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Schlappe Störung im Norden, Leewellen im Süden

17. Januar 2022, 8 Kommentare
Themen: Wetter

Eine schwache Störung brachte in der Nacht im Osten wenig Niederschlag und tagsüber vor allem ganz im Norden und Osten ausgedehnte Bewölkung. Die nördliche Anströmung sorgte auf der Alpensüdseite für die Bildung von Leewellen. Zudem dauert hier die Trockenheit weiter an.

Feuriger Morgen im Tessin - in Mezzovico wurde die Leewelle von der aufgehenden Sonne beleuchtet. Foto: Meteomeldung/App
Feuriger Morgen im Tessin - in Mezzovico wurde die Leewelle von der aufgehenden Sonne beleuchtet. Foto: Meteomeldung/App

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse mit Fronten von heute 00 UTC.
Bodenanalyse mit Fronten von heute 00 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Das in den vergangenen Tagen wetterbestimmende Hochdruckgebiet hat sich vorübergehend etwas nach Westen zurückgezogen. Die Höhenströmung drehte auf Nord- bis Nordwest, darin eingelagert ist in der Nacht eine Kaltfront von Deutschland zu den östlichen Alpen gezogen.

Seichte Kaltfront

Die eingangs erwähnte Kaltfront hat auch die zentralen und östlichen Landesteile der Schweiz erfasst. Die Niederschlagsaktivität war aber wie erwartet äusserst gering. Die Mengen blieben meist unter einem Millimeter, Spitzenreiter war der Säntis mit 3.6 mm. Entsprechend gering waren die am Morgen gemessenen Neuschneehöhe. Die Beobachter meldeten ein bis lokal vier Zentimeter Neuschnee auf dem Säntis.

Vergrösserte Ansicht: Niederschlagsbilanz: Niederschlagsmengen in Millimetern (kleine Zahlen) und von den Beobachtern gemessene Neuschneemenge (grosse Zahlen, hellblau). Die Daten beziehen sich auf den 24-stündigen Zeitraum von Sonntag, 16. Januar 2022, 6 UTC bis Montag, 17. Januar 2022, 6 UTC.
Niederschlagsbilanz: Niederschlagsmengen in Millimetern (kleine Zahlen) und von den Beobachtern gemessene Neuschneemenge (grosse Zahlen, hellblau). Die Daten beziehen sich auf den 24-stündigen Zeitraum von Sonntag, 16. Januar 2022, 6 UTC bis Montag, 17. Januar 2022, 6 UTC.

Trotz guter Stauwirkung mit einem Nordüberdruck von rund zehn Hektopascal blieb der Niederschlag also gering. Dafür gibt es zwei Ursachen:

  • Die Feuchtigkeit war nicht sehr hochreichend und reichte nur bis etwa 3000 Meter hinauf, dementsprechend wird die Störung als seichte Kaltfront bezeichnet.
     
  • Generell war der Tiefdruckeinfluss sehr schwach ausgeprägt, der Luftdruck ist auch ganz im Osten kaum unter 1035 Hektopascal gesunken.
Vergrösserte Ansicht: Links: Verlauf der Bodendruckdifferenz zwischen den Stationen Kloten und Lugano. In blauer Farbe ist der aktuelle Messwert eingetragen, die anderen Kurven sind die verschiedenen Modellprognosen. Rechts: Vorhersagesondierung aus dem Lokalmodell COSMO-1E für heute Nacht um 2 UTC im Bodenseeraum. Die feuchte Schicht (grün) ist relativ dünn und nicht sehr hochreichend. In den Staugebieten der östlichen Alpen reichte die Feuchtigkeit noch ein paar wenige hundert Meter höher hinauf.
Links: Verlauf der Bodendruckdifferenz zwischen den Stationen Kloten und Lugano. In blauer Farbe ist der aktuelle Messwert eingetragen, die anderen Kurven sind die verschiedenen Modellprognosen. Rechts: Vorhersagesondierung aus dem Lokalmodell COSMO-1E für heute Nacht um 2 UTC im Bodenseeraum. Die feuchte Schicht (grün) ist relativ dünn und nicht sehr hochreichend. In den Staugebieten der östlichen Alpen reichte die Feuchtigkeit noch ein paar wenige hundert Meter höher hinauf.

Nebelfelder im Westen

Die Westschweiz blieb von der seichten Front weitgehend verschont. Somit konnten sich in der Nacht erneut Nebelfelder bilden wie beispielsweise am Flughafen Genf oder in einigen Juratälern.

Ausgedehnte Bewölkung ganz im Norden und Osten

Vergrösserte Ansicht: Aufsummierte Sonnenscheindauer (in Stunden) bis heute 15 UTC.
Aufsummierte Sonnenscheindauer (in Stunden) bis heute 15 UTC.

Tagsüber zeigte sich vor allem am Nordrand der Schweiz ausgedehnte tiefe Bewölkung - so blieb es vom nördlichen Jura bis nach Basel mehrheitlich trüb. Am östlichen Alpennordhang und im östlichen Graubünden stauten sich vor allem am Vormittag noch Reste der nächtlichen Kaltfront. In den übrigen Regionen dominierte bereits wieder die Sonne. Die Tageshöchsttemperaturen lagen bei 4 bis 7 Grad.

Leewellen im Süden

Vergrösserte Ansicht: MeteoSchweiz Wetterkamera Novazzano im Südtessin von heute 9 UTC. Der Blick geht nach Norden in Richtung Hinterkante der Leewellenbewölkung.
MeteoSchweiz Wetterkamera Novazzano im Südtessin von heute 9 UTC. Der Blick geht nach Norden in Richtung Hinterkante der Leewellenbewölkung.

Auf der Alpensüdseite hat die nördliche Anströmung ab den Morgenstunden markante Leewellen ausgelöst. Diese pflanzten sich bis in grosse Höhen fort und machten sich in Form von dichten hohen und mittelhohen Wolkenfeldern bemerkbar.

Der Nordwind setzte sich im Tagesverlauf mit mässiger Stärke bis ins Südtessin durch. Die Temperatur stiegen dabei bis auf 16, in Lugano auf knapp 17 Grad.

Weiterhin Trockenheit im Süden

Auf der Alpensüdseite herrscht seit knapp drei Monaten Trockenheit. Einzig im Südtessin und im Münstertal sind im November leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen gefallen.  

Vergrösserte Ansicht: Abweichung des Niederschlags von der Norm 1981-2010. Braun eingefärbt sind unterdurchschnittlich, grün über durchschnittliche Mengen. Dargestellt sind die Daten vom November 2021 (links), Dezember 2021 (mittig) und vom 1. bis 16. Januar 2022 (rechts).
Abweichung des Niederschlags von der Norm 1981-2010. Braun eingefärbt sind unterdurchschnittlich, grün über durchschnittliche Mengen. Dargestellt sind die Daten vom November 2021 (links), Dezember 2021 (mittig) und vom 1. bis 16. Januar 2022 (rechts).

Die Schneedaten der Station in San Bernardino illustrieren die Verhältnisse sehr schön: Heue Morgen wurden eine Gesamtschneehöhe von nur gerade 6 cm gemessen. Damit lag mit Stichtag heute seit dem Jahr 1968 nur zweimal weniger Schnee: Am 17. Januar 2002 war es aper, am 17. Januar 1990 lagen 5 cm Schnee auf dem Messfeld.

Längere Trockenperiode gehören zum Klima auf der Alpensüdseite, und sie kommen häufig im Winter vor. Der Blogbeitrag (in italienischer Sprache) von unseren Kolleginnen und Kollegen in Locarno-Monti beleuchtet diese Tatsache.

Und zum Schluss noch dies: Für alle die nicht (mehr) wissen wie Regentropfen aussehen, empfehlen wir folgende, visuell sehr anschauliche Zeilen des Deutschen Wetterdienstes DWD.

Kommentare (8)

  1. Nee Bell, 18.01.2022, 11:53

    Ahoi! Nach 4 Jahren in Basel war ich solchen Nebel und schlechtes Wetter gar nicht gewohnt. Ist dies momentan ganz "normales" Winterwetter in BS oder kommen dort das Hoch, die nördliche Anströmung und tiefliegende Feuchte zusammen?
    Merci im voraus, Mikki

  2. Remo, 18.01.2022, 10:50

    Guten Tag

    Auch im Mittelbünden liegt nur wenig Schnee. Leider wird es wohl länger so bleiben. Die kommende Front am Donnerstag scheint nicht weit in die Berge voran zu kommen

    1. Ricardo, 18.01.2022, 12:30

      Wenig Schnee auch bei uns im Berner Oberland. Was soll’s…

  3. Roger Fux, 18.01.2022, 08:25

    Wertes Meteoteam, besten Dank für die informativen und kurzweiligen Blogs. Frage: Das sich kein nachhaltiges Winterwetter mit Schnee Eis und Frost einstellt , liegt das an der Klimaerwärmung. Die ewigen Märzwintertemperaturen sind schon bemerkenswert. Besten Dank .

    1. MeteoSchweiz, 20.01.2022, 09:56

      Grüezi Herr Fux
      Milde Winterverläufe oder längere Perioden mit mildem Winterwetter sind in der Schweiz seit der kräftigen Wintererwärmung Ende der 1980-er Jahre häufiger geworden. Sie sind also eine bekannte Erscheinung in unserem heutigen Winterklima. Insofern sind sie ein Merkmal der beobachteten Klimaänderung der letzten Jahrzehnte.
      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  4. samuel kohler, 17.01.2022, 21:50

    Ziemlich eindrückliche Leewellen gab es auch über dem Jura.

  5. Ernst Kern Zürich, 17.01.2022, 20:03

    schönen guten Abend Meteoschweiz Team

    Aktuell befinden wir uns im tiefen Winter.
    Meine Frage. dIe kältesten Tage im Winter sind ja normalerweise etwa zwischen mitte Januar und mitte Februar..also etwa ein Monat nach dem kürzesten Tag.
    Danke für ihre Rückantwort.und. wünsche ihnen einen schönen Abend.

    Beste Grüsse
    Ernst Kern

    1. MeteoSchweiz, 17.01.2022, 22:44

      Guten Abend Herr Kern
      Die kältesten Tage im Winter im Flachland treten im langjährigen Durchschnitt etwa Mitte bis Ende Januar auf, also rund einen Monat nach dem kürzesten Tag. Sie liegen also richtig mit Ihrer Vermutung.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz