MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

11. November 2009 / Ludwig Z'graggen, Stefan Bader

 

Kein Martinisommer im November 2009

 

Der Martinisommer bezeichnet in Mitteleuropa eine Wettersingularität, welche um den 11. November auftritt und sich durch sehr milde Temperaturen auszeichnen soll. Wie es zum Namen Martinisommer kam, dazu gibt Wikipedia Auskunft.


Der diesjährige 11. November brachte keine sehr milden Temperaturen. Nördlich der Alpen wurde die 10 Grad- Marke nirgends überschritten. Im Wallis war es in Sion mit 10.3 Grad etwas wärmer, auf der Alpensüdseite kam die Temperatur maximal auf knapp 14 Grad.

 

Karte mit Temperaturmaxima vom 11. November 2009

Bild 1: Karte mit den Temperaturmaxima vom 11. November 2009.

gross.jpg, 80 KB

Der 11. November im langjährigen Vergleich

Der 11. November weist im übrigen von Jahr zu Jahr grosse Änderungen bezüglich der Temperatur, namentlich der Tageshöchsttemperatur auf. Da in früheren Jahren die Temperaturen an Schönwettertagen infolge Strahlungsfehler deutlich zu hoch waren, wird im folgenden nur der Zeitraum seit 1981, das heisst seit Einführung der ventilierten Thermometer, betrachtet.


Die Tageshöchsttemperaturen schwankten in diesen 28 Jahren beträchtlich. Der absolute Höchstwert wurde im Jahr 1995 in Vaduz mit 21.0 Grad bei Föhn verzeichnet. An diesem Tag konnte in St. Gallen ebenfalls unter Föhneinfluss 18.2 Grad gemessen werden. Demgegenüber registrierte man im Jahre 2001 in St. Gallen mit einem Tagesmaximum von -0.6 Grad einen Eistag. Dies macht einen Unterschied von 18.8 Grad zwischen dem wärmsten und kältesten 11. November der betrachteten Zeitspanne. Aber auch an anderen Stationen sind die Unterschiede zwischen dem kältesten und wärmsten 11. November beträchtlich. Am Zürichberg auf 552 m Höhe wurde ebenfalls im Jahr 2001 mit 0.8 Grad ein Eistag nur knapp verpasst. Demgegenüber zeigte das Thermometer im Jahr 1996 17.2 Grad an, wobei damals in den Alpen ein heftiger Föhnsturm tobte. Dieser erreichte Zürich noch in stark abgeschwächter Form, während im nahen Kloten nur 11.6 Grad gemessen wurden. Wenn man die obigen Werte betrachtet, ist es eigentlich falsch, von Sommer zu sprechen. Von einem Sommertag spricht man nämlich in der Meteorologie nur, wenn das Thermometer 25 Grad übersteigt. Dies ist in den letzten 27 Jahren an einem 11. November an keiner Station der Schweiz passiert, denn selbst der absolute Rekord von Vaduz liegt immer noch fast 4 Grad unter der Sommertagschwelle.

 

Auch auf der Alpensüdseite kommen die Höchstwerte bei weitem nicht an die Sommertagsschwelle heran. Das Maximum wurde mit 20.2 Grad im Jahre 1987 mit Nordföhn gemessen.

 

Blick auf den Zürichsee an einem grauen Novembertag

Bild 1: Typische Novemberstimmung - Blick von Oberrieden auf den Zürichsee am 9. November 2009. Foto: D. Gerstgrasser

gross.jpg, 151 KB
Betrachtet man den Monat November insgesamt, so ergeben sich für den 11. November meist keine Rekordwerte. Vaduz hat nämlich am 9. Nov. 1985 23.6 Grad gemessen, und auch für andere Stationen war nicht ein 11. November für die absolute Höchsttemperatur des Novembers verantwortlich, wie Tabelle 1 zeigt:

 

Tabelle 1: Höchsttemperaturen am 7. November bzw. des Monats November im Zeitraum 1981-2008:

 

 

Station: Absoluter Höchstwert
des 7. Novembers:
Jahr: Wetterlage: Absolutes
November-maximum:

Datum des abs.

November-maximums:

Wetterlage:
Vaduz 21.0°C 1995 Südlage (Föhn) 23.6 °C 9. November 1985 SW-Lage (Föhn)
Chur 19.2°C 1995 Südlage (Föhn) 22.4°C 1. November 1999 SW-Lage (Föhn)
Altdorf 20.2°C 1995 Südlage (Föhn) 22.0°C 5. November 1994 Südlage (Föhn)
St. Gallen 18.2°C 1995 Südlage (Föhn) 21.4°C 5. November 1994 Südlage (Föhn)
Zürich 17.2°C 1996 SSW-Lage (Föhn) 20.1°C 8. November 1982 SSW-Lage (Föhn)
Basel 16.7°C

1995

2008

Südlage

SW-Lage

19.8°C 23. November 1984 SW-Lage
Genf 14.0°C 2002 Westlage 20.2°C 3. November 2005 SW-Lage
Sion 19.9°C 1984 Südlage (Föhn) 20.5°C 2. November 2008

Südlage (Föhn)

Lugano 20.2°C 1987 WNW-Lage (N-Föhn) 22.4°C 7. November 1995 NNW-Lage (N-Föhn)
Comprovasco 16.5°C 2007 NW-Lage (N-Föhn) 23.2°C 5. November 1992 WNW-Lage (N-Föhn)

 

Es zeigt sich, dass die meisten absoluten Maxima in der ersten Dekade (1.-10. November) gemessen werden, was man auch erwarten kann. Somit ist der 11. November, zumindest was die Höchsttemperaturen anbelangt, nicht speziell auffallend. Dies gilt offenbar für die Alpensüd- und Alpennordseite. Im Weiteren zeigt Tabelle 1 schön den Zusammenhang zwischen Höchsttemperatur und Wetterlage auf. Wie eigentlich im ganzen Jahr ergeben sich Höchstwerte im Flachland nördlich der Alpen bei Südwestlagen, während es in den nördlichen Alpentälern fast immer Südföhnlagen mit einer Höhenströmung aus Süd- oder Südwest sind. Auf der Alpensüdseite bringt erfahrungsgemäss der Nordföhn die Höchstwerte, wobei hier die Höhenwinde aus Westnordwest bis Nord wehen.

 

Kräftige Höhenwinde aus Nordost über Ost bis Südost kommen bei Höchsttemperaturen im November wie übrigens auch das ganze Jahr nicht vor. Der Grund liegt darin, dass im Sommer Höchsttemperaturen immer an hochdruckbestimmte (antizyklonale) Lagen gekoppelt sind. In diesem Fall ist es so, dass sich die wärmsten Temperaturen fast immer auf der West- und Nordseite des Hochs befinden. Im Winterhalbjahr können Wetterlagen mit einer Ostkomponente der Höhenströmung aufgrund des ausgekühlten Kontinents nicht so warme Luftmassen herbeiführen wie Winde aus dem westlichen Sektor, welche vom milden Atlantik stammen.

 

FrançaisItalianoEnglish Über uns Shop
       
Allgemeine Lage Detailprognose Aktuelles Wetter Ozonschicht Gesundheit Vegetationsentwicklung Modellvorhersagen Spezialprognosen Wetterereignisse Wetterrückblick Tagesaktualität
Klima Schweiz Klima heute Klima morgen Klima international Messsysteme Klima Berichte
Produkte A-Z Aviatik Bau- & Landwirtschaft Strassen Outdoor Beratung Datenportal Energie Tourismus Versicherungen Öffentliche Verwaltungen Schulen & Universitäten Telefon, SMS, Fax Homepage
Forschung & Entwicklung Publikationen Veranstaltungen Konsortien Aktuelle Projekte Abgeschlossene Projekte
Gefahren Wochenvorhersage Unwetterbulletin Zusatzinformationen Kantone