MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

30. Oktober 2012 / Daniel Gerstgrasser, Stephan Bader, Andreas Asch

 

Ungewöhnlich früher Wintereinbruch im Flachland (Update)

 

Nachdem vor Wochenfrist in den Föhntälern sowie in den erhöhten Lagen vielerorts rekordhohe Temperaturen für den Oktober gemessen wurden, hat sich die Grosswetterlage markant umgestellt und für einen ungewöhnlich frühen Wintereinbruch bis ins Flachland gesorgt. In den tiefen Lagen wurden sogar vereinzelt die Schneerekorde für den Monat Oktober gebrochen. Diese zwei Ereignisse zeigen auf eindrückliche Weise die grosse Variabilität der Witterung in unseren Breiten auf.

 

Rückwärtstrajektorien (Luftmassenherkunft) über die vergangenen 96 Stunden

Rückwärtstrajektorien (Luftmassenherkunft) über die vergangenen 96 Stunden. Quelle: NOAA

gross.gif, 64 KB

Kalte und feuchte Luft vom Nordpolarmeer

Die Ursache für den Wintereinbruch waren kalte und feuchte Luftmassen aus dem hohen Norden. Die Luft, welche uns in der Nacht auf Sonntag (28. Oktober 2012) erreichte, lag vor vier Tagen noch im Bereich des Nordpolarmeeres zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja auf etwa 80° nördlicher Breite. Die nebenstehende Trajektorienberechnung zeigt den von der Luftmasse zurückgelegten Weg in drei verschiedenen Höhen.

 

Schneemengen - vereinzelt neue Oktoberrekorde in tiefen Lagen

Am Morgen des 28. erwachte ein grosser Teil der Schweiz im weissen Winterkleid. In den tiefen Lagen der Deutschschweiz wurden am Sonntagmorgen vielerorts 1 bis 10 cm Neuschnee gemessen, oberhalb von etwa 500 bis 600 Metern meldeten die Wetterbeobachter von MeteoSchweiz stellenweise 10 bis 20 cm Neuschnee. Lokal wurden aber auch deutlich höhere Mengen verzeichnet, so meldete zum Beispiel die Jurastation Mervelier auf 556 m westlich vom Scheltenpass 28 cm Neuschnee.

 

Am 28. Oktober schneite es weiter, sodass am Morgen des 29. entlang des zentralen und östlichen Alpenrandes zum Teil neue Oktober-Schneehöhenrekorde gemessen werden konnten. In St. Gallen lagen 33 cm, womit der bisherige Rekord von 18 cm (30./31.10.1974) weit übertroffen wurde (Messreihe ab 1959). In Langnau im Emmental (745 m ü.M.) waren es 30 cm mit bisheriger Rekordhöhe von 27 cm (30.10.2008; Messreihe ab 1958).

 

In tieferen Lagen gab es geringere Werte. In Zürich lagen am Morgen des 29. Oktobers 19 cm Schnee. Der Oktoberrekordwert vom 30.10.2008 beträgt 20 cm (Messreihe ab 1931). Die beiden Ereignisse sind also vergleichbar. In Bern sind es aktuell 11 cm Schnee im Vergleich zur bisherigen Oktober-Rekordhöhe von 7 cm (28.10.1939; Messreihe ab 1931). Der aktuelle Messstandort Bern-Zollikofen ist allerdings mit den früheren Messstandorten nicht vergleichbar.

 

In den Alpen weniger markantes Ereignis

Weiter Richtung Alpen waren die Schneehöhen im Vergleich zu früheren Oktober-Ereignissen nicht spektakulär. Einsiedeln (910 m ü.M.) zeigte am Morgen des 29. Oktobers 2012 28 cm. Vor vier Jahren waren es hier Ende Oktober 46 cm, und der Rekordwert von Ende Oktober 1974 liegt bei 57 cm (Messreihe ab 1931).

 

Tiefe Tagestemperatur

In der polaren Luftmasse war es am Sonntag ohne Sonnenschein und mit einer geschlossenen Schneedecke sehr kalt. Die Höchsttemperatur lag im Flachland der Deutschschweiz verbreitet zwischen 0 und 2 Grad. An einer Vielzahl der MeteoSchweiz-Messstationen wurden neue Minima der Tageshöchsttemperatur für den Oktober verzeichnet. Oberhalb von etwa 600 m ü.M. wurde in der Deutschschweiz verbreitet ein Eistag registriert. Die Temperatur stieg also auch tagsüber nicht über die Null-Grad-Marke.

 

Auch an vielen Stationen in Berglagen waren die Höchsttemperaturen so tief wie nie im Oktober seit Messbeginn. Als Beispiele seien hier Adelboden mit -4.8 Grad (bisheriger Rekord -1.8 Grad am 22.10.2007) oder Zermatt mit -5.2 Grad (-3.3 Grad, 19.10.1961) erwähnt.

Hoechsttemperaturen_28Okt2012.jpg, 86 KB

 

Ungewöhnlich früher Wintereinbruch im Flachland:

Dass im Oktober verbreitet Schnee bis ins Flachland fällt ist relativ selten. Die letzten zwei markanten Fälle liegen allerdings nicht weit zurück und stammen aus den Jahren 2008 und 2003. Für weitere Fälle muss man in der Schneestatistik allerdings recht weit zurückblättern: hier wird man erst wieder in den Jahren 1974, 1959 und 1939 fündig.
Im langjährigen Mittel fällt der erste Schnee bis ins Flachland normalerweise in der zweiten Novemberhälfte. Details dazu finden Sie in einem Klimabericht von MeteoSchweiz

 

Winterimpressionen vom Hörnli im Zürcher Oberland

Im Tössstockgebiet fielen bis in die Nacht auf den Montag, 29. Oktober ausgiebige Schneefälle. Am Nachmittag konnte selbst nach der Setzung des Schnees auf dem Hörnli (1132 M.ü.M) noch eine Gesamtschneehöhe von 50 cm gemessen werden.

 

Winterimpressionen vom Hörnli im Zürcher Oberland

Fotos: Andreas Hostettler

gross.jpg, 75 KB

Schneebilder

Früher Schnee in Zürich

10 cm Neuschnee in Winterthur

Instrumentengarten der MeteoSchweiz am Zürichberg, 556m.

Zürich-Fluntern, 556m.

In Auslikon im Zürcher Oberland (600m) wurden knapp 30 cm Schnee gemessen (Bild: A. Stolz)

FrançaisItalianoEnglish Über uns Shop
       
Allgemeine Lage Detailprognose Aktuelles Wetter Ozonschicht Gesundheit Vegetationsentwicklung Modellvorhersagen Spezialprognosen Wetterereignisse Wetterrückblick Tagesaktualität
Klima Schweiz Klima heute Klima morgen Klima international Messsysteme Klima Berichte
Produkte A-Z Aviatik Bau- & Landwirtschaft Strassen Outdoor Beratung Datenportal Energie Tourismus Versicherungen Öffentliche Verwaltungen Schulen & Universitäten Homepage Telekommunikation
Forschung & Entwicklung Publikationen Veranstaltungen Konsortien Aktuelle Projekte Abgeschlossene Projekte
Gefahren Wochenvorhersage Unwetterbulletin Zusatzinformationen Kantone