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Kalter Regen

8. November 2021, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Mit einer nächtlichen Temperatur um etwa 6 Grad war es eigentlich gar nicht so kalt, während es vor allem in der Deutschschweiz etwas regnete. Warum also ein solcher Titel?

Erste Auflockerungen gab es am Flughafen Zürich bereits am Morgen, Sonne allerdings erst am Nachmittag. Foto: V. Hochuli
Erste Auflockerungen gab es am Flughafen Zürich bereits am Morgen, Sonne allerdings erst am Nachmittag. Foto: V. Hochuli

In der Nacht auf heute Montag hat eine seichte Kaltfront die Alpennordseite erfasst. Sie gehörte zu einem Tief, das von Südschweden über die Ostsee zum Baltikum zog.

Die Kaltfront konnte als seicht bezeichnet werden, da die Mächtigkeit der kalten und feuchten Luftmasse gering war. Das bestätigten auch die Messwerte von verschiedenen Wetterstationen in unterschiedlichen Höhen.

Anhand der oben gezeigten Messwerte konnte man erkennen, dass die Frontalbewölkung in der Schweiz eine Obergrenze um etwa 2700 m ü.M. gehabt haben musste. Dies bestätigten Messungen von Satellitendaten oder Webcams.

Knapp östlich der Schweiz lag die Obergrenze in der Nacht leicht höher. Die Messstation auf der Zugspitze (2962 m ü.M.) im Wettersteingebirge mass eine relative Luftfeuchtigkeit bis 96 %. Nebst dem Webcambild oben bestätigte eine Radiosondierung aus Altenstadt in Oberbayern eine Wolkenobergrenze um 2900 m ü.M.

Trotz der wenig hochreichenden Frontalbewölkung gab es in der Nacht auf heute Montag sowie in der Deutschschweiz etwas Niederschlag. Spitzenreiter bezüglich Regenmenge war Güttingen am Bodensee mit 5.1 mm.

Regen, aber nichts auf dem Radar zu sehen

Aufmerksame und Nachtaktive unter Ihnen haben vielleicht bemerkt, dass Regen oder Nieselregen fiel, obwohl auf dem Radar gar nichts zu sehen war. Wie konnte das sein?

Wenn die Niederschläge in sehr tiefen Schichten gebildet werden wie in der Nacht auf heute, so blickt der Radar quasi über die Niederschlagszone drüber. Wegen der Erdkrümmung wächst mit zunehmendem Abstand zum Radar die Mächtigkeit der Atmosphärenschicht, die vom Radar nicht gescannt werden können:

In der Realität sah dies heute Morgen um 4 Uhr so aus:

Kalter und warmer Regen

Nehmen wir nun die eingangs gestellte Frage wieder auf. Die Bezeichnung «kalter» oder «warmer» Regen bezieht sich nämlich auf die Prozesse der Niederschlagsbildung.

Diese geschieht in unseren Breitengraden hauptsächlich über die Eisphase in sogenannten Mischwolken, wo Eiskristalle und flüssige Wassertröpfchen gleichzeitig vorkommen. Es braucht eine feuchte Luftmasse, die typischerweise etwa -10 Grad oder etwas kälter ist. Dabei spielt der sogenannte Bergeron-Findeisen-Prozess eine wichtige Rolle, wobei unterkühlte Wassertröpfchen (das Wasser ist noch flüssig, obwohl die Temperatur der Tröpfchen deutlich unter dem Gefrierpunkt liegt) und eben auch Eiskristalle in den Prozess involviert sind. Grob gesagt handelt es sich bei diesem Prozess um das Wachstum von Eiskristallen auf Kosten von flüssigen Wassertröpfchen. Auf diese Weise entstandener Regen wird «kalter Regen» genannt.

«Warmer Regen» hingegen kann vor allem in tropischen Regionen entstehen. Bei dieser Art von Niederschlagsbildung entstehen zunächst flüssige Wolkentröpfchen über die Kondensation von Wasserdampf (an wasserlöslichen Aerosolen). In der Folge kollidieren die Wolkentröpfchen zunehmend und wachsen damit zu Regentropfen heran. Hierzulande kann diese Art von Niederschlagsbildung höchstens Nieselregen hervorrufen. Im Vergleich zu den Tropen ist nämlich zu wenig Wasserdampf in der Luft enthalten.

Die letzten «kalten» Tropfen und Flocken fielen heute im Laufe des Morgens zu Boden. In der Folge nahm der Hochdruckeinfluss zu, was mit einem Auflockern der Bewölkung über dem Flachland einherging. Feuchtigkeit blieb besonders an den Voralpen in Form von hochnebelartiger Bewölkung zurück.

Kommentare (5)

  1. Henry Skeleton Key, 09.11.2021, 03:22

    auf der SRF-Seite
    https://www.srf.ch/meteo/meteo-stories/srfmeteobild-die-top-3
    Bild 2 der Top 3 zeigt einen Firnhof mit der Sonne vor dem Betrachter nicht wie beim Regenbogen im Rücken des Betrachters.
    Sind die hier eingangs beschriebenen Luftschichten, feucht unten trocken oben die Zutaten für solche Phänomene?

    1. MeteoSchweiz, 09.11.2021, 08:25

      Guten Morgen Herr Key,
      Vielen dank für Ihre Anfrage. Sie vergleichen Haloerscheinungen mit einem Regenbogen bzw. Nebelbogen?
      Hier ein paar interessante Links:
      https://wissenstexte.de/physik/halo.htm#nebelbogen
      https://wissenstexte.de/physik/halo.htm

      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  2. MeteoSchweiz, 08.11.2021, 20:07

    Guten Abend Herr Neth und danke für Ihren Kommentar. Im Grunde eine gute, aber leider auch etwas kostenintensive, Idee. Der von Trimbach am nächsten gelegene Radarmessstandort ist der Albis-Radar, welcher auch sehr zuverlässig Niederschlag misst. Doch gibt es leider auch bei der Messung von Niederschlag einige messspezifische Dinge, welche man beachten und diesbezüglich Kompromisse eingehen muss. Wenn Sie mehr über das Schweizer Wetterradarnetz nachlesen möchten, empfehlen wir Ihnen diesen Beitrag. https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/atmosphaere/das-schweizer-wetterradarnetz.html
    Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz

  3. Dieter Neth, 08.11.2021, 19:27

    Derart "unsichtbarer" Regen habe ich schon mehrmals zu spüren bekommen, wenn etwa grad zur Abfahrtszeit zur Arbeit keine Echos über dem östlichen Faltenjura zu sehen sind und ich dann auf dem Velo trotzdem nass werde. Sind wir in Trimbach denn weit vom nächsten Wetterradar entfernt? In diesem Fall hätte es auf dem Wisenberg (1001 m ü M) noch schön Platz! Sehr exponierte Höhe mit Blick tief ins Elsass und den Schwarzwald.
    Könnte doch im Sommer für die Gewitter noch interessant sein!