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Labiliwas?

19. April 2019, 9 Kommentare
Themen: Wetter

Hochdruck am Boden und ein Kaltlufttropfen in der Höhe sorgten heute mit labiler Schichtung für Tagesgangwetter mit Quellwolken und gegen Westen hin Schauer und einzelne Gewitter. Was eine labile Schichtung ist, lesen Sie in diesem Blog.

Blick über das Ostufer des Zugersees. Foto: Urs Graf
Blick über das Ostufer des Zugersees. Foto: Urs Graf

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute 6 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst
Bodenwetterkarte mit Fronten von heute 6 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Alpenraum lag heute weiterhin im Einflussbereich des umfangreichen und kräftigen Hochdruckgebiets über Skandinavien.  Zusätzlich sorgte ein Kaltlufttropfen in der Höhe für eine Labilisierung der Atmosphäre.  Doch dazu später mehr.

Hohe Nachtminima

Vergrösserte Ansicht: Temperaturminima der letzten Nacht  an ausgewählten SwissMetNet Stationen.
Temperaturminima der letzten Nacht an ausgewählten SwissMetNet Stationen.

Die Nacht zu heute war im Urner Reusstal und im oberen St. Galler Rheintal mit rund 14 Grad ausgesprochen mild. In Altdorf blies seit gestern Mittag bis heute Nachmittag durchgehend Föhn mit Böen von maximal 51.1 km/h. Auch Vaduz befand sich die ganze Nacht über, trotz schwächerem Föhn (Böenspitze 33.8 km/h) in der warmen Föhnluft.

Labilität

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Gurten über Bern in Richtung Jura mit Quellwolken.  Foto: Thomas Jordi
Blick vom Gurten über Bern in Richtung Jura mit Quellwolken. Foto: Thomas Jordi

In einer labil geschichteten (instabilen) Atmosphäre ist ein aufsteigendes Luftpaket wärmer als die Umgebungsluft und steigt weiter auf. Betrachten wir das für heute Nachmittag anhand der Radiosondierung von Payerne: In blau ist die Temperatur der jeweiligen Höhe angegeben, in rot der Taupunkt (ein Feuchtemass). Die Temperatur wird auf den durchgezogenen grauen Linien (45° zur Achse) abgelesen.

Vergrösserte Ansicht: Radiosondenaufstieg Payerne von heute 12 UTC (14 Uhr Lokalzeit). Erklärungen dazu im Text.
Radiosondenaufstieg Payerne von heute 12 UTC (14 Uhr Lokalzeit). Erklärungen dazu im Text.

Ein Luftpaket steigt ausgehend  vom Boden zuerst trockenadiabatisch (das heisst, dass keine Kondensation oder Verdunstung stattfindet) auf. Dies bedeutet, dass die Temperatur des Luftpakets rund 1 Grad pro 100 Meter (grüne Linie) abnimmt. Ab einer gewissen Höhe (in der Fachsprache „Lifting Condensation Level“  LCL oder Hebungskondensationsniveau genannt) kondensiert der Wasserdampf, da das Luftpaket bei dieser Temperatur gesättigt ist. Im obigen Beispiel ist dies auf rund 800 hPa (ca. 2050 m) der Fall (die vom Boden mitgenommene Feuchtigkeit (violette Hilfslinie) reicht bei dieser Temperatur für die Sättigung des Luftpakets).

Vergrösserte Ansicht: Zur Auflockerung der Theorie ;-) ein Bild aus der Lützelseeregion. Foto: Michael Kasper
Zur Auflockerung der Theorie ;-) ein Bild aus der Lützelseeregion. Foto: Michael Kasper

Von dieser Höhe an ist eine Wolke sichtbar und das Luftpaket steigt feuchtadiabatisch weiter auf.  Die Temperaturabnahme beträgt dann nur noch rund 0.6 Grad pro 100 Meter (orange Linie), da der Kondensationsvorgang das Luftpaket leicht wärmt. Der Pfad des Luftpakets, welches vom Boden her aufsteigt folgt also zuerst der grünen, dann der orangen Linie. Da dieser Pfad rechts des Temperaturprofils der Atmosphäre liegt, ist das Paket stets wärmer als die Umgebung und steigt weiter auf. Die Atmosphäre ist LABIL.

In anderen Worten heisst dies, dass das Temperaturprofil der Atmosphäre mit der Höhe mehr als rund 0.6 Grad pro 100 Meter abnimmt, die blaue Kurve in obiger Darstellung also flacher als die orange Linie ist. Der Kaltlufttropfen in der Höhe (Vorgestern an dieser Stelle beschrieben) hat heute dazu beigetragen.

Schauer und Gewitter

Vergrösserte Ansicht: Quellwolken über dem Pilatus. Foto: Eugen Müller
Quellwolken über dem Pilatus. Foto: Eugen Müller

In einer labil geschichteten Atmosphäre können Schauer oder Gewitter entstehen. Mehr zur Entstehung von Gewittern lesen Sie hier, die Instabilität alleine reicht nämlich nicht aus. Heute sind entlang des Juras, sowie entlang der westlichen und zentralen Voralpen einige Schauer und vereinzelt Gewitter (Unterschied zu Schauer: Gewitter haben Blitz und Donner) entstanden, wie die folgende Animation und Blitzkarte zeigen:

Vergrösserte Ansicht: Blitzdichte für denselben Zeitraum (12 bis 18 Uhr): Anzahl Blitze je 10km*10km Fläche während dem 6-stündigen Zeitraum.
Blitzdichte für denselben Zeitraum (12 bis 18 Uhr): Anzahl Blitze je 10km*10km Fläche während dem 6-stündigen Zeitraum.

Wieso gab es in den anderen Regionen keine Gewitter? Gegen Osten hin hat wohl die Feuchte für Gewitter gefehlt, in den Alpen liegt noch viel Schnee und im Süden war die Einstrahlung durch Staubewölkung (siehe Blog von gestern) etwas gedämpft. Am Nachmittag wurde die Bewölkung im Süden aber auch zu Quellwolken umgewandelt.

Kommentare (9)

  1. Eugen, 21.04.2019, 19:14

    @Heinz F.
    Die Región Basel gehoert mit 800 bis 900 mm/Jahr zu den trockensten Gebieten noerdlich der Alpen. Das Walliser Haupttal ist mit 600 mm+ sogar die trockenste Gegend der Schweiz.
    Und es kommen, wie immer in der Vergangenheit, auch wieder bessere Zeiten.

    1. Heinz F., 22.04.2019, 10:44

      Danke Eugen, dann freuen wir uns doch auf diese besseren Zeiten.

  2. Eugen, 20.04.2019, 21:27

    @Heinz F., Basel
    Gewitter gibt es ab und zu sogar im Winter.
    Zur angeblichen Trockenheit: Meteoschweiz hat mehrfach bestaetigt, dass es KEINEN Trend zu weniger Niederschlag gibt: weder im Fruehling noch im Sommer noch im Herbst und schon gar nicht im Winter: In der kalten Jahreszeit gibt es sogar mehr Schnee/Regen als vor ein paar Jahrzehnten.
    Was es allerdings gibt, sind grosse Schwankungen von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr

    1. Heinz F. Basel, 21.04.2019, 09:57

      Dass es auch im Winter Gewitter gibt, ist mir sehr wohl bekannt. Diese entstehen aber nicht als Wärmegewitter, wie im Sommer, sondern wenn sich sehr rasch kalte Luft einer Kaltfront wie einen Keil unter die vorhandene wärmere Luftmasse schiebt. Durch die rasche Anhebung derselben entstehen elektrische Spannungen, welche sich mit wenigen Blitzen entladen. Was aber Urs Imhof und ich feststellen, lässt sich nicht wegreden: die sehr ungleiche Verteilung der Niederschläge. Als die Alpen, insbesondere im Osten der Schweiz, vom Schnee überhäuft wurden, gab es hier in Basel kaum Niederschlag. Und die erlebte Trockenheit im Wallis war auch unübersehbar - in der kommenden Woche ist weder dort, noch in Basel, mit nennenswerten Niederschlägen zu rechnen. Übrigens hat auch Meteo Schweiz vor noch nicht langer Zeit auf ein weiterhin bestehendes und erhebliches Niederschlagsdefizit in gewissen Regionen hingewiesen.

  3. MeteoSchweiz, 20.04.2019, 00:01

    Das Mondsymbol, welches Sie in der App sehen, ist zur Zeit nicht abhängig von der Mondphase, sondern zeigt lediglich, ob die Nacht klar oder teilweise bewölkt ist. (Es ist also einfach ein Mondsymbol, das immer gleich aussieht.)
    Aber wir werden Ihre Idee, das Mondsymbol der Mondphase anzupassen, gerne aufnehmen und intern weiterleiten. Besten Dank für den Input. :)

  4. Ursula, 19.04.2019, 20:43

    Allen schöne Ostertage und vielen Dank für den Prima Service!
    Es wäre sehr nett in der Grafik „Wetter vor Ort“ die Mondphase dem aktuellen Stand anzupassen. Heute Vollmond nicht Zunehmender.

    1. MeteoSchweiz, 20.04.2019, 05:57

      Das Mondsymbol, welches Sie in der App sehen, ist zur Zeit nicht abhängig von der Mondphase, sondern zeigt lediglich, ob die Nacht klar oder teilweise bewölkt ist. (Es ist also einfach ein Mondsymbol, das immer gleich aussieht.) Aber wir werden Ihre Idee, das Mondsymbol der Mondphase anzupassen, gerne aufnehmen und intern weiterleiten. Besten Dank für den Input.

  5. Urs Imhof, 19.04.2019, 19:46

    Im Bezirk Zurzach im Aargau ist das häufig der Fall das die Gewitter ausbleiben.
    Gewittersaison ist bei uns bis auf weiteres geschlossen.
    Wind sei Dank.

    1. Heinz F. Basel, 20.04.2019, 09:07

      Nach meiner Einschätzung ist es eigentlich eher beunruhigend, wenn bereits im Monat April verbreitet Gewitter auftreten. So betrachtet könnten die Bewohner*innen von Zurzach - wir haben in Basel die gleiche Situation - dankbar sein. Aber der bescheidene Regen ist und bleibt ein Problem. Am Mittwoch und Donnerstag war ich auf einer Wanderung im Pfynwald und in der Gegend von Salgesch und bin erschrocken, wie es dort beängstigend trocken ist.