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April im November

27. November 2021, 3 Kommentare
Themen: Wetter

Mit grösseren Aufhellungen, Quellwolken und Schauern entsprach der heutige Wettercharakter eher dem Typ April als November. Schuld daran war die Höhenkaltluft.

«Altocumulus mamma» am Nachmittag beim Flughafen Zürich. Diese Wolken, die oft in Verbindung mit einer Gewitterwolke gesichtet werden können, sind hierzulande im November doch eher selten anzutreffen. Foto: M. Kägi
«Altocumulus mamma» am Nachmittag beim Flughafen Zürich. Diese Wolken, die oft in Verbindung mit einer Gewitterwolke gesichtet werden können, sind hierzulande im November doch eher selten anzutreffen. Foto: M. Kägi

Die Schweiz lag heute im Einflussbereich eines umfangreichen Tiefdruckkomplexes, dessen Kern heute Samstag über Benelux lag und grossflächig mit Höhenkaltluft geflutet war. Bereits in der Nacht auf heute Samstag überquerte aus Westen eine erste Staffel feuchter Luft die Alpennordseite, wobei wenig Schnee und Regen fiel. Die Höhe der Schneefallgrenze war dabei recht unterschiedlich.

In den Regionen, wo der teils recht kräftige Südwestwind bis zum Boden durchgriff, wurde die Luft gut durchmischt, was zu einem Anstieg der Schneefallgrenze führte. So lag sie während den Niederschlagsphasen zwischen 400 und rund 600 Metern, letzteres besonders in der Westschweiz und dem Jura entlang.

Hinter diesem ersten Feuchtepaket lockerte die Bewölkung am Morgen zum Teil recht grosszügig auf. So gab es in einigen Regionen etwas Sonne, was nicht in diesem Ausmass erwartet wurde. Entsprechend stieg die Temperatur vor allem in den «belüfteten» und besonnten Regionen sogar bis rund 6 Grad.

Auf Ursachenforschung zu gehen, warum die Vorhersage nicht ganz so eintraf, ist nicht ganz einfach. Es klingt ein bisschen phrasenhaft, aber wie so oft waren es wohl mehrere Faktoren, die dazu beigetragen haben. Vermutlich wurde einerseits die Absinkbewegung und damit die Wolkenauflösung hinter der nächtlichen Störung unterschätzt.

Andererseits war die Luft hierzulande wohl etwas weniger hochreichend angefeuchtet als angenommen. Die Störungszone in der Südwestströmung wurde gewissermassen etwas auseinandergerissen, wobei auch die Alpen ihre Finger, oder besser gesagt dessen Berge, im Spiel gehabt haben dürften.

Mit Ankunft der Kaltluft in der Höhe – dessen Ursprung liegt übrigens ungefähr über Nordkanada – wurde die Atmosphäre ab dem späteren Vormittag aus Westen labiler, weshalb sich vom Jura her weitere Schauerstaffeln bilden konnten und mit der südwestlichen Höhenströmung gen Ostschweiz zogen. Schnee fiel dabei meist nur oberhalb von etwa 600 bis 700 Metern.

Dass die Labilität hoch war, zeigte sich unter anderem auch daran, dass sich über dem Rheingraben bei Lahr (D) einige Blitze entluden. Somit kam der heutige Wettercharakter demjenigen eines Aprilwetters näher als einem Novemberwetter.

Kommentare (3)

  1. Wolfgang, 28.11.2021, 11:33

    Hoffentlich bleibt die Schneefallgrenze über 700 Meter.

  2. Remo, 28.11.2021, 08:50

    Guten Tag

    Schafft es die heutige Front (28.11.21) über die Glarner Alpen damit es im Mittelbünden nochmal zu Neuschnee kommt?

    LG

    1. MeteoSchweiz, 28.11.2021, 10:35

      Guten Tag Remo
      Merci für Ihr Frage. Unter folgendem Link finden Sie die aktuelle Prognose:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home.html?tab=report
      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz