Wasserhosen und viel Regen

20. September 2017, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Ein Ausläufer des Azorenhochs stiess heute Mittwoch weiter nach West- und zunehmend auch nach Mitteleuropa vor. Die Feuchtezufuhr aus Norden liess zwar nach, in der Ostschweiz gab es aber ganz lokal nochmals sehr viel Regen.

Wasserhose über dem Bodensee. Bild: Philippe Gyarmati
Wasserhose über dem Bodensee. Bild: Philippe Gyarmati
Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte vom Mittwoch, 20. September 2017 um 14 Uhr MESZ
Bodenwetterkarte vom Mittwoch, 20. September 2017 um 14 Uhr MESZ

Nachdem es am Vorabend noch vielerorts Regengüsse gab, wurden die Schauer in der Nacht immer seltener, insbesondere im Flachland. Mit der Nordströmung sorgten aber Staueffekte am Alpennordhang noch für etwas mehr Niederschlag.

Neuschnee in den Alpen

Oberhalb von rund 1400 bis 1800 Metern fiel dieser in Form von Schnee. Am Morgen zeigten sich die Alpen somit im weissen Winterkleid. Die Schneemessung um 8 Uhr morgens ergab auf dem Säntis 13, auf dem Weissfluhjoch 22 cm Gesamtschnee. Auch auf der Melchsee-Frutt lagen am Morgen noch 15 bis 20 cm Schnee.

See-Effekt

Vergrösserte Ansicht: 12h-Niederschlagssumme bis 8 Uhr MESZ: Zahlen repräsentieren Bodenmesssungenn, farbige Flächen Radarabschätzungen mit Bodendaten kombiniert (CombiPrecip).
12h-Niederschlagssumme bis 8 Uhr MESZ: Zahlen repräsentieren Bodenmessungen, farbige Flächen Radarabschätzungen mit Bodendaten kombiniert (CombiPrecip).

Zu zwei interessanten Phänomenen führte diese Wetterlage am Bodensee.

Hier bildete sich in der Nacht eine Schauerzelle, die praktisch ortsfest bis am Mittag immer wieder regeneriert wurde und über dem See für sehr grosse Niederschlagsmengen sorgte.

Gemäss Radar müssten hier örtlich bis zu 170 mm Regen gefallen sein. Am Ufer, wo auch konventionelle Niederschlagsmessgeräte verfügbar sind, wurden immerhin noch gut 30 mm gemessen.

Der hier wirkende Prozess ist als sogenannter See-Effekt (oder „Lake Effect“) bekannt: Kühle und instabil geschichtete Luft strömt über die noch warme Seeoberfläche (15 bis 18 Grad Wassertemperatur). Dabei nimmt die Luft Wasserdampf auf und über dem See bildet sich eine Schauerzelle, die immer wieder regeneriert wird. Mit der Nordströmung gelangten die Ausläufer dieser Schauer dann Richtung Rheintal, der meiste Regen fiel aber noch über dem See.

Wasserhosen

Ebenfalls durch diese meteorologische Konstellation entstanden über dem Bodensee mehrere Wasserhosen.

Vergrösserte Ansicht: Fallstreifen ("Virga") über dem Vierwaldstättersee bei Luzern
Fallstreifen ("Virga") über dem Vierwaldstättersee bei Luzern
Bild: Urs Graf

Aus Westen erfolgte im Tagesverlauf aber eine Beruhigung und Abtrocknung der Luftmasse. Während es in der Westschweiz bereits meist sonnig war, blieb die Bewölkung im Osten aber noch länger zäh. Auch die Temperaturen spiegelten diesen Unterschied. Während es in der Westschweiz bis 17, im Wallis gar 19 Grad gab, musste man sich am Bodensee mit 13 Grad begnügen.

Sonniger Süden

Der Alpensüdhang profitierte im Schutz der Alpen vom Nordwind. Hier herrschte schönes und mit bis zu 23 Grad deutlich milderes Frühherbstwetter.

Kommentare (2)

  1. Gabriele, 21.09.2017, 05:16

    Sehr interessant. Die 170 mm innerhalb von 12 Stunden sind recht viel. Hat man am Bodensee schon mal noch höhere Werte gemessen (Radar Messungen)?

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    1. MeteoSchweiz, 21.09.2017, 17:09

      Eine langjährige Statistik liegt für Radardaten noch nicht vor. Wir verfügen zwar schon seit einigen Jahrzehnten über Radarsysteme, doch erst seit ein paar Jahren konnte mit hinreichender Genauigkeit eine optimale Kombination zwischen Stations- und Radarmessungen und somit eine flächendeckende Information über Niederschlagssummen in der Schweiz erarbeitet werden (für Details siehe Dokumentation zum "CombiPrecip" Produkt der MeteoSchweiz: http://www.meteosuisse.admin.ch/content/dam/meteoswiss/de/service-und-publikationen/produkt/raeumliche-daten-combiprecip/doc/ProdDoc_CombiPrecip.pdf ).

      Ein Vergleich mit Bodenstationen in der Nähe ist ebenfalls schwierig, denn langjährige Reihen gibt es nur für den Tagesniederschlag: Diese verdeutlichen jedoch die Grössenordnung des beschriebenen Ereignis. Der grösste Tagesniederschlag an der Station Bregenz Altreuteweg wurde am 14. Juni 1910 mit 176mm gemessen, in St. Gallen wurden bislang nur zwei Mal Tagessummen über 200 mm pro Tag registriert. Aber wie gesagt, diese Vergleiche hinken in verschiedener Hinsicht.

      Ein Vorbehalt muss auch gegenüber der Radarabschätzung gemacht werden: Der Radar erfasst die untersten Bereich der Niederschlagszellen über dem Bodensee nur sehr grob, so dass den geschätzten 170 mm ebenfalls eine Unsicherheit attestiert werden muss. Ob es letztendlich 140 oder 190 mm waren, so oder so war es ein extremes Ereignis welches, wäre es über Land aufgetreten, erhebliche lokale Überflutungen zur Folge gehabt hätte.