Inhaltsbereich

Ein neues Tief

17. Mai 2019, 19 Kommentare
Themen: Wetter

Eingelagert in eine Tiefdruckrinne über dem nahen Atlantik, hat sich gestern über den Pyrenäen ein markanteres Tief entwickelt, welches sich im Tagesverlauf nordostwärts verlagerte. Dies hatte zur Folge, dass aus Südwesten milde, aber auch zunehmend feuchtere Mittelmeerluft zum Alpenraum geführt wurde. Immerhin konnte die Deutschschweiz mehrheitlich noch von viel Sonnenschein profitieren, in den anderen Regionen dagegen zeigte sich die Sonne nur spärlich oder gar nicht.

Satellitenbild (Infrarotbereich) und RADAR-Composit über Mitteleuropa um 15 UTC.
Satellitenbild (Infrarotbereich) und RADAR-Composit über Mitteleuropa um 15 UTC.

Vom Hoch zum Tief

Schon hat sich das Hoch wieder verabschiedet, dabei hätte man sich doch nach dem gestrigen Tag  an eine Fortsetzung des schönen Wetters gewöhnen können.  Das Hoch, das in den vergangenen Tagen im Norden der Schweiz vor allem durch die markante Bise mit eher kühlen Temperaturen bemerkbar gemacht hatte, zog sich nun weit nach Nordeuropa zurück. Gleichzeitig näherte sich eine in der Höhe ausgeprägte Tiefdruckrinne vom nahen Atlantik. An dessen Südrand verstärkte sich über den Pyrenäen ein Bodentief, welches sich im Tagesverlauf Richtung Balearen verlagerte.

Eintrübung aus Südwest

Auf der Vorderseite dieses Tiefs wurde mit einer südwestlichen Höhenströmung zunehmend feuchtere Mittelmeerluft zum Alpenraum geführt. Während sich im Osten einige ausgedehnte Schleierwolken bemerkbar machten, kam die Sonne im Westen nur noch spärlich zum Vorschein. Von der Alpensüdseite bis zum Alpenkamm blieb es ganztags bewölkt, und es setzte schwacher Stauniederschlag ein.

 

Eingelagerte Konvektion

Auch in der Westschweiz zeigte das Schweizer Radarnetzwerk viele Niederschlagsignaturen, wovon einige zunächst nicht den Boden erreichten, da die Luftschichten unterhalb von etwa 3000 Metern anfänglich noch zu trocken waren, und die schwachen Niederschläge darin verdunsteten. Nur dank der Orographie, wie beispielsweise im Jura, konnten sich schon am frühen Nachmittag einige Schauerzellen entwickeln. Dies deshalb, weil die Luftmasse zwischen etwa 2500 und 4500 Metern genügend feucht und instabil geschichtet war.


Diese eingelagerte Konvektion ist deswegen auch nicht so einfach bei der Beobachtung zu erkennen, weil sie nicht - wie meistens üblich – zur Hauptsache durch die Sonneneinstrahlung sich isoliert entwickelt.

 

Föhn in den nördlichen Alpentälern

Der Südstau verursachte zwischen Lugano und Altdorf eine Druckdifferenz von etwa 8 hPa. Damit setzte in den nördlichen Alpentälern der Föhn ein und erreichte Windspitzen um 60 km/h. Da die Höhenströmung eher Süd bis Südost gerichtet war, machte sich der Föhn am meisten im Haslital, im Urner Reusstal und im Wallis bemerkbar, weniger im Churer Rheintal.  Wegen der Entfernung zum Tief erreichte auch die Höhenströmung über dem Alpenkamm mit bis zu 75 km/h nicht die „typischen Föhnsturmwerte“.

 

Impressionen einer Skitour vom Naturfreundehaus Fronalp zum Siwellen (GL).

In der Deutschschweiz mild, aber nicht warm

Im sogenannten „Wonnemonat Mai“ sind wir (zumindest nördlich der Alpen) mit den Temperaturen nicht sonderlich verwöhnt worden. Das tiefste Tagesmaxima lag beispielsweise in Zürich-Kloten am 5. Mai bei 8.5 Grad und das höchste am  2. Mai bei 18.4 Grad.


Nun, heute erreichten die Temperaturen in der Deutschschweiz dank der milden Luftmasse und der guten Besonnung verbreitet Werte um 20 Grad, während es im Westen und im Süden mit rund 15 Grad deutlich kühler blieb.
Erinnert man sich aber etwas weiter zurück in den Zeitraum vom 18. Bis 25. April, da konnte man jeden Tag Temperaturen über 20 Grad geniessen, am 24. April wurde an einigen Stationen der Deutschschweiz mit 25 Grad sogar ein Sommertag registriert.

 

Kommentare (19)

  1. Urs Imhof, 18.05.2019, 15:09

    Ich warte auf Montag.
    Da laut Prognose keine Gewitter erwartet werden sondern nur Wind ist die Wahrscheinlichkeit am grössten das es dann endlich richtig regnet in Bad Zurzach.
    Gruss aus dem stickigen Bad Zurzach.
    PS: Ich habe meine Beobachtungen bezüglich Gewitterzellenzerfall bei erreichen des Bezirk Zurzach auch anderen Meteorologen berichtet.
    Denen ihre Meinung ist das man die Ursache nicht der Hebung schuld geben kann.
    Ihnen ist auch aufgefallen das das Gebiet Wutach und Klettgau in Bad Zurzach keinen Einfluss mehr haben.
    Sie meinen auch das die lokalen Windverhältnisse der Verursacher ist.

    1. s.b, 18.05.2019, 17:06

      und jetzt? worauf wollen Sie hinaus, oder sind Sie einfach mitteilungsbedürftig?(was nicht wirklich einen Beitrag zu diesem Blog ist. Irgendwie scheinen Sie der Meinung zu sei das Wetter wird von jemandem kontrolliert. Ständig reden Sie von "verhinderten" oder "geklauten" Gewittern/Regen etc. die Wortwahl ist doch sehr verstörend für den normalen Blog Leser.

    2. Wolfgang, 19.05.2019, 15:38

      In Bad Zurzach scheint ein schwarzes Loch zu sein...

  2. Conception Hansjürg, 18.05.2019, 13:48

    Hallo
    Ich muss mich nun halt hier melden, da das Kontaktformular seit langer Zeit immer noch nicht funktioniert. Zu unterst der Button „Vorschau“ hat immer noch nicht funktioniert. Die Aktualisierung stammt aus dem Jahr 2014. Ich denke eine Überarbeitung ist überfällig.
    Nun zu meiner Meteo-Frage.
    Im Wetterbericht habe ich gelesen,“in den Bergen Südwind und in den Alpen Föhntendenz“. Worin macht Ihr einen Unterschied zwischen den Bergen und den Alpen??
    Mit freundlichen Grüssen
    Conception Hansjürg

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2019, 15:11

      Wir haben das Kontaktformular getestet und können das von Ihnen beschriebene Verhalten nicht nachvollziehen. Die Vorschau funktioniert.
      In der Tat ist uns bei der Windangabe ein kleiner Fehler unterlaufen. Korrekt muss es lauten: „in den Bergen …wind, in den Alpentälern Föhntendenz“.

  3. Urs Imhof, 18.05.2019, 12:05

    Ich habe das Regenradar angeschaut und mit Ärgernis festgestellt das alles um Bad Zurzach herumgeführt wird.
    Jetzt möchte ich exakt wissen warum weil es fällt extrem auf das die Systeme vor Bad Zurzach zusammenfallen und nach Bad Zurzach sich wieder neu bilden.
    PS: Unsere Hügel können nicht als Ursache zählen da sie zuwenig hoch sind und bis 2017 immer über die Hügel kamen.
    Also meine konkrete Frage: Haben unsere lokalen Windsysteme einen Einfluss auf das Wetter?

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2019, 12:41

      Heute sind in der Schweiz noch keine Gewitter registriert worden. In der zweiten Tageshälfte ist aber durchaus mit Gewittern zu rechnen. Diese bilden sich meist entlang der Topografie, da noch zusätzlich Hebung benötigt wird. Es gibt aber auch andere Gründe für die Hebung, wie zum Beispiel Windkonvergenzen. Mehr zur Gewitterhäufigkeit lesen Sie hier: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/wetterbegriffe/gewitter/gewitter-und-blitzhaeufigkeit-in-der-schweiz.html

  4. Samshine, 18.05.2019, 11:07

    Kurze Frage: Haben das aktuell wetterbeeinflussende Pyrenäentief sowie das dadurch zurückgedrängte Hoch im Norden jeweils einen Namen? Bin nur neugierig...

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2019, 11:14

      Das flache Tief wurde "Axel" getauft, das Hoch nördlich davon hört auf den Namen "Neyvi". Aktuelle Informationen dazu finden Sie hier: http://www.wetterpate.de

  5. Sven, 18.05.2019, 09:07

    Ich danke ihnen für die ausführliche Antwort und für die tollen Blogs jeden Tag

  6. Sve, 18.05.2019, 07:14

    Ich freue mich auf die Gewittersaison ich liebe Gewitter. In welchen Sommermonaten enstehen eigentlich am meisten Gewitter? Oder anders gefragt wann haben die Gewitter Hauptsaison?

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2019, 08:02

      Die Gewittersaison findet grundsätzlich vom Mai bis August statt. Es können sich aber in den Monaten vor dem Mai und nach dem August durchaus auch schon - oder noch - Gewitter entwickeln. Dies hängt von der jeweiligen Wetterlage ab. Zudem sind, wenn auch eher selten, Gewitter im Winter möglich.

  7. Doris, 17.05.2019, 21:21

    Heute Nachmittag hat mich etwas sehr erstaunt. Wir hatten fast 20Grad, dabei hatten wir nie Sonnig und der Himmel war so ganz komisch weiss........ Aber es wahr ohne Sonne trotzdem sehr warm. Komisch?

  8. Peter Sager, 17.05.2019, 19:44

    Nun ende Mai haben wir auf 1050 Meter über Meer immer noch ein Schneefeld, wann gab es dies das letzte mal?
    Flumserberge ein Schneeparadies auf 1300 Meter über Meer.
    http://webtv.feratel.com/webtv/?design=v3&cam=4165
    Gotthard Pass auch am Morgen vom 18.5.2019 immer noch Wintersperre.
    In Zürich bis jetzt im Mai jede nach klar unter 10 Grad teilweise bis 0 und kein Tag über 20 Grad. Die Aussichten bis zum 23.5.19 bringen auch keinen Tag über 20 Grad, wann gab es dies das letzte mal ende Mai?

    1. Reto, 18.05.2019, 00:03

      Dieser Mai erscheint nur aussergewöhnliich, weil sich die Klimaerwärmung bereits in den Köpfen der Leute festgesetzt hat. Die bisher im Mai gemessenen Temperaturen entsprechen denen eines durchschnittlichen Mai in den 70-er und 80-er Jahren (siehe dazu gestriger Blog von Meteo Schweiz). Hoffen wir, dass dieses angenehm kühle Wetter noch ein paar Wochen anhält.

    2. Robert, 18.05.2019, 10:01

      Weshalb schreiben Sie praktisch jeden Tag denselben Kommentar (siehe Gotthardpass)? Und irgendwelche Kommentare zur Überbevölkerung wie sie dann und wann schreiben, haben in einem Wetterforum nichts verloren.

  9. Urs Imhof, 17.05.2019, 19:25

    Danke für den Wind heute Abend.
    Wieder einmal mehr keine Gewitter.
    Kommt mir ja nicht mit dem Satz: Das ausfliessen der Gewitterzellen verursacht den Wind.
    Bis 2010 gab es das nicht in Bad Zurzach das die Zellen beim erreichen des Bezirks zusammenfallen.
    Das hat garantiert andere Gründe.

    1. Peter Sager, 17.05.2019, 23:12

      Lieber Herr Imhof

      Ja das Wetter wird irgendwie anders und auch unheimlich, es ist nicht mehr nachvollziehbar wie früher. Italien hat viel mehr Regen als früher und die Bewölkung nimmt ständig zu. Wer kann uns aufklären was passiert?

    2. Monika, 19.05.2019, 08:00

      Die Welt dreht sich nicht um Bad Zurzach. Die fähigen Mitarbeiter von Meteo Schweiz sind für die ganze Schweiz zuständig.
      Es gibt ganz viele Regionen in der Schweiz, in denen sich das Regen und Gewitterverhalten verändert hat. Oder die Bewohner das Gefühl haben, das Wetter ziehe an ihnen vorbei.
      Zum Glück gibt es nicht für alles eine Erklärung und wir Menschen dürfen das Wetter weiterhin nur beobachten ohne Einfluss zu nehmen.