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Strand und Neuseeland

11. Januar 2022, 3 Kommentare
Themen: Wetter

Bei diesem Blogtitel könnte der Eindruck entstehen, dass die Blogschreiberin mit den Gedanken in den Ferien ist. Dem ist aber nicht so. Was Strand und Neuseeland mit Wetter zu tun haben, erfahren Sie wenn Sie weiterlesen.

Fast wie am Strand, einfach am Schneestrand. Foto: Melanie Flubacher
Fast wie am Strand, einfach am Schneestrand. Foto: Melanie Flubacher

Die Schweiz befand sich heute am Südrand eines Hochdruckgebietes mit Zentrum über dem Baltikum. In der Höhe wurde die Luftmasse zwar abgetrocknet, jedoch verblieb auf der Alpennordseite eine feuchtkalte Grundschicht. Mit einer Bisenströmung wurde diese Feuchtigkeit in Hochnebel umgewandelt.

Vergrösserte Ansicht: Falschfarben-Satellitenbild: Bewölkung erscheint in grünlicher Farbe.
Falschfarben-Satellitenbild: Bewölkung erscheint in grünlicher Farbe.

Aufgrund der hohen Obergrenze zwischen 1400 bis 1700 Meter, konnte der Hochnebel auch weit in die Alpentäler hineinragen.

Bei der Bewölkung in der Nordwestschweiz handelte es sich nicht um Hochnebel, sondern um Bodennebel. Die Bisenströmung war wohl in dieser Region zu schwach, um eine Abkopplung des Nebels vom Boden zu bewirken.

Vergrösserte Ansicht: Ausblick von St. Chrischona bei Basel auf den Nebel. Auch der Hochnebel ist auf dem Bild schön zu erkennen.
Ausblick von St. Chrischona bei Basel auf den Nebel. Auch der Hochnebel ist auf dem Bild schön zu erkennen.
Foto: Roundshot

Strand Schweiz

Die Wolkenoberfläche heute Vormittag ähnelte den gerippten Sandstrukturen, welche man häufig am Strand begegnet. Diese Struktur wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit durch Schwerewellen (Beispielsweise Leewellen sind auch Schwerewellen) verursacht. Damit Schwerewellen entstehen, benötigt es einerseits Luftschichten unterschiedlicher Dichte und anderseits Auf- und Abwärtsbewegungen der Luft.

Die Auf- und Abwärtsbewegung wird in diesem Beispiel durch die mit der Höhe zunehmenden Windgeschwindigkeit (A) verursacht. Eine Windzunahme mit der Höhe führt zu Reibung (B) und dies kann zu vertikalen Bewegung (C) der Luftteilchen führen. Nun kommen die Dichte bzw. die Stabilität der Luftschichten ins Spiel. Wird nun eine vertikale Bewegung angeregt, kann sich diese in einer instabil geschichteten Luftschicht fortsetzen. Erreicht dieses Teilchen nun eine stabil geschichtete Luftschicht, kann es nicht mehr weiter und wird zurückgelenkt (D).

--> Buchstaben siehe Bild unten

Vergrösserte Ansicht: Erklärung oben im Text.
Erklärung oben im Text.
Illustration: Daniela Roth

Um die Zutaten für Schwerewellen zu finden, lassen sich einerseits Radiosondierungen zu Rate ziehen, jedoch werden diese nur alle 12 Stunden durchgeführt (00 und 12Z). Ein weiteres Hilfsmittel ist das sogenannte AMDAR. Dabei handelt es sich um meteorologische Messungen, welche durch kommerzielle Linienflugzeuge durchgeführt werden.

Ein solches AMDAR ist unten abgebildet und die Zutaten für Schwerewellen sind vorhanden: Eine Windzunahme mit der Höhe und eine instabile Schichtung, welche durch eine stabile Schichtung gedeckelt wird.

Vergrösserte Ansicht: AMDAR von einem aus Basel startenden Flugzeug um 08.08 UTC.
AMDAR von einem aus Basel startenden Flugzeug um 08.08 UTC.

Ab nach Neuseeland

Unser Blick richtet sich heute nach Neuseeland. Der tropische Sturm «Cody» (Kategorie 1) befindet sich momentan südwestlich der Fiji Inseln und bewegt sich in Richtung Neuseeland.

Die genaue Zugbahn sowie auch die Stärke sind noch mit Unsicherheiten behaftet. Der neuseeländische Wetterdienst geht jedoch davon aus, dass der tropische Sturm am Sonntag den Norden Neuseelands erreichen wird. Das Potential ist da, dass der tropische Sturm zeitweise die Kategorie 2 oder 3 erreicht.

Vergrösserte Ansicht: Infrarot Satellitenbild
Infrarot Satellitenbild
Bild von Japan Meteorological Agency satellite Himawari 8 via Bureau of Meteorology

Tropische Stürme sind ja eigentlich nichts Ungewöhnliches, warum wird das hier also erwähnt? Lassen Sie mich ausholen.

Ein tropischer Sturm benötigt eine warme Meeresoberfläche um genügend «Sprit» zu haben. Eine zu kalte Meerestemperatur stoppt die Wärme- bzw. Energiezufuhr und der tropische Sturm schwächt sich ab. Neuseeland ist dank seiner Lage südlich des 35°S Wendekreis weniger von solchen tropischen Stürmen betroffen, da die Meerestemperatur dafür zu niedrig ist.

Das Meer und die Atmosphäre sind miteinander gekoppelt, dies kennt man auch als Walker Zirkulation. Diese Koppelung am pazifischen Äquator ist besser bekannt als ENSO oder El Niño-Southern Oscillation. Dabei gibt es drei Phasen: El Niño, La Niña und eine normale Phase.

Vergrösserte Ansicht:
Bild: Commonwealth of Australia 2022, Bureau of Meteorology

Aktuell hat sich eine La Niña Situation eingestellt, was dazu führt, dass die Meerestemperatur deutlich wärmer ist als üblich. Dies erklärt auch warum der tropische Sturm «Cody» in diesem Fall für Neuseeland gefährlich werden kann.

Aktuelle Einschätzungen finden Sie beim neuseeländischen Wetterdienst

Vergrösserte Ansicht: Differenz zwischen der gemessenen Meerestemperatur und der Klimatologie.
Differenz zwischen der gemessenen Meerestemperatur und der Klimatologie.
Bild: Commonwealth of Australia 2022, Bureau of Meteorology

Kommentare (3)

  1. N. Brunner, 11.01.2022, 22:38

    Eine tolle Illustration von Frau Roth 👍🏻😊

  2. Daniel Hasler, 11.01.2022, 20:37

    Ausgezeichneter, hochinteressanter Blogbeitrag, herzlichen Dank hierfür!

  3. Felipe, 11.01.2022, 19:43

    Hoffen wir mal das der Sturm nichts schlimmes anrichtet!