Der Martinisommer bezeichnet in Mitteleuropa eine Wettersingularität, welche um den 11. November auftritt und sich durch sehr milde Temperaturen auszeichnen soll. Wie es zum Namen Martinisommer kam, dazu gibt Wikipedia Auskunft.
Der diesjährige 11. November brachte keine sehr milden Temperaturen. Nördlich der Alpen wurde die 10 Grad- Marke nirgends überschritten. Im Wallis war es in Sion mit 10.3 Grad etwas wärmer, auf der Alpensüdseite kam die Temperatur maximal auf knapp 14 Grad.
Der 11. November im langjährigen Vergleich
Der 11. November weist im übrigen von Jahr zu Jahr grosse Änderungen bezüglich der Temperatur, namentlich der Tageshöchsttemperatur auf. Da in früheren Jahren die Temperaturen an Schönwettertagen infolge Strahlungsfehler deutlich zu hoch waren, wird im folgenden nur der Zeitraum seit 1981, das heisst seit Einführung der ventilierten Thermometer, betrachtet.
Die Tageshöchsttemperaturen schwankten in diesen 28 Jahren beträchtlich. Der absolute Höchstwert wurde im Jahr 1995 in Vaduz mit 21.0 Grad bei Föhn verzeichnet. An diesem Tag konnte in St. Gallen ebenfalls unter Föhneinfluss 18.2 Grad gemessen werden. Demgegenüber registrierte man im Jahre 2001 in St. Gallen mit einem Tagesmaximum von -0.6 Grad einen Eistag. Dies macht einen Unterschied von 18.8 Grad zwischen dem wärmsten und kältesten 11. November der betrachteten Zeitspanne. Aber auch an anderen Stationen sind die Unterschiede zwischen dem kältesten und wärmsten 11. November beträchtlich. Am Zürichberg auf 552 m Höhe wurde ebenfalls im Jahr 2001 mit 0.8 Grad ein Eistag nur knapp verpasst. Demgegenüber zeigte das Thermometer im Jahr 1996 17.2 Grad an, wobei damals in den Alpen ein heftiger Föhnsturm tobte. Dieser erreichte Zürich noch in stark abgeschwächter Form, während im nahen Kloten nur 11.6 Grad gemessen wurden. Wenn man die obigen Werte betrachtet, ist es eigentlich falsch, von Sommer zu sprechen. Von einem Sommertag spricht man nämlich in der Meteorologie nur, wenn das Thermometer 25 Grad übersteigt. Dies ist in den letzten 27 Jahren an einem 11. November an keiner Station der Schweiz passiert, denn selbst der absolute Rekord von Vaduz liegt immer noch fast 4 Grad unter der Sommertagschwelle.
Auch auf der Alpensüdseite kommen die Höchstwerte bei weitem nicht an die Sommertagsschwelle heran. Das Maximum wurde mit 20.2 Grad im Jahre 1987 mit Nordföhn gemessen.
Bild 1: Typische Novemberstimmung - Blick von Oberrieden auf den Zürichsee am 9. November 2009. Foto: D. Gerstgrasser
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Tabelle 1: Höchsttemperaturen am 7. November bzw. des Monats November im Zeitraum 1981-2008:
| Station: | Absoluter Höchstwert des 7. Novembers: |
Jahr: | Wetterlage: | Absolutes November-maximum: |
Datum des abs. November-maximums: |
Wetterlage: |
| Vaduz | 21.0°C | 1995 | Südlage (Föhn) | 23.6 °C | 9. November 1985 | SW-Lage (Föhn) |
| Chur | 19.2°C | 1995 | Südlage (Föhn) | 22.4°C | 1. November 1999 | SW-Lage (Föhn) |
| Altdorf | 20.2°C | 1995 | Südlage (Föhn) | 22.0°C | 5. November 1994 | Südlage (Föhn) |
| St. Gallen | 18.2°C | 1995 | Südlage (Föhn) | 21.4°C | 5. November 1994 | Südlage (Föhn) |
| Zürich | 17.2°C | 1996 | SSW-Lage (Föhn) | 20.1°C | 8. November 1982 | SSW-Lage (Föhn) |
| Basel | 16.7°C |
1995 2008 |
Südlage SW-Lage |
19.8°C | 23. November 1984 | SW-Lage |
| Genf | 14.0°C | 2002 | Westlage | 20.2°C | 3. November 2005 | SW-Lage |
| Sion | 19.9°C | 1984 | Südlage (Föhn) | 20.5°C | 2. November 2008 |
Südlage (Föhn) |
| Lugano | 20.2°C | 1987 | WNW-Lage (N-Föhn) | 22.4°C | 7. November 1995 | NNW-Lage (N-Föhn) |
| Comprovasco | 16.5°C | 2007 | NW-Lage (N-Föhn) | 23.2°C | 5. November 1992 | WNW-Lage (N-Föhn) |
Es zeigt sich, dass die meisten absoluten Maxima in der ersten Dekade (1.-10. November) gemessen werden, was man auch erwarten kann. Somit ist der 11. November, zumindest was die Höchsttemperaturen anbelangt, nicht speziell auffallend. Dies gilt offenbar für die Alpensüd- und Alpennordseite. Im Weiteren zeigt Tabelle 1 schön den Zusammenhang zwischen Höchsttemperatur und Wetterlage auf. Wie eigentlich im ganzen Jahr ergeben sich Höchstwerte im Flachland nördlich der Alpen bei Südwestlagen, während es in den nördlichen Alpentälern fast immer Südföhnlagen mit einer Höhenströmung aus Süd- oder Südwest sind. Auf der Alpensüdseite bringt erfahrungsgemäss der Nordföhn die Höchstwerte, wobei hier die Höhenwinde aus Westnordwest bis Nord wehen.
Kräftige Höhenwinde aus Nordost über Ost bis Südost kommen bei Höchsttemperaturen im November wie übrigens auch das ganze Jahr nicht vor. Der Grund liegt darin, dass im Sommer Höchsttemperaturen immer an hochdruckbestimmte (antizyklonale) Lagen gekoppelt sind. In diesem Fall ist es so, dass sich die wärmsten Temperaturen fast immer auf der West- und Nordseite des Hochs befinden. Im Winterhalbjahr können Wetterlagen mit einer Ostkomponente der Höhenströmung aufgrund des ausgekühlten Kontinents nicht so warme Luftmassen herbeiführen wie Winde aus dem westlichen Sektor, welche vom milden Atlantik stammen.


