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Südostströmung bringt Verschiedenes

12. November 2021, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Ein kräftiges Tief westlich von Korsika bewirkte heute im Alpenraum eine südöstliche Höhenströmung. Sie führte für doch eher zyklonale Verhältnisse recht trockene, aber etwas staubbeladene Luft zur Schweiz. Dementsprechend war es in den Bergen sonnig, aber nicht ganz klar. In den Niederungen der Alpennordseite war hingegen der Nebel Herr der Lage.

Zwischen den zwei Welten Nebel und Sonne bei Schindellegi konnte man Brockengespenster und Glorien bestaunen. Bild: Daniel Gerstgrasser.

Tief westlich von Korsika hatte im Alpenraum eine südöstliche Höhenströmung zur Folge, welche allerdings eher trockene Luft heranführte…

Ein kräftiges Tief lag heute westlich von Korsika, was im Alpenraum zu einer Südostströmung führte, dies allerdings nur in grösserer Höhe. Normalerweise führen tiefdruckbestimmte südöstliche Winde zu Niederschlägen am Alpensüdhang, dies besonders im westlichen Tessin und in der Simplonregion. Heute war die Feuchtezufuhr bescheiden, so dass es in der Höhe praktisch in der ganzen Schweiz heiter war. Wenn man von den südlichen Walliser Alpen Richtung Süden blickte, erkannte man unterhalb von etwa 3500 Meter teils recht ausgedehnte Bewölkung, was auf einen leichten Südstau in diesem Gebiet hindeutete.

…allerdings war der Staubegehalt beachtlich

Wenn man heute auf Berggipfeln verweilte, fiel einem die nicht optimale Sicht auf. Diese Sichteinschränkung wurde verursacht durch einen erhöhten Staubgehalt der Luft, welcher auch gemäss einem Modell von MeteoFrance über dem Alpenraum in eher geringer Konzentration modelliert wurde. Der Staub wurde durch die Südostströmung herantransportiert, wie gleich gezeigt wird.

Der Staub gelangte mit der Südostströmung zu den Alpen - es handelt sich wohl um Saharastaub

Vor 3 Tagen lag die in den Schweizer Alpen sich heute befindende Luft noch über Süditalien. Dort wurde zu diesem Zeitpunkt gemäss MeteoFrance beispielsweise auf 3000 Metern ein stark erhöhter Staubgehalt ermittelt. Blättert man gemäss dem erwähnten Modell von MeteoFrance weiter zurück, so erkennt man, dass das Gebiet mit hohem Staubgehalt über Nordafrika lag. Damit ist es naheliegend, anzunehmen, dass es sich um Saharastaub handelt, welcher von Nordafrika über Süditalien zum Alpenraum gelangte. Die ganz leicht rötliche Färbung des Dunstes lässt dies ebenfalls vermuten.

Niederungen der Alpennordseite lagen unter einer Nebeldecke

Für viele Bewohner der Niederungen auf der Alpennordseite wäre der leichte Dunst wohl wesentlich angenehmer gewesen als das triste Nebelgrau. Die graue Suppe hatte eine Obergrenze von 800 Metern und reichte auch weit in die Alpentäler hinein, so im Aaretal bis Meiringen, im Urner Reusstal bis Gurtnellen und im Rheintal bis Bad Ragaz. Wie nicht selten im November machte der Nebel auch kaum Anstalten, sich aufzulösen.

In den Niederungen der Alpennordseite kühl, in der Höhe und im Süden mild

Durch die fehlende Sonneneinstrahlung kamen die Temperaturen heute in den Niederungen der Alpennordseite kaum vom Fleck, so dass man sich mit Höchstwerten von 4 bis 6 Grad begnügen musste. Mild war es demgegenüber oberhalb des Nebels, sowie auf der Alpensüdseite.  Auf der Alpensüdseite wurde bis in Höhenlagen von 1700 Metern mehr als 10 Grad aufgezeichnet. Ähnlich mild war es auch nördlich der Alpen in einem Höhenbereich von 1000 bis 1700 Metern. Im oberen Urner Reusstal bei Wattingen unterhalb von Göschenen kam es in der Nacht und am Morgen zu einem mehrmaligen Wechsel zwischen der milden Luft in der Höhe und der kalten Grundschicht. Wenn die milde Luft dank dem zeitweise herrschenden Bergwind die Oberhand gewann, stieg die Temperatur auf über 10 Grad. Wurde die kalte Grundschicht mit schwachem Nordwind über Wattingen hinweg ins obere Reusstal hineingedrückt, fiel die Temperatur auf 4 bis 5 Grad ab.

Kommentare (7)

  1. Pierre Rust, 12.11.2021, 23:37

    Ich bin Ihnen wieder einmal dankbar.
    Dank Ihrem sehr interessanten und erleuchtenden Bericht, haben Sie mein heutiges Kopfzerbrechen definitv beendet !
    Infolge des gestrigen Wetterberichts ("sehr gute Fernsicht in den Bergen") habe ich mich heute Nachmittag zum Großen Belchen (Grand-Ballon) in den südlichen Vogesen begeben; Ziel war es die normalerweise mit solchen Konditionen verbundene wunderbare Aussicht auf die Alpenkette vom Säntis bis zum Mont-Blanc mit einem Alpenglühen als "krönenden Abschluss", zu geniessen.
    Eine gewisse Entäuschung gab es jedoch : das 160km entfernte Berner Oberland zeigte sich eher trüb; von einem Alpenglühen gab es wohl keine Spur; lediglich der im Westen weiter entfernte Mont-Blanc (230km) war erheblich sichtbarer.
    Den Übeltäter wurde nun dank MeteoSchweiz identifiziert : sein Ursprung lag in der Tat in einer weit entfernten Wüste...
    So voller Überraschungen ist Mutter Natur !

  2. Dieter Neth, 12.11.2021, 22:44

    In den Freibergen war es heute fast gleich warm wie im Südtessin! Sind die 14,9 Grad etwa gar von La Brevine?
    Es scheint auch, dass es im Solothurner Jura einen auffälligen Mangel an Stationen gibt - verglichen etwa mit dem Wallis und dem Berner Oberland.

    1. MeteoSchweiz, 12.11.2021, 23:03

      Guten Abend Herr Neth

      Die Höchsttemperatur von 14.9 Grad wurde in La Chaux-de-Fonds gemessen. Damit war der Ort zusammen mit Les Charbonnières und Zweisimmen zumindest im SMN-Messnetz einer der mildesten Orte auf der Alpennordseite. Noch etwas wärmer wurde es, wie Sie schon richtig beobachteten, auf der Alpensüdseite mit bis zu 16.6 Grad in Stabio.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

    2. M. Souza, 13.11.2021, 10:45

      Bin der gleichen Meinung, dass 1-2 Stationen im Solothurner Jura interessant wären. Beim einer kleinen Velotour ab Basel erreichte ich gestern den Sonnenschein schon in Gempen (600 m.ü.M.).
      Ich muss dann für einen Überblick in der Höhe um Basel Chrischona und Rüneberg konsultieren, was aber die Gegend um Nunningen oder Passwang schlecht repräsentiert.

  3. Silvan, 12.11.2021, 19:09

    Heute lohnt sich ein Blick in die Wetterkamera von MeteoSchweiz vom Frienisberg NW von Bern besonders: Um 11:20 ganz links im Bild ;-)

    1. Fritz, 13.11.2021, 07:28

      Silvan wo finde ich das Bild?

    2. MeteoSchweiz, 13.11.2021, 08:50

      Für Fritz: Guten Morgen. Sie finden die Webcam-Bilder auf der MeteoSchweiz-Website, Reiter Messwerte, Wetterkameras. Dort die gewünschte auswählen, auf Bild klicken und dann in der Vergrösserung die gewünschte Zeit mit den Pfeilen auswählen. Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz