TAF – Terminal Aerodrome Forecast

17. März 2017
Themen: Wetter

Nach einem kurzen Rückblick auf das aktuelle Wetter in der Schweiz ergänzen wir das Thema Flugwetter um ein weiteres Kapitel: Heute widmen wir uns dem TAF, der codierten Flugplatzprognose.

Der Freitag begann nach klarer Nacht erneut mit schwachem Bodenfrost in den Niederungen beidseits der Alpen. Den Flussläufen des Mittellandes entlang, namentlich am Jurasüdfuss, trat lokal etwas Bodennebel auf. Tagsüber herrschte noch einmal sonniges Wetter, wie schon die Tage zuvor.

Vergrösserte Ansicht: Panoramablick über Stadt Zürich hinweg Richtung Südwesten. Vom Limmattal her zogen plötzlich lebhafte Quellwolken auf - welch herrlicher Anblick besonders für Meteorologen, die sich tagelang mit wolkenlosem Himmel und unspektakulären Schleierwolken oder Wiesennebelchen begnügen mussten!
Panoramablick über Stadt Zürich hinweg Richtung Südwesten. Vom Limmattal her zogen plötzlich lebhafte Quellwolken auf - welch herrlicher Anblick besonders für Meteorologen, die sich tagelang mit wolkenlosem Himmel und unspektakulären Schleierwolken oder Wiesennebelchen begnügen mussten!
Bildquelle: https://zuerichtourismus.roundshot.com/zuerichwest/

Im Verlauf des Nachmittags näherte sich aus Nordwesten eine schwach aktive Kaltfront und kündigte den bevorstehenden Wetterumschwung an: Zunächst frischte in den Berglagen der Südwestwind markant auf und im Tagesverlauf griff dieser dann auch böig bis in die Niederungen durch. Gleichzeitig mehrten sich die Quellwolken als sichtbares Anzeichen einer präfrontalen Labilisierung der Luft, die stattfand. Eine grössere Bank mit lebhafter Quellbewölkung erstreckte sich vom östlichen Jura über die Region Zürich hinweg ostwärts, brachte bis Redaktionsschluss aber noch nicht die punktuell erwarteten Schauer. Mit 17 bis 21 Grad war der heutige Tag verbreitet der Wärmste dieser ausgesprochen sonnigen und warmen Woche. Vielerorts war es auch der bislang wärmste Tag des ganzen Jahres!

Das TAF - die Fortsetzung von METAR und TREND

Am Vortag haben wir uns mit dem METAR und dem TREND beschäftigt, welche das aktuelle Wetter und die Kürzestfrist-Prognose für die folgenden zwei Stunden auf einem Flugplatz darstellt. Heute widmen wir uns dem TAF (Terminal Aerodrome Forecast), der Flugplatz-Wetterprognose für die folgenden 30 Stunden (auf Regionalflugplätzen mit Kurzstreckenflügen beträgt der Vorhersagezeitraum in der Regel nur 9 Stunden).

Versetzen sie sich in die Lage eines Piloten, der einen Flug von San Francisco nach Zürich plant. Die reine Flugzeit beträgt rund 11 Stunden, die Flugplanung erfolgt eine gewisse Zeit vor dem Abflug. Der Pilot muss wissen, was zur geplanten Ankunftzeit in Zürich für Wetter herrscht, um seinen Flug möglichst effizient und sicher durchführen zu können. Dazu benötigt er für die Planung eine Wetterprognose für den Vorhersagezeitraum +12 bis +15 Stunden – genau diese Information findet er, auf seine speziellen Bedürfnisse zugeschnitten, im TAF.

Bei der Flugplanung geht es unter anderem darum, den Zielflughafen sicher zu erreichen und unter den gegebenen Randbedingungen möglichst wenig Kerosin zu verbrauchen. Das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle: Ist zur Landezeit Nebel vorhergesagt, muss der Pilot mit zeitlichen Verzögerungen im Anflug rechnen, er muss mehr Kerosinreserven einplanen. Auch schwere Gewitter zwingen die Flugzeuge oft dazu, Warteschlaufen zu fliegen oder im schlimmsten Fall sogar auf einen benachbarten Flugplatz mit besseren Wetterbedingungen auszuweichen. Sowieso muss der Pilot einen oder mehrere Ausweichflugplätze prüfen, ob diese im Notfall anfliegbar wären, auch für diese Flughäfen konsultiert er die TAFs.

Vergrösserte Ansicht:

Schauen wir uns ein fiktives Beispiel genauer an. Das TAF verwendet grundsätzlich dieselbe „Sprache“ wie das METAR und der TREND (siehe Blogbeitrag vom Vortag). Ergänzt wird das Vokabular um Begriffe, welche den Zeitablauf beschreiben: BECMG VON/BIS meint, dass sich der Wetterzustand in einem bestimmten Zeitraum verändert. TEMPO meint, dass in einem Zeitraum für kurze Zeit das Wetter signifikant ändert. Im Gegensatz zum TREND und einem Grundprinzip der Wetterprognose folgend darf in einem TAF auch mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet werden. Der Einfachheit halber werden aber nur zwei Wahrscheinlichkeitsstufen verwendet: PROB30 und PROB40, eine tiefe resp. erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Zustand eintritt.

Ein TAF ist kein Wetterbericht!

Um das TAF kurz und übersichtlich zu halten werden nicht alle Veränderungen codiert, sondern nur diejenigen, welche für die Fliegerei relevant sind. Für jeden Wetterparameter sind von der Internationalen Zivilluftfahrtbehöre (ICAO) sowie den nationalen und regionalen Behörden bestimmte Schwellenwerte definiert. Werden diese über- oder unterschritten erfolgt eine entsprechende Anzeige im TAF in Form einer „Änderungsgruppe“. Ein Beispiel: Ist mit Nebelbildung zu rechnen (Sicht fällt unter den Schwellwert von 1000 Meter) muss der Abstand zwischen landenden Flugzeugen aus Sicherheitsgründen vergrössert werden, die Kapazität für Anflüge reduziert sich, Verzögerungen im Flugplan sind die Folge. Den Zeitpunkt der Nebelbildung versuchen die Meteorologen, ungeachtet der Schwierigkeiten dieser Prognose, möglichst präzis vorherzusagen. Schwankt die Sichtweite jedoch zwischen 10 und 30 km erfolgt keine Anzeige im TAF, denn der Unterschied ist für den Flugbetrieb nicht relevant. Auch ein plötzlicher Aufzug von dichter Schleierbewölkung auf 8 bis 13 km Höhe zur Zeit des höchsten Sonnenstandes, so unschön es für einen „normalen“ Betrachter ausschauen mag, ist für die Fliegerei irrelevant und wird im TAF nicht berücksichtigt.

Die TAFs für die Schweizer Flughäfen (inkl. Militär-Flugplätze) werden gemeinsam von den Meteorologen der Regionalzentralen Zürich und Genf erstellt. Für die beiden grossen Landesflughäfen Zürich und Genf werden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr im 3-Stunden Rhythmus die TAFs aufdatiert und permanent auf Korrektheit überprüft. Weicht der aktuell herrschende Wetterzustand zu stark vom TAF ab oder muss die Prognose wegen neu verfügbarer Datengrundlagen angepasst werden, erfolgt ein sogenanntes „Amendment“. Das TAF wird neu geschrieben und sogleich weltweit verbreitet.

Der Überwachungs- und Vorhersageprozess geschieht unter Verwendung des gesamten verfügbaren meteorologischen Datenmaterials wie Satelliten- und Radarbilder, Boden- und Radiosondenmessungen sowie Computer-gestützten globalen und lokalen Modelldaten (ECMWF, COSMO). Die Meteorologen bilden die Schnittstelle zwischen den Rohdaten und dem TAF, indem sie auf der Basis dieser Daten und unter Anwendung ihres Wissens und ihrer Erfahrung ein Vorhersagekonzept erstellen und dieses in die codierte TAF-Sprache übersetzen, sprich das TAF manuell schreiben.

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