Zwischenfall in französischem Atomkraftwerk

9. Februar 2017, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Im französischen Atomkraftwerk Flamanville ereignete sich heute ein Zwischenfall. Dieser BLOG beleuchtet das Zusammenspiel zwischen Nationaler Alarmzentrale (NAZ) und MeteoSchweiz im Falle solcher Ereignisse. Natürlich darf das aktuelle Wetter in der Schweiz auch nicht zu kurz kommen.

© EDF Médiathèque - Alexis MORIN

Zusammenarbeit der MeteoSchweiz mit der Nationalen Alarmzentrale (NAZ)

Die aufmerksamen Leserinnen und Leser unter Ihnen haben es heute sicher mitbekommen: Im französischen Atomkraftwerk Flamanville am Ärmelkanal hat sich heute ein technischer Zwischenfall ereignet. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt, dass es sich nur um einen technischen Zwischenfall ohne nukleares Risiko gehandelt hat.

In der Schweiz ist die Nationale Alarmzentrale (NAZ) als Fachstelle des Bundes für Ereignisse mit vermuteter oder erhöhter Radioaktivität zuständig. Die NAZ kann bei MeteoSchweiz sowohl im Ernstfall als auch zu Übungszwecken rund um die Uhr Trajektorien- oder Ausbreitungsrechnungen anfordern.

Hierfür betreibt MeteoSchweiz mehrere Trajektorien- und Ausbreitungsmodelle, die abhängig vom ausgewählten Modell (COSMO-1, COSMO-7 oder das europäische IFS) den erweiterten Alpenraum, Mitteleuropa bzw. den gesamten Erdball abdecken. Gemäss den Vorgaben der NAZ werden von MeteoSchweiz die Ausbreitung bzw. Deposition (Ablagerung am Erdboden) verschiedenster radioaktiver Nuklide berechnet. Mit den Trajektorienmodellen kann die Flugbahn expliziter Luftpakete modelliert werden.

Bisschen viel Text bis hier?

Da geben wir Ihnen absolut recht! Die Resultate unserer Trajektorien- und Ausbreitungsrechnungen gehen direkt an die NAZ und werden von MeteoSchweiz weder publiziert noch kommentiert.

Seien Sie aber versichert, dass die NAZ jederzeit über die Lage voll im Bilde ist. Im aktuellen Fall würde eine eventuelle Wolke ihren Weg von Flamanville nordwestwärts auf den Atlantik finden. Wie gesagt, eventuell, denn es bestand kein nukleares Risiko …

Heutige Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Wetterlage um 12 UTC (13 Uhr MEZ): Frontenanalyse überlagert mit Isobaren sowie den Temperaturen an ausgewählten Standorten.
Wetterlage um 12 UTC (13 Uhr MEZ): Frontenanalyse überlagert mit Isobaren sowie den Temperaturen an ausgewählten Standorten.

Der Alpenraum lag heute zwischen einem Tief mit Kern zwischen Sardinien und Sizilien sowie einem ausgedehnten Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Skandinavien. Während das Tief noch feuchte Luft zur Alpensüdseite steuerte dominierte im Norden der Hochdruckeinfluss.

Die auf althergebrachten Barometern angebrachte Beschriftung war heute im Norden vielerorts wieder irreführend, denn hoher Luftdruck ist keinesfalls immer mit sonnigem Wetter gleichzusetzen.

Hochnebel im Norden

Im Verlauf des Vormittages breitete sich der bereits an den Voralpen und in den Alpentälern befindliche Hochnebel weiter ins Mittelland aus. Hochnebelfrei blieb es am Vormittag in einem schmalen Streifen dem Jura entlang. Mit einer auffrischenden Bisenströmung wurde im Verlauf des Tages aus Nordosten feuchtere Luft zur Alpennordseite gelenkt, womit der Hochnebel auch in den bislang besonnten Gebieten die Oberhand gewann.

Die Hochnebelobergrenze präsentierte sich heute uneinheitlich. Am frühen Morgen hatten wir es mit zwei Schichten zu tun: Über einer ersten Hochnebelschicht mit Obergrenze um 1400 Meter lag eine weitere Schicht mit einer Obergrenze um 2000 Meter. Bereits im Verlauf des Vormittages wurde der trockene Einschub angefeuchtet und eine kompakte Hochnebelschicht bildete sich aus. Deren Obergrenze sank bis am späten Nachmittag gegen 1700 Meter.

Trüb im Süden, Föhn in den oberen Alpentälern

Vergrösserte Ansicht: Bis 16 UTC (17 Uhr MEZ) an ausgewählten SwissMetNet Stationen erreichte Tageshöchsttemperatur.
Bis 16 UTC (17 Uhr MEZ) an ausgewählten SwissMetNet Stationen erreichte Tageshöchsttemperatur.

Im Süden blieb es heute den gesamten Tag trüb, zeitweise fiel wenig Nieselregen, und mit aufkommendem schwachem Südüberdruck überströmte die feuchte Luft auch die Alpenpässe. Direkt nördlich angrenzend kam ab Mittag eine Föhnströmung auf, die beispielsweise bis Visp oder Ilanz vorankam. Bereits in Chur wehte wieder Talwind, und die Quecksilbersäule stieg nur auf 4 Grad.

Mit Föhnunterstützung war es in den oberen Alpentälern mit 8 Grad in Visp und 7 Grad in Ilanz landesweit am mildesten.

Inneralpin am meisten Sonne

Sonnenhungrige wurden heute im Norden über dem Hochnebel bzw. in den inneren Alpen fündig, wo die Sonne abgesehen von wenigen durchziehenden mittelhohen und hohen Wolkenfeldern nahezu uneingeschränkt am Himmel zu sehen war. Einzig das Engadin war bis am Vormittag noch mit kompakter hochnebelartiger Bewölkung gefüllt, diese lockerte sich aber in der Folge auf. Die feuchte Luft auf der Alpensüdseite war mit rund 2800 Meter zu wenig hochreichend, so dass sie im Tagesverlauf trotz Südüberdruck nur teilweise bis ins Oberengadin vorankam.

Tage mit uneingeschränkter Besonnung in der gesamten Schweiz

Nachdem sich der Autor des gestrigen Blogartikels auf die Suche nach den Tagen ohne Sonnenschein in der gesamten Schweiz gemacht hatte,  wollen wir heute an dieser Stelle noch jene Tage der vergangenen Monate suchen, an welchen in der gesamten Schweiz die Sonne den gesamten Tag nahezu ungehindert geschienen hat.

Vergrösserte Ansicht: Sonnenscheindauer [%] relativ zur absolut möglichen Tagessumme.
Sonnenscheindauer [%] relativ zur absolut möglichen Tagessumme.
MeteoSchweiz

Mit der jahreszeittypischen Nebelanfälligkeit im Flachland müssen wir bis zum 2. Dezember 2016 zurückgehen, als  abgesehen von einigen Flachlandstationen (teils nur 60-80% der maximal möglichen Besonnung) nahezu in der gesamten Schweiz die maximale Sonnenscheindauer verzeichnet werden konnte.

Dem Ideal landesweit uneingeschränkter Besonnung noch näher kommt der 7. September 2016. An den Flachlandstationen wurde die maximal mögliche Sonnenscheindauer  (relativ zur absolut möglichen Tagessumme) nur um wenige Prozentpunkte verfehlt.

Kommentare (2)

  1. Wieland Christian, 09.02.2017, 21:12

    Herzlichen Dank für diesen guten Artikel.

  2. Christian Wieland, 09.02.2017, 21:08

    Herzlichen Dank für diesen gescherten Artikel.