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Dezember und Jahr 2021 auf globaler Ebene

13. Januar 2022, 4 Kommentare
Themen: Klima

Laut den Daten des europäischen Copernicus-Dienstes war der Dezember 2021 im weltweiten Mittel der sechstwärmste im Copernicus-Datensatz ab 1979. Europa erlebte den kältesten Dezember seit 2012, aber in mehreren Regionen Westeuropas herrschte am Ende des Monats Rekordwärme. Das Jahr 2021 war das fünftwärmste Jahr seit Messbeginn.

Weltkarte mit der Dezembertemperatur.
Abb. 1: Räumliche Verteilung der weltweiten Dezembertemperatur 2021 als Abweichung zum Durchschnitt 1991‒2020 in °C. Quelle: Copernicus.

Kontrastreicher Dezember in Europa: Mild im Westen und Süden, kalt im Nordosten

Im Dezember 2021 war in Europa ein auffälliger Temperaturkontrast zu beobachten. Im Westen und im grössten Teil Südeuropas (von der Iberischen Halbinsel bis zum Schwarzen Meer) lag die Temperatur über dem Durchschnitt 1991−2020. Im Vereinigten Königreich wurden die überdurchschnittlichen Werte mit der Aufstellung neuer Hitzerekorde von bis zu 16,5 °C in Bala am 31. Dezember in Verbindung gebracht. Auch Portugal verzeichnete am 31. Dezember einen Wärmerekord für den Dezember, sowohl auf dem Festland (26,4 °C in Zambujeira) als auch auf der Insel Madeira (28,4 °C in Porto Moniz).

Im Gegensatz dazu waren die Temperaturen in ganz Skandinavien und Nordosteuropa unterdurchschnittlich. Schweden erlebte den ersten Dezember unter der Durchschnitt 1991−2020 seit dem Jahr 2012. Am 5. Dezember wurde in der russischen Stadt St. Petersburg eine Temperatur von -20,9 °C gemessen. Dies war der kälteste 5. Dezember seit 1893.

Der Dezember im globalen Überblick

In Nordamerika gab einen markanten Temperaturunterschied zwischen den überdurchschnittlich milden USA und einem weiten Gebieten in Kanada mit deutlich unterdurchschnittlichen Werten. Texas erlebte den wärmsten Dezember seit 1889. Im Nordosten Kanadas und in Grönland lag die Temperatur deutlich über dem Durchschnitt, ebenso in Teilen Zentralafrikas, Zentralasiens und Westaustraliens. Im Gegensatz dazu war es im nördlichen Eurasien, im grössten Teil der Arktis, in Südafrika, über dem Himalaya und im Norden des westlichen Teils der Himalaya-Kette kälter als im Durchschnitt 1991−2020.

Meeresgebiete

Die Lufttemperatur war im grössten Teil des Atlantiks überdurchschnittlich hoch. Im Nord- und Südpazifik der mittleren Breitengrade gab es unterschiedliche Bedingungen, mit überdurchschnittlicher Temperatur in der Nähe der internationalen Datumsgrenze und unterdurchschnittlicher Temperatur insbesondere im Golf von Alaska und vor dem westlichen Nordamerika. Auch über Teilen des Indischen Ozeans und des tropischen Westpazifiks war es milder als im Durchschnitt 1991−2020. Im tropischen und subtropischen Ostpazifik blieb die Temperatur unterdurchschnittlich, was mit den anhaltenden La Niña-Bedingungen zusammenhängt.

Der Dezember in Zahlen

Die Dezembertemperatur 2021 lag im weltweiten Mittel 0,32 °C über dem Durchschnitt 1991−2020 (oder 0,52 °C über dem Durchschnitt 1981−2010). Es war der sechstwärmste Dezember in den Messreihen. Er zeigte sich nur wenig kälter als die Dezember 2016 und 2018, jedoch knapp 0,2 °C kälter als die wärmsten Dezembermonate 2015 und 2019.

Die Schwankungen der europäischen Durchschnittstemperatur sind im Allgemeinen grösser und variabler als die globalen Schwankungen. Die europäische Durchschnittstemperatur im Dezember 2021 lag 0,21 °C unter dem Durchschnitt 1991−2020 (aber 0,42 °C über dem Durchschnitt von 1981−2010). Es war der kälteste Dezember seit 2012.

Die Copernicus Mitteilung zum Dezember 2021 ist in englischer Sprache verfügbar.

Das Jahr 2021 weltweit

Die Durchschnittstemperatur für das Jahr 2021 lag in vielen Landgebieten und auf den meisten Meeresflächen über dem Durchschnitt 1991−2020. In einem Streifen von der Westküste der USA und Kanadas bis Nordostkanada und Grönland lagen die Werte deutlich über dem Durchschnitt. Montreal erlebte das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahr 1942. Auch in weiten Teilen Nord- und Zentralafrikas, des Nahen Ostens, Afghanistans, des Tibetanischen Plateaus und im äussersten Süden Südamerikas lag die Jahrestemperatur weit über dem Durchschnitt. In weiten Teilen Europas bewegte sich die Jahrestemperatur 2021 im Bereich des Durchschnitts, wobei die Verteilung zwischen warmen und kühlen Gebieten fast gleich war.

Unter dem Durchschnitt 1991−2020 blieb die Jahrestemperatur 2021 in Teilen Sibiriens, in Alaska und in grossen Teilen Australiens und der Antarktis, sowie im östlichen Äquatorialpazifik, wo sich das La-Niña-Phänomen, das Ende 2020 seinen Höhepunkt erreichte, in den letzten Monaten intensiviert hat.

Auf globaler Ebene war 2021 das fünftwärmste Jahr seit Messbeginn, aber nur geringfügig wärmer als 2015 und 2018. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag 0,28 °C über dem Durchschnitt 1991−2020 (oder 0,47 °C über dem Durchschnitt 1981−2010) und 1,1 bis 1,2 °C höher als vorindustriell (Periode 1850-1900). Die letzten sieben Jahre waren im globalen Mittel bei weitem die wärmsten, die je aufgezeichnet wurden (Abb. 4).

Das Jahr 2021 in Europa

Die Variabilität der europäischen Durchschnittstemperatur ist grösser, aber die Werte sind aufgrund des relativ dichten Beobachtungsnetzes auf dem Kontinent sicherer. Die Jahrestemperatur 2021 lag in Europa 0,14 °C über dem Durchschnitt 1991−2020 (oder 0,59 °C über dem Durchschnitt 1981−2010). Damit liegt das Jahr 2021 nicht unter den zehn wärmsten Jahren in Europa.

Die zehn wärmsten Jahre in Europa wurden alle seit dem Jahr 2000 gemessen, wobei die sieben wärmsten 2014 bis 2020 waren. Das Jahr 2020 war mit 1,2 °C über dem Durchschnitt 1991−2020 bei weitem das wärmste seit Messbeginn.

Extremereignisse im Sommer

Im Sommer 2021 ereigneten sich in Europa mehrere Extremereignisse mit grossen Auswirkungen. Im Juli fielen im westlichen Mitteleuropa sehr starke Niederschläge. Zu dieser Zeit waren die Böden bereits von früheren Regenfällen weitgehend gesättigt. Das viele Wasser führte in mehreren Ländern zu schweren Überschwemmungen. Am stärksten betroffen waren Deutschland, Belgien, Luxemburg und die Niederlande.

Die Mittelmeerregion erlebte im Juli und teilweise auch im August eine massive Hitzewelle. Die hohen Temperaturen betrafen besonders Griechenland, Spanien und Italien. In Sizilien gab es mit 48,8 °C einen neuen europäischen Hitzerekord.  Er lag 0,8 °C über dem bisherigen Höchstwert. Allerdings muss der neue Rekord von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) noch offiziell bestätigt werden.

Die heissen und trockenen Bedingungen führten vor allem im östlichen und zentralen Mittelmeerraum zu intensiven und lang anhaltenden Waldbränden. Am stärksten betroffenen waren die Türkei, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Albanien, Nordmazedonien, Algerien und Tunesien.

Die Copernicus Mitteilung zum Jahr 2021 ist in englischer Sprache verfügbar.

Der Dezember 2021 in der Schweiz

Der Dezember 2021 brachte im ersten Monatsdrittel häufig Schneefall in den Bergen und mehrmals Neuschnee bis in tiefe Lagen. Dann verschwand die Alpennordseite rund zehn Tage unter einer hartnäckigen Hochnebeldecke, während in den Bergen und im Süden die Sonne lachte. Die Weihnachtstage waren mild, vielerorts regnerisch und in tiefen Lagen grün. Gegen Monatsende fielen kräftige Niederschläge. Die Schneefallgrenze stieg bei milden Verhältnissen auf rund 2500 m. Am Jahresende stieg die Tageshöchsttemperatur im Norden auf über 15 °C, im Süden auf knapp 19 °C.

Den umfassenden Überblick zum Dezember 2021 in der Schweiz liefert das Dezemberbulletin von MeteoSchweiz.

Das Jahr 2021 in der Schweiz

Im Jahr 2021 waren in der Schweiz für einmal nicht hohe Temperaturen, sondern der viele Niederschlag das bestimmende Wetterelement. Nach einem milden und niederschlagsreichen Winter mit lokal grossen Schneefällen folgte ein kalter Frühling mit nassem Ende. Der Sommer war nördlich der Alpen einer der nassesten seit Messbeginn. Die anhaltend grossen Regenmengen liessen gegen Julimitte mehrere Flüsse und Seen über die Ufer treten. Im Gegensatz zum nassen Sommer zeigte sich der Herbst verbreitet niederschlagsarm und sonnig.

Den umfassenden Überblick zum Jahr 2021 in der Schweiz liefert das Jahresbulletin von MeteoSchweiz.

Kommentare (4)

  1. Philippe, 30.01.2022, 22:15

    Interessant und gut verständlich.

  2. Gregor, 13.01.2022, 17:31

    Der Klimawandel sollte nun auch am hinterletzten Stammtisch angekommen sein.

    1. stefan, 15.01.2022, 22:03

      Ja, was kann die kleine Schweiz am globalen Klimawandel bewirken. Das macht doch einen Tropfen auf das Meer!
      Objektiv betrachtet kann wohl kaum ein Bewohner der Erde pro Kopf soviel bewirken wie der einzelne Schweizer. Was ist los mit den stolzen Eidgenossen? Mit ca. 10 000.- investition total pro Arbeiter können wir das netto null ziel locker erreichen. Payback Zeit ca. 15 Jahre.

    2. Hans, 30.01.2022, 18:00

      Sagt irgendwer etwas anderes? Woher kommt denn das Erdöl in Saudi Arabien? Wenn das verfaulte Biomasse ist und das im Wüstenboden, muss ja früher dort mal was gewachsen sein! Ergo war damals das Klima tropisch, subtropisch oder was auch immer. Und heute ist dem nicht mehr so. Das Klima hat sich gewandelt, wie übrigens seit Jahrmillionen schon…