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Leewellen

10. November 2021, 3 Kommentare
Themen: Wetter

Auch heute war eigentlich Hochdruckeinfluss wetterbestimmend. «Eigentlich» deshalb, weil doch grössere Einschränkungen zu verzeichnen waren. Diesen gehen wir im heutigen Blog auf den Grund.

In Villars-sur-Ollon im Kanton Waadt hatte man am Vormittag einerseits einen schönen Blick auf die Leewellenbewölkung und andererseits auf die Nebelreste im Tal. Foto: S. Burri
In Villars-sur-Ollon im Kanton Waadt hatte man am Vormittag einerseits einen schönen Blick auf die Leewellenbewölkung und andererseits auf die Nebelreste im Tal. Foto: S. Burri

Wetterlage

Das bereits gestern an dieser Stelle angesprochene riesige Hochdruckgebiet erstreckte sich heute von den Azoren bis zum Schwarzen Meer und weiter nach Norden bis in den Westen Russlands. Dies entspricht einer horizontalen Strecke von rund 6500 Kilometern. Auch das Tief über dem westlichen Mittelmeer blieb erhalten, es verlagerte sein Zentrum in den vergangenen 24 Stunden etwas nach Westen.

Vergrösserte Ansicht: Links: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute 6 UTC (Quelle DWD). Rechts: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5600 m). Dargestellt ist die Temperatur (Farbflächen), die Windrichtung und –stärke (Pfeile) sowie das Geopotential (schwarze Linien). Der grosse Pfeil zeigt schematisch die Richtung des Höhenwindes über den Alpen.
Links: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute 6 UTC (Quelle DWD). Rechts: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5600 m). Dargestellt ist die Temperatur (Farbflächen), die Windrichtung und –stärke (Pfeile) sowie das Geopotential (schwarze Linien). Der grosse Pfeil zeigt schematisch die Richtung des Höhenwindes über den Alpen.

Schauen wir uns die Höhenwetterkarte an, so sehen wir, dass das Mittelmeertief auch heute einen Einfluss auf das Wetter im Alpenraum hatte. Es sorgte nämlich für eine kräftige südöstliche Höhenströmung. Dies hatte einerseits Föhneffekte zur Folge, andererseits löste es markante Leewellenbewölkung aus.

Leewellen mit Vor- und Nachteilen

Vergrösserte Ansicht: Blick heute Morgen von Birg unterhalb des Schilthorns in die Berner Alpen. Links im Bild tobt im Jungfraugebiet der Guggiföhn.
Blick heute Morgen von Birg unterhalb des Schilthorns in die Berner Alpen. Links im Bild tobt im Jungfraugebiet der Guggiföhn.

Bereits am Vorabend hat markante Wellenbildung eingesetzt. Die dadurch entstandene ausgedehnte hohe und mittelhohe Bewölkung sorgte in der Nacht für eine reduzierte Abstrahlung. Dementsprechend fand die Nebelbildung nur sehr eingeschränkt statt.

Am Morgen lag vor allem dem Jurasüdfuss entlang, in Teilen der Zentralschweiz und gebietsweise am Bodensee Nebel oder tiefer Hochnebel. Dieser löste sich am Vormittag aber relativ rasch auf.

Vergrösserte Ansicht: Infrarot-Satellitenbild von heute 11.45 UTC. Die Leewellenbewölkung erstreckte sich von Grenoble/F über die Schweizer Alpennordseite und Süddeutschland bis ins Salzburgerland/A.
Infrarot-Satellitenbild von heute 11.45 UTC. Die Leewellenbewölkung erstreckte sich von Grenoble/F über die Schweizer Alpennordseite und Süddeutschland bis ins Salzburgerland/A.

Kein Vorteil ohne Nachteil - die Wellenwolken blieben nämlich auch tagsüber vielerorts stationär und sorgten für eine starke Reduktion der Sonnenscheindauer. Auf der Alpennordseite sorgte die Bewölkung - entgegen der Prognose - stellenweise ganztags für trübe Verhältnisse. Die Temperaturen erreichten dabei maximal 5 bis 8 Grad.

In Teilen des Wallis und vielerorts auch in Graubünden wurden hingegen 3 bis 6, auf dem Weissfluhjoch sogar 7 Sonnenstunden gemessen.

Etwas Niederschlag im Süden

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Entsprechend der südöstlichen Strömungsrichtung ist vor allem dem Alpenhauptkamm entlang vom Monte-Rosa-Massiv bis in die Gotthardregion in der Nacht und am Morgen etwas Niederschlag gefallen. Lokal wurden knapp 10 mm Regen gemessen, die Schneefallgrenze lag auf rund 2200 Metern.

Föhnig

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Pilatus auf die Vorderkante der Wellenwolken. Daran anschliessend das Föhnfenster und im Hintergrund die Staubewölkung mit den Rotorwolken.
Blick vom Pilatus auf die Vorderkante der Wellenwolken. Daran anschliessend das Föhnfenster und im Hintergrund die Staubewölkung mit den Rotorwolken.
Foto: M. Gaia

Auch heute machte sich in einigen Regionen der Föhn bemerkbar. Er wehte vor allem in den höheren Lagen. Der recht markante Kaltluftsee unterhalb von rund 1000 Metern erschwerte den Föhndurchbruch in den Tälern. Im Urner Reusstal arbeitete er sich bis etwa Amsteg vor, im Rheintal reichte er vorübergehend bis ins Sarganserland.

An den Orten an denen sich der Föhn durchsetzte, wurde es ausgesprochen mild. Die höchsten Werte lieferten heute die Stationen Chur mit 18.6 Grad, gefolgt von Visp mit 18.4 Grad und Elm im Glarnerland mit 17.5 Grad.

Vergrösserte Ansicht: In Elm wurde die Tageshöchsttemperatur heute bereits während einer Föhnphase kurz nach 9 UTC (10 h MEZ) registriert. Dies ohne Sonnenschein. Dargestellt ist der Verlauf des Windes (oben), die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit (mittig) sowie die Sonnenscheindauer (unten).
In Elm wurde die Tageshöchsttemperatur heute bereits während einer Föhnphase kurz nach 9 UTC (10 h MEZ) registriert. Dies ohne Sonnenschein. Dargestellt ist der Verlauf des Windes (oben), die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit (mittig) sowie die Sonnenscheindauer (unten).

Bei südöstlicher Anströmung blicken wir im Wetterdienst jeweils gespannt in die Jungfrauregion, genauer gesagt in das Gebiet von der Kleinen Scheidegg bis zum Lauberhorn. Auch heute wurden wir nicht enttäuscht: Der Guggiföhn erreicht in den Morgenstunden an der Partnerstation Lauberhorn von Kachelmannwetter eine Böenspitze von 139 km/h.

Kommentare (3)

  1. Oberholzer Daniel, 11.11.2021, 07:39

    Geschätztes Meteoteam, ich habe eine Frage zur Nebeluntergrenze. Seit einiger Zeit ist mir aufgefallen dass die Untergrenze vom Nebel über dem Zürichsee etwa 100 Meter höher ist als über dem festen Boden, wie ich es zum Beispiel heute Morgen in Altstetten wieder festgestellt habe. Liegt das an der Wassertemperatur vom See (gem. Seepolizei 12 grad) oder gibt es einen andern Grund.

    1. MeteoSchweiz, 11.11.2021, 09:52

      Guten Morgen Herr Oberholzer
      Besten Dank für Ihre Frage. Nicht ganz einfach zu beantworten, da verschiedene Faktoren davon abhängen (Temperatur, Taupunkt, Wind etc.). In der aktuellen Jahreszeit wird die Luft über dem See durch seine höhere Temperatur (im Vergleich zur Temperatur über Land) etwas erwärmt. Da wärmere Luft etwas mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, tritt die Sättigung erst einige Meter über dem See ein. Dort liegt dann auch die Nebeluntergrenze. Je ähnlicher die Seetemperatur der Lufttemperatur über Land ist, desto weniger können Sie dieses Phänomen beobachten. Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  2. P. Bernet, 10.11.2021, 19:21

    Und da wäre einmal mehr der Saharastaub.
    Deshalb konnte man gestern auch wieder spektakuläre
    Farben am Abendhimmel bestaunen.