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Schon wieder Nebel im Süden!

21. November 2021, 4 Kommentare
Themen: Wetter

Der Nebel ist natürlich auch heute wieder Thema Nummer eins im Wetterblog. Ausserdem werfen wir einen Blick auf die Wetterentwicklung der kommenden Tage.

Nebel so weit das Auge reicht über dem Südtessin und der angrenzenden Poebene. Bild: S. Zanini
Nebel so weit das Auge reicht über dem Südtessin und der angrenzenden Poebene. Bild: S. Zanini

Schon den vierten Tag in Folge lag am heutigen Sonntagmorgen über den Niederungen des Mittel- und Südtessins eine Nebeldecke. Die diensthabenden Kollegen in Locarno-Monti sprachen von «Zuständen wie in der Deutschschweiz!» und zückten sogleich die Kamera, um die Nebeldecken über dem Mittel- und Südtessin festzuhalten und in einem eigenen Blog zu beschreiben:

La nebbia se ne va - arriva la nuvolosità

Während der Nebel auf der Alpennordseite in den Herbst- und Wintermonaten ein geradezu prägendes Wetterelement darstellt ist er auf den Tessiner Talböden seltener anzutreffen. Selbst der Talboden zwischen Biasca und Bellinzona war am heutigen Morgen mit einer dünnen Nebelschicht bedeckt, wie der Blick vom Piz Matro Richtung Süden zeigt:

Auf der Alpennordseite lag zunächst grossflächig Nebel mit einer Obergrenze auf knapp 800 Metern. Über dem Nebelmeer frischte der Südwestwind während der Nacht deutlich auf, was zur Folge hatte, dass sich bereits im Verlauf des Vormittags Lücken in der Nebeldecke bildeten.

Um die weitere Wetterentwicklung am heutigen Sonntagabend und zum Beginn der neuen Woche zu verstehen, müssen wir zunächst die grossräumige Strömung in der Atmosphäre studieren.

Luftmassenwechsel steht bevor

Im weiteren Verlauf des Sonntags und des Montags bewegt sich eine Kaltfront vom Ärmelkanal her unter Verlangsamung und Abschwächung zum Alpenbogen. Auf der Rückseite der Front fliesst ab Montagabend mit Bise frische Polarluft zur Schweiz.

Diese frische Polarluft «schiebt» quasi die vorgelagerte bodennahe Luft, in unserem aktuellen Fall den nebligen Kaltluftsee, der über den Niederungen liegt, vor sich her und verdrängt ihn aktiv. Dieser Prozess konnte heute in der Region Basel anhand von Windmesswerten sowie visuell beobachtet werden.

Vergrösserte Ansicht: Zeitlicher Verlauf des Mittelwinds (feine schwarze Linie), der Böenspitzen (dicke schwarze Linie) und Windfiedern in St. Chrischona am nordöstlichen Stadtrand von Basel. Das Messgerät befindet sich auf einem Telekommunikationsturm knapp 500 m ü. M. in hügeligem Gelände, welches gegenüber der Stadt und dem Rheintal leicht erhöht liegt.
Zeitlicher Verlauf des Mittelwinds (feine schwarze Linie), der Böenspitzen (dicke schwarze Linie) und Windfiedern in St. Chrischona am nordöstlichen Stadtrand von Basel. Das Messgerät befindet sich auf einem Telekommunikationsturm knapp 500 m ü. M. in hügeligem Gelände, welches gegenüber der Stadt und dem Rheintal leicht erhöht liegt.

Im Verlauf des Vormittags frischte an der Messstation St. Chrischona bei Basel der Wind markant auf und drehte auf westliche Richtung. Die Bildsequenz einer am selben Standort verfügbaren Webcam zeigt den Grund für die plötzliche Zunahme des Windes: Der neblige Kaltluftsee, welcher über der Stadt und dem westlichen angrenzenden Burgund lag, wurde etwas mächtiger und drang in der Folge auch Rhein aufwärts in Richtung des nordöstlichen Mittellandes vor.

Vergrösserte Ansicht: Bildsequenz der Webcam St. Chrischona (500m) nordwestlich von Basel heute Vormittag. Der Panoramablick Richtung Süden reicht vom Hochrhein am linken Bildrand, der unter dem Nebelmeer liegt, über die Alpen und die östlichen Ausläufer des Jurabogens (Bildmitte) zur Stadt Basel, ebenfalls unter dem Nebel, am rechten Bildrand.
Bildsequenz der Webcam St. Chrischona (500m) nordwestlich von Basel heute Vormittag. Der Panoramablick Richtung Süden reicht vom Hochrhein am linken Bildrand, der unter dem Nebelmeer liegt, über die Alpen und die östlichen Ausläufer des Jurabogens (Bildmitte) zur Stadt Basel, ebenfalls unter dem Nebel, am rechten Bildrand.
Quelle Roundshot: https://chrischona.roundshot.com/#/

Die übrigen Teile des Mittellandes waren von diesem Prozess tagsüber noch nicht so stark "betroffen". Auch hier stieg die Nebelobergrenze im Tagesverlauf tendenzielle etwas an. Gleichzeitig konnte sich der Nebel unter der Einwirkung des mässigen Südwestwindes, der an der Nebelobergrenze für etwas Turbulenz und damit Mischung der feucht-kühlen Nebelsuppe mit der trocken-milden Luft darüber sorgte, lokal auflockern. Über dem Nebelmeer herrschte tagsüber sonniges Wetter. Erst gegen Abend zogen aus Südwesten Wolkenfelder auf, welche von einem Tief über der französischen Mittelmeerküste Richtung Alpen drifteten.

Mittelmeer-Tief zum x-ten

Damit zum zweiten wichtigen Element dieser Tage. Über dem Mittelmeer befindet sich immer noch ein Tiefdruckgebiet und sorgt dort weiterhin für gebietsweise kräftige Niederschläge. Die in diesen Wettersystemen angefeuchtete Luft wird mit dem aufkommenden südwestlichen Wind in der Höhe zu den Alpen transportiert. Das Mittelmeertief wird am Montag vorübergehend sogar noch einmal intensiviert, was mit grossflächigen Hebungsvorgängen in der Atmosphäre einhergeht. Die Bewölkung nimmt als Folge von diesen Vorgängen auch in den nebelfreien Gebieten vorübergehend zu. Zwischen Sonntagabend und Dienstagmorgen fällt regional etwas Regen, oberhalb von 800 bis 1200 Metern Schnee.

Von Dienstag bis Donnerstag bestimmt meist zäher Hochnebel das Wetter in den Niederungen der Alpennordseite. Am Freitag sagen die aktuell verfügbaren Prognoseunterlagen einen markanten Kaltluftausbruch von den polaren Breiten nach Mitteleuropa und damit einen deutlichen Wechsel der Witterung voraus. Die Schneefallgrenze dürfte für ein paar Tage bis in tiefere Lagen sinken und in den Alpen eine Portion Neuschnee fallen. Wir aktualisieren täglich die Kurz- und Mittelfristprognosen auf unserer Homepage und unserer App: Wetterbericht

Kommentare (4)

  1. Michael Zemp, 22.11.2021, 14:27

    und noch ein kleines Detail: Die Chrischona liegt nordÖSTLICH von Basel. Nordwestlich wären wir schon weit im Elsass… ;-)

    1. MeteoSchweiz, 22.11.2021, 15:12

      Guten Tag Herr Zemp
      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben natürlich Recht. Wir haben die Bildlegende korrigiert.
      Beste Grüsse
      MeteoSchweiz

  2. Ulrich, 22.11.2021, 10:15

    Guten Tag
    Im Kommentar zu den Bildern von St. Chrischona hat sich ein interessanter Druckfehler eingeschlichen: Der Hochrhein ist hochrein... müsste man kommentieren, wenn da nicht der Nebel läge...

    Kurz gesagt: Im Wort Hochrhein fehlt das h vom Rhein!.
    MfG
    Ulrich

    1. MeteoSchweiz, 22.11.2021, 10:50

      Guten Tag Ulrich. Danke für ihren Hinweis.
      Der Bildtext wurde angepasst.