten Altdorf, Elm oder Locarno-Monti.

Regional reichlich Sonne

Die Sonnenscheindauer erreichte in den meisten Gebieten zwischen 110 und 120 der Norm 1981–2010. Vor allem dank des sehr sonnigen Monats Juli war es örtlich einer der vier sonnigsten Sommer in den letzten 55 Jahren, so an den Messstandorten Neuchâtel und Zürich-Fluntern.

Das ausführliche Klimabulletin vom Juni 2015

Das ausführliche Klimabulletin vom Juli 2015

Kommentare (1)

  1. Bettina Hackel, 28.08.2015, 11:18

    Hallo ... habe grade via Facebook einen Erfahrungsaustausch mit dem US National Weather Channel und einigen Leuten in der Tampa Bay Area und Central Florida gehabt. Mein dementer Mann und ich waren mit 2 Hunden und einer Katze 2003 von Ft. Lauderdale nach Lake Wales, Central Florida gezogen, wobei ich hoffte, dort von keinen Hurricanes mehr betroffen zu sein ... ziemlich illusorisch! Im Sommer 2004 kreuzten sich 3 Hurricanes innert weniger Wochen genau über der Kleinstadt Lake Wales! Unsere Gegend war voller Leute von den Küsten, die evakuiert waren ... Vermutlich infolge der starken Aufheizung des Atlantiks reichen diese Stürme von West-Afrika aus immer weiter in die Karibik und ins Festland von Florida. Gerade jetzt schauen die Menschen wieder gebannt den Weather Channel und werweissen, ob "Erika" über sie hinweg fegen werde. Ich liebte diesen Ort sehr, aber nun bin ich doch froh, wieder im beschaulichen Köniz zu leben!

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