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Im Bann des Föhns

25. April 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Beim Blogtitel von heute handelt es sich nicht nur um eine Kurzzusammenfassung des Wetters der vergangenen Tage, sondern auch um den Titel eines Dokumentarfilms. Würde man den heutigen Tag verfilmen, ginge die Hauptrolle an den Föhn. Als Statisten wirkten die Sonne, eine Leewelle und die Kaltfront mit.

Filmreife Föhnstimmung heute in Brunnen am Vierwaldstättersee (Foto: A. Fischer).

Wetterlage

Die Schweiz lag heute auf der Vorderseite eines Tiefdruckgebiets westlich von Irland in einer stürmischen Südströmung. Dieses Tief steuerte bis Redaktionsschluss eine Kaltfront über Frankreich bis zum Jura. Über der Schweiz herrschte eine klassische Föhnlage. Auf der Alpensüdseite bedeckte Staubewölkung den Himmel, während auf der Alpennordseite in den Alpentälern Föhn blies. Dieser griff am Nachmittag auch weit ins Mittelland aus. In der Nacht wird die Kaltfront die Schweiz überqueren und die anhaltende Föhnphase beenden.

Bewölkungsverteilung

Der heutige Tag startete auf der Alpennordseite meistens sonnig. Mit einer Einschränkung: dem Jurasüdfuss entlang konnte sich in der Nacht ein Nebelfeld bilden. Dort gab es gestern Abend noch etwas Niederschlag. Somit stand die Feuchtigkeit, welche zur Nebelbildung benötigt wird, bereit. Im Laufe des Vormittags entstand über dem zentralen und östlichen Alpennordhang eine ausgeprägte Leewelle. Diese schränkte die Besonnung besonders über den zentralen und östlichen Voralpen deutlich ein.

Während des Nachmittags wurde es auch in der Westschweiz mit dem Herannahen der Front immer bewölkter. Aufgrund der unterschiedlichen Bewölkungsverteilung zeigte sich auch bei den Höchsttemperaturen ein sehr heterogenes Bild.

Das Video zeigt die Leewelle, welche sich am Vormittag dem Alpennordhang entlang gebildet hat und dort bis am Abend verharrte. Blick von der Schwarzenegghöchi über den Talschluss des Wägitals nach Südwesten. Rechts der Bildmitte der Fluebrig (Video: D. Gerstgrasser).

Ausdauernder Föhn

Auch heute fegte der Föhn mit Sturmstärke durch die Alpentäler. So erreichte er am Vierwaldstättersee knapp über 110 km/h. Im Haslital wehte er mit bis 100 km/h. Im Laufe des Tages griff der Föhn auch immer weiter ins Mittelland aus und erreichte dort 40 bis 50 km/h.

Vergrösserte Ansicht: Die wirbelnde Gischt am Urnersee (hier in Brunnen) verdeutlicht die Kraft des Föhns.
Die wirbelnde Gischt am Urnersee (hier in Brunnen) verdeutlicht die Kraft des Föhns.
A. Fischer

Somit entwickelte der Föhn im laufenden April eine beharrliche Ausdauer. Am bekannten Föhnstandort Altdorf im Urner Reusstal wehte er insgesamt bereits 173 Stunden (Stand 13.00 Uhr LT). Mehr Föhnstunden brachte der April in Altdorf seit Beginn der automatischen Messungen im Jahr 1981 nur in den Jahren 1983 (223 h), 1993 (211 h), 2000 (217 h), 2009 (186 h) und im vergangenen Jahr 2018 mit 190 Stunden.

Neben der hohen Monatssumme lieferte der April 2019 in Altdorf auch eine der längsten Föhnperioden überhaupt. Ohne Unterbruch blies er hier vom 20. April ab 23.30 UTC bis am 24. April um 13.30 UTC, insgesamt während 86 Stunden oder 3.5 Tagen. Das ist die fünft längste Föhnperiode in Altdorf seit Aufnahme der automatischen Messungen vor knapp 40 Jahren.

Vergrösserte Ansicht: Übersicht über die längsten Föhnperioden am Standort Altdorf.
Übersicht über die längsten Föhnperioden am Standort Altdorf.
MeteoSchweiz

Dokumentarfilm 'Im Bann des Föhns'

Überigens ist dem heutigen Hauptdarsteller tatsächlich ein Dokumentarfilm gewidmet mit dem Titel ‚Im Bann des Föhns‘. Dieser lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen, welche in ihrem Alltag mit dem Föhn zu tun haben. Darunter auch ein Meteorologe von MeteoSchweiz, welcher vom Föhn schon seit Kindsbeinen an fasziniert ist und einen kurzen Einblick in unsere Arbeitswelt gewährt. Mehr Informationen zum Film finden sie hier.

Vergrösserte Ansicht: Filmplakat vom Dokumentarfilm über den Föhn.
Filmplakat vom Dokumentarfilm über den Föhn.
Frenetic Films

Kommentare (6)

  1. Hansjörg Birchler, 26.04.2019, 11:22

    FÖHN KLAR - LUFT"FEUCHTE" IMMER NOCH GEHEIM?

    Auf Platz Einsiedeln - durchschnittlich 900 MüM hohe Offentäler um die Sihlsee-Hochebene - zeigte +19°Wärme trotz hälftigem Kaltwind. Was Wunde!: Die Luftfeuchte stieg in den letzten Tagen knapp über 40% (vierzig von hundert Werten!). So hat hier die TROCKEN-KALTE PHASE der "sonnigen" Tage nur halb gewechselt in TROCKEN-WARME PHASE - was immer typischer wird, wohl nicht nur hier, sondern in entsprechender Höhe breit zu einer Versteppung führen kann. (Wären nicht noch die Landwirtschaftszonen visuell stabilisiert - mit starker oder natürlicher Düngung - so hätten wohl viele CH- Voralpen schon staubende Steppengebiete.

    Mein Vaterhaus jedenfalls reagierte auf den STUNDEN LANGEN FÖHN hier oben mit bewegtem Nachgeben - trotz seinen über 130 Jahren in seinem Ständerbau. Wer's gewohnt ist, nimmt dieses kurze Schaukeln als Naturgegebenheit. Trotzdem wird es Zeit für einige sättigende Frühlingsregen. Ob das dann "schön" ist für Unterländer?

  2. Urs Imhof, 25.04.2019, 22:36

    Sturmwarnung hat gefehlt.
    Warum?
    Bad Zurzach und Region

    1. MeteoSchweiz, 26.04.2019, 00:09

      In der Region Bad Zurzach lagen die Windspitzen um 40-50 km/h. Eine Warnung wird ausgegeben, falls Winde über 70 km/h erwartet werden. Nur auf Seen und Flugplätzen werden bereits Winde ab 46 km/h (25 Knoten) gewarnt und signalisiert.

  3. Pius Zängerle, 25.04.2019, 21:15

    Guten Abend
    Gestern waren wir mit dem Schiff (Luzern - Vitznau) und der Bahn (- Rigi Staffelhöhe) bzw. retour unterwegs. Um ca. 19 Uhr ging in Vitznau ein heftiger Westwind, während um 17 Uhr noch der Föhn gegangen war. An den Bergen der Brisenkette, an der Rigi und am Pilatus hingen Nebel auf der Westseite...ein seltsames Phänomen, das um 20 Uhr (zurück in Luzern) weg war - alle genannten Berge waren wieder frei...
    Beste Grüsse
    PZ, Adligenswil

  4. ne kölsche Jung', 25.04.2019, 19:50

    Das GIF oben ist kaputt!
    Gruß aus Köln

    1. MeteoSchweiz, 25.04.2019, 20:20

      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
      Das technische Problem wurde bereits erkannt; die Animation kann aber leider erst morgen Freitag zum Laufen gebracht werden.
      Wir danken für Ihr Verständnis.