METAR & TREND – Was ist das?

16. März 2017, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Aus der Flugwetterperspektive lässt sich die aktuelle Witterung mit einem einfachen Akronym beschreiben: CAVOK. Was das genau heisst lesen sie im heutigen Blog.

CAVOK heisst in der Fliegerei soviel wie „Ceiling (oder auch Clouds) And Visibility OK“. Sonniges Wetter mit wenig oder gar keinen Wolken sowie Horizontalsicht über 10 km fällt in diese Kategorie, und damit auch das heutige Schweizerwetter. Die Piloten erfreuen sich in der Regel an solch „problemlosen“ Wetter, den Meteorologen hingegen wird’s dabei langweilig.

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Albishorn (ZH, 900 m ü. M.) an der Dunstobergrenze über das Zürcher Sihltal und den Zürichsee hinweg zu den Glarner Alpen. Bild: Nicole Graf.
Blick vom Albishorn (ZH, 900 m ü. M.) an der Dunstobergrenze über das Zürcher Sihltal und den Zürichsee hinweg zu den Glarner Alpen. Bild: Nicole Graf.

Im Vergleich zum Vortag war die Luft in den Niederungen heute etwas feuchter, sprich dunstiger. Diese Feuchte wurde mit einer schwachen nördlichen Strömung im Verlauf des Vorabends und der Nacht aus der Region Benelux advehiert, wo eine Warmfront mit tiefer Bewölkung vor sich hin alterte. Bei Tagesanbruch überzogen denn auch vereinzelte flache Nebelschwaden die Muldenlagen der Deutschschweiz. Die ansonsten vom Morgen an durchgehend scheinende Sonne vermochte den Nebel rasch aufzulösen. Tagsüber dämpfte einzig die bis knapp 900 m ü. M. hochreichende Dunstschicht die Einstrahlung.

Nebst der erhöhten Feuchtigkeit ist die getrübte Sicht jedoch auch den erhöhten Schadstoffwerten sowie den mässigen bis starken Pollenkonzentrationen in den Niederungen geschuldet. Diese Partikel konnten sich auf Grund der stabilen thermischen Schichtung der Atmosphäre während der vergangenen Tage sukzessive anreichern. Einzig über den Gebirgszügen des Juras sowie der Alpen und Voralpen wurden tagsüber mit Thermik geringe Anteile der "Dreckluft" in die sauberen Luftschichten darüber "injiziert", wie die folgenden beiden Bilder illustrieren:

Im Vergleich zu den Vortagen fehlten heute die Schleierwolken, was darauf hindeutet, dass die Zufuhr von Warmluft in den hohen Luftschichten abgeschlossen ist. Der heutige Tag markiert somit den Höhepunkt des aktuell herrschenden, hochdruckbestimmten Wetters. In den kommenden 48 Stunden wird das Hoch abgebaut und macht kühlerer und feuchterer Luft Platz, welche am Wochenende von Nordwesten her den Alpenraum erfasst.

Codierte Wettermeldungen in der Fliegerei

In der Luftfahrt spielen Wetterinformationen eine entscheidende Rolle. Wind, Wolken und Sichtweite sind entscheidende Kriterien bei der Planung von Flügen sowie beim Betrieb eines Flughafens. Ein Teil der Wetterinformationen geht vollautomatisch aus Computer-gestützten Berechnungen des 4-dimensional ablaufenden Wetters in diverse Systeme der Aviatik ein (z.B. Höhenwinde für die Flugplanung). Ein grosser Teil der Daten hingegen wird in einem bereits Jahrzehnte alten Code, der „ICAO Abbreviated Language“, in Textformat weltweit in Echtzeit verbreitet. So zum Beispiel Beobachtungen und Messungen des aktuellen Wetters auf einem Flughafen (METAR) sowie die kurzfristige Entwicklung desselben (TREND & TAF). Schauen wir uns doch einmal so eine Wettermeldung an, und zwar aus einer Gegend Europas, wo heute richtiges Wetter herrschte:

Das METAR von Bergen ist grau hinterlegt. Auf einen ersten Teil, welcher Informationen zu Ort, Datum und Zeit der Meldung gibt, folgt die eigentliche Wettermeldung (fett). Sie ist aus mehreren Blöcken aufgebaut, wobei jeder Block einen Wetterparameter beschreibt. Die Reihenfolge ist stets dieselbe: Wind, Sichtweite, aktueller Wetterzustand, eine bis mehrere Wolkenschichten und –mengen, Temperatur/Taupunkt, Luftdruck. Anschliessend folgen optionale Zusatzinformationen, die national und regional deutliche Unterschiede aufweisen. Anschliessend folgt der TREND (zweite Grafik), eine Kürzestfrist-Prognose für die folgenden zwei Stunden. Letztere verwendet dieselben Sprachelemente. Ein Gleichzeitszeichen schliesst die Gesamtmeldung ab. Alles klar?

Die Flugwetter-Sprache

Natürlich nicht, denn wie bei jeder Sprache ist auch bei unserer Flugwetter-Sprache ein umfangreiches Vokabular das A und O zum Verständnis. Keine Angst, mit bescheidenen Basiskenntnissen in Englisch werden sie diese Sprache rasch beherrschen und die Meldungen verstehen. Eine gute und übersichtliche Zusammenstellung über das im METAR und im TREND verwendete Vokabular gibt die entsprechende Wikipedia-Website oder unser MeteoSchweiz Flugwetter-Faltblatt:

https://de.wikipedia.org/wiki/METAR

http://www.meteoschweiz.admin.ch/content/dam/meteoswiss/de/service-und-publikationen/beratung-und-service/flugwetter/doc/MCH_Flugwetter_2016_D_low.pdf

Heisst es also in einem METAR 29020G40KT 2500 TSGR BKN020CB so rollt gerade ein kräftiges Gewitter (TS) mit Hagel (GR) über den Platz. Die Sichtweite ist auf 2500 Meter reduziert, eine mächtige Cumulonimbus-Wolke (CB) hängt tief mit ihrer Basis auf 2000 Fuss bzw. 600-700 Meter über dem Flugplatz, und ein starker West-Nordwestwind pfeift mit Böen von 40 Knoten (75 km/h) dem Beobachter um die Ohren. Wird hingegen VRB01KT 0250 FG VV001 gemeldet, so sitzt der Beobachter in dichtem Nebel (FG): Die horizontale Sicht beträgt 250 Meter, der Wind weht aus variabler Richtung (VRB) mit 1 Knoten Geschwindigkeit, und anstelle einer scharf definierten Wolkenbasis kann lediglich eine vertikale Sichtweite von 100 Fuss / 30 Meter geschätzt werden.

Nach dem Grundstudium des Vokabulars und kurzer Eingewöhnungszeit werden sie die wesentlichen Elemente des codierten Wetters verstehen. Die Sprache ist über all die Jahre global recht einheitlich geblieben. Nebst den Meteorologen verwenden sie auch die Piloten oder bspw. die Dispatcher der Airlines, welche die Flugplanung unterstützen.

Aktuelle Schweizer und weltweite METARs finden sich auf diversen Websites, bspw. hier:

http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/beratung-und-service/flugwetter/metar-taf.html

http://www.ogimet.com/metars.phtml.en

http://de.allmetsat.com/metar-taf/index.html

https://aviationweather.gov/metar?gis=off

Der schönste Arbeitsplatz der Alpennordseite …

… pflegt der Ausbildungs-Chef unserer Wetterbeobachter jeweils zu schwärmen. Damit meint er das Beobachterhaus in Oberglatt am Flughafen Zürich-Kloten, wo rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zwei Mal pro Stunde eine METAR Meldung inklusive TREND erstellt wird.

Die Messwerte moderner Messgeräte gehen genauso in die Meldungen ein, wie die persönliche und subjektive Einschätzung unserer Wetterbeobachter, denn nicht jedes Wetterphänomen lässt sich ohne weiteres mit automatischen Verfahren erfassen. Einen guten Einblick in die Arbeit unserer Wetterbeobachter gibt auch der Beitrag der Sendung Einstein des SRF über den „Nebelsucher“ vom Flughafen Zürich-Kloten vom November 2015:

http://www.srf.ch/sendungen/einstein/einstein/der-nebelsucher

METAR und TREND beschreiben also das aktuelle Wetter auf einem Flughafen sowie die kurzfristige Entwicklung. Morgen werfen wir einen Blick auf den Terminal Aerodrome Forcast (TAF), welcher die Wetterentwicklung der nächsten 30 Stunden für den Flugplatz vorhersagt.

Kommentare (2)

  1. Toggenburger Ulrich, 17.03.2017, 21:52

    In der Darstellung der Windmessstationen rund um den Flughafen Zürich ist der Ortsname "Lucketen" vermerkt. Die Landeskarte findet diesen Ort nicht, es gibt diesen Ortsnamen bei Schlatt ZH oder als Lokalnamen in der Nähe von Unterstammheim. Gemeint ist aber der Ort, der auf der aktuellen Karte und in der Orthographie der Swisstop "Luketen" heisst. Er liesse sich als (Axpo) Unterwerk Breite oder ganz einfach mit Breite, Gemeinde Nürensdorf ZH besser umschreiben...

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    1. MeteoSchweiz, 20.03.2017, 08:42

      Besten Dank für den Hinweis. Wir werden die Umschreibung anpassen.