MeteoSchweiz

Die Gefahren tropischer Wirbelstürme

Extreme Windstärken

Trifft ein Wirbelsturm auf Festland, schlägt er oft gleich dreifach zu. Da sind zunächst einmal die extremen Windstärken, welche Dörfer, Städte, Häfen und Flughäfen, aber auch Wälder und Felder stark in Mitleidenschaft ziehen. Bekannte Bilder sind bis auf die Grundmauern zerstörte Gebäude, deren Dach vom Sturm weggerissen wurde, wodurch sie den Sturmwinden ungeschützt ausgesetzt waren. In den Häfen werden kleinere Schiffe und Boote regelmässig richtiggehend zu einem Haufen zusammengeschoben und vollständig ineinander verkeilt. Hin und wieder werden auch Boote vom Sturm aus dem Wasser gerissen und auf die Küstenstrassen geworfen. Auf Flughäfen sind schon tonnenschwere Flugzeuge von ihrem Standplatz in die Luft und auf die Flughafengebäude geschleudert worden.

 

Flutwellen

Die extremen Windstärken bergen aber für Küstengebiete eine noch weit grössere Gefahr: Sie türmen in der Bewegungsrichtung des Wirbelsturms mitunter eine riesige Flutwelle auf. Ein durchschnittlicher atlantischer Wirbelsturm erzeugt Wellen mit Höhen von 3 bis 4 Metern. In extremen Fällen werden die Wellen aber auch gegen 6 Meter hoch. Diese Flutwellen gefährden ganz speziell flache Küstengebiete, da sie hier weit ins Landesinnere vordringen und grosse Gebiete unter Wasser setzen können. Ende Oktober 1999 hat eine solche Sturmflut die Region Orissa an der Ostküste Indiens verwüstet und 15`000 Menschen in den Tod gerissen. Mitte November 1970 setzte nur wenig nördlich davon ein Wirbelsturm mit seiner Flutwelle das Ganges-Delta in Bangladesh unter Wasser. 200`000 bis 500'000 Menschenleben waren damals zu beklagen. Es war die todesopferreichste Naturkatastrophe in der Zeit von 1970 bis 2001. Die Flutwelle, mit welcher Hurricane Katrina im August 2005 New Orleans unter Wasser setzte, hat etwa 1800 Menschenleben gefordert.

 

Extreme Niederschlagsmengen

Neben der Flut aus dem Meer ist die Flut aus den Wolken eine der oft unterschätzten Gefahren, die ein tropischer Wirbelsturm mit sich bringt. Aus einem durchschnittlicher Wirbelsturm ergiessen sich bis zu 300 mm Regen in wenigen Stunden (im Mittelland der Schweiz etwa die durchschnittliche Menge von drei Monaten). Halten diese Regenmengen über mehrere Tage an, mündet dies in eine Katastrophe riesigen Ausmasses.

 

Genau dies ereignete sich Ende Oktober Anfang November 1998, als sich der tropische Wirbelsturm Mitch über Zentralamerika sozusagen festkrallte. Über dem Golf von Mexico erreichte der Sturm enorme Windgeschwindigkeiten und versetzte damit die Küstenregionen in Angst und Schrecken. Einmal auf dem Festland, verlor er seinen inneren Zusammenhalt und zerfiel in mehrere eng beieinander liegende tropische Tiefdruckgebiete. Der Wind war damit kein Problem mehr, um so mehr aber die Regenfluten. Tagelang ergossen sie sich aus den Überresten des Wirbelsturms vor allem über die zentralamerikanischen Staaten Honduras und El Salvador. In der gebirgigen Gegend verwandelten sich die Flüsse schnell in tobende Fluten, alles mit sich reissend, was sich ihnen in den Weg stellte. An den Talflanken verloren die aufgeweichten Hänge ihren Halt und rutschten grossflächig zu Tal, und in den Seitentälern wälzten sich Schlammströme mit hoher Geschwindigkeit talabwärts. Die Region versank im Chaos. Über 10`000 Menschen verloren während dieser Naturkatastrophe ihr Leben.

 

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