Föhnsturm und viel Neuschnee im Wallis

11. Dezember 2017, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Am Montag dauerte die sehr dynamische Wetterlage vom vergangenen Wochenende über weiten Teilen Europas an.

Viel Schnee auch in Sion Quelle:www.sion.ch
Viel Schnee auch in Sion Quelle:www.sion.ch

Nochmals zunehmende Südstau- und Föhnlage

Vergrösserte Ansicht: Die maximale Druckdifferenz zwischen Lugano und Kloten lag heute auf Rang 3 und gestern auf Rang 5 der letzten 30 Jahre.
Die maximale Druckdifferenz zwischen Lugano und Kloten lag heute auf Rang 3 und gestern auf Rang 5 der letzten 30 Jahre.
D. Gerstgrasser

Gleichzeitig dehnte sich in der Höhe ein Trog nach West- und Mitteleuropa aus. Damit drehte die stürmische Höhenströmung auf Südwest bis Süd. Dadurch nahm die Südstau- und Föhnlage im Alpenraum bis etwa am Mittag nochmals zu.

Lokal Föhnrekord in Gipfellagen

Vergrösserte Ansicht: Höchste Böenspitzen vom Sonntag und Montag
Höchste Böenspitzen vom Sonntag und Montag
MeteoSchweiz

Die grössten Windspitzen waren mit der Winddrehung in der Höhe auf Südwest bis Süd in den Bergen deutlich höher als am Sonntag und erreichten in exponierten Kammlagen knapp 200 km/h.

Auf dem Gütsch (2283 m ü.M.) oberhalb Andermatt  lag der Höchstwert bei 191 km/h. Auf dem Piz Martegnas (2670 m ü.M.) oberhalb Savognin stieg die höchste Böenspitze auf 196 km/h.

Für den Messstandort Gütsch sind die 191 km/h nichts Besonderes. Der Messwert liegt nicht unter den zehn höchsten Windspitzen der seit 1981 verfügbaren Messreihe. Der Gütsch-Rekord vom 17. Dezember 1983 erreichte 226 km/h.

Anders präsentiert sich die Lage am Messstandort Piz Martegnas, in Betrieb seit 1993. Die bisher höchste Böenspitze zeigte 182 km/h, registriert am 31. Oktober 2003. Der aktuelle Wert von 196 km/h ist für die eher kurze Messreihe ein neuer Rekord.

In den Föhntälern im gewohnten Bereich

Vergrösserte Ansicht: Der Föhnsturm heute am Urnersee von Isleten aus nordostwärts
Der Föhnsturm heute am Urnersee von Isleten aus nordostwärts
B. Konantz

In den klassischen Föhntälern blieben die Böenspitzen deutlich unter den Rekordwerten. Den höchsten Wert im Messnetz der MeteoSchweiz lieferte der Urnerföhn in Altdorf mit einem Maximum von 119 km/h. Sturmspitzen von 120 km/h und mehr werden hier fast jedes Jahr einmal erreicht. Die massivsten Föhnstürme und Weststürme überstiegen in Altdorf 140 km/h. Die Messstation Steinen bei Schwyz registrierte 122 km/h. Für diesen Messstandort liegt keine längere Messreihe für Vergleiche vor.

 

 

Viel Schnee im Zentralwallis

Vergrösserte Ansicht: 1-Tages Neuschneesummen vom 10. auf den 11. Dezember 2017 im zentralen Wallis
1-Tages Neuschneesummen vom 10. auf den 11. Dezember 2017 im zentralen Wallis
S. Bader

Neben dem Föhnsturm gab es aber im Wallis auch sehr grosse Neuschneemengen.  Am Montagmorgen wurden hier verbreitet  30 bis 70 cm Neuschnee gemessen, einzig im nördlichen Chablais und in den südöstlichen Regionen war es deutlich weniger.

Vom 10. auf den 11. Dezember fielen im zentralen Wallis lokal ausserordentliche Neuschneemengen. Auf dem Talboden zwischen 460 m ü.M. und 640 m. ü.M. erreichte die Mächtigkeit der Neuschneedecke zwischen 35 und 60 cm. Extrem ist der Wert von Sion mit 60 cm. Er liegt weit über dem bisherigen Rekordwert von 43 cm, gefallen auf den 22. November 1971. Selbst die bisher höchsten 2-Tagessummen liegen bedeutend tiefer: Im Februar 1999 (Lawinenwinter) fielen in Sion 51 cm, im Februar 1976 52 cm innerhalb von zwei Tagen.

Der hohe Wert von 60 cm kann nicht a priori als unglaubhaft angesehen werden, wurden doch am nicht sehr weit entfernten Messstandort Sierre auch 52 cm gemessen.

Die Neuschneesummen in den höher gelegenen Gebieten des zentralen Wallis sind nicht ungewöhnlich. Die 60 cm von Montana wurden schon weit überboten. Auf den 21. Januar 1968 gab es hier die Rekordsumme von 84 cm. In Ulrichen im Oberwallis fiel auf den 17. Dezember 2011 die Rekordsumme von 111 cm innerhalb eines Tages. Aktuell war es nur die Hälfte davon.

Zum Schluss noch der link zum heutigen Adventsfenster: http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/news/adventskalender-2017.html

 

Kommentare (7)

  1. Anton, 12.12.2017, 17:46

    Woran lag es eigentlich genau das bei vorhersagten großen Niederschlagsmengen letztendlich in Zermatt lediglich etwa 15 cm Neuschnee fielen?Mit traurigen Grüßen Anton

    1. MeteoSchweiz, 13.12.2017, 09:38

      Im oberen Mattertal waren die Niederschlagsmengen in der Tat geringer ausgefallen als angenommen. Benachbarte Regionen wie zum Beispiel das obere Saastal oder auch das Val d'Anniviers erhielten aber von Sonntag auf Montag 20 bis 30 cm und von Montag auf Dienstag nochmals 10 bis 20 cm Neuschnee. Vermutlich war das obere Mattertal zu fest abgeschirmt durch die Berge (am Sonntag herrschte West-, am Montag eher Südanströmung).

  2. Tobias S., 11.12.2017, 18:32

    Und warum war denn der Föhn heute deutlich schwächer als gestern? Gestern ging man doch noch davon aus, dass er sich noch mehr verstärken würde.

    Als Beispiel:

    Oberriet/Kriessern:
    Gestern: 95,8km/h
    Heute:78,5km/h

    1. Baur, 12.12.2017, 00:40

      Ja, das würde mich als Glarner wohnhaft in Glarus Nord auch interessieren. So schlapp und kurz wie eben war der Föhn hier im Tal noch selten. Trotz Sturmwarnung Stufe 3 von Meteo Schweiz

    2. MeteoSchweiz, 12.12.2017, 13:43

      Der Föhn insgesamt war gestern Montag nicht schwächer als am Sonntag. Im Gegenteil, in den Gipfellagen war er mit der Winddrehung auf Südwest bis West stärker mit bis zu 196 km/h auf dem Piz Martegnas. Auch in den Tälern, beispielsweise in Vaduz, war der Föhn am Montag mit bis zu 111 km/h stärker als am Tag davor. Ebenso in Altenrhein, wo gestern Montag maximal 89 km/h gemessen wurden, am Sonntag hingegen mit Föhn "nur" 69 km/h (Maximum lag bei 78 km/h, aber mit westlichem Wind). Die Windgeschwindigkeiten aus Oberriet/Kriessern lagen am Sonntag allerdings höher als am Montag. Am Sonntag hat es sich um einen sogenannten Güllerföhn gehandelt, der bei Gegenstromlagen bzw. bei nordwestlicher Höhenströmung auftritt. Es sind somit nur die unteren Luftschichten (unterhalb ca. 3000m) am Föhn beteiligt. Ein Grund, warum am Sonntag der Föhn lokal stärker war als am Montag, könnte der deutlich stärkere Druckfall sein (rund 20 hPa in 12 Stunden) im Vergleich zum Montag. In Verbindung mit Niederschlag resultierte dies womöglich in gebietsweise höheren Windspitzen im unteren Rheintal. Ebenso fällt auf, dass die Windrichtung am Sonntag in Oberriet/Kriessern bei Süd, am Montag eher bei Südsüdwest lag. Dies könnte ein weiterer Grund für die unterschiedliche Stärke des Föhns bei Oberriet/Kriessern gewesen sein.

    3. Geo, 12.12.2017, 15:48

      Meteo Schweiz weiss es immer besser......

    4. MeteoSchweiz, 18.12.2017, 21:02

      Hier eine sehr ausführliche Antwort vom Föhn-Experten:
      In der Tat war der Föhn in Glarus schwach. Auch in den übrigen Alpentälern blieben die Böenspitzen unter den Erwartungen - und dies sogar für beide Tag, den Sonntag und den Montag. Am Sonntag handelte es sich um einen sogenannten seichten Föhn. Bei einem seichten Föhn herrscht nur in den unteren Luftschichten Südwind, während in grösserer Höhen West- oder sogar Nordwestwind herrscht. Grund für den Südwind in tieferer Lage ist der starke Druckfall über Deutschland, welcher die Luft aus Süden ansaugt. Damit sinkt der Druck auf der Alpennordseite stark. Quasi als Ersatz strömt dann die Luft der Alpensüdseite über die Alpenpässe nach Norden und löst die Föhnströmung aus. Dies geschieht aber nur in denjenigen Tälern, welche niedrige Einsattelungen zur Alpensüdseite aufweisen, so zum Beispiel das Urner Reusstal mit dem Gotthard, das untere Rhonetal mit dem Gr. St. Bernhard, das Churer und St. Galler Rheintal und das Haslital mit der Grimsel und dem Griespass. Zudem muss das nordalpine Tal mit einem Pass unmittelbar mit der Alpensüdseite verbunden sein. Im Falle des Glarnerlandes sind die Pässe relativ hoch (2500 bis 2700 Meter) und ausserdem befindet man sich bei überqueren dieser Pässe erst im Vorderrheintal und nicht auf der Alpensüdseite, von wo die Südströmung stammt. Somit wird im Fall des Glarnerlandes wohl der Lukmanier oder andere Pässe überströmt. Die zweite Kette, welche das Vorderrheintal vom Glarnerland trennt, wird jedoch nicht, oder nur im geringen Masse überströmt. Dies ist insbesondere im Grosstal der Fall, so dass ja beispielsweise Linthal recht selten Föhn aufweist. Im Sernftal hingegen sind die Pässe mit 2500 Meter niedriger und der Föhn ist ein häufiger Gast. Hier kommt es manchmal auch bei seichtem Föhn zu stürmischen Südwind. Ein zweiter Faktor ist sicherlich der Bündner Föhn. Der relativ kalte Bündner Föhn - bei seichtem Föhn hat man es ja mit relativ kalter Luft, welche von der Alpensüdseite her die eher niedrigen Pässe überströmt und dann in die nordalpinen Tälern einfällt. Trotz adiabatischer Erwärmung von 1 Grad pro 100 Höhenmeter ist die Luft in Chur nicht allzu warm. Diese strömt durch das Walenseetal westwärts und gelangt schliesslich als Südostwind in die March. Diejenige Luft, welche nun allenfalls in Elm als kräftiger Föhn spürbar ist, ist auf gleiche Höhe bezogen einige Grade wärmer als der relativ kalte Föhn aus Osten bei Ziegelbrücke. Deshalb fällt er nicht ins Tal hinunter, sondern wird eventuell bei Matt im Sernftal wieder abgehoben und strömt über der bodennahen Kaltluft als Südwind nach Norden. Falls es doch einmal dem Sernftal-Föhn gelingt, bis Glarus vorzustossen, ist er im Fall von einer seichten Föhnlage recht schwach, weil die kalte Luft im Norden einen starken Druckfall am nördlichen Talausgang des Linthtales verhindert. Somit wird der schwache Föhn vom Sonntag erklärbar.

      Schwieriger ist die Sache am Montag. Am Montag herrschte nämlich in der Höhe Süd- bis Südwestwind, welcher sogar Orkanstärke erreichte. Gleichzeitig herrschte auf der Alpensüdseite noch bis hoch hinauf Kaltluft, was ebenfalls für einem starken Föhnsturm sprach. Nun war aber wahrscheinlich die nahe gelegene Luftmassegrenze im Mittelland hemmend. Wenn nämlich der Föhn heftig bläst, ist es am Alpenkamm relativ kalt, während es auf einem gleich hoch gelegenen Voralpengipfel viel wärmer ist. Die kalte Luft der Alpensüdseite fliesst dann über den Alpenkamm und fällt dann boraartig - also wie ein Wasserfall - in die nördlichen Täler ab, so auch ins Glarnerland. Je kälter und dementsprechend schwerer nun die kalte Luft am Alpenkamm im Verhältnis zu milden Luft in den Voralpen ist, desto heftiger bläst der Föhn. Im vergangenen Fall verhinderte aber die nahe gelegene Luftmassengrenze im Mittelland ein stärkeres Absinken der die milden Temperaturen über den Voralpengipfeln veruraschen Luft der Südwinde, welche in grosser Höhe den Alpenkamm überströmen und deshalb vergleichsweise milder sind, als diejenige Luft welche unmittelbar den Alpenkamm überströmt. Da nun eben diese Luft aus grosser Höhe nicht bis zu den Voralpen hinunter vorstossen konnte, war die kalte Luft über dem Alpenkamm nicht viel kälter als diejenige Luft über dem Voralpen. Die Luft fiel deshalb vom Alpenkamm nicht so schnell in die Täler hinunter wie bei einer "normalen" starken Föhnlage. Dies erklärt zum Teil die doch eher moderaten Böenspitzen von nur 80 bis 110 km/h in den Tälern. Wenn man nochmals auf den Temperaturunterschied Gütsch -Pilatus eingeht, so ist ersichtlich, dass er am vergangenen Montag bloss 3 Grad ausmachte. Der Pilatus war also nur etwa 3 Grad wärmer als der Gütsch. Beim extremen Föhnfall vom 8. November 1982 betrug dieser Unterschied 11 Grad !! Die Windspitzen waren in den Tälern dementsprechend auch ganz andere. So kann davon ausgegangen werden, dass am Urnersee damals Böenspitzen von über 160 km/h aufgetreten sind, und auf der Isleten blies der Föhn im Stundenmittel mit 108 km/h. Dies ist - auch heute noch und Weststurm Lothar zum Trotz - eines der höchsten oder sogar das höchste Stundenmittel, welches in den Niederungen jemals festgestellt wurde. Für die Station Glarus kann vom 8. November 1982 nichts ausgesagt werden, da der Windmesser ausfiel. Es sind aber in den vergangenen 30 Jahren schon Stundenmittel von 80 -90 km/h aufgetreten, was für eine Station, welche nicht an einen See, sondern auf Land liegt, sehr extrem. Es ist möglich, dass das 1982 in Glarus noch höhere Stundenmittel als 90 km/h vorgekommen sind, genauso wie bei anderen schweren Föhnstürmen , zum Beispiel im Januar 1919 oder im November 1962. Was die Böenspitzen anbelangt, so wären bei Föhn in Glarus sicher auch bis 150 km/h oder mehr möglich, wie ja 140 km/h auch bei nicht aussergewöhnlichen Föhnstürmen schon gemessen worden sind.

      Schwierig ist ein Vergleich zum schweren Weststurm Vivian, welcher im Glarnerland über 200'000 Kubikmeter Holz fällte. Dies ist ein Holzanfall, welcher bei einem Föhnsturm im Kanton Glarus noch nie auftrat. Das Bisherige Maximum liegt bei Föhn bei etwa 40'000 Kubikmeter. Nun könnte man sagen, der Weststurm Vivian sei stärker als ein Föhnsturm. Dies mag bei kurzfristen Böenspitzen der Fall sein, wie ja zum Beispiel bei Sturm Vivian in Glarus auch maximal 169 km/h auftraten. Allein dauert ein Weststurm in dieser Heftigkeit in der Regel nur kurze Zeit, nämlich einige Minuten bis 1 bis 2 Stunden. Auch sind die Windmittel selbst in diesen Phasen mit 50 bis 70 km/h nicht so hoch wie beim Föhn. Zum anderen tobt ein Föhnsturm oft viele Stunde bis über einen Tag. Dass der Weststurm mehr Holzanfall bewirkt, liegt an seinen (möglicherweise) etwas höheren Böen. Zum anderen muss klar gesagt werden, dass die Ökosysteme im Glarnerland an die häufigen Föhnstürme besser angepasst sind als an die selteneren Weststürme. So wirft ein Sturm aus ungewohnter Richtung deutlich mehr Bäume um als eine Sturm aus der normalen Sturmrichtung. Typisches Beispiel hierfür ist wiederum der Kanton Uri. Bei Windspitzen von bis zu 140 km/h im Falle vom Föhn passiert praktisch nichts. Bei einem Weststurm mit gleicher Böenstärke können die Waldschäden verheerend sein.

      Alles in allem kann gesagt werden, dass der Glarner Föhn ein äusserst starker und zudem langandauernder Sturm sein kann. In speziellen Lage, wie in der Wichlen hinter Elm oder bei der Fridolinshütte ist er sogar so stark, dass man oft Mühe hat, dass Gleichgewicht zu halten. Dort sind Böenspitzen von weit über 150 km/h zu erwarten, eventuell sogar über 200 km/h möglich. Immerhin mussten einige Gebäude in der Wichlen hinter Elm mit speziellem Fensterglas ausgestattet werden, weil herkömmliches Glas vom Föhn eingedrückt wird. Auch sind Dachstühle laut Aussagen von Einheimischen dort schon mindestens einige 10er Meter durch die freie Luft geflogen oder sogenannte Pinzgauer umgeworfen worden, was die gewaltige Wucht des Föhns deutlich unterstreicht.