Anpassung der Warnungen bei MeteoSchweiz

10. Oktober 2017, 5 Kommentare
Themen: Service

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz hat die Warnungen für die kantonalen Einsatzbehörden angepasst. Das Interview mit dem Warnkoordinator und Meteorologe Daniel Murer.

Damit Behörden und Bevölkerung auf Naturgefahren vorbereitet sind (A. Hostettler)
Damit Behörden und Bevölkerung auf Naturgefahren vorbereitet sind (A. Hostettler)

Herr Murer Sie arbeiten seit vielen Jahren als Meteorologe bei MeteoSchweiz, freuen Sie sich auf die Warnanpassung?

Nun seit bald 20 Jahren arbeite ich bei MeteoSchweiz und bin seit 9 Jahren Fachverantwortlicher der Warnungen und deren Abläufe. Seit 2009 war ich massgeblich an der Weiterentwicklung und Verbesserung des Warnsystems beteiligt. Dieser Prozess wird laufend weitergeführt und diese Warnanpassung ist ein weiterer, wenn auch kleiner Meilenstein in der Warngeschichte der MeteoSchweiz.

Was ändert sich für Sie bei der Ausgabe der Warnungen?

Für uns Meteorologen bedeutet die Änderung mehr Spielraum in der Entscheidungsfindung. Bisher hatten wir bei Wind- und Schneeereignissen für Niederungen und Berglagen wegen den unterschiedlichen Warnschwellen separate Warnungen ausgegeben. Neu legen wir uns auf eine (die signifikantere) Warnstufe fest. Die Warnungen, welche die gleiche Warnstufe beinhalten, können unabhängig der Schwellwerte neu als eine Warnung erstellt werden. Die Bestimmung der Warnstufe unterliegt weiterhin den mit den Kantonen vereinbarten Warnschwellen. Die Erarbeitung der Warnung bedeutet aber auch etwas mehr Koordinationsarbeit, weil die detaillierteren Inhalte neu in 3 Sprachen  - Deutsch, Französisch und Italienisch - verfügbar sein werden.

Welchen Mehrwert bietet diese Anpassung den Kantonen und den App-Nutzern?

Vor allem ausführlichere Informationen zu den flächigen Unwetterwarnungen (ab Stufe 3/5), sowohl auf der Website als auch auf der MeteoSchweiz App. So werden bei Niederschlagsereignissen nebst den Regenmengen auch zusätzliche Angaben gemacht wie beispielsweise: regionalen Unterschiede, Schneefallgrenze, besonders betroffene Gebiete oder wann die stärkste Phase des Ereignisses ist. Gemäss den früher genannten Ausführungen wird dabei gleichzeitig die Anzahl der Push-Meldungen reduziert.

Blick hinter die Kulissen. Wie entscheiden Sie, ob beispielsweise die kantonalen Einsatzorganisationen eine Warnung erhalten?

Wir unterscheiden nicht welche Empfänger eine Warnung erhalten. Sobald eine Warnung ausgegeben wird, erhalten alle von dieser Warnung betroffenen Organisationen oder Personen eine entsprechende Push-Meldung.

Wir unterscheiden zwischen kurzfristigen lokalen Warnungen, welche unmittelbar vor der Gefahr ausgegeben werden und den längerfristigen flächigen Warnungen. Erstere werden deshalb so kurz vor dem Ereignis verschickt, weil sie nicht früher mit genügender Präzision vorhergesagt werden können. Zu den kurzfristigen Warnungen zählen wir zum Beispiel Gewitter-Flash-Warnungen.

Als Laie hat man den Eindruck, dass Sie lediglich auf einen Knopf drücken müssen und die Warnung wird verschickt. Stimmt das?

So einfach ist es nicht. Natürlich drücken wir beim Aussenden die Maustaste und die Warnprodukte werden erstellt und an die Empfänger versandt. Darin steckt aber viel Vorbereitungsarbeit. Besonders wenn es um flächige Unwetterwarnungen geht, ist eine sorgfältige Vorbereitung unerlässlich. Im Falle von aussergewöhnlichen Ereignissen (oft ab der Gefahrenstufe 4/5) wird zur besseren Ereignisbewältigung die Einsatzorganisation der MeteoSchweiz  hochgefahren. Dabei erfolgt in der Regel auch eine engere Zusammenarbeit mit den anderen Naturgefahrenfachstellen des Bundes wie z.B. dem BAFU oder dem SLF. Die Einsatzorganisation arbeitet stabsmässig und - wenn erforderlich - rund um die Uhr.

Zusammen mit der Kommunikation und der Klimatologie wird das Ereignis zeit- und mediengerecht erarbeitet und eine klimatologische Einschätzung in Bezug auf die Häufigkeit erstellt. Der Anspruch der Behörden sowie der kantonalen Einsatzorganisationen auf möglichst präzise Warnungen ist hoch, weil jede Warnausgabe für sie je nach Stärke des Ereignisses entsprechende Interventionsmassnahmen auslöst. Diese Interventionsmassnahmen sind mit Kosten verbunden. Darum wurden bestimmte Kenngrössen mit den Behörden vereinbart. Dazu zählt man etwa die POD (Probability of Detection, d.h. die Trefferrate) und die FAR (False Alarm Ratio, d.h. der Anteil der überflüssigen Warnungen). Für die Behörden und vor allem für die kantonalen Einsatzorganisationen ist eine FAR von max. 35% noch akzeptabel, der langjährige Durchschnitt an der MeteoSchweiz liegt bei ca. 25%, was für die Behörden ideal ist.

Wie überprüft MeteoSchweiz, dass die Warnungen korrekt durchgeführt wurden? Haben Sie eine Qualitätssicherung?

Natürlich, Qualität ist bei uns sehr wichtig! Wir überprüfen alle flächigen Wetterereignisse der Stufe 3 und höher. Verifiziert wird dabei, ob das Ereignis eingetroffen, verpasst oder überflüssig gewarnt wurde. Dies allein genügt aber noch nicht. Die Warnungen werden zudem zeitlich, räumlich und in Bezug auf die Intensität (Warnstufe) überprüft. Wird z.B. ein Unwetterereignis der Stufe 3  nur in der Stufe 2 gewarnt, sonst aber korrekt in Bezug auf den Zeitraum und die betroffenen Gebiete, so wird das Ereignis als halb verpasst eingestuft.

Als „Treffer“ gewertet wird eine Warnung nur dann, wenn alle Kriterien - Zeitraum, Gebiete, Warnstufe, Mengen - korrekt erfüllt hat.
Im langjährigen Durchschnitt beträgt die Trefferrate der flächigen Unwetterwarnungen an der MeteoSchweiz 86%, die Falschalarmrate 25% (wie bereits vorher erwähnt). Dies ist für die Kantone sowie die Einsatzorganisationen ein optimales Kosten-/Nutzenverhältnis, für die Arbeit der Behörden und die Sicherheit der Bevölkerung.

 Herzlichen Dank für das Interview. 

Nicht zu viel, nicht zu wenig warnen

Unwetterereignisse zuverlässig in Zeit und Ort vorherzusagen ist mit viel Aufwand verbunden. In der Vorbereitung auf eine Warnsituation beurteilen die Meteorologinnen und Meteorologen deshalb Intensität und Eintrittswahrscheinlichkeit des zu erwartenden Ereignisses. Die Grundlagen hierfür sind hochauflösende Vorhersagemodelle, Bodendaten, Radarbilder und mögliche Vergleichsfälle aus der Vergangenheit.

Das herausfordernde Ziel besteht darin, vor möglichst vielen Ereignissen richtig zu warnen, gleichzeitig aber auch möglichst wenige überflüssige Warnungen auszugeben. Diese beiden Ansprüche stehen in einem gewissen Widerspruch zueinander. Wenn mit Sicherheit kein Ereignis verpasst werden soll, so nimmt man auch eine grosse Anzahl überflüssiger Warnungen in Kauf, was unnötig hohe Kosten verursachen würde. Gibt man Warnungen hingegen nur zurückhaltend aus, würde uns ein Teil der Ereignisse unvorbereitet treffen. Dies hätte Schäden und Kosten für die Bewältigung und den Wiederaufbau zur Folge.

In enger Zusammenarbeit mit den Einsatzbehörden hat MeteoSchweiz die Balance zwischen einer möglichst hohen Trefferquote bei gleichzeitig möglichst wenig Fehlwarnungen gefunden.

Kommentare (5)

  1. Robert Furrer, 13.10.2017, 19:47

    Ist das ein reales Bild, und wenn ja, was zeigt es? Sieht wie eine Wasserhose oder sowas aus, aber so hell bei der sonst nächtlichen Wirkung des Bildes.

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    1. MeteoSchweiz, 16.10.2017, 14:09

      Das (reale) Bild zeigt einen gewöhnlichen, jedoch sehr hellen Blitz eines Gewitters bei Winterthur.

    2. Sarnia Bloke, 18.10.2017, 22:49

      Das war in September 2009. Ich erlebte diesen Blitz und Riesendonnerknall in Winterthur-Töss in der nähe! :o

  2. Olch, 13.10.2017, 17:49

    Hätten Sie ein Job für mich?

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    1. MeteoSchweiz, 16.10.2017, 08:45

      Sie finden die offenen Stellen von MeteoSchweiz hier:
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