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Trauen Sie Ihrem Barometer nicht!

22. Januar 2022, 9 Kommentare
Themen: Wetter

Die in den zentralen und östlichen Landesteilen vorhandene und teils recht dichte Bewölkung in mittleren Höhen passte irgendwie nicht so ganz mit dem hohen Luftdruck von rund 1037 hPa zusammen. Wir gehen den Fragen nach, woran dies lag und warum sich die Wolken doch noch in einigen Regionen auflockerten.

Abendstimmung in Uetikon am See über den Zürichsee zur Albiskette. Foto: R. Mühlebach
Abendstimmung in Uetikon am See über den Zürichsee zur Albiskette. Foto: R. Mühlebach

Eine Statistik darüber existiert zwar nicht, aber normalerweise kann davon ausgegangen werden, dass hierzulande – im Winterhalbjahr zumindest ausserhalb von Nebel- oder Hochnebelgebieten – freundliches Wetter herrscht, wenn der Barometer wie heute einen Druck von rund 1037 hPa anzeigt. Der Zeiger ihres (analogen) Barometers stand heute sicher auch in der Gegend des Sonnensymbols.

Insofern «täuschte» sich der Barometer heute, nicht beim Luftdruck, aber bei der Interpretation des vorherrschenden Wetters. Hoher Luftdruck bedeutet nämlich nicht in jedem Fall sonniges Wetter. Trauen Sie also Ihrem Barometer nicht einfach unbedacht 😉.

Wie war das nun möglich, solch hoher Luftdruck und doch ausgedehnte Bewölkung? Nun, hoher Luftdruck bedeutet in der Regel, dass sich ein Hochdruckgebiet in der Nähe befindet. Das war heute nicht anders. Das recht umfangreiche Hoch namens «Erich» lag mit seinem Zentrum südlich von Irland. Zwischen diesem Hoch und einem Tiefdruckgebiet mit Kern über Osteuropa wurde jedoch mit einer kräftigen nördlichen Höhenströmung eine Warmfront und damit feuchte Luft zu den Alpen geführt.

Insbesondere in den Bayrischen, Tiroler und Salzburger Alpen schneite es. Die Schweiz befand sich am Rande der Feuchtezufuhr aus Norden, wobei es nur in der Ostschweiz vereinzelt ein paar Flocken gab. Je westlicher man sich aber heute befand, desto sonniger war es. Im Tessin und insbesondere im Wallis im Schutz der Alpen spürte man kaum etwas von der Warmfrontbewölkung. Einzig Leewellen in Form von hohen Wolken sorgten zeit- und gebietsweise für eine eingeschränkte Sonneneinstrahlung.

Die Bewölkung setzte sich aus mehreren Schichten in unterschiedlichen Höhen zusammen. Dass diese sich tagsüber auch in der Deutschschweiz – mit Ausnahme der östlichsten und nordöstlichsten Regionen – auflockerten, lag zum einen am bereits erwähnten Grund, dass sich die Schweiz am Rande des Hochdruckgebietes respektive nur am Rande der feuchteren Zone befand.

Zum anderen bewirkte aber auch ein sogenannter «Flowsplit» eine Bewölkungsauflockerung. In der Westschweiz wehte nämlich mässige Bise, während in der Ostschweiz schwacher westlicher Wind blies.

Die auseinanderfliessende Luft musste in der Folge quasi ersetzt werden. Von unten konnte die nachfliessende Luft nicht kommen, also tat sie dies von oben. Schematisch kann dies folgendermassen illustriert werden:

Die resultierende Absinkbewegung trug schliesslich zur Bewölkungsabnahme bei. Letztere war heute in einigen Regionen stärker und grossflächiger ausgeprägt als ursprünglich angenommen.

Kommentare (9)

  1. P. Bernet, 23.01.2022, 07:28

    "Flowsplit" Zuvor noch nie etwas davon gehört.
    Aber hier sehr anschaulich erklärt. Grosses Kompliment!

  2. Marco, 23.01.2022, 03:19

    Wenn ich mich recht erinnere war in der Vormittagsprognose noch von stark bewölkt mit Auflockerungen besonders in der Region Bern am Nachmittag die Rede. Dabei war es hier in der Region Basel am Nachmittag fast durchgehend schön. Solche zumindest lokalen "Sonnenschein-Fehlprognosen" bei Warmfronten scheinen mir nicht so häufig zu sein wie bei Hochnebel oder täuscht der Eindruck? Ansonsten sind bei Warmfronten eher die Niederschlagsmengen manchmal schwierig abzuschätzen, doch beim Sonnenschein scheint es mir eher überraschend. Da hat der hohe Luftdruck ja vielleicht doch etwas geholfen :-)

    1. MeteoSchweiz, 23.01.2022, 03:50

      Grüezi Marco

      Das stimmt, die Grenze zwischen starker Bewölkung und sonnigem Wetter lag weiter östlich als nach der Prognose zu erwarten. Nicht nur die Region Basel, sondern auch das zentrale Mittelland bekam mehr Sonnenschein als vorhergesagt. Wahrscheinlich wirkte hier der hohe Luftdruck und der Strömungssplit effizienter bei der Wolkenauflösung als ursprünglich angenommen. (Modell)Prognosen zur Bewölkung und/oder zum Nebel treffen bei dynamischeren Wetterlagen (so auch bei Warmfronten) meist besser zu als bei windschwachen, austauscharmen Hochdruckwetterlagen, können aber wie in diesem Fall auch einmal nicht so genau passen.

      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

    2. Jan Schlomach, 24.01.2022, 08:18

      Hallo,
      vielleicht noch ein kleiner Nachtrag zu der etwas überraschenden Wolkenauflösung am Sa nachmittag: das amerikanische Modell GFS hat dieses recht genau simuliert.
      Gruss
      Jan

  3. Peter Bühlmann, 22.01.2022, 23:20

    Ich beobachte seit längerem schlangenförmige Wolken, die manchmal ganz unkontrolliert herumstehen oder sich zu einer geschlossenen Decke formieren. Niederschlag bringen sie aber sehr wenig. Wie können dann die Wolken von einer Warmfront kommen, wenn sie von Norden kommen und es dabei recht kalt ist?

    1. MeteoSchweiz, 23.01.2022, 01:05

      Sehr geehrter Herr Bühlmann

      Ohne ein Bild von diesen "Schlangenwolken" zu sehen, ist es schwierig, diese zu kommentieren oder einer Wolkengattung zuordnen zu können.

      Dass sich Warmfronten von Norden her nähern ist nicht unüblich: In der aktuellen Wetterlage strömt Warmluft vom Nordatlantik her kommend in einem weiten Bogen um das markante Hoch, welches stationär über den Britischen Inseln liegt, herum und wird an dessen Ostflanke über Deutschland hinweg zu den Alpen geführt.

  4. Dieter Neth, 22.01.2022, 21:30

    Also, hier in Trimbach (Raum Olten) gab es heute etwa 5 Sonnenstunden, dass es nicht noch mehr waren ist den Bergen und dem tiefen Sonnenstand geschuldet. In dem Sinne konnte ich dem Barometerdruck heute trauen.
    Bise hatte es allerdings keine, vielleicht lagen wir genau unter der absinkenden Luftströmung - was auch die recht angenehme Milde erklären würde.
    Jedenfalls hat sich absolut niemand hier über das im Verhältnis zur Prognose "zu sonnige" Wetter beschwert, es dürfte der sonnigste Januartag 2022 gewesen sein, da bis zum 13. 1. die Sonne hier um 13:30 "untergeht".
    Mal sehen ob der versprochene Hochnebel noch kommt - sonst gibt das eine viel kältere Nacht als prognostiziert hier.

  5. Ursi Müller, 22.01.2022, 18:01

    Tatsächlich Hinwil - nicht Inwil? Der Pilatus scheint mir gar nah...

    1. MeteoSchweiz, 22.01.2022, 18:29

      Guten Abend Frau Müller. Das Bild wurde tatsächlich in Hinwil aufgenommen. Vermutlich herangezoomt oder mit einem Teleobjektiv fotografiert. Freundliche Grüsse MeteoSchweiz.