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Winterangriff aus dem Norden

4. Mai 2019, 30 Kommentare
Themen: Wetter

Bereits in den Vortagen hatten alle Wetterdienste einen markanten Wintereinbruch von Samstag auf Sonntag angekündigt. Heute befanden wir uns tagsüber noch im Vorfeld der aktiven Kaltfront, welche sich aus Nordwesten der Schweiz annäherte. Nördlich der Alpen gab es nur noch kurze sonnige Abschnitte verbunden mit ersten Schauern und einem Rückgang der Temperatur. Inneralpin und im Süden blieb es dagegen noch freundlicher und etwas sonniger sowie wärmer.

Satellitenbild des sichtbaren Kanals um 15 UTC
Satellitenbild des sichtbaren Kanals um 15 UTC

Drei Luftmassenbereiche

Auf dem Satellitenbild konnte man die drei Luftmassenbereiche sehr gut erkennen:


1. Südlich (oder vor ) der Kaltfront die (noch) wärmere aber instabile Luftmasse mit ersten Schauerzellen
2. Der Bereich der Kaltfront mit kompakter Bewölkung und ausgedehnter Niederschlagszone
3. Nördlich (oder hinter) der Kaltfront das Einfliessen von „wetteraktiver“ polarer Kaltluft mit seiner gleichmässig verteilten, typischen Zellenstruktur (Schauerzellen).

 

Interessant ist auch der schmale Bereich unmittelbar hinter der Kaltfront (zwischen „gelb und blau“ im Bild). Diese Region ohne Schaueraktivität zeigt das rasche Absinken der Luftmasse hinter der Kaltfront, was zu einer vorübergehenden Stabilisierung führt. Es gilt: je stärker das postfrontale Absinken der Luft umso markanter die Abtrocknung und damit die Wolkenauflösung. Bei kompletter Wolkenauflösung ist ein Druckanstieg hinter der Front von mehr als etwa 5 hPa innerhalb 3 Stunden nötig. Im heutigen Fall betrug der Druckanstieg lediglich 2-4 hPa, womit zwar die Schaueraktivität nachliess, aber die Bewölkung eben nicht auflöste.

 

Vor der Kaltfront

Südlich der Kaltfront, also bei uns, befand sich die noch wärmere Luftmasse unter allmählicher Anfeuchtung und Destabilisierung. Darin entstanden vom Jura her die ersten Schauerzellen, verbunden mit einem auffrischenden Westwind. Am südlichen Rand des Zugersees wurden am späten Vormittag einzelne Gewitter registriert, am frühen Nachmittag dann auch im Raum Diepoldsau.

Aber auch auf der Alpensüdseite stimmten die Bedingungen für feuchte Konvektion. Obwohl die Luftmasse dort etwas weniger feucht war, entwickelten sich am späteren Vormittag dank der grösseren Labilität und der bodennahen Erwärmung der Luft ebenfalls Schauerzellen.

 

Mit der Kaltfront

Gegen Mitte Nachmittag erreichte die Kaltfront den Jura. Für uns Meteorlogen war dies nicht nur an der Radarsignatur gut erkennbar, sondern auch an den typischen Änderungen von Wind und Temperatur. Mit der Winddrehung von Südwest bis West auf Nordwest und gleichzeitiger Zunahme der Windspitzen war auch ein Temperaturrückgang  um ca. 6 Grad zu beobachten.


Mit dem Einströmen der kälteren Luft in den bodennahen Schichten ist typischerweise auch ein deutlicher Druckanstieg verbunden, welcher zu einer weiteren Windzunahme führt. Deutlich war dies am Jurasüdfuss zu sehen. Der dort bestens bekannte Joran (Fallwind über den Jura) erreichte am späten Nachmittag Windspitzen von 50 bis 65 km/h, auf dem Chasseral wurden 92 km/h registriert. Aber auch im Flachland und am Voralpenrand traten anschliessend mit 40 bis 60 km/h ebenfalls starke Winde auf.

 

Langsame Verlagerung der Kaltluft

Die Schneefallgrenze sank mit der Kaltfront zunächst vor allem im Flachland der Deutschschweiz rasch in tiefe Lagen. Wie zum Beispiel in Basel, wo man am späteren Nachmittag in der Stadt dicke Flocken zu sehen bekam. Die weitere Verlagerung der Kaltfront verlangsamte sich dann allerdings am Abend, so dass die Unterschiede der Schneefallgrenze vom Flachland zu den Alpen noch länger gross blieben. In den Voralpen und Alpen sowie in der Westschweiz blieb die Schneefallgrenze noch über 1000 Meter. Im weiteren Verlauf des Abends wird sich die polare Kaltluft überall durchsetzen, weil dann auch in den höheren Schichten kältere Luft aus Nordwesten einfliesst.

 

Kommentare (30)

  1. Hans Wiesendanger, 05.05.2019, 20:08

    Äh, sind wir hier bei 20 Minuten online?

  2. Helen Itschner, 05.05.2019, 16:42

    Wintereinbruch im Mai? Ich staunte. Dafür kam ich in den Genuss einer witzigen Stimmung. Vom Himmel leerte es Schneeregen herunter und irgendwo sang eine Amsel aus vollem Herzen ihr Abendlied.

  3. Halley, 05.05.2019, 12:26

    In Murmansk an der Barentsee sind gerade 0,8°C. Die Luft muß wirklich einen weiten Weg hinter sich haben. Selbst in Skandinavien ist der Sonnenstand doch schon so hoch, daß solche Kälte eigentlich nicht zustandekommen könnte. Und in Jakutsk im tiefsten Sibirien (Januarmitteltemperatur um die -40°C) ist es jetzt mit 7°C (immerhin plus) weniger kalt als hier ! PS: Ich pfeif auf Facebook am unterem Ende der Webseite, und die Rechtschreibreform. Auch mit Ihrer jetzt laufenden Rechtschreibfehleranzeige bleibts bei mir beim "daß". Daß die Anzeige jetzt bemängelt, ich hätte Jakutsk, Murmansk, Barentsee falsch buchstabiert, oder das "Celsius", nervt. Bitte deaktivieren Sie diesen Kram, der intelligente Menschen eher nervt, als stützt.

    1. Daniela, 05.05.2019, 13:31

      Das Gezeter kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sie haben Barentssee tatsächlich falsch geschrieben. Hier der Duden Link.
      https://www.duden.de/suchen/dudenonline/barentssee

      Und das mit der Rechtschreibung liegt am Internet Browser und kann ganz einfach deaktiviert werden, wenn es stört :-D

    2. Hans Wiesendanger, 05.05.2019, 20:05

      Was für einen Frust hatten Sie heute? Losgeworden?

  4. Patrick Hächler, 05.05.2019, 10:24

    Diese Luft stammt ja zweifellos aus dem ganz hohen Norden. Da würden mich die Herkunftstrajektorien über die letzten 4 oder 5 Tage noch interessieren! Besten Dank im Voraus.

    1. MeteoSchweiz, 05.05.2019, 10:49

      Lieber Patrick. Wir können hier in den Kommentaren leider keine Grafiken darstellen. Aber wir haben die Trajektorien gerechnet: Die Luft stammt aus der Barentssee. Startpunkt der Luftmasse auf 1000 M AGL am 1.5.19 nordöstlich der östlichsten Inseln von Prinz-Georg-Land. Mehr dazu evtl. heute Abend in unserem Meteoblog.

  5. Dieter Stuckenbrock, Karlsruhe, 05.05.2019, 10:19

    Grüezi mittenand!
    Das war genau die Wetterlage, die vor zwei Jahren die Blüte und damit die Früchte (Kirschen, Kiwis u.a.) in meinem Garten und vielfach andernorts komplett vernichtet hatte. Nun war wieder genau die Wetterlage: Kaltfront & danach nachts (von Samstag auf Sonntag) klarer Himmel - die Temperatur droht in den Keller zu gehen. Also am Samstagabend raus und überall Plastikfolie drüberhängen - vielleicht hilft's. Wurde dann aber doch nicht so sehr kalt - Glück gehabt.
    Grüßle

  6. kocher, 05.05.2019, 09:00

    Gilt dieser kälteeinbruch als frühe eisheilige oder dürfen wir in den kommenden 2 wochen nochmal so einen kälteeinbruch erleben?

    1. MeteoSchweiz, 05.05.2019, 10:41

      Die aktuellen Prognoseunterlagen deuten nicht auf eine Wiederholung des ausserordentlich markanten Kaltluftausbruchs hin. Tatsächlich gibt sich die Kaltluft aber noch nicht geschlagen. Wir gelangen mittelfristig in den Randbereich eines Hochs über Westeuropa und tiefem Luftdruck von Skandinavien bis zum Balkan. Es bleibt also spannend!

  7. Florensiker, 05.05.2019, 08:51

    Wir hatten gestern diskutiert wann es im Mittelland das letzt mal an einem Mai-Tag Schnee gab der liegen geblieben ist.
    Weis das jemand?

    1. MeteoSchweiz, 05.05.2019, 10:36

      An den meisten Flachlandstationen stammen die spätesten Neuschneemessungen aus den ersten Maitagen. Dies sind allerdings schon seltene Ereignisse. Heute Morgen wurden in Bern Liebefeld 4 cm Neuschnee gemessen. Für diese Station bedeutet dies, die späteste Neuschneemessung seit Messbeginn 1931. Mehr dazu erfahren sie heute Abend in unserem Meteoblog.

  8. Beatrice, 05.05.2019, 00:00

    Auch ich bin begeistert von den kühlen Temperaturen und hoffe auf noch mehr Regen!

    1. David, 05.05.2019, 09:17

      I'm only happy when it rains..

    2. Christian, 05.05.2019, 10:19

      Sonst gehts noch???

  9. Peter Bernet, 04.05.2019, 21:49

    Das Problem ist, dass viele Bäume in der Nordostschweiz
    bereits Laub tragen.
    Wir werden am Sonntagmorgen die Schäden sehen!

    1. Urs, 05.05.2019, 07:45

      Meinen Sie Frostschäden oder Bruchschäden? Oder noch etwas anderes?

    2. Peter Bernet, 05.05.2019, 09:57

      Ich meinte schon Bruchschäden durch die Schneelast.
      Die Frostschäden könnten aber noch dazukommen in
      den folgenden beiden Nächten.

    3. Urs, 05.05.2019, 22:03

      Merci.

  10. Tobias S., 04.05.2019, 21:42

    Hallo!

    Erwähnenswert wäre auch noch gewesen, dass an so vielen Standorten trotz der doch nicht allzu großen Intensität der Schauer zumindest kleiner Hagel gemeldet wurde. So auch hier im unteren Rheintal. Hier gab es übrigens auch einen Blitz mit beachtlichen 156kA!

    LG

    1. srdjan, 04.05.2019, 23:03

      In Opfikon, nördlich der Stadt Zürich, hats auch kleinen Hagel gegeben

  11. Wolfgang, 04.05.2019, 20:15

    Das braucht wirklich kein Mensch mehr...

    1. Andreas Diethelm, 04.05.2019, 21:22

      Wenn über das Wetter demokratisch und nach Nützlichkeitskriterien abgestimmt werden könnte, wäre unsere Natur wohl schon eine Wüste...

    2. Thomas, 04.05.2019, 22:00

      Doch, ich. Ist doch einfach schön solch vielfältiges Wetter....und mal nicht 30° bereits Anfang Mai.

    3. Wolfgang, 05.05.2019, 01:03

      Entschuldigung, ich vergaß leider, daß man in diesem Forum nur Kälte und Dauerniederschlag bejubeln darf.

    4. Hermann Stein, 05.05.2019, 06:20

      Muss man neidlos anerkennen, eins zu null für die herzlosen Erderwärmungsgegner. Gnade uns Gott.

    5. Ulrich, 05.05.2019, 08:37

      Bin auch ihrer Meinung😥

    6. Basler, 05.05.2019, 08:45

      Leute wie du können einfach nicht die Vielfältigkeit unseres Klimas bewundern. Geniess doch diese Seltenheit
      [*** Blogkommentar wegen Verstoss gegen die Netiquette gekürzt ***]

    7. Andrej, 05.05.2019, 14:41

      Also ich bin auch begeistert, war gestern noch wandern und es hat geschneit. Der Schnee auf der Grünen Vegetation sah unglaublich gut aus. Ich bin froh, das es nicht von Anfang April bis Ende Juli praktisch durchgehend 30Grad ist (überspitzt formuliert) und es keinen Niederschlag gibt. Endlich auch einmal wieder etwas spannendes Wetter, ich sehe darin nichts vorwurfsvolles, wenn jemand lieber dauer Sonnenschein hat, dann hoffe ich, er habe das letzt Jahr genossen, für mich war es vom Wetter her gesehen, der schlechteste Sommer, den ich jeh erlebt habe.

    8. Wolfgang, 05.05.2019, 16:41

      @Andrej: Ihre letzten Sätze spiegeln auch meine Meinung wider. Ich habe dazu auch mit keinem einzigen Satz geschrieben, dass ich mir Dauersonnenschein und Temperaturen über 30 Grad im Mai wünsche. Gab es schon früher nicht. Gegen eine längere Regenphase wäre doch nichts dagegen zu sagen. Ich habe auch mit keinem einzigen Satz geschrieben, dass es keinen Klimawandel gibt.
      Dass man aber auf meine Bemerkungen schon seitens der Administration eingreifen musste, um die Nettiquette nicht zu verletzen, gibt mir schon zu denken.