04. Januar 2008 / Dani Murer, Adrian Stolz
Allgemeine Lage
Am Mittwoch hat sich ein kräftiges Tief über dem Nordatlantik Richtung Biskaya ausgeweitet. Gleichzeitig blockierte ein umfangreiches Kaltlufthoch über Nordwestrussland die Ostwärtsverlagerung des Tiefs. Am Donnerstag wurde das Bodentief über der Biskaya durch einen nachfolgenden Höhentrog aus Nordwesten verstärkt. Im Vorfeld überquerte aus Südwesten eine wenig aktive Okklusion die Alpen. In Altdorf brach der Föhn in der Nacht auf Donnerstag durch. Auf der Alpensüdseite setzte mit dem Stau schwacher Schneefall ein. Bis Donnerstagmittag verstärkte sich der Druckgradient über dem Alpenraum und das Tief über der Biskaya blieb zunächst stationär (Bild 1). Auf Freitag füllte sich das Tief langsam auf und über dem westlichen Mittelmeer bildete sich ein neues schwaches Teiltief. Auf dessen Vorderseite wurde weiterhin feuchtere Mittelmeerluft zur Alpensüdseite geschoben, womit die Schneefälle im Süden noch andauerten. Mit den abnehmenden Druckgegensätzen im Norden nahm die Föhnstärke in den Alpentälern allmählich ab.
Low Level Föhn - Eine Föhnlage mit Besonderheiten
Eine Föhnströmung über den Alpen entsteht, wenn auf der Alpensüdseite ein höherer Luftdruck herrscht als auf der Alpennordseite. In diesem Fall waren die starken Druckunterschiede vor allem Temperatur bedingt. Im Gegensatz zur Alpennordseite lag über der Poebene sehr kalte und aufgrund ihrer höheren Dichte entsprechend „schwere“ Luft. Dies ermöglichte einen sehr grossen maximalen Druckunterschied von 15,9 hPa (Bild 2). Mit Hilfe zweier Messstationen lässt sich der Temperaturunterschied eindrücklich zeigen. Auf dem Pilatus (2106 m) wurden am Mittag minus 1.7 Grad gemessen, auf dem Matro (2171 m) nördlich von Biasca lagen die Werte zur gleichen Zeit bei minus 10.6 Grad.
Auf den Radiosondierungen (Aufstieg von Messgeräten an einem Ballon) von Payerne und Mailand lassen sich die zwei unterschiedlichen Luftmassen gut beobachten (Bild 3). Bis auf eine Höhe von rund 4000 Metern war die Luft über Mailand markant kälter. Auf rund 1600 Metern war es am Mittag über Payerne +2 Grad, während die Temperatur über Mailand -10.2 Grad betrug. Dieser grosse Temperaturunterschied von 12.2 Grad führte zum oben erwähnten starken Südüberdruck.
Oberhalb von rund 4000 Metern näherten sich die Temperaturkurven einander an und die Temperaturgegensätze waren unbedeutend. Aufgrund der ausgeglichen Druckunterschiede in der Höhe kam kein starker Wind auf. Dies ist eher unüblich, nehmen doch die Windgeschwindigkeiten in der Regel mit der Höhe zu. In solchen Fällen spricht man auch von einem Low Level Föhn, da die Höhenunterstützung fehlt.
Bild 3: Radiosondierung von Payerne (schwarz) und Mailand (grün) am 3. Januar 2008 um 12 Uhr UTC
gross.png, 188 KB
Hohe Windgeschwindigkeiten und Temperaturen
Der Föhn blies besonders in den dafür typischen Tälern mit beträchtlicher Stärke. Er konnte jedoch nicht sehr weit ins Mittelland vorstossen. Der höchste Werte wurde in Meiringen mit 133 km/h registriert. In Altdorf und auf dem Titlis gabs über 120 km/h, in Evolène (VS) wurden 103 km/h gemessen und in Vaduz und in Quinten am Walensee betrug die höchste Böenspitze 85.7 km/h (Bild 4).
An den bekannten Föhnstationen stieg die Temperatur markant an. So wurden in Altdorf 11.8 Grad und in Vaduz 14.9 Grad gemessen, während im Mittelland die Temperaturen nur wenige Grad über Null lagen (Bild 5).
In Abbildung 6 ist der Temperaturverlauf für vier verschiedene Stationen dargestellt. In Vaduz und Altdorf sieht man den Föhndurchbruch in der Nacht auf Donnerstag (3.1.2008). Am Donnerstagabend konnte der Föhn für kurze Zeit bis nach Altenrhein am Bodensee vorstossen. Im Vergleich dazu war in Zürich Kloten kein Temperaturanstieg wegen des Föhns zu verzeichnen.
Bild 5: Gemessene Höchsttemperaturen zwischen dem 3. und 4. Januar 2008
gross.jpg, 293 KB
Bild 6: Temperaturverlauf in Altdorf, Vaduz, Altenrhein und Zürich-Kloten zwischen dem 2. und 4. Januar 2008
gross.jpg, 83 KB
Vergleich mit einem früheren Ereignis
Ein ähnlicher Fall gab es beispielsweise am 25. November 2006 (Bild 7). Auch damals war die Föhnlage im Höhenwindfeld nicht sehr ausgeprägt. Der Druckunterschied mit 14.6 hPa zwischen Lugano und Altdorf war nicht wesentlich geringer. Allerdings waren die Temperaturunterschiede im Gegensatz zum vorher erwähnten Ereignis weniger gross, da in den unteren Luftschichten der Alpensüdseite eine weniger kalte Luftmasse weilte. So erreichte der Föhn auf der Alpennordseite mit 80-100 km/h deutlich weniger hohe Windgeschwindigkeiten als im aktuellen Fall.