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Kaltlufttropfen

13. April 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Das Wetter zeigte sich heute vielerorts freundlicher als noch gestern erwartet. Ein Schuldiger ist auch schnell gefunden. Denn es zeigte sich heute einmal mehr, dass Kaltlufttropfen den Meteorologen und Meteorologinnen die Prognose nicht einfacher machen. Ein besonders grosses Exemplar eines solchen Kaltlufttropfen lag heute nämlich über Deutschland und nahm zunehmend Einfluss auf das Wetter in der Schweiz.

Heute Morgen gab es in den Alpentälern an einigen Orten Hochnebel, wie hier im Läntatal. Foto: Oliver Fuhrer
Heute Morgen gab es in den Alpentälern an einigen Orten Hochnebel, wie hier im Läntatal. Foto: Oliver Fuhrer

Wo ist er denn, unser Störenfried?

Wer sich heute die Bodendruckkarte anschaute, der fragte sich wahrscheinlich, weshalb im Wetterbericht von heute Morgen für die Alpennordseite, abgesehen von letzten kurzen Aufhellungen am Vormittag, meist stark bewölkte Verhältnisse vorhergesagt wurden. Auf den ersten Blick konnte man nämlich in der Bodendruckkarte nichts erkennen, was für eine solch pessimistische Wettervorhersage sprechen würde.

Über weiten Teilen von Nordeuropa lag heute ein kräftiges Hochdruckgebiet mit einem Kerndruck von rund 1035 hPa. Dieses erstreckte sich bis weit in den Osten, aber auch nach Süden bis nach Frankreich. Der Alpenraum lag an dessen Südrand, nördlich von einer flachen Tiefdruckzone über dem Mittelmeerraum. Auch Fronten konnte man keine ausmachen, beziehungsweise sie lagen alle in sicherer Entfernung zur Schweiz.

Im Vergleich zur Bodendruckkarte zeigte das Satellitenbild mit überlagertem Niederschlagsradar heute Nachmittag ein ziemlich gegensätzliches Bild. Über Deutschland befand sich heute ein ungewöhnlich grosser Kaltlufttropfen. Dieser sorgte nebst Regen- auch für Schneeschauer. Durch die kalte Luft in der Höhe wird die Atmosphäre instabil (labil geschichtet) und es können sich Schauer entwickeln.

Als Kaltlufttropfen bezeichnet man ein Gebiet mit sehr kalter Luft in den höheren Luftschichten. Dabei handelt es sich im Grunde um nichts anderes als ein Tief in der Höhe, welches am Boden nicht als solches erkennbar ist. Weder der Bodendruck noch das Windfeld zeigen für ein Tiefdruckgebiet typische Eigenschaften.

Dementsprechend gab es heute weder einen kräftigen Druckfall, noch wehten die Winde aus südwestlicher Richtung, wie es für eine Situation mit einem Tief nördlich der Schweiz, welches sich südwärts verlagert, typisch gewesen wäre.

Kaltlufttropfen kommen besonders im Winter und Frühjahr häufig vor und bergen immer wieder grosses Überraschungspotential. In vielen Fällen lässt sich dessen Zugbahn nur schwer vorhersagen, weshalb Wettermodelle ihre liebe Mühe damit haben. Die genaue Verlagerungsrichtung und Position ist jedoch entscheidend, um das Wetter für eine Region exakt vorhersagen zu können.

Es lässt sich an dieser Stelle bereits jetzt schon darauf hinweisen, dass auch das Osterwetter wieder von der Position solcher Kaltlufttropfen, oder auch passend von solchen Ostereiern, abhängig sein wird. Dementsprechend gibt es noch so einige Fragezeichen bezüglich der Wetterentwicklung an Ostern. Zumindest aktuell scheint jedoch die Alpennordseite gegenüber dem Süden begünstigt zu sein.

Freundlicher als erwartet

Kommen wir aber wieder zum heutigen Wetter. Auf der Alpennordseite gab es an einigen Orten deutlich mehr Sonnenschein als prognostiziert. Besonders der Nordrand der Schweiz, aber auch der Jurasüdfuss konnte von längeren sonnigen Abschnitten profitieren. So gab es zum Beispiel in Möhlin und in Grenchen um 5, in Salen-Reutenen um 4 Stunden Sonnenschein. In den Hochalpen und auch inneralpin war es ebenfalls ziemlich, in manchen Gebieten sogar meist sonnig. Dort wurde jedoch bereits im Vorfeld erwartet, dass zumindest die erste Tageshälfte noch sonnig sein würde.

Analog der Sonnenscheindauer bewegte sich auch die Temperatur auf etwas höhere Tageshöchstwerte als vorhergesagt. Die Maxima waren jedoch recht unterschiedlich. In Regionen mit ganztags geschlossener Bewölkung lagen sie bei 8 bis 9 Grad, mit Sonne stiegen sie gegen 10 bis rund 13 Grad (in Chur und Genf).

Im Laufe des Nachmittags verdichtete sich die Bewölkung zunehmend und am frühen Abend setzte auch erster schwacher Niederschlag in den Alpen ein.

Im Süden entsprach das Wetter ungefähr den Erwartungen. Besonders im Mittel- und Nordtessin schien länger die Sonne. Mit 13 bis 17 Grad war es auch etwas wärmer als nördlich der Alpen.

Kommentare (6)

  1. Wolfgang, 15.04.2019, 13:50

    Das ist wieder ein sehr interessanter Blog. 👍🏻
    Kann man den Kaltlufttropfen also auf der ersten Isobarenkarte nicht sehen, weil er so hoch lag?
    Viele Grüße
    Wolfgang

    1. MeteoSchweiz, 15.04.2019, 17:15

      Genau so ist es.

  2. Arne, 14.04.2019, 09:23

    Vielen Dank für die interessanten Ausführungen und Erläuterungen zum wechselhaften Wetter an diesem Wochenende, insbesondere zum Thema ‚Kalttropfen‘.
    Ich hatte mich gefragt wieso es es letztlich doch schöner war als eigentlich vorhergesagt.

  3. David Huber, 14.04.2019, 07:00

    Kann ein Kaltluftropfen innerhalb seiner unvorhergesehenen Zugbahn auch eine Subsidenzbewegung vollführen? Ist also ein Absinken in die unteren und besser sichtbaren Luftschichten denkbar, z.B. wenn die untere Luft trockener aber etwas weniger kalt wäre? Sonst wäre die Nomenklatur "Tropfen" ja eigentlich irreführend. Danke für den informativen und interessanten Bericht.

    1. MeteoSchweiz, 15.04.2019, 17:02

      Vielleicht zur Präzisierung. Die Zugbahn eines Kaltlufttropfen ist nicht per se unvorhergesehen, allerdings lässt sich die exakte Position oft erst sehr kurzfristig bestimmen. Die ungefähre Zugbahn ist schon früher erkennbar. Für den Wettercharakter in einer bestimmten Region kann es jedoch grosse Auswirkung haben, wenn die Zugbahn nun beispielsweise 50 Kilometer weiter westlich liegt, als ursprünglich vorgesehen. Die Bezeichnung „Tropfen“ bezieht sich dabei eher auf die Form des Gebildes sowie seinen Ursprung (Abschnürung eines Höhentroges) und nicht auf eine Vertikalbewegung im Sinne eines fallenden Tropfens.
      Eine Interaktion zwischen der bodennahen Luft und der Höhenkaltluft findet grundsätzlich schon statt. Einerseits bewirkt die Höhenkaltluft Konvektion, andererseits kann der Kaltlufttropfen auch zur Entstehung eines Bodentiefs führen, wie aktuell auf der Alpensüdseite geschehen. Die Wechselwirkungen sind jedoch sehr komplex. Den Begriff Subsidenz verwendet man jedoch nicht in diesem Zusammenhang.

  4. Steiner Edi, 14.04.2019, 06:56

    Einmal mehr: "April macht was er will", nur gut, dass der Mensch nicht noch dazu eingreifen kann. Geduld: Ab Montag wirds Frühling! Schönen Sonntag!