Verschnaufpause

10. Dezember 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Ein Zwischenhoch bescherte uns heute eine kurze Verschnaufpause, bevor dann morgen wieder die nächste Störung den Alpenraum erfasst.

Der wohl schönste Tag der Woche! Ein wunderbarer Tag um sich vor der nächsten Front zu Erholen. Wie hier auf einer Tour zum Tanzboden. Foto: Andreas Hostettler
Der wohl schönste Tag der Woche! Ein wunderbarer Tag um sich vor der nächsten Front zu Erholen. Wie hier auf einer Tour zum Tanzboden. Foto: Andreas Hostettler

Schneereicher Rückblick

Nachdem besonders die Regionen südlich des Alpenhauptkammes mit Schnee gesegnet waren, brachte die gestrige Kaltfront der Alpennordseite den lang ersehnten Neuschnee. Ein Blick auf die Neuschneekarte des Schweizerischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF) lässt die Herzen höherschlagen. In Braunwald beispielsweise wurden heute Morgen 45 cm Neuschnee gemessen. Für weitere Informationen betreffend Schnee, besuchen Sie doch die Internetseite unserer Davoser Kollegen www.slf.ch .

Lake Effekt

Bereits in der Nacht auf Dienstag kam die Schweiz von Westen her in den Einflussbereich eines Zwischenhochs. Die Niederschläge, welche besonders am östlichen Alpennordhang noch andauerten, liessen am Vormittag gänzlich nach. Auf der Radaranimation von heute Morgen, kann ein besonderer meteorologischer Effekt beobachtet werden, den sogenannten Lake Effekt.

Dieser kommt zustande, wenn relativ kalte Luft über eine warme Wasseroberfläche strömt und so die Wärme und Feuchtigkeit aus dem See aufnimmt. Für die Schauerbildung ist zudem entscheidend, dass die Luftmasse labil geschichtet ist und dementsprechend gerne in die Höhe geht.

Die nordwestliche Anströmung begünstigte wiederum den Lake Effekt beim Bodensee: Die Luft nahm so den längsten Weg über den See und konnte viel Wärme und Feuchtigkeit aufnehmen.

Das Zwischenhoch dehnt sich aus

Das Zwischenhoch führte dazu, dass sich die ausgedehnte morgendliche Bewölkung ziemlich rasch auflöste. So erstaunt es nicht, dass die Temperaturen auf der Alpennordseite auf 5-7 Grad anstiegen. Auf der Südseite hingegen konnte, dem Nordföhn sei Dank, bis zu 12 Grad gemessen werden.

Jedoch nicht in allen Regionen war der Himmel wolkenfrei. Aufgrund der labilen Kaltluft in der unteren Atmosphäre, konnten sich unterhalb der Inversion einige Cumuli bilden, welche sich zum Teil an der Inversion ausbreiteten.

Nordföhn

Der Druckgradient zwischen Zürich und Lugano erreichte am frühen Morgen beachtliche 12 hPa. Dieser Luftdruckgegensatz baute sich einerseits durch die Ausdehnung des Zwischenhochs auf der Alpennordseite auf. Andrerseits erhöhte die eingeflossene Polarluft auf der Alpennordseite die Druckdifferenz, da kalte Luft dichter ist als warme Luft.

Kommentare (6)

  1. Gerhard Göttler, 10.12.2019, 22:46

    Hm, lake-Effekt, für mich sieht das eher so aus, als würde sich die über dem See entstandene Schauerzelle in Richtung Bregenzer Wald noch intensivieren. Nein? Aber auf alle Fälle wieder mal was gelernt! Lake-Effekt! Beste Grüße und Dank! Gerhard Göttler

  2. Dieter Neth, 10.12.2019, 22:19

    In Ihrem Schneehöhendiagramm wird angezeigt, dass hier an der grossen Aarebiegung (genannt Rankwog) ausgangs von Olten 5-10 cm Schnee gefallen sind. Soviel gab es nicht einmal auf dem knapp 1100 m hohen Bölchen, im Aaretal und umliegenden Juraausläufern keine einzige Flocke.Ist da möglicherweise die Auflösung nicht gross genug?

  3. H.R., 10.12.2019, 20:03

    Heute Abend zwischen 17:30 Uhr und 18:30 Uhr gab's hier am Thunersee einen Starken Wind aus S-SO, Böen bis 53 km/h Wie kann dass so aus dem nichts Starken Wind geben.

    Danke für Ihre Antwort!

    1. MeteoSchweiz, 10.12.2019, 22:35

      Es muss sich hier um einen Bergwindeffekt gehandelt haben, der nach dem Sonnenuntergang kurzzeitig durch Abkühlung in der Grundschicht eingesetzt hat. Unsere Messstationen Frutigen/Thun haben diese Windzunahme ebenfalls registriert, es wurden Böen von rund 20-30 km/h gemessen.

  4. Mathias Kielholz, 10.12.2019, 17:59

    Beim Blick von Uster gegen die Voralpen hin hatte der Himmel heute morgen jene markant bräunlich-blasse Färbung (im Gegenlicht), die ich vom Saharastaub her kenne.
    Kann das sein? Die Höhenströmung war ja in letzter Zeit west-nordwest-dominiert....

    Besten Dank für eine mögliche Erklärung!

    1. MeteoSchweiz, 10.12.2019, 18:42

      Besten Dank für Ihre Anfrage.
      Leider können wir das von ihnen beobachtete Phänomen nicht beurteilen. Wie sie bereits richtig erwähnt haben, kann es sich bei der aktuellen Höhenströmung unmöglich um Saharastaub gehandelt haben. Vielleicht war es ein lokales Phänomen wie Rauch, Dunst usw.