Blühende Hasel im Winter und die Anzeichen des Klimawandels

Publikationsdatum 15. März 2016
Themen Klima
Newstyp Medienmitteilung

Für gewisse Pflanzenarten beginnt der Frühling immer früher. So blüht etwa die Hasel heute im Durchschnitt 13 Tage früher als 1951. Solche Trends zur Verfrühung lassen sich mit Langzeitbeobachtungen erkennen, die vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz und der Webplattform PhaenoNet erfasst und ausgewertet werden. Diese Daten ermöglichen es, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation frühzeitig zu erkennen und besser zu verstehen. Dank PhaenoNet können Lehrpersonen, Klassen aber auch alle Bürgerinnen und Bürger zur Verbesserung der Datengrundlage beitragen.

Frühester Beginn der Haselblüte

Anfang Dezember 2015 wurden an mehreren Orten der Schweiz blühende Hasel beobachtet – es ist der früheste bisher beobachtete Start der Haselblüte seit Messbeginn. Das Jahr 2015 bricht noch weitere Rekorde: Es war das weltweit wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Schweiz lag die Jahrestemperatur 1.29 Grad Celsius über der Norm von 1981-2010. Die hohen Temperaturen beeinflussten auch die Pflanzen: Bei vielen Arten verfrühte sich die Entwicklung bereits im Frühling um eine Woche und der Entwicklungs-vorsprung blieb bis Ende Jahr bestehen. Die milden Temperaturen setzten sich fort:

Der Winter 2015/2016 war um 2.5 Grad wärmer als die Norm 1981-2010. Die zu milden Temperaturen liessen die Haselsträucher schweizweit sehr früh aufblühen. Zeigen diese Beobachtungen nur die kurzfristige Reaktion der Vegetation auf extreme Wetterphänomene? Oder sind es Auswirkungen des Klimawandels? Verlässliche Antworten auf diese Fragen können nur langjährige phänologische Beobachtungen geben.

Helfen Sie mit die Datenlage zu verbessern

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz erhebt bereits seit 1951 Beobachtungen zu phänologischen Phasen, beispielsweise Blüte und Blattentfaltung. Die Webplattform PhaenoNet wurde gegründet, um diese Daten zu ergänzen, denn langfristige Trends lassen sich nur mittels langjährigen Datenreihen und dichten Beobachtungsnetzen erkennen. PhaenoNet wurde vom Bildungsprogramm GLOBE Schweiz zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz sowie der ETH Zürich entwickelt und ermöglicht es, Beobachtungen zu erfassen, darzustellen und zu vergleichen. Sie richtet sich einerseits an Lehrpersonen und Klassen und unterstützt diese mit Unterrichtsmaterialien zu den Themen Jahreszeiten und Phänologie. Andererseits können alle interessierten Bürgerinnen und Bürger mitmachen. Die Teilnahme ist einfach: Auf PhaenoNet registrieren, eine Pflanze und deren Standort eingeben, die phänologischen Phasen gemäss Anleitung beobachten und im Internet oder mit einer WebApp erfassen. Testen lässt sie sich seit März 2016 im Botanischen Garten der Universität Bern. Dort steht eine Hasel und alle Beobachtungen dazu können vor Ort direkt per Smartphone an PhaenoNet gemeldet werden. Weitere Standorte sind geplant.

Veränderungen dank langjährigen phänologischen Beobachtungen erkennen

Die Langzeitbeobachtungen zeigen, dass es in den letzten Jahren zu einer Verfrühung der Vegetationsentwicklung gekommen ist: Viele Pflanzen reagieren auf die steigenden Temperaturen, indem sie früher blühen und auch früher ihre Blätter entfalten. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Pflanzenarten. Gewisse Arten wie die Buche haben Schutzmechanismen, um zu verhindern, dass ihre Blätter sich zu früh entfalten und bei einer späteren Frostphase erfrieren. Zusätzlich zur Temperatur wird die Blattentfaltung von der Tageslänge mitbestimmt. Bei der Buche hat sich der Zeitpunkt der Blattentfaltung seit 1951kaum verändert. Die Hasel hingegen hat keine Schutzmechanismen und reagiert hauptsächlich auf die Temperatur. Die Haselblüte hat sich im Vergleich zu 1951 um 13 Tage verfrüht, sie zeigt zudem grosse jährliche Schwankungen (Abb. 1).

Dank PhaenoNet entsteht somit ein Frühwarnsystem, mit dem sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation frühzeitig erkennen lassen. Ausserdem verbessern die gesammelten Daten das Verständnis für die komplexen Reaktionen der Pflanzen auf steigende Temperaturen. Beim Sammeln der Daten können dank PhaenoNet alle mithelfen und so Teil eines spannenden wissenschaftlichen Netzwerks werden.

Kontakt

Verein GLOBE Schweiz
Dr. Eric Wyss
+41 79 239 21 32
ewyss@globe-swiss.ch

MeteoSchweiz
Dr. Regula Gehrig
+41 58 460 95 06
regula.gehrig@meteoswiss.ch

Weiterführende Informationen