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Im April explodiert die Vegetation

5. April 2019, 4 Kommentare
Themen: Klima

Fast täglich gibt es im April Neues zu entdecken. Hier blühen die Obstbäume, dort entfalten sich die zarten, hellgrünen Blättchen aus den Knospen der Bäume und die Wiesen bedecken sich mit dem Gelb des blühenden Löwenzahns oder dem Lila des Wiesenschaumkrauts.

Blüten des Apfelbaums (Foto R. Gehrig)
Blüten des Apfelbaums (Foto R. Gehrig)

Im April sind unsere phänologischen Beobachter häufig in der Natur unterwegs, denn in keinem anderen Monat gibt es so viele Pflanzen zu beobachten, die blühen oder Blätter treiben. Es ist die Zeit, in der die Natur schnell grüner wird. Die langen Datenreihen der phänologischen Beobachtungen zeigen den Fahrplan der Natur und geben an, wann welche Frühlingspflanze zu erwarten ist. Das Beispiel des phänologischen Kalenders von Birmensdorf (Abbildung 1) gibt einen guten Überblick, welche Pflanzen im April im Mittelland unterhalb von 600 m blühen und Blätter treiben.

Am Monatsanfang beginnen im Mittel Kirschbäume zu blühen und Rosskastanien und Haselsträucher ihre Blätter zu entfalten. Die Birnbäume blühen im Mittel 7 Tage später als die Kirschbäume. Nochmals 5 Tage später blühen die Apfelbäume. Auch die Nadeln der Lärchen treiben im April. Buchen, Linden und Bergahorn entfalten ihre Blätter gegen Ende April, weshalb sich dann die Wälder meist schon im hellgrünen Blätterkleid zeigen.

Auf der Alpensüdseite viele Frühlingsphasen schon im März

Auf der Alpensüdseite blühen Löwenzahn und Kirschbäume im Mittel bereits im März. Auch die Blattentfaltung des Haselstrauchs, der Vogelbeere und der Beginn der Blüte des Birnbaums kann an der Beobachtungsstation Locarno im Mittel bereits Ende März beobachtet werden. In Jahren mit sehr früher Blüte der Kirschbäume fand diese in Locarno zwischen dem 15. und 21. März statt (1990, 1993, 1994, 2007, 2012).

Sehr grosse Schwankungen von Jahr zu Jahr

Gut sichtbar ist im phänologischen Kalender die Streubreite der beobachteten Phasen (Abbildung 1). Das Datum der Vegetationsentwicklung variiert um rund einen Monat. So wurde blühender Löwenzahn in Birmensdorf am frühesten am 5. April 2011 beobachtet, am spätesten am 1. Mai 1986. Bei der Blüte des Kirschbaums war das früheste Datum der 31. März 1990, das späteste der 4. Mai 1986. Ganz ähnliches beobachtet man auch bei der Blattentfaltung. Die Haselsträucher wurden am frühesten am 22. März 1988 grün und am spätesten am 3.Mai 1986.

Langfristige Entwicklung

Aus den Beobachtungen von 20 phänologischen Stationen, die unterhalb von 600 m ü. M. liegen, wurden mittlere Termine für die Blüte der Kirschbäume und die Blattentfaltung der Buche berechnet (Abbildung 2).

Alle phänologischen Phasen im Frühling zeigen über die ganze Zeitperiode seit 1958 eine Verfrühung. Der Grund dafür sind die steigenden Temperaturen, denn das Eintrittsdatum einer phänologischen Phase hängt sehr eng mit der Temperaturentwicklung in den zwei bis drei vorangehenden Monaten zusammen. Allerdings sind zwischen den einzelnen Arten Unterschiede zu sehen, die zeigen, dass die Pflanzen nicht alle genau gleich auf die ändernden Temperaturen reagieren. Die Blüte der Kirsche hat sich seit 1958 unterhalb von 600 m ü. M. um 10 Tage verfrüht, jene des Löwenzahns um 12 Tage, während die Blattentfaltung der Buche nur 3.7 Tage früher auftritt. Löwenzahn und Kirschbäume sind zwei Pflanzen, die sehr stark auf wärmere Temperaturen reagieren und ihr Blühzeitpunkt wird fast ausschliesslich durch die Temperatur in den Vormonaten bestimmt. Beide Beobachtungsreihen zeigen starke jährliche Schwankungen, wie das die Temperatur auch macht. Bei der Buche hingegen wird der Zeitpunkt der Blattentfaltung zusätzlich durch die Tageslänge mitbestimmt. Zudem muss die Buche einer recht langen Periode mit kühlen Wintertemperaturen ausgesetzt sein, damit im Frühling die Entwicklung der Pflanze einsetzt. Das sind Schutzmechanismen, damit die Buchenblätter nicht zu früh treiben und durch Frost geschädigt werden können. Die Beobachtungsreihe der Buche verläuft deshalb viel stabiler als bei Löwenzahn und Kirsche und zeigt geringere jährliche Schwankungen.

MeteoSchweiz sucht derzeit (ehrenamtliche) Beobachterinnen und Beobachter

MeteoSchweiz sucht derzeit (ehrenamtliche) Beobachterinnen und Beobachter für folgende phänolo-gische Stationen: Arosa, Einsiedeln, Fanas, Grossdietwil, Gundetswil, Lanterswil, Leytron, Möhlin, Kandersteg, Oeschberg, Raperswilen, Romanshorn, San Bernardino, Sent, Zofingen. Beobachten Sie gerne die Natur und kennen Sie sich näher aus in der Pflanzenwelt? Leben oder arbeiten Sie an einem der genannten Standorte und hätten Sie Freude und Interesse an regelmässigen Beobachtungen? Dann sind Sie die Person, die wir suchen!

Interessiert? Dann nehmen Sie mit Monique Moersen Kontakt auf: Telefon: 058 460 99 90, E-Mail: pheno@meteoswiss.ch

Weiterführende Informationen

Phänologisches Beobachtungsnetz

Vegetationsentwicklung

PhaenoNet.ch: Die Plattform von GLOBE Schweiz, um gemeinsam die Jahreszeiten der Natur zu erforschen. Eigene Beobachtungen können gemeldet und die aktuellen Resultate angeschaut werden, auch jene der Beobachter des phänologischen Beobachtungsnetzes von MeteoSchweiz.

Kommentare (4)

  1. U. Gasser, 12.04.2019, 13:23

    Guten Tag.
    Mich würde es noch sehr interessieren, auf was dann die Linde reagiert oder was sie eventuell für einen Schutzmechanismus hat.
    Dieses Jahr sind unsere Kirschbäume ein wenig durcheinander, Sorten die normaler Weise später blühen standen und stehen vor den früher blühenden schon in der Blüte.
    Anbei, ich schaue immer auf die Eschen, welche erst die Blätter austreiben, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Sie stehen für uns schon seit Generationen als „Start-Zeichen“ für die Pflanzungen im Garten
    Vielen Dank

  2. Andrej, 07.04.2019, 19:02

    Geiler Beitrag, wieder mal sehr interessant. Nur leider machen die Beiträge auch etwas süchtig ...

  3. Heiner Keller, 07.04.2019, 09:03

    Die unterschiedliche Veränderung im jahreszeitlichen Auftreten von Kirschen und Löwenzahn (Blüte) und Buchen (Laubaustrieb) zeigt: Die jüngste Temperaturerhöhung wirkt sich nicht auf alle Arten gleich aus. Kann man Kulturpflanzen und Buchen, die nie einer Zuchtauswahl durch Menschen unterlagen, überhaupt vergleichen? Buchen werden durch Spätfröste nicht nur durch Schädigung der Blätter beeinträchtigt, sondern durch das Erfrieren der Keimlinge auch in ihrer natürlichen (genetischen) Selektion beeinflusst.

    1. MeteoSchweiz, 11.04.2019, 09:23

      Guten Tag Herr Keller

      Es ist richtig, dass viele Pflanzenarten unterschiedliche Strategien haben. Die Buche hat für den Blattaustrieb wirklich eine Strategie, die sie vor zu frühem Austrieb schützt und damit wird verhindert, dass sie zu stark durch Spätfröste geschädigt wird. Auch Wildkirschen reagieren im Frühling ähnlich auf Temperaturen wie die Kulturkirschen. Aber man weiss, dass Kulturpflanzen je nach Sorte ebenfalls leicht unterschiedlich auf die Temperaturentwicklung reagieren. Aus diesem Grund beobachten wir in der Phänologie möglichst viele verschiedenen Pflanzenarten, um die verschiedenen Strategien besser verstehen zu können.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz