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Säntis: Höher heisst nicht unbedingt schöner

29. November 2021, 6 Kommentare
Themen: Über uns

Der Unterhalt der Wetterstation auf dem Säntis ist einer der anspruchsvollsten in unserem Messnetz. Finden Sie heraus, warum.

Die Messstation auf dem Säntisgipfel gehört laut Definition der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zum exklusiven Kreis der hundertjährigen Wetterstationen. Sie ist seit mehr als einem Jahrhundert ununterbrochen in Betrieb, was angesichts der Lage der Station eine beachtliche Leistung darstellt. Der beschränkte Platz auf dem Grat (siehe Abbildung 1), aber auch die starken Winde auf dem exponierten Gipfel und die Turbulenzen, die an den Hängen entstehen, stellen eine Herausforderung für die Durchführung hochwertiger meteorologischer Messungen dar.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 1: Luftaufnahme des Säntisgipfels aus dem Jahr 1949, welche die Beengtheit des Standorts und seine topographische Komplexität zeigt, was meteorologische Messungen an diesem Ort sehr aufwendig macht.
Abbildung 1: Luftaufnahme des Säntisgipfels aus dem Jahr 1949, welche die Beengtheit des Standorts und seine topographische Komplexität zeigt, was meteorologische Messungen an diesem Ort sehr aufwendig macht.
(Foto: MeteoSchweiz)

Hinzu kommt die Höhe des Gipfels (2502m), der sich in einem Bereich der Atmosphäre befindet, wo die Luft im Allgemeinen sehr feucht ist, was im Winter die Ansammlung von Schnee und Eis auf den Instrumenten begünstigt (siehe Abbildung 2).

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 2: Eisablagerungen an den Masten und Instrumenten der Wetterstation Säntis (2500 m). Durch die Beheizung der Instrumente werden diese in der Regel eisfrei gehalten, so dass eine Unterbrechung der Messungen vermieden wird.
Abbildung 2: Eisablagerungen an den Masten und Instrumenten der Wetterstation Säntis (2500 m). Durch die Beheizung der Instrumente werden diese in der Regel eisfrei gehalten, so dass eine Unterbrechung der Messungen vermieden wird.
(Foto: MeteoSchweiz)

Die Messung der Niederschläge an einem so windexponierten Ort ist besonders schwierig. Der Wind und die Turbulenzen, die um ein Messinstrument entstehen, führen zu einer Unterschätzung der gemessenen Menge, insbesondere bei Schneefall. So wird in einem Buch über die Geschichte der Wetterstation Säntis aus dem Jahr 2002 festgehalten, dass "ein Standort auf der windzugewandten Seite eines Gipfels zu großen Defiziten bei den gemessenen Niederschlagsmengen führen kann".  Andererseits, so heisst es in demselben Buch, «besteht die Gefahr, dass zu viel Niederschlag gemessen wird, wenn zu viel Windschutz vorhanden ist, z. B. in Windrichtung von Hindernissen.». Dies wurde im Herbst 1887 beobachtet, nachdem der Regenmesser vom Gasthaus auf das Dach des Observatoriums verlegt wurde. Die Folge war, dass sich die jährliche Gesamtniederschlagsmenge um ein Drittel erhöhte.

Es ist daher sehr wichtig, den richtigen Messort zu bestimmen. Die WMO hat Kriterien zur Standardisierung und Optimierung der Messorte je nach Parameter formuliert. So sollte beispielsweise der Wind an einem hindernisfreien Ort gemessen werden, während man den Niederschlag am besten an einem windgeschützten Ort misst. Diese Kriterien wurden objektiv festgelegt und werden in allen Regionen der Welt in gleicher Weise angewandt.

MeteoSchweiz hat auf der Grundlage dieser WMO-Kriterien eine Zertifizierung für Messstationen entwickelt, um die Qualität seiner Messstellen zu überwachen und zu verbessern. Ein solches Vorgehen ist notwendig, um die Qualität einer Messstelle langfristig zu sichern und um aus den dort gewonnenen Daten Rückschlüsse auf den Klimawandel zu ermöglichen.

Kommentare (6)

  1. Martin, 29.11.2021, 17:10

    Danke für den interessanten Bericht!

  2. Sabrina H., 29.11.2021, 14:28

    Vielen Dank für die interessanten Beiträge! Nun frage ich mich aber schon, wieso man dort überhaupt eine Messstation betreibt. Im Beitrag sind vor allem Nachteile aufgeführt, die so eine Stelle hat. Was spricht denn für einen Gipfelgrat, abgesehen von den Messdaten, die man für ebendiesen erhält? Es mag ja interessant sein, zu wissen wie stark der Wind auf dem Säntis ist oder ob es vorgestern dort geregnet hat. Aber was kann speziell diese Station beitragen, das eine andere nicht kann?

    1. MeteoSchweiz, 01.12.2021, 16:12

      Liebe Sabrina H.

      MeteoSchweiz hat u.a. den Auftrag, die Wetter- und Klimaentwicklung im Land zu überwachen und umfassende Wetter- und Klimadaten zur Verfügung zu stellen. Da die Schweiz zu einem wesentlichen Teil aus Gebirgsregionen besteht, ist die Erfassung der dortigen Bedingungen wichtig. Langjährige hochgelegene Messstationen tragen zum Beispiel entscheidend dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gebirgsregionen zu verstehen.

      MeteoSchweiz betreibt Messstationen auf verschiedenen Höhenlagen. Der Säntis liegt im nordöstlichsten Teil der Schweiz und kann dadurch die Wetterbedingungen bei Nordwind gut erfassen. Windmessungen an solchen Gipfellagen sind zudem wichtig, da es dort keine (oder nur geringe) Störungen der Umgebung gibt.

      Beste Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Atina, 04.12.2021, 10:27

      Hallo Sabrina
      Dass sehe ich auch wie Sie. Und die angeblichen Vorteile im der Antwort sind für mich nicht überzeugend. Finde es dazu extrem schade, dass die Bergspitzen nicht einfach belassen werden können.
      FG

  3. Küttel Josef, 29.11.2021, 10:53

    Mehr davon! ZB Ist da täglich jemand oben? Wie ist es, wenn es stürmt, der Blitz einschlägt?

    1. MeteoSchweiz, 29.11.2021, 16:55

      Guten Tag Herr Küttel

      Es ist täglich jemand auf dem Säntis aber nicht Techniker von MeteoSchweiz, sondern Personen welche für uns Wartungsarbeiten auf der Messstation tätigen (z.B. Reset der Station, Strom einschalten, usw.).
      Falls die Messgeräte oder -infrastruktur beschädigt wird, muss jedoch eine Fachperson von MeteoSchweiz vor Ort gehen (bei jeder Witterung!) und die Panne beheben.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz