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Abwechslungsreich, aber hirnlastig...

25. Januar 2022, 6 Kommentare
Themen: Wetter

...so könnte man das Programm des heutigen Meteoblogs umschreiben. Es lautet wie folgt: Rätselraten, Philosophieren über die Zukunft des Wetters und eine Runde Gehirnjogging. Los geht’s!

Viel Blau, wenig Weiss...wie sieht's wohl nächste Woche in Sumiswald aus? Bild: Meteomeldung/App
Viel Blau, wenig Weiss...wie sieht's wohl nächste Woche in Sumiswald aus? Bild: Meteomeldung/App

Kleines Rätsel

Was ist der Unterschied zwischen Zürich und Istanbul?

Die Antwort lautet: 25. Oder genauer gesagt: 25 cm. Diese Zahl zeigte die Differenz der heute Morgen gemessenen Schneehöhen. Als optische Antwort dient folgendes Webcambild aus Arnavutköy (Provinz Istanbul). Dieses bestätigt den vermutet winterlichen Eindruck.  

Vergrösserte Ansicht: Winterlicher Bezirk Istanbul am Abend des 24. Januar 2022.
Winterlicher Bezirk Istanbul am Abend des 24. Januar 2022.
www.arnavutkoyuseyret.com

Ähnliche Bilder erreichten uns auch aus Griechenland, beispielsweise aus Ekali, ein nördlicher Vorort von Athen, auf rund 400 m ü. M. gelegen. Und auch in Bulgarien am Schwarzen Meer wurde es weiss.

Vergrösserte Ansicht: Stattliche Neuschneemenge in Ekali, einem Vorort nördlich von Athen auf rund 400 m ü. M. Am nahegelegenen Flughafen Athen-Tatoi wurden heute Morgen 40 cm Neuschnee gemessen.
Stattliche Neuschneemenge in Ekali, einem Vorort nördlich von Athen auf rund 400 m ü. M. Am nahegelegenen Flughafen Athen-Tatoi wurden heute Morgen 40 cm Neuschnee gemessen.
Ev Konstantinidis

Hochreichende Kaltluft über Griechenland

Ein Blick auf die Grosswetterlage über Europa liefert schnell eine Erklärung für diese Umstände. In einer Höhe von rund 5 km zieht weiterhin ein Hoch über der Schweiz seine Kreise, quasi stationär und in Abschwächung befindlich. Ganz anders präsentiert sich das Bild über Griechenland und in der Region des Schwarzen Meeres. Dort hat sich ein ansehnlicher Pool von Kaltluft eingenistet. Die Temperatur in rund 5 km Höhe betrug zum Teil unter -40°C (weisse Farbe), was bei knapp positiven Boden- bwz. deutlich positiven Wassertemperatur eine gute Labilität ergibt. Die starken Schneefälle wurden zum Teil von stürmischem Wind begleitet und führten zu blizzard-ähnlichen Bedingungen.

Wetterwechsel in Aussicht

Das Hoch nahe der Schweiz wird sich in den kommenden Tagen weiter abschwächen. Ein nicht unwesentlicher Umstand für unser Wetter. Denn damit wird ein Wetterwechsel in Raten eingeläutet. Die «Angriffe der Kaltluft» kommen immer näher und dürften wetterwirksamer werden. Ein erster Streifschuss am Mittwoch wird praktisch unbemerkt an uns vorübergehen. Auf Freitag folgt der nächste Streich. Dieser bringt dem Flachland vielleicht ein paar Flocken, vor allem dem östlichen Alpennordhang etwas Neuschnee. Im weiteren Verlauf nimmt die Unsicherheit zu. Wahrscheinlich dominiert über dem nahen Atlantik aber weiterhin hoher Druck, die Höhenströmung über den Alpen kommt aus Nordwest. Zunächst verbleiben wir eher auf der warmen Seite des Jetstreams, wie in untenstehender Animation zu sehen ist. Die Chancen sind aber gegeben, dass uns die Kaltluft mit einer noch nördlicheren Anströmung nächste Woche vorübergehend treffen wird und den Alpennordhang mit reichlich Neuschnee beglücken wird. On verra, wir behalten die Lage im Auge und werden wohl auch in den kommenden Tagen in unserem Blog noch die eine andere Zeile darüber verlieren.

Mit Gehirnjogging zum Schweizwetter

Nun aber noch ein paar Worte zum, nennen wir es einmal gemächlichen (um das unter Meteorologen heikle Wort «langweilig» zu umschiffen, was mit dieser Klammerbemerkung schlussendlich doch noch geschehen ist und der ursprüngliche Vorsatz nun als gescheitert betrachtet werden muss), Wetter in der Schweiz. Mit dem Lesen dieses Satzes haben Sie soeben Ihre täglich empfohlene Runde Gehirnjogging erfolgreich absolviert. Gut gemacht! Das Wetter zeigte sich jedenfalls weit weniger kompliziert und umständlich als der einleitende Satz. Im Mittelland und stellenweise in den Alpentälern lag wie bereits gestern eine kompakte Hochnebeldecke. Die Obergrenze ist etwas abgesunken und lag bei rund 700 bis 900 Metern.  

Vergrösserte Ansicht: Der Blick vom Glattgrat im Kanton Nidwalden geht über das Nebelmeer hinweg zur Rigi.
Der Blick vom Glattgrat im Kanton Nidwalden geht über das Nebelmeer hinweg zur Rigi.
E. Müller

Mit dem von Nordost auf Südwest drehenden Wind löste sich der Nebel vor allem im zentralen und östlichen Mittelland schneller auf als noch gestern, zögerlicher ging die Auflösung jedoch in den vom Südwestwind geschützten Lagen, insbesondere am Jurasüdfuss und in einigen Alpentälern, vonstatten.  

Auch im Mittel- und Südtessin war’s vorbei mit eitel Sonnenschein. Von der Poebene zog in der Nacht Hochnebel mit einer Obergrenze von 1200 bis 1400 Metern auf. Dieser löste sich ebenfalls bis am Nachmittag grösstenteils auf, zurück blieb eine Dunstschicht. Ein Zeitraffer von Webcambildern (Monte Generoso) illustriert dies eindrücklich. 

Trockenheit im Süden

Die Alpensüdseite hätte eigentlich mehr Feuchtigkeit verdient als diese mikrige tiefe Bewölkung aus der Poebene. Nach den Schneefällen vom 8. Dezember 2021 fielen die letzten schwachen Niederschläge im Mittel- und Südtessin am 4. Januar 2022. Nennenswerte Niederschläge sind hier auch bis auf Weiteres nicht in Sicht. 

Schneefreie Verhältnisse in Höhenlagen von rund 1600 Meter (auf obigem Zeitraffer erkennbar) sind selten, wie man dank historischen Messungen an Stationen wie San Bernardino, Bosco Gurin oder Robiei konstatieren kann. 

 

Vergrösserte Ansicht: Relative Schneehöhe [%] auf 1500 m ü. M. Besonders auf der Alpensüdseite ist die Schneehöhe stark unterdurchschnittlich. Im Norden könnte das Defizit bald behoben bzw. überdurchschnittlich werden.
Relative Schneehöhe [%] auf 1500 m ü. M. Besonders auf der Alpensüdseite ist die Schneehöhe stark unterdurchschnittlich. Im Norden könnte das Defizit bald behoben bzw. überdurchschnittlich werden.
SLF

In der Höhe mild

Abgesehen von dieser tiefen Bewölkung zeigte sich das Wetter beidseits der Alpen uneingeschränkt sonnig. Ohne Sonne verharrte die Temperatur im Mittelland bei rund -0.5 bis 1 Grad, mit Sonnenschein stieg sie auf Werte von 3 bis 5 Grad. Milder wurde es in der Nordwestschweiz mit bis zu 8 Grad, ähnliche Temperaturen wurden zum Teil in den Alpen (Disentis, Adelboden) sowie auf der Alpensüdseite (Lugano, Stabio) erreicht. Die höchsten Temperaturen wurden mit Nordföhn auf der Alpensüdseite gemessen, in Simplon Dorf (1465 m ü. M.) mit 9.2°C oder auf der Cimetta (1661 m ü. M.) mit 10.5°C.

Vergrösserte Ansicht: Maximumtemperatur bis 16 Uhr.
Maximumtemperatur bis 16 Uhr.

Kommentare (6)

  1. dani, 26.01.2022, 07:43

    Winter in Südosteuropa, Frühling und Trockenheit in der Schweiz.

    Ist das der 10. warme Winter in folge?

  2. Melitta Breznik, 26.01.2022, 07:41

    Sehr interessant
    Danke für den Humor und die flüssige Sprache für doch manchmal nicht so einfach zu formulierende Phänomene!
    Eine andere Frage, wo ist eigentlich der wunderbare Bericht über den Vulkanausbruch hinverschunden. Der Artikel war der erste, den ich zu dem Ausbruch gelesen hatte, bereits zwei Tage bevor er in den anderen Medien erschien.

    1. MeteoSchweiz, 26.01.2022, 08:31

      Guten Tag Frau Breznik,
      Den Blogbeitrag zur Druckwelle, welche der Vulkanausbruch ausgelöst hat, finden Sie hier: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2022/1/druckwelle-rauscht-um-die-welt.html
      Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz

  3. Ursula Herrmann, 25.01.2022, 20:20

    Herzlichen Dank für diesen interessanten, mit Humor gewürzten Beitrag 👌🏻🙂

  4. Wolfgang, 25.01.2022, 18:50

    Hoffentlich trifft dann nächste Woche die Bauernregel zu: „Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“ 🌹🌷

    1. Peter Naef, 25.01.2022, 23:33

      ... Und der "Appenzeller Kalender" prognostiziert:
      Heftige Nordwinde Ende Februar,
      deuten auf ein fruchtbar Jahr.