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Schnee-Express

29. Januar 2022, 10 Kommentare
Themen: Wetter

Seit mehreren Tagen sagen die Prognosemodelle für kommende Woche teils ergiebige Schneefälle am Alpennordhang sowie in Teilen Graubündens voraus. Wir wagen einen genaueren Blick auf den nun sich konkreter abzeichnenden Wetterfahrplan. Zuvor war es heute meist unaufgeregt ruhig und am Rande einer Warmfront recht mild und vorübergehend freundlich.

Sonnenaufgang vom Niederhorn mit Blick in Richtung Südosten zu den Berner Alpen. Besonders das Schreckhorn und das Lauteraarhorn warfen einen gut sichtbaren Bergschatten auf die von unten angestrahlten Wolkenfelder. Bild: niederhornbahn.roundshot.com
Sonnenaufgang vom Niederhorn mit Blick in Richtung Südosten zu den Berner Alpen. Besonders das Schreckhorn und das Lauteraarhorn warfen einen gut sichtbaren Bergschatten auf die von unten angestrahlten Wolkenfelder. Bild: niederhornbahn.roundshot.com

Schwache Warmfront

Die Schweiz lag heute am Rande einer Warmfront von einem kräftigen Tiefdruckgebiet mit Zentrum über dem Nordmeer und Skandinavien. Sie machte sich in Form von ausgedehnten Wolkenfeldern in der Nacht und am Samstagvormittag bemerkbar, brachte aber keinen Niederschlag.

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse vom Samstagmittag, 29.01.2022, 13 Uhr. Die Warmfront ist nordöstlich der Schweiz als rote Linie mit ausgefüllten Halbkreisen zu sehen. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD)
Bodenanalyse vom Samstagmittag, 29.01.2022, 13 Uhr. Die Warmfront ist nordöstlich der Schweiz als rote Linie mit ausgefüllten Halbkreisen zu sehen. Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD)

Tagsüber lockerten die Wolken hinter der Front auf, und es gab im Warmsektor einen Streifen mit vorübergehend freundlichem Wetter. Ausserdem frischte der Südwest- bis Westwind am Rande des Sturmtiefs mässig auf, besonders in der Nord- und Ostschweiz sowie auf den Bergen war er zeitweise deutlich spürbar. Nach leichtem Frost in der Nacht erreichten die Temperaturen tagsüber im Mittelland Höchstwerte um 8 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Corviglia im Engadin mit restlicher Warmfrontbewölkung und schönen Leewellen. Bild: P. Karrer
Corviglia im Engadin mit restlicher Warmfrontbewölkung und schönen Leewellen. Bild: P. Karrer

In den Alpen (nach Abzug der Wolkenfelder) und einmal mehr vor allem im Süden schien wieder meist die Sonne. Auf der Alpensüdseite schlägt sich die persistente nordwestliche Höhenströmung mittlerweile nicht nur in der Trockenheit, sondern auch markant in den Sonnenstunden nieder. Im Schutz der Alpen und mit häufiger föhniger Entlastung liegt die Sonnenscheindauer in Lugano für den Monat Januar auf Rekordkurs.

Vergrösserte Ansicht: Kurve der kumulierten Sonnenscheinschauer in Lugano für den Januar 2022 (gelbe Linie) im Vergleich zu anderen Jahren und zum langjährigen Mittel (dunkelgraue Linie).
Kurve der kumulierten Sonnenscheinschauer in Lugano für den Januar 2022 (gelbe Linie) im Vergleich zu anderen Jahren und zum langjährigen Mittel (dunkelgraue Linie).

Viel Schnee in Sicht

In den nächsten Tagen bleibt uns die nordwestliche Höhenströmung erhalten. Dies bedeutet für die Alpensüdseite anhaltende Niederschlagsarmut und zeitweise föhnig-freundliches sowie windiges Wetter. Auf der Alpennordseite ändert sich allerdings etwas Entscheidendes: Ein markantes Starkwindband in der Höhe, der so genannte Jetstream, wird sich ab Montag von Nordwesten und Norden her genau auf die Alpen richten und als «Schnee-Express» dienen. Damit verknüpfte Tiefdruckgebiete lenken wiederholt feuchte und relativ kalte Luft zur Schweiz, wo sie sich an den Alpen staut.

Auch wenn die letzten Details noch offen sind, so zeichnet sich von Montag bis Mittwoch eine mehrtägige, markante Nordwestwetterlage mit ergiebigen Stauniederschlägen ab. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt am Alpennordhang (Berner Oberland ostwärts) sowie in Nord- und Mittelbünden. Das Niederschlagsereignis wird wahrscheinlich in zwei Wellen ablaufen. Von Montag auf Dienstag folgt mit einfliessender Kaltluft die erste markante Stauphase. Nach kurzer Pause am Dienstagmittag folgt auf Mittwoch ein neuer Einschub mit etwas milderer und weiterhin sehr feuchter Luft. Damit werden weitere kräftige Niederschläge ausgelöst, die am Mittwochabend nachlassen. Insgesamt sind innerhalb von 48 Stunden verbreitet Niederschlagsmengen von 50 bis 80 mm zu erwarten, in Staulagen können lokal über 100 mm zusammenkommen.

Mit den unterschiedlichen beteiligten Luftmassen sinkt die Schneefallgrenze von Montag auf Dienstag von rund 900 Metern bis in tiefe Lagen und steigt auf Mittwoch teilweise wieder über 1000 Meter an. In den geschützten inneralpinen Tälern sollte die meiste Zeit Schnee bis auf die Talböden fallen. Damit sind am Alpennordhang sowie in Nord- und Mittelbünden vielerorts 40 bis 80 cm, in höheren Lagen lokal um 1 Meter Neuschnee zu erwarten.

Vergrösserte Ansicht: Verlauf der prognostizierten Schneefallgrenze in Ilanz GR auf 698 m. Inneralpin verbleibt die Schneefallgrenze wahrscheinlich meist auf den Talböden und steigt erst nach dem Niederschlagsereignis im Laufe des Donnerstags an.
Verlauf der prognostizierten Schneefallgrenze in Ilanz GR auf 698 m. Inneralpin verbleibt die Schneefallgrenze wahrscheinlich meist auf den Talböden und steigt erst nach dem Niederschlagsereignis im Laufe des Donnerstags an.

Durch die stürmische Höhenströmung wird der Niederschlag weit in inneralpine Regionen getragen, die ansonsten bei windschwächeren Nordweststaulagen weniger bedient werden, z.B. das Unterengadin, Landwassertal, Schanfigg, die Surselva, das Urserental und Obergoms. Ausserdem sind durch den stürmischen Nordwestwind in den Hochlagen grosse Schneeverfrachtungen möglich, damit steigt die Lawinengefahr voraussichtlich stark an (siehe SLF). Seit Samstagvormittag ist ein erster Warnausblick von MeteoSchweiz vor ergiebigen Schneefällen aktiv. In den nächsten Tagen folgen dann in den betroffenen Gebieten entsprechende Warnungen.

Vergrösserte Ansicht: Warnausblick Schnee Stufe 3 von MeteoSchweiz für Montag, 31.01.2022 bis Mittwoch, 02.02.2022.
Warnausblick Schnee Stufe 3 von MeteoSchweiz für Montag, 31.01.2022 bis Mittwoch, 02.02.2022.

Kommentare (10)

  1. Michael, 30.01.2022, 12:58

    In den Hochalpen wird lokal bis 110 cm Neuschnee erwartet. Was ist die Definition von Hochalpen?

    1. MeteoSchweiz, 30.01.2022, 14:30

      Guten Tag Michael. Eine eigentliche Definition der Hochalpen haben wir bei MeteoSchweiz nicht. Allgemein bezeichnen wir damit die Höhenlagen oberhalb von 2000 bis 2500 Metern. Dies, um diese Gebiete von den Voralpen zu unterscheiden, die gemäss unserer Terminologie auch zu den Alpen gehören. Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz.

  2. John, 30.01.2022, 09:29

    This is a great website and your daily blogs are informative and beautiful

    1. MeteoSchweiz, 30.01.2022, 10:03

      Dear John,
      Thank you for your kind feedback! Best regards, MeteoSwiss

  3. Hitsch Ve., 30.01.2022, 09:13

    Vielen Dank für die exzellenten Meteo - Textinformationen mit den informativen Darstellungen und Super - Fotos ! 👍👍👍

    1. MeteoSchweiz, 30.01.2022, 09:17

      Guten Morgen und herzlichen Dank für Ihr positives Feedback!
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  4. Wolfgang, 30.01.2022, 00:35

    Ich hoffe nur, dass es stimmt, dass die Schneefallgrenze am Mittwoch wieder über 700 Meter steigt.

  5. Andreas, 29.01.2022, 18:16

    Ich glaube ich baue an meinen Meili (Schweizer Produkt) schon mal mein Schneeschild an. Kann sicher nicht schaden. Komme zwar aus dem Nordschwarzwald aber auch dort auf 600 Meter ü.N.N. könnten sicherlich 25 cm fallen laut Prognosen.

    Viele Grüße aus Wildberg. Toller Blog, jeden Tag. Auch aus Schwarzwälder Sicht. Hop Schwyz.

  6. Oberholzer Daniel, 29.01.2022, 17:55

    Bei einer Nord bis Nordwestströmung Anfang Februar müsste eigentlich Schnee bis ins Flachland selbstverständlich sein, oder? Warum ist das in den kommenden Tagen aber nicht so, kommt die Luft über Umwege in die Schweiz?

    1. MeteoSchweiz, 29.01.2022, 18:19

      Guten Abend Herr Oberholzer und vielen Dank für ihre Frage. Im Grunde sind solche Lagen mitunter auch bekannt für Schnee. Allerdings befinden wir uns nach einem Warmfrontdurchgang im Warmsektor und somit fehlt die Kälte. Zudem sorgt der zügige Wind für eine gute Durchmischung der Atmosphäre. Was auch gut an der aktuellen Schneefallgrenze erkennbar ist. Mit freundlichen Grüssen. MeteoSchweiz