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Schwache Störung im Anmarsch

7. November 2021
Themen: Wetter

Ein Ausläufer des Azorenhochs sorgte heute Sonntag für einen meist sonnigen Tag. Die Nebelausdehnung hielt sich am Vormittag erneut in Grenzen und beschränkte sich im Wesentlichen auf die Flusstäler des Mittellandes und die Nordwestschweiz. Am Nachmittag zeigten sich dann besonders nördlich der Alpen die ersten Vorboten einer nur wenig aktiven Kaltfront, welche die Alpennordseite in der Nacht auf Montag erfasst.

Gute Fernsicht im Tessin. Blick über die Magadinoebene Richtung Locarno. Im Hintergrund unter anderem der Pizzo Leone und der Gridone. Foto: Joël Fisler
Gute Fernsicht im Tessin. Blick über die Magadinoebene Richtung Locarno. Im Hintergrund unter anderem der Pizzo Leone und der Gridone. Foto: Joël Fisler

Vorübergehend schwächelndes Hoch

Ein Ausläufer des Azorenhochs, der sich vom Atlantik bis zum Alpenraum erstreckte, bestimmte heute Sonntag erneut das Wetter im Alpenraum. Der Hochdruckeinfluss liess im Tagesverlauf allerdings etwas nach. Dafür verantwortlich war eine schwache Störung, die sich in der zweiten Tageshälfte aus Norden der Schweiz näherte. Genauer gesagt, handelte es sich um eine kaum wetteraktive Kaltfront, die von einem Tief mit Zentrum über Schweden mit einer nordwestlichen Höhenströmung zur Schweiz gelenkt wurde.

Vergrösserte Ansicht: Wetterlage am Sonntag, 7. November 2021. Eine schwache Kaltfront näherte sich aus Norden der Schweiz. Quelle: MeteoSchweiz
Wetterlage am Sonntag, 7. November 2021. Eine schwache Kaltfront näherte sich aus Norden der Schweiz. Quelle: MeteoSchweiz

Kalte Nacht

Nach dem sich der Hochnebel gestern Samstag fast überall aufgelöst hatte, blieb es am Samstagabend zunächst klar. Die Temperatur rauschte daher in den Abendstunden rasch in den negativen Bereich. In den Niederungen der Alpennordseite wurden die Tiefstwerte der Nacht an manchen Orten bereits am Abend erreicht.

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Zwei Faktoren verhinderten einen weiteren Temperaturrückgang. Einerseits bildete sich ab dem späteren Abend verbreitet wieder Nebel oder tiefer Hochnebel, und andererseits setzte besonders im zentralen und östlichen Mittelland ein schwacher Südostwind ein. Vor allem der Wind störte den bodennahen Kaltluftsee erheblich. Südostwind ist im Mittelland übrigens oft bei Druckfall beziehungsweise nachlassendem Hochdruckeinfluss zu beobachten.

Vergrösserte Ansicht: Verlauf von Wind, Temperatur, Taupunkt und Luftdruck für den Messstandort Mosen in der Nähe des Hallwilersees. Bis um etwa Mitternacht ging die Temperatur bei windschwachen Bedingungen kontinuierlich zurück. Danach frischte der Südostwind etwas auf, womit die Temperatur prompt über 0 Grad stieg. Quelle: MeteoSchweiz
Verlauf von Wind, Temperatur, Taupunkt und Luftdruck für den Messstandort Mosen in der Nähe des Hallwilersees. Bis um etwa Mitternacht ging die Temperatur bei windschwachen Bedingungen kontinuierlich zurück. Danach frischte der Südostwind etwas auf, womit die Temperatur prompt über 0 Grad stieg. Quelle: MeteoSchweiz

In den nebelfreien und windgeschützten Gebieten wurde das Temperaturminimum in den Morgenstunden erreicht. In den Niederungen wurden beidseits der Alpen bis am Morgen frostige -4.8 bis 0 Grad gemessen. Leicht positive Temperaturminima wurden nur in der Nähe der Seen oder in der Nordwestschweiz beobachtet. In Samedan im Oberengadin ging die Temperatur sogar bis auf -18 Grad zurück.

Vergrösserte Ansicht: Bodenfrost am Morgen in der Sihlseeregion. Foto: Daniel Gerstgrasser
Bodenfrost am Morgen in der Sihlseeregion. Foto: Daniel Gerstgrasser

Zuerst gebietsweise Nebel, dann sonnig

Die Bise hatte am Samstagabend nachgelassen, weshalb sich in der Nacht aufliegender Nebel oder Hochnebel mit tiefer Obergrenze bildete. Die Nebelausdehnung beschränkte sich am Sonntagvormittag grösstenteils auf die Flusstäler des Mittellandes und Teile der Nordwestschweiz.

Vergrösserte Ansicht: Seerauch und Nebel über dem Greifensee bei Niederuster am Sonntagmorgen. Foto: Michael Kasper
Seerauch und Nebel über dem Greifensee bei Niederuster am Sonntagmorgen. Foto: Michael Kasper

Bis am Mittag löste sich der Nebel fast überall auf. Womit in allen Landesteilen ein überwiegend sonniger Nachmittag genossen werden konnte.

Vergrösserte Ansicht: Gute Fernsicht vom Naters bei Röthenbach i. E. Über den verschneiten Voralpen und Alpen sind einige Cirren auszumachen. Foto: Christoph Schmutz
Gute Fernsicht vom Naters bei Röthenbach i. E. Über den verschneiten Voralpen und Alpen sind einige Cirren auszumachen. Foto: Christoph Schmutz

Der Himmel zeigte sich jedoch nicht mehr wolkenlos. Besonders nördlich der Alpen schien die Sonne oft durch erste, noch meist dünne Schleierwolken. Die Temperatur erreicht am Nachmittag Höchstwerte zwischen 8 und 11 Grad im Norden und 11 bis 13 Grad im Süden.

Vergrösserte Ansicht: Im Engadin herrschte am Sonntag wunderbar sonniges Wetter mit nur wenigen Cirren. Blick über den Silvaplanersee Richtung Surlej und Silvaplana. Foto: Melanie Ruosch
Im Engadin herrschte am Sonntag wunderbar sonniges Wetter mit nur wenigen Cirren. Blick über den Silvaplanersee Richtung Surlej und Silvaplana. Foto: Melanie Ruosch

Die tiefe Bewölkung der Kaltfront erfasste die Nordwestschweiz, den Jura und das Mittelland im Laufe des Nachmittags.

Vergrösserte Ansicht: Herbststimmung bei nur noch tiefem Wasserstand bei Stein am Rhein. Im Hintergrund die ersten Wolkenfelder der sich annähernden Kaltfront. Foto: Marco Stoll
Herbststimmung bei nur noch tiefem Wasserstand bei Stein am Rhein. Im Hintergrund die ersten Wolkenfelder der sich annähernden Kaltfront. Foto: Marco Stoll

Haareis

Unser Kollege Daniel Gerstgrasser konnte heute Morgen in der Sihlseeregion seine erste Haareis-Sichtung der Saison machen. Dieses Phänomen dürfte in den kommenden Tagen beziehungsweise generell im bevorstehenden Winterhalbjahr wieder vermehrt zu finden sein.

Vergrösserte Ansicht: Haareis auf Totholz. Foto: Daniel Gerstgrasser
Haareis auf Totholz. Foto: Daniel Gerstgrasser

Haareis entsteht bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen knapp unterhalb des Gefrierpunkts auf Totholz. Dafür verantwortlich ist ein Pilz, der im Totholz organische Nährstoffe abbaut und als Abfallprodukt CO2 produziert. Das Gas drängt in der Folge mit dem ebenfalls vorhandenen Wasser an die Oberfläche des Totholzes, wo es zu Eishaaren beziehungsweise Haareis gefriert.

Vergrösserte Ansicht: Am Sonntagmorgen waren die Bedingungen erfüllt, sodass sich auf dem Totholz in den Wäldern Haareis bilden konnte. Foto: Daniel Gerstgrasser
Am Sonntagmorgen waren die Bedingungen erfüllt, sodass sich auf dem Totholz in den Wäldern Haareis bilden konnte. Foto: Daniel Gerstgrasser

Weitere Informationen zu Haareis finden Sie beispielsweise hier.

 

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