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Ein weisses Erwachen…

4. November 2021, 5 Kommentare
Themen: Wetter

...gab es am Donnerstagmorgen vor allem in den südlichen, zentralen und östlichen Alpen. Dort fielen oberhalb von rund 1000 bis 1500 Metern verbreitet 20 bis 40 cm, lokal über 50 cm Neuschnee. Auch sonst gestaltete sich das Wetter in den letzten 36 Stunden mit einem Tief über Mitteleuropa ziemlich nass und heute weiterhin wechselhaft und kühl.

Tief verschneit und ganz in Weiss zeigte sich heute Morgen Segl-Maria im Oberengadin. Vor nicht einmal einer Woche tauchten die Lärchen hier die Landschaft noch in farbenfrohe Gelb- und Goldtöne. Bild: sils.roundshot.com.
Tief verschneit und ganz in Weiss zeigte sich heute Morgen Segl-Maria im Oberengadin. Vor nicht einmal einer Woche tauchten die Lärchen hier die Landschaft noch in farbenfrohe Gelb- und Goldtöne. Bild: sils.roundshot.com.

Wetterlage

Verantwortlich für den verbreiteten Regen und in den Bergen Schnee war ein Tiefdruckgebiet, das sich auf der Vorderseite eines grossen Höhentroges von Frankreich über den Alpenraum und Deutschland hinweg bis nach Tschechien und Polen verlagerte. Mit einer kräftigen südwestlichen Höhenströmung gelangte feucht-milde Mittelmeerluft zur Alpensüdseite und löste vorübergehend eine Südstaulage aus. Gleichzeitig strömte auf der Rückseite des Tiefs kühle Polarluft zur Alpennordseite. Damit stellte sich von Mittwoch auf Donnerstag über den Alpen kurzzeitig eine Gegenstromlage ein.

Verbreitet nass

Am meisten Niederschlag fiel auf der Alpensüdseite im Südtessin mit etwa 50 bis 65 mm Regen 24-stündig bis am Donnerstagmorgen um 07 Uhr. Am meisten Neuschnee gab es am Alpensüdhang sowie in den zentralen und östlichen Alpen. Dort fiel oberhalb von rund 1000 bis 1500 Metern 20 bis 40 cm, lokal über 50 cm Schnee. Vor allem in den Tälern Graubündens, wo bei der intensivsten Niederschlagsphase die Niederschlagsabkühlung wirken konnte, schneite es zum Teil bis auf rund 700 Meter herab. Ilanz GR (698 m) meldete am Donnerstagmorgen 3 cm Neuschnee. Am wenigsten wetterwirksam war das Tief in Teilen des Mittellandes. Hier hatte die schwächelnde Kaltfront etwas Mühe und brachte zum Teil nur 1-3 mm Niederschlag.

Viel Schnee im Engadin

In Segl-Maria im Oberengadin fiel von Mittwoch auf Donnerstag mit 56 cm die zweithöchste 1-Tages Neuschneesumme für den Monat November seit Messbeginn 1864, zusammen mit dem November 1898. Mehr November-Neuschnee innerhalb eines Tages gab es in Segl-Maria nur in den Jahren 1904 (vom 23. auf den 24.11.) und 1950 (vom 22. auf den 23.11.). Damals fielen je 65 cm. Im November 1904 gab es am Tag zuvor bereits 20 cm. Im November 1950 lieferten die drei Tage zuvor insgesamt schon 60 cm.

Eine November-Neuschneesumme von 50 cm oder mehr innerhalb eines Tages wurde in Segl-Maria in den letzten 100 Jahren nur fünfmal registriert. Bisher nur einmal wurde in Segl-Maria eine vergleichbare 1-Tages Neuschneesumme auch im Oktober aufgezeichnet. Vom 26. auf den 27. Oktober 1981 ist in der Messreihe die Neuschneesumme von 59 cm zu finden. Sie liegt weit über den sonstigen 1-Tages Oktobersummen seit Messbeginn 1864.

Im Norden kühl und wechselhaft

War am Vortag während der Annäherung des Tiefs vor allem über den Alpen der auffrischende und in den Hochlagen teils kräftige föhnige Südwind zu spüren, so wehte heute Donnerstag auf der Rückseite des Tiefs zeitweise böiger und kühler Westwind durchs Flachland. Die Höchsttemperaturen lagen um 8 Grad, am mildesten wurde es auf der Alpennordseite in Luzern mit 10.6 Grad.

Das Tief verstärkte sich noch etwas auf dem Weg in Richtung Polen und Tschechien und formte eine schöne Wolkenspirale. Sein Kerndruck lag zur Mittagszeit unter 995 hPa und auf der Alpennordseite stellte sich mit labiler Polarluft wechselhaftes Rückseitenwetter ein, teilweise mit Graupelschauern und mit dem einen oder anderen Blitz und Donner.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild von Donnerstag, 04.11.2021, 13 Uhr. Das Tief lag mit seinem Zentrum über Südpolen.
Satellitenbild von Donnerstag, 04.11.2021, 13 Uhr. Das Tief lag mit seinem Zentrum über Südpolen.

Zeitraffer eines sich ankündigenden Schauers und eines sich verabschiedenden Airbus A380 am Donnerstagnachmittag über dem Flughafen Zürich. Video: M. Kägi

Kommentare (5)

  1. anastasios, 04.11.2021, 23:05

    Warum hatte die Kaltfront im Mitteland etwas Mühe?

    1. MeteoSchweiz, 05.11.2021, 08:52

      Guten Morgen Anastasios

      Bei dieser Wetterlage gab es zwei Tiefdruckgebiete mit Zentrum einmal über Nordostfrankreich und einmal über Norditalien. Im Verlauf schwächte sich das Tief nördlich der Alpen ab und damit auch die zugehörige Kaltfront, die das Mittelland überquerte. Nachfolgend verstärkte sich das Tief über Norditalien und verlagerte sich schliesslich über die Alpen/Österreich bis nach Tschechien und Polen.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  2. Marco Rohr, 04.11.2021, 21:55

    Grüsse aus Malbun, Liechtenstein. Hier hat es seit gestern Mittwochnachmittag 14 Uhr bis heute Donnerstagvormittag 8 Uhr pausenlos intensiv geschneit und dabei ca. 30 bis 40cm hingeworfen.

  3. Stefan L., 04.11.2021, 21:29

    Liebes Meteoteam
    Eine Bitte: Wäre es wieder möglich, das 24h-oder 48h stündige Radarbild der Niederschlagsmengen grafisch mit den Seen und Flüssen darzustellen?
    Mit diesen etwas komsichen Wetteregions-Bezirke kann man sich wirklich sehr schlecht orientieren, zB zur Überprüfung der Niederschlagsmenge am eigenen Wohnort.
    Vielen Dank!

    1. MeteoSchweiz, 04.11.2021, 22:06

      Guten Abend Stefan
      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben ihn an die zuständige Stelle weitergeleitet.
      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz