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Kühles Schauerwetter im Norden, Föhn im Süden

28. April 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Das heutige Sonntagwetter machte dem aktuellen Monat alle Ehre: Aprilwetter. Auf der Alpennordseite und in den Alpen herrschte sehr wechselhaftes Wetter, und es schneite bis unterhalb 1000 Meter hinunter. Auf der Alpensüdseite übernahm dagegen der Nordföhn das Zepter und brachte viel Sonne.

Bild: D. Gerstgrasser
Bild: D. Gerstgrasser

Wechselhaft und kühl im Norden

Das wetterbestimmende System war ein Höhentief, dessen Kern über Benelux lag und sich bis zum Abend zu den Alpen verlagerte. Mit einer mässigen Nordwestströmung führte es feuchte und hochreichend labile Polarluft zur Schweiz.

Darin entwickelten sich bereits in den Morgenstunden Schauer sowie Schauerlinien. Zusätzlich verstärkt wurde die Konvektion durch die Sonneneinstrahlung, die zwischen den Quellwolken für ein Aufheizen sorgte. Zwar stiegen die Temperaturen nur auf rund 10 Grad, aber dies reichte in der Polarluft, um die Entwicklung von Schauerzellen verstärkt auszulösen. So wechselten sich heute dunkle Quellwolken mit Schauern ab mit sonnigen Phasen, was kumuliert bis am Abend für 1 bis 4 Sonnenstunden führte.

Comeback des Winters in den Bergen

In der Nacht auf heute Sonntag sank die Schneefallgrenze mit der Ankunft der Polarluft auf 700 bis 900 Meter hinunter, lokal wurden sogar auf 600 Metern noch Schneeflocken beobachtet. Mit den Schneefällen der Nacht konnte heute Morgen in den Bergen ein Neuschneezuwachs von 5 bis 20 cm gemessen werden. Am meisten fiel am Alpennordhang. Auch tagsüber schneite es oberhalb 900 bis 1200 Metern in den Schauern immer wieder.

Nordföhn im Süden

Die aus Nordwesten kommende Polarluft strömte über die Alpen und stürzte als böiger Nordföhn in die Täler der Alpensüdseite hinunter. Wie bei Föhn typisch erwärmte sich die Luft beim Absinken bis auf 18 Grad in den Niederungen, und gleichzeitig trocknete sie stark ab. In Locarno und Lugano ging die relative Luftfeuchtigkeit bis auf 18% zurück!

Zwei Nordföhnrichtungen in Locarno

Wie die untenstehenden Aufzeichnungen an der Wetterstation Locarno-Monti zeigen, wurde die Station heute von zwei verschiedenen Nordföhnströmungen erreicht und damit auch aus unterschiedlichen Richtungen.

Mit dem Vorstossen der aus Norden ankommenden Kaltluft über die Alpen stiess der Nordföhn bereits in der zweiten Nachthälfte auf heute in die Täler des Tessins hinunter vor. Und so erreichten die ersten Föhnstösse schon um 03 Uhr die Magadinoebene. Von der Magadinoebene dehnte sich die Nordföhnströmung in schwacher Ausprägung zeitweise bis Locarno-Monti aus, wo sie kurz nach 08 Uhr (06 UTC) zum ersten Mal beobachtet wurde und zwar als Ostwind. Dabei handelte es sich, wie die unten gezeigten Trajektorienberechnungen von 08 UTC zeigen, grösstwahrscheinlich um einen Strömungsast, der über den San Bernardino ins Misox gelangte und von dort weiter über die Magadinoebene Richtung Locarno.

Kurz vor Mittag erreichte dann der Föhnströmungsast aus dem Maggiatal die Wetterstation von Locarno-Monti, so dass der Windmesser eine Winddrehung auf West bis Nordwest registrierte. Diese Nordföhnströmung aus dem Maggiatal mit Böen von 40 bis 50 km/h blieb dann bis am Abend erhalten. Dieser Wechsel vom Nordföhnströmungsast aus dem Misox-Magadinoebene zu demjenigen aus dem Maggiatal kann auch in den Simulationen mit dem Prognosemodell Cosmo-1 wiedergegeben werden, wie untenstehende Grafik schön zeigt.

Kommentare (6)

  1. Marcel, 29.04.2019, 12:55

    Neuschnee bis auf etwa 700 m gibt es Ende April relativ selten. Haben Sie eine Statistik, die aufzeigt, wie oft das in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist?

    1. MeteoSchweiz, 29.04.2019, 13:09

      Sogar im Mai ist teils noch Schneefall bis in tiefere Lagen möglich. Eine Auswertung zum spätesten Schneefall im Frühling finden Sie unter dem folgenden Link:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/altweibersommer-eisheilige-und-andere-spezialitaeten/schneefall-im-fruehling.html

  2. Doris, 28.04.2019, 22:53

    Wir durften heute Regen erleben. Diese Seltenheit hat einfach nur gut getan. Für Menschen, Tier und Umwelt. Ich nehme an, dass Dies auch den ganzen Staub in der Luft etwas hinunter gespült hat. Pollen,Sahara und so Weiter........wäre ja nur gut. Weiter so!

    1. MeteoSchweiz, 29.04.2019, 01:42

      LIebe Doris, der Regen hat tatsächlich gutgetan. Die Wasserbilanz ist aber bzgl. der vergangenen 1-2 Jahre in den meisten Gebieten sehr deutlich negativ. Insofern bräuchten wir nun ein paar Monate "Monsunregen" um wenigstens wieder einmal ins Gleichgewicht zu kommen. Immerhin: Bis Ende dieser Woche bleibt das Wetter unbeständig und zeitweise nass, ein Anfang wäre also gemacht.

      Apropos Staub: Ja, der Regen wäscht diesen grundsätzlich aus der Luft aus. In erster Linie war jedoch der Luftmassenwechsel für den Abtransport der Staub-geladenen Luft verantwortlich, Niederschlag spielte dabei höchsten sekundär eine Rolle.

  3. Silvan Rusch, 28.04.2019, 22:17

    Könnte der Föhn in Locarno aus Osten ein anderes Mal auch aus der Leventina stammen und dann dem Ticino in Richtung Locarno folgen oder kommt der Föhn aus Osten in Locarno immer aus dem Misox?

    1. MeteoSchweiz, 29.04.2019, 09:40

      Der Föhn aus der Leventina erreicht in den meisten Fällen schneller Locarno als der Maggia Föhn (Valmagin genannt). In Locarno kommt normalerweise in einer ersten Phase der Leventina-Föhn, und je nach Höhenströmung wechselt es zum Maggia Föhn, oder die beiden wechseln sich ab. Dies gilt aber nur für die spezielle Lage von Locarno-Monti, genau zwischen diesen beiden Föhnästen gelegen. Dass der Misoxer-Föhn vor dem Leventina-Föhn Locarno erreicht, kommt weniger häufig vor.