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Gazpacho

20. November 2021, 8 Kommentare
Themen: Wetter

Gazpacho ist eine kalt servierte südspanische und portugiesische Suppe aus ungekochtem Gemüse. Sie stammt aus Andalusien (spanisch: gazpacho andaluz) und der Algarve (portugiesisch: gaspacho).

Gazpacho, die kalte Suppe aus Andalusien und der Algarve. Bildquelle: pixabay.com
Gazpacho, die kalte Suppe aus Andalusien und der Algarve. Bildquelle: pixabay.com

Die ursprüngliche Suppe geht auf die Mauren zurück und war eine weisse Knoblauchsuppe aus Gurken, Brot, Knoblauch, Olivenöl, Essig, Salz und Wasser. Die Zutaten wurden in einem Mörser zerkleinert. Tomaten und Paprika wurden erst von Christoph Kolumbus aus Amerika nach Eur….

HALT, das ist doch hier kein Food Blog, auch wenn es auf diesem Kanal in letzter Zeit suppenmässig hoch zu und herging. Nein, wir meinen natürlich die «Gazpacho meteorológico». Als BlogleserIn wissen Sie längst Bescheid über die Zutaten, die für eine Nebelsuppe notwendig sind. Wenn nicht, finden Sie beispielsweise im gestrigen Blog etwas Nachhilfe. Zudem wird die Nebelsuppe natürlich nicht warm, sondern kalt serviert. Mit Temperaturen von 2 bis 5 Grad in der Suppe war heute also auch dieser Aspekt gemäss Rezept einwandfrei erfüllt. Typisch Gazpacho.

In der Meteorologie feiern wir nicht nur einen einzelnen Tag der Suppe wie in der Kulinarik, sondern gleich eine ganze «Jahreszeit der Gazpacho meteorológico». Momentan befinden wir uns mehr oder weniger in der Zeit des Jahres, in der sich die Nebelmeere auf der Alpennordseite kaum mehr auflösen.

Die Auflösungschance des Nebels ist unter anderem auch davon abhängig, wo die Obergrenze liegt. Dies illustriert folgende Grafik, welche schon etwas älteren Datums ist. Sie zeigt aber auf, dass die Thematik der Nebelauflösung schon seit längerem untersucht wurde, und mindestens qualitativ betrachtet hat die Aussage in der Grafik auch heute noch Gültigkeit.

Obige Grafik sagt also aus, dass sich der Nebel schlechter auflöst, je höher die Obergrenze liegt und je tiefer der Sonnenstand ist. Ob sich ein Nebelmeer auflöst oder nicht, hängt aber auch von vielen weiteren Faktoren ab. Unter anderem spielt die Stärke der Inversion eine Rolle, aber auch, ob sich in der Atmosphäre Schwankungen wie beispielsweise eine Luftdruckänderung abspielen oder Wind weht.

Wind kam beispielsweise im Fricktal auf. Der sogenannte Möhlinjet mit Böen bis rund 50 km/h in Möhlin sorgte in der Region im Laufe des Vormittags für eine Nebelauflösung. Auch die Stadt Basel profierte davon und kam ab etwa 10 Uhr in den Genuss von Sonnenschein.

Weil sich der Kern des wetterbestimmenden Bodenhochs heute langsam ostwärts verlagerte, begann der Luftdruck auf der Alpennordseite bereits ab der zweiten Nachthälfte auf heute Samstag zu sinken. Dies alleine genügte allerdings noch nicht, dass sich der Nebel oder tiefe Hochnebel über dem Mittelland bemühte, sich aufzulockern. Dafür war noch deutlich zu wenig Bewegung in der untersten Atmosphärenschicht. Zudem reagiert die Nebelsuppe oft auch zeitverzögert auf Änderungen.

In einigen Alpentälern des Alpennordhangs lag sogar mehr Nebel als am Vortag. So beispielsweise im Rheintal, wo sich der Nebel bereits in der Nacht von Norden etwa bis ins Sarganserland, tagsüber dann bis Höhe Chur ausbreitete. Gestern war es hier noch nebelfrei. Die Nebelobergrenze war heute jedoch nicht höher, sodass sich der Nebel alleine deshalb weiter in die Täler hinein ausgebreitet hätte.

Auch hat sich an den Luftdruckunterschieden zwischen der Alpennord– und der Alpensüdseite nicht wesentlich geändert. Ein Grund für die Nebelausbreitung bis ins Sarganserland könnte sein, dass das Nebelmeer sich quasi nochmals weiter etablierte oder mit anderen Worten einen Gleichgewichtszustand einnahm, welcher der typischen Nebelverteilung sehr nahekam.

Morgen Sonntag stehen die Chancen auf Nebelauflösung auch im Mittelland etwas besser, da einerseits die Nebelobergrenze etwas tiefer liegen dürfte und andererseits etwas Bewegung in die Atmosphäre kommt. Mehr oder weniger gleichzeitig nimmt jedoch die Bewölkung aus Westen bis Nordwesten zu, sodass in den Niederungen kaum oder nur sehr wenig Sonne zu erwarten ist. Überhaupt fallen die nächsten Tage im Flachland oft trüb aus.

Kommentare (8)

  1. Nicole, 21.11.2021, 17:18

    Liebes Meteoschweiz-Team
    Ich war heute vergeblich unterwegs auf der Suche nach Sonne, also immer im Nebel. Der Nebel war aber nicht überall gleich dicht: Manchmal schien er wie tiefer Hochnebel (und ich fühlte mich nicht unmittelbar drin, sondern eher darunter), manchmal war er dichter (und ich fühlte mich wie in Watte gepackt.) Und ich fragte mich, ob dichter bedeutet, dass ich, wenn dort etwas in die Höhe gehe, bald ausserhalb des Nebels bin. Also ob dicht am oberen Ende des Nebels bedeutet und es sich lohnen würde, dort hochzusteigen. Ich würde mich über eine Antwort freuen.

    1. MeteoSchweiz, 21.11.2021, 17:39

      Liebe Nicole, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein, ist ihre Frage nicht einfach zu beantworten. In der Regel ist es aber so, dass es an der Obergrenze heller wird, da die Schichtdicke des Nebels abnimmt und dementsprechend die Strahlung zunimmt. Dies gilt besonders bei ruhenden Nebelschichten. Anders bei wogenförmigen Obergrenzen, wie dies vielerorts heute Sonntag der Fall war. Hier kann es sein, dass es selbst an der Obergrenze immer wieder zu einer Verdichtung des Nebels kommt. Je nachdem also ob sie sich in einem Wellental oder Wellenkamm befinden. Mit freundlichen Grüssen MeteoSchweiz

  2. Dieter Neth, 20.11.2021, 22:59

    Zum Glück ist das kein Food-Blog - und auch keine Geschichtslektion - denn Christoph Kolumbus kann weder Tomaten noch Paprikas aus Amerika zurückgebracht haben. Diese Nahrungsmittel stammen ja aus Mexiko - und da kam erst Cortés im Jahr 1521 hin - und er interessierte sich eher für Gold. Mit "Paprika" dürften wohl Chilies gemeint sein, in Spanien auch "pimenton" . Mit Pfeffer haben die nichts zu tun.
    Dafür habe ich mich über die ca.100% Sonnenstunden verglichen mit der Norm für das untere Aaretal gefreut. So neblig ist es hier also auch wieder nicht!
    Punkto Nebelauflösung haben wir hier am Unteren Hauenstein bei hohem Hochnebel mit Bise bessere Chancen dafür als bei tiefem, sogar aufliegendem Nebel mit südlicher Anströmung so wie heute. Auf der Passhöhe gab es heute sogar Rauhreif, mit einem "giftigen" Südwind, der den Nebel im Oberbaselbiet dafür rasch auflösen konnte.

  3. Ursula Herrmann, 20.11.2021, 18:29

    Bravo 🌞 und danke schön für den bekömmlichen Mix aus interessanten Fakten 🌬 und leichtem, schmackhaftem Humor 🎈🌶

  4. Wolfgang, 20.11.2021, 18:12

    Sie haben mir Appetit auf Gazpacho gemacht! 😋 Gibt es da ein Rezept auch im Meteoblog?

  5. Benjamin Stricker, 20.11.2021, 17:45

    Liebes Meteoschweiz-Team
    Wieso kann man eigentlich 'Hochnebel' nicht als Wettermeldung erfassen (dafür aber so seltene Phänomene wie 'Tornado')? All die Nebel-Meldungen wie z.B. heute sind ja, genau genommen, oft etwas irreführend, weil die Sichtweite unter dem Nebeldeckel wohl meist über 1000 m beträgt. Aber eben, die passende Kategorie fehlt eben.
    Herzliche Grüsse (von unter dem Deckel)!

    1. MeteoSchweiz, 21.11.2021, 01:44

      Besten Dank für den Hinweis. Ihre Anregung haben wir an die zuständige Stelle weitergeleitet.

    2. Lilli, 21.11.2021, 08:03

      Danke Benjamin Stricker. Genau diese Frage hätte ich heute dem Meteo-Team auch gestellt. Wäre sicher hilfreicher als „Tornado“.