12. Januar 2007 / Ludwig Zgraggen, Andreas Hostettler
Über Mitteleuropa herrscht zur Zeit eine ausgeprägte Westlage. Wie üblich bei solchen Wetterlagen treten dabei milde Temperaturen, aber oft auch kräftige Winterstürme auf. Die in den ersten zehn Januartagen gemessenen Temperaturen brachten gegenüber dem langjährigen Mittel Abweichungen von bis zu 8 Grad. Dies ist auch für eine Westlage aussergewöhnlich, allerdings sind für den Monat Januar bisher noch keine Rekorde verzeichnet worden.
In der Nacht vom 11. auf den 12. Januar erfasste eine zum Sturmtief Franz gehörende Kaltfront die Alpen:
Bodendruckkarte überlagert mit MET8 IR-Satellitenbild von Freitag, 12. Januar 2007, 00 UTC
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Durch die sich annähernde Kaltfront und dem damit verbundenen Druckanstieg verstärkten sich die kräftigen Westwinde zusätzlich. Im Mittelland wurden verbreitet Böenspitzen von 60-90 km/h verzeichnet. An erhöhten Lagen wie zum Beispiel bei der MeteoSchweiz am Zürichberg wurden rund 110 km/h gemessen. Die stärksten Böen wurden auf den Jurahöhen und Alpengipfeln verzeichnet. Hier lagen die Höchstwerte zwischen 120 und 140 km/h:
Böenspitzen in km/h Donnerstag, 11.01.07, 06 UTC bis Freitag, 12.01.07, 06 UTC
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Föhneffekte in den Alpentälern
Auch in den Alpentälern traten kräftige Winde auf. So lag die Windspitze in Vaduz bei 89 km/h und in Altdorf bei 96 km/h. Interessanterweise traten die stärksten Winde nicht bei Durchgang der Kaltfront auf, wie dies sonst üblicherweise der Fall ist, sondern noch in der Warmluft. Dieses Phänomen lässt sich im Fall von Altdorf gut mit der Talgeometrie erklären: Während das Tal im Bereich des Urnersees sehr eng ist, liegt Altdorf in einem weiträumigen Talkessel. Die Luft strömt in vielen Fällen mit West- bis Nordwestwinden nicht durch die enge Pforte des Urnersees nach Altdorf, sondern erreicht Altdorf fallwindartig von den Höhen der Rigi. Für diese Tatsache sprechen auch die bei den stärksten Winden aufgetretenen Temperaturen. So wurden in Altdorf Temperaturen von über 14 Grad gemessen, gleichzeitig sank die Luftfeuchtigkeit auf 45 Prozent. Im Mittelland, welches zu diesem Zeitpunkt auch noch im Bereich der Warmluft lag, lagen die Temperaturen mit 10 Grad immerhin 4 Grad tiefer.
Ebenfalls durch Fallwindeffekte erklären sich die Windspitzen in Vaduz und Glarus.
Heftiger Sturm in Teilen Mitteleuropas
Heftiger war der Sturm in Mittel- und Westeuropa. In Deutschland, den Benelux Staaten sowie in Dänemark wurden Windspitzen von 100 bis 140 km/h und auf dem Brocken in Norddeutschland (1141 M. ü. Meer) Orkanböen bis zu 170 km/h registriert.