Der Juli 2010 gehörte mit einem Wärmeüberschuss von rund 3 Grad zu den fünf Wärmsten der Messreihe mit Beginn im Jahr 1864. Die Besonnung war weitverbreitet grösser als im Durchschnitt der Julimonate von 1961-90. Im Wallis, am Alpennordhang und im Nordosten war der Monat regenreich, im Westen und Süden gab es teils markante Regendefizite.
Hochsommerliche erste Monatshälfte, teils heftige Gewitter
Bis am 16. Juli herrschte hochsommerliches und sonnenreiches Wetter. Insgesamt war die erste Julihälfte rund 5 Grad wärmer als üblich. Im Flachland wurde die 30-Grad-Marke verbreitet an 8 bis 10 Tagen überschritten, in Sion an 12 Tagen und an der Messstelle Stabio im Mendrisiotto an 14 Tagen. Bei Grono im unteren Misox wurde 30 Grad einzig am 14. Juli knapp nicht erreicht. Die höchsten Temperaturen meldeten Basel und Delémont mit 35.7 Grad, Genève-Cointrin und Sion mit 35.6 Grad so wie Biel mit 35.4 Grad. Rekordverdächtige Hitzewerte blieben aber aus. Oberhalb von 900 m wurden nur in Graubünden und im Wallis vereinzelt über 30 Grad registriert.
Hochsommer in der Region Davos, 9. Juli 2010. Foto M. Kasper
Die Hitze brachte heftige Gewitter mit sich. Dies war besonders am 10. und 12. Juli der Fall. Am 10. Juli traten Hagelgewitter teils im Jura, vor allem aber von Saanen über das Simmental und Sigriswil ins Entlebuch und weiter nach Luzern, Zug und Zürich auf. Aber auch im Mittelland gab es lokal grössere Zellen. Dabei kam es zu starken Windböen (Wädenswil 110 km/h) und heftigen Platzregen. In Zürich-Affoltern fiel fast eine halbe Monatssumme in einer Stunde (57,8 mm). Am 12. Juli trafen erneut heftige Gewitter Teile des Juras und den Alpennordhang. Dort wählte das Unwetter diesmal den Weg von Schwarzenburg über Marbach, Beckenried und Glarus nach Mels. Sturmböen von 100 bis 115 km/h wurden von Neuchâtel bis Grenchen gemessen.
Regional akute Waldbrandgefahr
Das westliche Mittelland wurde von den Gewittern weitgehend verschont. Auch im Tessin und im Wallis fiel örtlich sehr wenig Niederschlag. Bis am 21. Juli wurden in der Gegend von Payerne bis Neuchâtel und am Juranordfuss teils weniger als 5 mm Regen registriert. In einigen Regionen entstand akute Waldbrandgefahr.
Wetterumschwung am 22. Juli
Am 17. und 18. Juli gingen die Temperaturen um etwa 5 Grad zurück. Vom 19. bis 21. Juli folgte nochmals heisses Wetter. Am 22. Juli leiteten dann aber Gewitter und kräftige Regengüsse ein kühles und in der Deutschschweiz regenreiches Monatsende ein. Auch im Süden gingen die Temperaturen zurück. Die Witterung blieb hier aber sonnig.
Monatsbilanz
Bis am 29. Juli wurde ein Wärmeüberschuss von etwa drei Grad festgestellt. Etwas geringer war er in den Alpen und im Mittelland östlich von Bern. Rund 3.5 Grad betrug er im Süden. Damit war der Juli 2010 in der Region Lugano der zweitwärmste seit Messbeginn 1864. Einzig der Juli 1928 war in der Südschweiz noch wärmer. Auf der Alpennordseite waren die Julimonate 2006 und 1983 deutlich wärmer. Im Landesdurchschnitt wurden im Juli 1994 und 1995 überdies ähnliche Temperaturen gemessen. Die Niederschlagsmengen erreichten am Alpennordhang und im östlichen Mittelland überdurchschnittliche Werte. Luzern erhielt über 180 Prozent der normalen Julisumme. Auch im Wallis wurden verbreitet Überschüsse registriert. Nur etwa die Hälfte der Normalmengen fiel am Juranordfuss und im Jura westlich der Birs, im Mittelland westlich der Aare, im Locarnese und vom Oberengadin ins Münstertal und Puschlav. Die Besonnung war meistenorts überdurchschnittlich. In etwa normale Sonenscheinwerte wurden von den Berner Alpen über das Goms und die Zentralalpen bis in die Surselva festgestellt.
Stand: 29.7. 2010, Klimadienste MeteoSchweiz
Die hier publizierten Zahlen sind vorläufige Werte, da nicht alle Messungen der MeteoSchweiz zum Zeitpunkt der Erstellung zur Verfügung standen. Im monatlichen Witterungsbericht sind diese Werte aufdatiert. Der Flash darf unter Quellenangabe ?MeteoSchweiz? ohne Einschränkungen weiterverwendet werden.
