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Unten kalt, oben warm

11. November 2021, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Auf der Alpennordseite gab es heute sozusagen den klassischen Herbsttag: unten grau, oben blau oder eben unten kalt, oben warm. Warum dieser Herbst auf der Alpensüdseite nicht ganz so klassisch ist, lesen Sie am Ende dieses Blogs.

Die Gämsen sind bereits für die kalten Temperaturen und haben schon ein ordentliches Winterfell (Foto: D. Gerstgrasser).
Die Gämsen sind bereits für die kalten Temperaturen und haben schon ein ordentliches Winterfell (Foto: D. Gerstgrasser).

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodendruckanalyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von heute Mittag.
Bodendruckanalyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von heute Mittag.
DWD

Eine Hochdruckbrücke erstreckte sich heute vom nahen Atlantik bis zur Ukraine. In der Höhe führte ein Höhentief über den Balearen mit südöstlichen Winden feuchtere Luft zur Alpensüdseite.

Kalter Morgen auf der Alpennordseite

Vergrösserte Ansicht: Das Satellitenbild von heute Morgen 9 Uhr Lokalzeit zeigt deutlich die Ausdehnung des Nebels auf der Alpennordseite. Dem südlichen Alpenhauptkamm entlang liegt mehr Bewölkung.
Das Satellitenbild von heute Morgen 9 Uhr Lokalzeit zeigt deutlich die Ausdehnung des Nebels auf der Alpennordseite. Dem südlichen Alpenhauptkamm entlang liegt mehr Bewölkung.
MeteoSchweiz

Nach einer weitgehend klaren Nacht lagen die Tiefsttemperaturen nördlich der Alpen bei -1 bis 1 Grad. Etwas milder war es in Seenähe mit 5 Grad. Während der Nacht konnte sich verbreitet Nebel bilden. Die Obergrenze befand sich etwa bei 700 Meter, in der Nordwestschweiz etwas tiefer.

In den leicht erhöhten Lagen war es dagegen mild. So wurde die Minimumtemperatur auf der Rigi und dem Pilatus bei 6 Grad gemessen. Dementsprechend kräftig war die Inversion. Das lässt sich auch in unseren Messungen gut nachvollziehen.

Bis am frühen Nachmittag löste sich der Nebel in einigen Gebieten auf. Hartnäckiger zeigte sich der Nebel im Rheintal und am Bodensee sowie in Basel. Ausserhalb des Nebels oder nach Nebelauflösung war es aber ein meist sonniger Tag. Die Höchsttemperaturen lagen auf der Alpensüdseite sowie in den Alpentälern bei 17 Grad. Im Mittelland dagegen erreichten sie lediglich 5 bis 10 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Das Satellitenbild zeigt die Nebelausdehnung um 14 Uhr Lokalzeit.
Das Satellitenbild zeigt die Nebelausdehnung um 14 Uhr Lokalzeit.
MeteoSchweiz

Milder Start in den Tag auf der Alpensüdseite

Das Höhentief über den Balearen führte feuchtere Luft zur Alpensüdseite. So begann der Tag dort bewölkt. Stellenweise registrierten die Messstationen etwas Niederschlag. Im Laufe des Morgens verlagerte sich das Höhentief Richtung Südwesten und sein Einfluss auf das Wetter der Alpensüdseite nahm ab. Dementsprechend löste sich die Bewölkung im Laufe des Morgens auf. Die bewölkte Nacht zusammen mit der milden Luft aus Südosten führten zu milden Minimumtemperaturen im Tessin. Diese lag in Lugano bei fast 10 und in Cevio im Maggiatal bei 9 Grad. Damit war der heutige Morgen ein ‘Ausreisser’ im Herbst 2021, was die nächtlichen Tiefsttemperaturen auf der Alpensüdseite anbelangt.

Vergrösserte Ansicht: Bewölkter Start in den Tag im Tessin. Bild vom San Salvatore auf den Luganersee.
Bewölkter Start in den Tag im Tessin. Bild vom San Salvatore auf den Luganersee.
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Überdurchschnittlich viele Nächte mit Bodenfrost im Tessin

In den ersten Herbstwochen 2021 (Zeitraum vom 1. September bis 9. November) gab es im Tessin signifikant mehr Frostnächte als im gleichen Zeitraum der vergangenen Jahre. Dazu schauen wir uns die vier Messstationen: Stabio, Magadino, Comprovasco und Grono an. So verzeichnete die Station Magadino in den Jahren 2014 bis 2020 10 oder weniger Tage mit Frost. Im Herbst 2021 waren es dagegen 15 Frostnächte. Auffallend ist auch die Abwesenheit von Frösten im Jahr 2018. Im Jahr 2018 wurde erstmals für einen Oktober die 30-Grad-Marke überschritten (am 24. Oktober in Locarno-Monti mit 30.5 Grad).

Vergrösserte Ansicht: Häufigkeit der Tage mit Bodenfrost in den Jahren 2014 bis 2021.
Häufigkeit der Tage mit Bodenfrost in den Jahren 2014 bis 2021.
MeteoSchweiz

Was ist die Ursache für die Häufung von Frostnächten im Tessin? Da diese Anomalie im Gegensatz zur globalen Erwärmung steht, muss es einen Zusammenhang mit der vorherrschenden Wetterlage haben. So gab es diesen Herbst viele Kaltfrontdurchgänge mit Einfliessen von polarer Kaltluft. Dahinter stellten sich wiederholt hochdruckbestimmte Verhältnisse ein. So konnte die Temperatur während den klaren Nächten stark absinken und es bildeten sich ausgeprägte Inversionen.

Kommentare (7)

  1. Dieter Neth, 11.11.2021, 22:20

    Die Inversion konnte man auch hier im Bölchen-Gebiet gut beobachten. 6, 7 Grad am Unteren Hauenstein wo der kalte Luftzug aus dem Mittelland über den Pass schwappte.
    Oben am Wisenberg auf gut 850 m ü M war es gefühlt etwa 15 Grad, in Sichtweite des Hauentsteinpasses. Man konnte problemlos im Wald im Schatten sitzen - ohne Jacke! Die Sicht in den Schwarzwald hinein war von Ramsach aus phänomenal.
    Auch im Aaretal hat sich dann der Nebel auf den Mittag ganz aufgelöst - eigentlich ab dem Martinitag hier in der Gegend eher selten.

  2. Marco, 11.11.2021, 20:01

    Kann es sein, dass der eher seltene Fall, dass der Nebel vom Oberrhein bis nach Basel reindrückt schwer prognostizierbar ist? Zumindest war Ihre App heute optimistischer als die Realität...

    1. MeteoSchweiz, 11.11.2021, 21:58

      Guten Abend Marco

      Seit Mittwochnachmittag war in den Prognosemodellen die erwartete Nebelverteilung für den Raum Basel für den Donnerstagmorgen recht gut abgebildet und ersichtlich - dies im Gegensatz zu weiten Teilen des Mittellandes, wo die Nebelbildung für den Donnerstag am Vortag doch deutlich unterschätzt wurde. Allerdings gaben die Prognoseunterlagen im Raum Basel heute tagsüber eine zu schnelle Nebelauflösung an. Im Oberrheingebiet war der Luftdruck etwas höher (um 1026 hPa) als über dem Mittelland (um 1024 hPa). Dies hatte im Baselbiet einen leichten Nord- bis Nordwestwind zur Folge, welcher den Nebel/Hochnebel von Norden her immer wieder reindrückte und die Nebelauflösung zusätzlich erschwerte.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

    2. Heinz F., 12.11.2021, 09:09

      Für den Abend und die erste Nachthälfte war in Basel ein wolkenloser Himmel vorausgesagt. Ich freute mich schon darauf, zuerst die Venus, danach das Dreieck Mond Jupiter und Saturn zu beobachten. Doch es herrschte dicker Nebel.

  3. Ernst Kern Zürich, 11.11.2021, 19:56

    Auch auf der Alpennordseite gab es mehr Bodenfrost diesen Herbst
    ...habe das Gefühl die Nächte waren etwas milder in den letzten Jahren vor allem Anfangs Oktober bis Mitte November

  4. Christine Steiner, 11.11.2021, 19:21

    An den Gämsen gibt es wohl einen kalten Winter.

    1. Rudolf A. Punzel, 12.11.2021, 08:01

      …und etwas weiter von dem Gämsen entfernt?