Schön verziert

11. März 2017
Themen: Wetter

Ein Hoch, dessen Zentrum sich von Deutschland-Tschechien nach Südskandinavien verlagerte, bestimmte heute das Wetter in der ganzen Schweiz. Dadurch dass die Rückenachse des Höhenhochs über Frankreich lag, sorgten die Absinkbewegungen (Subsidenz) bei uns für eine weitere Abtrocknung und Erwärmung der Luftmasse. Der vielerorts frostige Start wurde mit der, wenn auch teilweise etwas eingeschränkten Märzsonne, überall zu einem milden Frühlingstag.

Impressionen vom Zugersee mit Blickrichtung Pilatus (Hintergrund), links die Rigi. Sonne wird zeitweise verdeckt durch Altocumulus floccus
Bild: Aline Schlegel

Hochdruckwetter heisst nicht immer nur schönes Wetter

Es war einfach nur schön…fast zu schön um zu arbeiten. Aber der Blog will auch heute gemacht sein.
Der Hochdruckrücken über Frankreich verlagerte sich seit Freitag nur langsam ostwärts und wurde zudem allmählich schwächer. Dennoch lag der Alpenraum im günstigen Bereich von kräftiger Subsidenz. Deutlich sichtbar in der Radiosondierung war die Erwärmung in den unteren Luftschichten, die Abtrocknung war weniger offensichtlich.

Im sogenannten mittleren Stockwerk der Wolkenskala um etwa 3000 Metern Höhe, konnte man eine etwas feuchtere Schicht erkennen. Diese manifestierte sich am Himmel durch Altocumulus-Wolken in verschiedenen Formen. Auch im obersten Stockwerk bei ca. 7500 Metern zeigten sich Wolkenformationen. Die dünnen Cirrenfelder zogen  aber mit der stärkeren nördlichen Strömung in der Höhe deutlich rascher vorbei als die mittelhohen Wolken. Allerdings wurden diese am Nachmittag immer zahlreicher und dichter und liessen die Sonne teilweise milchig erscheinen oder zum Teil ganz verdecken.

Milder Frühlingstag wie gestern?

Natürlich, Hochdruckgebiet bedeutet trockene Luftmasse, Erwärmung durch Subsidenz und damit je nach jahreszeitlichem Sonnenstand entsprechende Aufheizung. Nach dem gestrigen Tag mit Temperaturen von verbreitet 12 bis 15 Grad in den Niederungen der Alpennordseite, wurden für heute noch etwas höhere Temperaturen erwartet. Dies traf allerdings nicht so ein, warum? Eine „Faustformel“, die Höchsttemperatur abzuschätzen, ist beispielsweise über die Temperatur des Modells auf 850 hPa (ca. 1500 m) abzuleiten. Zu dieser Jahreszeit kann man bei trockener Luftmasse, wenig Wind und voller Sonneneinstrahlung für eine mittlere Mittellandhöhe von 450 Metern etwa 10 Grad dazurechnen. Für den heutigen Tag hätte dies bei 6 Grad auf 1500 Metern somit eine Höchsttemperatur von 16 Grad ergeben.

Erreicht wurden in den meisten Gebieten im Mittelland gerade mal 12 bis 14 Grad. Warum war es also gestern mit einer Temperatur von 2 Grad auf 1500 Metern praktisch gleich warm?
Zu einem war die Nacht auf gestern noch bewölkter und somit die Starttemperatur höher, zum anderen war die Sonneneinstrahlung am heutigen Nachmittag durch die dichtere hohe Bewölkung deutlich mehr gedämpft als erwartet. Hinzu kommt, dass heute eine ausgeprägtere Inversion vorhanden war, als gestern und damit den Impulstransport der potentiell wärmeren Luft von den höheren zu den unteren Schichten reduzierte.

Verdunstung oder Schmelzen?

Und was passiert mit dem Schnee in den Bergen? Natürlich schmilzt der Schnee in der Regel bei so frühlingshaften Temperaturen. Die Schmelzraten von heute waren dennoch relativ unbedeutend, warum? Erstens lag die Nullgradgrenze, trotz milden Temperaturen in den Niederungen, nur gerade auf etwa 2300 Metern. Darüber ist also kaum eine Reduktion der Schneehöhe zu erwarten. Unterhalb der Nullgradgrenze war die relative Luftfeuchtigkeit mit 10 bis 40% und damit auch die Feuchttemperatur sehr tief. Die Feuchttemperatur entspricht der Temperatur wenn die relative Feuchtigkeit 100% beträgt. Gemessen wird die Feuchttemperatur, in dem man z.B. das Thermometer mit einem nassen Tuch feucht hält. Dabei reduziert sich die Temperatur durch die Verdunstung des Wassers in dem feuchten Tuch.

Liegt die Feuchttemperatur unter Null Grad findet Sublimation statt, d.h. der Schnee geht direkt in den gasförmigen und nicht in den flüssigen Zustand über. Dieser Übergang entzieht der Umgebung deutlich mehr Wärme, als das Schmelzen von Schnee, wodurch auch die Umgebung abkühlt. Die Folge davon ist, dass die Reduzierung der Schneedecke durch die Sublimation deutlich langsamer erfolgt, als durch Schmelzprozess. Insbesondere, wenn wenig Wind vorherrscht, wirkt die Abkühlung des Sublimationsprozesses wie ein Kältepolster über der Schneedecke.

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