Der Frühling ist da

20. März 2017, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Pünktlich zum astronomischem Frühlingsanfang wurde heute nördlich der Alpen ein eher herbstlich anmutendes Schauspiel geboten. In diesem Blog gehen wir auf Ursachensuche.

Im Warmsektor

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild von 12 UTC (13 MEZ) überlagert mit Isobaren, der Frontenanalyse und Temperaturwerten an ausgewählten Stationen.
Satellitenbild von 12 UTC (13 MEZ) überlagert mit Isobaren, der Frontenanalyse und Temperaturwerten an ausgewählten Stationen.
MeteoSchweiz

Der Alpenraum lag heute im Warmsektor eines Tiefs mit Zentrum über der Nordsee unter einer westlichen Höhenströmung. Ein schwacher Hochdruckkeil erstreckte sich von der Iberischen Halbinsel bis zu den Alpen, die atlantischen Tiefausläufer wurden weit nach Norden abgelenkt.

Herbstliches Ambiente im Warmsektor

Vergrösserte Ansicht: Mittagsradiosondierung in Stuttgart.
Mittagsradiosondierung in Stuttgart. Eine solch starke Inversion ist für einen Warmsektor bzw. ein westliches Windregime eher ungewöhnlich.

Nördlich der Alpen bot sich ein herbstlich anmutendes Ambiente, welches wir typischerweise mit einer Bisenlage verbinden: Es dominierte kompakte tiefe Bewölkung, deren Obergrenze auf rund 2000 Meter Höhe lag. Im Verlauf des Vormittages setzte sich im Westen mehr und mehr die Sonne durch, gegen Osten wurde erst im Verlauf des Nachmittages die Bewölkung aufgelockert

Auch der Blick auf die Mittagssondierung aus Stuttgart offenbart nicht Alltägliches: Auf rund 1900 Metern Höhe befand sich eine starke Inversion, in allen Höhen wehte Wind aus Sektor West. Typischerweise finden wir solch eine starke Inversion in mittlerer Höhe bei herbstlichen/winterlichen Nordostlagen vor. 

Doch was löste diese kompakte tiefe Bewölkung respektive die starke Inversion aus?

Vergrösserte Ansicht: COSMO-7 Analysefelder der Temperatur in 850 hPa (ca. 1500 MüM) und des 500 hPa Geopotentials von 06 UTC. Die Kaltluftblase ist farbig markiert.
COSMO-7 Analysefelder der Temperatur in 850 hPa (ca. 1500 MüM) und des 500 hPa Geopotentials. Die Kaltluftblase ist farbig markiert.

Im ausgedehnten Warmsektor befand sich eine „Blase“ mit etwas kühlerer Luft, welche sich am Montagmorgen von Zentralfrankreich bis  Süddeutschland erstreckte und randlich noch die Alpennordseite erfasste.

Schwache Hebungsprozesse lösten schliesslich Kondensation und die Bildung jener kompakten Wolkenschicht aus. Im aktuellen Fall lag über Mitteleuropa ein Strömungsrücken, welcher vermutlich schwache – aber ausreichende – Hebungsprozesse zuliess.

In den Alpen und im Süden meist sonnig und mild

Vergrösserte Ansicht: Bis 16 UTC (17 MEZ) an ausgewählten SwissMetNet Stationen erreichte Tageshöchsttemperatur.
Bis 16 UTC (17 MEZ) an ausgewählten SwissMetNet Stationen erreichte Tageshöchsttemperatur.
MeteoSchweiz

Im Südtessin blieb es heute unterhalb von rund 1000 bis 1300 Meter  dunstig. Begünstigt durch schwachen Druckfall sickerte den gesamten Tag über feuchte Luft von der Poebene her ein. Darüber konnte wie auch in den Alpen ein sonniger Tag verzeichnet werden.

Die Tageshöchsttemperaturen spiegeln sehr schön die unterschiedliche Besonnung wieder: Im Westen wurde es 17 bis 19 Grad warm, gegen Osten wurden rund 15 Grad erreicht. Im Zentralwallis war es mit 19 bis knapp 21 Grad landesweit am mildesten. Während es im Mitteltessin 18 bis 20 Grad warm wurde stieg im Südtessin das Thermometer infolge Dunst nur auf 16 Grad.

Der Frühling ist da

Vergrösserte Ansicht: Noch ist der Frühling nicht ganz soweit: Soldanelle am 16. April 2016 am Chli Aubrig. Bild: D. Gerstgrasser
Noch ist der Frühling nicht ganz soweit: Soldanelle am 16. April 2016 am Chli Aubrig. Bild: D. Gerstgrasser

Heute ist astronomischer Frühlingsanfang, denn um 11:29 Uhr hatten wir Tagundnachtgleiche. Allerdings müssen wir beim Frühling nebst dem astronomischen noch den meteorologischen und den phänologischen Frühling unterscheiden.

Der meteorologische Frühling beginnt praktischerweise am 1. März und dauert bis am 31. Mai. Warum praktisch? Nun ja, mit dieser Einteilung lassen sich sehr leicht Aussagen für die Jahreszeiten bzw. für die verschiedenen Monate machen: zu warm, zu kalt, zu nass …

Der phänologische Frühling orientiert sich am Blütebeginn verschiedenster sogenannter Zeigerpflanzen. Dabei wird zwischen Vorfrühling (z.B. Haselnuss- , Schneeglöckchenblüte), Erstfrühling (z.B. Forsythienblüte) und Vollfrühling (Apfelblüte) unterschieden.

U.a. für deren Beobachtung betreibt MeteoSchweiz seit den 1950er Jahren ein phänologisches Beobachtungsnetz. An 160 Stationen werden 26 Pflanzenarten beobachtet. Aus diesen Beobachtungen wird u.a. der Frühlingsindex abgeleitet.

Noch weiter in die Vergangenheit zurück reichen die Beobachtungen über das Einsetzen der Kirschbaumblüte in Liestal (seit 1894) und die Aufzeichnungen zum Blattausbruch der Rosskastanie in Genf (seit 1808). Weitere Informationen incl. Grafiken finden Sie auf unserer Homepage.

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Kommentare (5)

  1. Kälin Beni, 22.03.2017, 07:26

    Liebes Blog Team,

    ich war heute auf dem Thunersee (bei Interlaken) Kitesurfen, bei ca. 8-max. 10 kt Wind. Es waren erst ganz vereinzelt kleine Schaumkronen zu beobachten, später dann gar nicht mehr. Auch grössere Wellen fehlten fast gänzlich! Der Wind war extrem Konstant, ohne Böen und Löcher. Die Gleitschirme waren nur 300m Höher am Soaren im Wind und standen fast still. Aufgrund dessen muss man von 30-35km/h Wind auf der Höhe der Gleitschirme ausgehen. Zum Ende der Kitesession gab es sogar Flecken die Glasklar waren auf dem See, also ohne das geringste Anzeichen von Wind, ich konnte mich aber mit dem Kite prima drüberziehen lassen, der Wind blies ebenso stark wie überall auf dem See.
    Aufgrund langjähriger Erfahrung weiss ich dass im Sommer wenn die Gleitschirme gleich wie heute stehen über dem See, unten auch starker Wind bläst und der See grosse Wellen und viele Schaumkronen führt. Meine Vermutung ist dass der kalte See (8°) eine stabile Luftschicht bildet über der Wasseroberfläche und somit der Wind nicht ganz runtergreifen kann. Aber dass müsste ja im Sommer wenn die Luft 28° und der See nur 18° ist ja auch immer der Fall sein...Was ist ihre Erklärung?

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    1. MeteoSchweiz, 22.03.2017, 13:15

      Über einer Seeoberfläche bildet sich im Frühling - vorausgesetzt die Windgeschwindigkeiten sind nicht allzu gross - nur eine dünne stabile Luftschicht. Der - gegenüber der Luft - kühlere See ist dabei der Hauptfaktor, die Reibungseffekte über einer Wasseroberfläche spielen eine untergeordnete Rolle.
      Im Sommer ist das Talwindsystem stärker ausgeprägt und der Wind greift auch bis zur Wasseroberfläche durch.

  2. Christian Christen, 21.03.2017, 16:02

    Auf die Gefahr hin rechthaberisch zu erscheinen: Ich finde es hervorragend, dass Sie auf der Prognose-Startseite einen Link zur Isobarenkarte gesetzt haben, habe ich hier doch früher einmal bemängelt, dass diese Karte irgendwann von der Startseite verschwunden war und nur mittels mehrerer Clicks erreicht werden konnte. Ein Blick auf die Isobarenkarte zeigt augenblicklich die allgemeine Lage, ohne dass man gross Text lesen muss. Nachdem offenbar die 500 hPa Geopot.-Karte besonders aussagekräftig sein soll (so wie ich verstanden habe als Grenze zur Polarluft), könnte man vielleicht auch einen diesbezüglichen Link offerieren (vgl. http://www.wetteronline.de/profiwetter/europa?pcid=pc_modell_expert&gid=euro&parameter=z500&base=17032106&model=gfs).

    Freundliche Grüsse

    C. Christen

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    1. MeteoSchweiz, 22.03.2017, 10:47

      Auf der Website von MeteoSchweiz stellen wir folgende Informationen zur Verfügung:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/warn-und-prognosesysteme/cosmo-prognosesystem/cosmo-7-das-modell-fuer-west-und-mitteleuropa.html

  3. Gisela, 20.03.2017, 20:39

    ....Haselsträucher in Blüte, Bienen, Forsythien, und das erste Ministräusschen Schlüsselblumen, heute auf 808m ü.M. gepflückt: Pünktlich ist er da, der Frühling!

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