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Für alle etwas

3. November 2021, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Zwei Tiefdrucksysteme prägten heute das Wetter in der Schweiz. Dementsprechend dynamisch zeigte es sich. Von Nebel, über Regen und Schnee bis zum Föhn war alles dabei. Wir versuchen im heutigen Blog eine Auslegeordnung zu machen. Am Ende des Blogs wartet eine Quizfrage auf Sie, welche die Dynamik des heutigen Wetters illustrieren soll.

Verschneites Morgins (VS) heute Nachmittag (Webcam-Bild von www. roundshot.com).
Verschneites Morgins (VS) heute Nachmittag (Webcam-Bild von www. roundshot.com).

Wetterlage

Die Alpennordseite lag heute im Einflussbereich eines Tiefdruckgebietes über Nordfrankreich. Eingelagert in eine südwestliche bis südliche Höhenströmung überquerte heute im Tagesverlauf eine Kaltfront die Schweiz. Ein weiteres Tiefdruckgebiet verlagerte sich unter Verstärkung vom Löwengolf zum Golf von Genua. Diese Konstellation der Tiefdruckgebiete führte dazu, dass sich die Kaltfront nur langsam von Westen nach Osten verlagerte.

Vergrösserte Ansicht: Bodendruckanalyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
Bodendruckanalyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
DWD

Nebel

Obwohl in der Nacht recht viel Bewölkung über die Alpennordseite hinweg zog, konnte sich darunter recht verbreitet Nebel oder tiefer Hochnebel bilden. Dieser erstreckte sich vor allem vom Nordrand der Schweiz, über die Region Zürich bis in die Ostschweiz. Mit Annäherung der Kaltfront löste sich dieser im Laufe des Vormittags wieder auf.

Vergrösserte Ansicht: Blick auf den Nebel im Klettgau (SH). Darüber sind mittelhohe Wolkenfelder zu sehen.
Blick auf den Nebel im Klettgau (SH). Darüber sind mittelhohe Wolkenfelder zu sehen.
MeteoSchweiz

Föhn mit Fenster

Am Morgen betrug die Druckdifferenz zwischen Alpennord- und Alpensüdseite 3 hPa. Zusammen mit der südlichen Höhenströmung und der etwas kühleren Luftmasse auf der Alpensüdseite kam in den Alpentälern der Alpennordseite Föhn auf. Dieser erreichte in den Föhntälern 40 bis 60 km/h. Auf den Bergspitzen Piz Martegnas und Gütsch wehte der Wind mit Spitzen bis 100 km/h. Der Föhn öffnete am Vormittag ein schönes Wolkenfenster über der Zentral- und Ostschweiz. Dort wurde 1 bis 2 Stunden Sonne gemessen. Die Höchsttemperaturen erreichten heute 8, auf der Alpensüdseite bis 11 Grad. Am mildesten war es in Chur mit fast 14 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Sonnige Abschnitte heute Morgen über der Zentralschweiz. Hier der Blick von der Rigi in Richtung Osten.
Sonnige Abschnitte heute Morgen über der Zentralschweiz. Hier der Blick von der Rigi in Richtung Osten.
www.roundshot.com

Regen und Schnee

In der Nacht auf heute Mittwoch verlagerte sich ein Tiefdruckgebiet nach Nordfrankreich. Damit drehte die Höhenströmung von südwestlicher auf südliche Richtung. Es stellte sich über dem Alpenraum eine Südstaulage ein. Bereits am frühen Morgen fiel über dem Jura und auf der Alpensüdseite etwas Niederschlag. Dieser intensivierte sich im Laufe des Vormittages. Die Schneefallgrenze lag etwa bei 1200 Meter, lokal auch etwas tiefer. Im Laufe des Vormittags kam die Kaltfront Richtung Osten voran und die Niederschläge griffen auch auf die übrige Alpennordseite über. Im Maggiatal sind über die letzten 24 Stunden 25 bis 55 mm Niederschlag gefallen. Für den selben Zeitraum sind im Jura und den westlichen sowie zentralen Alpen 5 bis 12 mm Niederschlag registriert worden.

Vergrösserte Ansicht: Niederschlagssummen über die letzten 24 Stunden bis 16 Uhr.
Niederschlagssummen über die letzten 24 Stunden bis 16 Uhr.
MeteoSchweiz

Quizfrage

Kommentare (7)

  1. Horst Naujoks, 03.11.2021, 21:30

    Zur Quizfrage: .~10min (OK, ich habe nachgeschaut..., ;-))

    1. rb, 04.11.2021, 13:56

      Super :-)

  2. Gerhard Kuhn, 03.11.2021, 20:18

    Warum bleibt T. S. Wanda seit Tagen immer etwa am gleichen Ort? Ist doch irgendwie speziell. Vielen Dank für die Erklärung.

    1. MeteoSchweiz, 03.11.2021, 22:05

      Guten Abend Herr Kuhn.
      Der Wirbelsturm Wanda befindet sich grossräumig betrachtet in einer momentan sehr windschwachen Region. Daher ist er auch keinem der Jetwinde angebunden, diese umfliessen den Wirbelsturm in grosser Distanz. Wanda verbleibt daher auch weiterhin weitgehend stationär. Er wird seine Position auch in den nächsten Tagen nicht gross verändern und zudem laufend an Potential verlieren. Bis spätestens Montag dürfte er sich dann weitgehend auflösen.
      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  3. Beat Brodbeck, 03.11.2021, 19:40

    Wieso erhalten bei Gegenstromlagen wie heute die zentralen Alpen und Graubünden fast immer deutlich mehr Niederschlag als die westlichen Alpen? Und wieso greift der Föhn nicht, trotz Südstaulage?

    1. MeteoSchweiz, 04.11.2021, 16:09

      Guten Tag Herr Brodbeck

      Oft ist die Hauptwindrichtung in der Höhe bei einer Gegenstromlage Süd- bis Südwest. Deshalb werden die Niederschläge von der Alpensüdseite meist nord- und nordostwärts in die zentralen und östlichen Alpen weitergetragen. Die westlichen Alpen sind bei den meisten Wetterlagen nur abgeschwächt betroffen. Für intensive Niederschläge in den westlichen Alpen, bräuchte es in der Höhe eher eine (starke) südöstliche Strömung, welche aber nicht so häufig vorkommt.

      Eine Südstaulage hat nicht zwingend eine Südföhnlage zur Folge. Für Südföhn/Föhn braucht es einen Luftdruckunterschied zwischen Alpennord- und Alpensüdseite, und zwar mit dem tieferen Luftdruck im Norden. Nun ist bei Südstaulagen und anschliessenden Gegenstromlagen oft nur eine kurzzeitige Föhnphase zu Beginn des Ereignisses dabei. Sobald sich eine Gegenstromlage einstellt, fliesst kältere Luft zur Alpennordseite, der Luftdruck steigt an, damit nimmt der Luftdruckunterschied zwischen Norden und Süden ab und der Föhn lässt nach oder stellt ab.

      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

    2. Tigerfell, 05.11.2021, 01:36

      Liebes Meteo-Team
      Herzlichen Dank für eure ausführliche Antwort mit den klaren Informationen, und mega toll, dass ihr euch die Zeit dazu nehmt!! LG