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Normalität im Anflug

3. Januar 2022, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Am Dienstagabend erreicht uns eine markante Kaltfront und bringt uns temperaturmässig zurück in die (Winter-)Normalität. Bis dahin verbleiben wir in einer milden und windigen Luftmasse.

Im Anflug befindet sich nicht nur diese Maschine der Air Canada, sondern auch dem Winter entsprechende Temperaturen. V. Hochuli
Im Anflug befindet sich nicht nur diese Maschine der Air Canada, sondern auch dem Winter entsprechende Temperaturen. V. Hochuli

Westlage

Der Alpenraum lag heute zwischen einem Hoch mit Zentrum über der Iberischen Halbinsel und einer ausgedehnten Tiefdruckzone über Nordeuropa in einer kräftigen westlichen Höhenströmung. Der Jetstream lag über bzw. knapp nördlich der Schweiz.

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse, Ausschnitt Westeuropa, 7 Uhr. Bis am Dienstag verleiben wir in der milden Luftmasse, die Kaltluft, welche uns morgen Abend erreicht, liegt noch nördlich der Britischen Inseln.
Bodenanalyse, Ausschnitt Westeuropa, 7 Uhr. Bis am Dienstag verleiben wir in der milden Luftmasse, die Kaltluft, welche uns morgen Abend erreicht, liegt noch nördlich der Britischen Inseln.
Deutscher Wetterdienst

Kaum Niederschlag

Nachdem uns gestern eine wenig aktive Kaltfront überquert hat, floss heute mässig feuchte Luft zur Schweiz. Vor allem in höheren Schichten war die Luft gesättigt, was sich in dichter mittelhoher und hoher Bewölkung zeigte. Niederschlag fiel aber nur stellenweise und in geringen Mengen. Der schwache Niederschlag, welcher auf den Radarbildern zu sehen ist, verdunstete meist in der relativ trockenen Grundschicht.

Ausnahme Säntis

Eine Ausnahme bildete in erster Linie der Säntis. Dort wurde vor allem am Vormittag häufig Niederschlag registriert (rund 4 mm), welcher bei -4°C und Böenspitzen bis rund 100 km/h in Form von Schnee und daher ziemlich waagrecht daherkam.

Vergrösserte Ansicht: Säntis am Vormittag: Auch bei gefühlt -14°C (Böen bis 100 km/h bei -4°C) muss man nicht auf den Spaziergang verzichten.
Säntis am Vormittag: Auch bei gefühlt -14°C (Böen bis 100 km/h bei -4°C) muss man nicht auf den Spaziergang verzichten.
roundshot.ch

Stellenweise stürmischer Wind

Der West- bis Südwestwind zeigte sich tagsüber vor allem auf den Berggipfeln der Alpennordseite stark bis stürmisch (70-100 km/h), in den Niederungen blieb es bei einem schwachen bis mässigen Südwestwind.

Wo sich die Sonne zeigte

Vergrösserte Ansicht: Sonnenscheindauer in Stunden bis 16 Uhr. Im Norden wurde kaum Sonne registriert.
Sonnenscheindauer in Stunden bis 16 Uhr. Im Norden wurde kaum Sonne registriert.

Auf der Alpennordseite wurde heute kein oder nur wenige Minuten Sonnenschein registriert. Sonniger war es, wie bei einer westlichen Anströmung zu erwarten, in Graubünden und vor allem auf der Alpensüdseite. Hier wurden verbreitet 2 bis 4 Stunden, im Tessin 3 bis 6 Stunden Sonnenschein registriert.

Weiterhin aussergewöhnlich mild

Bis morgen Dienstag verbleiben wir noch in der aussergewöhnlich milden Luftmasse. Diese Phase wird morgen mit einer markanten Kaltfront beendet. Heute wurden noch einmal für die Jahreszeit hohe Temperaturen gemessen. Beidseits der Alpen wurden in den Niederungen 8 bis 13 Grad erreicht. Auch in der Nacht sank die Temperatur aufgrund des auffrischenden Windes in den Niederungen der Alpennordseite nicht unter 5 bis 10 Grad. 

Vergrösserte Ansicht: Maximumtemperatur vom 3.1.2022 bis 16 Uhr.
Maximumtemperatur vom 3.1.2022 bis 16 Uhr.

Windwarnung Stufe 2

Am Dienstag wird in der stabilen Warmluft zunächst am Jura und in erhöhten Lagen der Alpennordseite der Westwind stark bis stürmisch. Oberhalb von 600 Metern ist mit Böen von 70 bis 90 km/h, an exponierten Lagen bis 100 km/h zu rechnen. Oberhalb von rund 1400 Metern müssen Böen von 100 bis 130 km/h, lokal von 140 km/h erwartet werden.   

In den Niederungen der Alpennordseite frischt der Wind am Nachmittag ebenfalls auf, sollte aber 75 km/h nicht überschreiten.

Durch den Druckfall und der höheren Temperatur auf der Alpennordseite (im Vergleich zur Südseite) kommt in den Alpentälern ausserdem Föhn auf, welcher in Böenspitzen die Warnlimite der Stufe 2 Warnung aber nicht verbreitet erreichen sollte.

 

Vergrösserte Ansicht: Auf der Alpennordseite ist am Dienstag mit starkem bis stürmischem Wind zu rechnen.
Auf der Alpennordseite ist am Dienstag mit starkem bis stürmischem Wind zu rechnen.

Kommentare (7)

  1. Benjamin Wyssmann, 04.01.2022, 08:58

    Liebes MeteoSchweiz woher nehmt ihr die schönen fotos??

    Schönes neues 🥳🥳🥳

    1. MeteoSchweiz, 04.01.2022, 10:49

      Guten Tag Herr Wyssmann. Vielen Dank für die guten Wünsche. Die meisten Fotos stammen von MeteoSchweiz Mitarbeiter*Innen, welche in Ihrer Freizeit oder dienstlich unterwegs sind.

    2. MeteoSchweiz, 04.01.2022, 10:50

      Guten Tag Herr Wyssmann. Vielen Dank für die guten Wünsche. Die meisten Fotos stammen von MeteoSchweiz Mitarbeiter*Innen, welche in Ihrer Freizeit oder dienstlich unterwegs sind.

  2. Wolfgang, 04.01.2022, 00:31

    Herrliche Aufnahme von der heranfliegenden B 777.
    Ist dieser Standort gut erreichbar?
    Frohes neues Jahr für Meteoschweiz!

    1. MeteoSchweiz, 04.01.2022, 00:50

      Guten Tag Wolfgang. Danke für Ihren Blogkommentar und auch Ihnen ein frohes neues Jahr. Der Fotostandort liegt im Flughafengelände zwischen den Pisten 14/16 und ist von aussen nicht zugänglich

  3. Sarnian Bloke, 03.01.2022, 21:56

    Wie zuverlässig sind die Niederschlagsangaben auf Säntis? Mit solchen Starkwinden und Schneefegen hätte ich gedacht, die Angaben wären nie akkurat genug zu gebrauchen. Danke im Voraus für allfällige Antworten. :)

    1. MeteoSchweiz, 04.01.2022, 16:38

      Guten Tag Herr Bloke. An Gipfelstationen sind die Niederschlagsmessungen generell schwierig und mit Unsicherheiten / Ungenauigkeiten behaftet. Wenn möglich versucht man nicht auf der Krete/Gipfel zu messen sondern etwas abgesetzt (zB La Dôle). An anderen Orten verzichtet man ganz auf eine Messung (zB Jungfraujoch). Die Grösse der Ungenauigkeit / Fehler ist abhängig von der Art des Niederschlages (Regen/Schneeregen/Schnee) und der Windgeschwindigkeit. Hohe Windgeschwindigkeit und Schneefall führen zu den grössten Ungenauigkeiten (30-50%?). Daher sind diese Werte mit Vorsicht zu interpretieren. Bei Realtime Daten werden keine spezifischen Korrekturen gemacht. Im Rahmen der WMO SPICE-Vergleichskampagne wurden Algorithmen entwickelt (Transferfunktionen), um RT-Werte zu korrigieren. Die MeteoSchweiz ist momentan dabei an einigen Standorten die Infrastruktur aufzubauen, um diese Transferfunktionen zu verifizieren.