Kühler September mit Wintergruss

29. September 2017, 16 Kommentare
Themen: Klima

Die Septembertemperatur blieb im landesweiten Mittel 1.6 bis 1.7 Grad unter der Norm 1981–2010. Letztmals kühler war der September 2001 mit 3.1 Grad unter der Norm. In Gipfellagen gab es Neuschneetage in Rekordzahl. Regen war hingegen – über den ganzen Monat gesehen – in weiten Teilen der Schweiz Mangelware. In der Westschweiz und im Wallis fiel lokal nicht einmal ein Drittel der normalen Septembersumme.

Blick auf die verschneiten Churfirsten am 4. September 2017. Foto: M. Kägi
Blick auf die verschneiten Churfirsten am 4. September 2017. Foto: M. Kägi

Rekordnahe Regenfluten in der Ostschweiz

Die ersten vier Septembertage waren tiefdruckbestimmt. Vor allem in der Nordostschweiz fielen anhaltend kräftige Niederschläge. Von der Linthebene über das St. Galler Rheintal bis nach St. Gallen kamen über drei Tage Niederschlagssummen zusammen, die nur alle 50 bis 100 Jahre oder seltener zu erwarten sind. Lachen in der Linthebene registrierte 164.5 mm. Das ist die zweithöchste 3-Tagessumme seit Messbeginn 1882. Mehr gab es an diesem Messstandort nur im Juni 1953 mit 195.6 mm. St. Gallen erhielt über drei Tage 175.1 mm und damit den höchsten Wert seit über 100 Jahren. Deutlich höhere 3-Tagessummen fielen hier in den Jahren 1876 und 1881. In Altstätten SG erreichte die 3-Tagessumme mit 202.8 mm Rang drei seit Messbeginn 1864. Der nur wenig höhere 3-Tages Regenrekord liegt hier bei 207.9 mm, registriert am Monatswechsel Mai/Juni 2013.

Der regnerische Monatsbeginn war kühl. Nördlich der Alpen und im Wallis fiel die Tagesmitteltemperatur 3 bis 5 Grad, in Berglagen 6 bis 7 Grad unter die Norm 1981–2010. Auf der Alpensüdseite verharrte die Tagesmitteltemperatur meist 1 bis 2.5 Grad unter der Norm.

Mit Sonne wieder milder

Nach dem feuchtkühlen Monatsbeginn folgten ab dem 5. September vier Tage mit mehrheitlich hochdruckbestimmtem Wetter. Die Tagesmitteltemperatur stieg verbreitet 2 bis 4 Grad über die Norm. Auf der Alpensüdseite und im Wallis gab es viel Sonne, während auf der Alpennordseite vor allem der 5. und der 8. September ziemlich sonnig waren.

Kalt und mehrmals Schnee in den Bergen

Ab dem 9. September führte ein Tiefdruckgebiet über Nordeuropa erneut kühle und feuchte Luft zum Alpenraum. Die Tagesmitteltemperatur bewegte sich verbreitet 2 bis knapp 4, in den inneralpinen Gebieten auch 5 bis 6 Grad unter der Norm 1981–2010. In den Bergen fiel Schnee bis auf 1100 m hinunter.

Während der anschliessenden zum Teil stürmischen Südwest- und Westwindlage vom 12. bis am 14. September, die von wechselhafter und etwas milderer Witterung begleitet wurde, erreichten die Windspitzen verbreitet 60 bis 90 km/h. Am 14. lagen die heftigsten Böen entlang des Jurasüdfusses bei 113 km/h, auf den Jurahöhen bei 125 km/h und in den Alpen bei 140 km/h.

Mit dem Zustrom von feuchter Polarluft vom 16. bis am 20. September sank die Tagesmitteltemperatur verbreitet 3 bis 5 Grad, in den Bergen 6 bis 8 Grad unter die Norm 1981–2010. Die Schneefallgrenze lag zunächst bei 1500 bis 1700 m. Am 19. und 20. bewegte sie sich schliesslich zwischen 1300 und 1400 m.

Auf dem Weissfluhjoch in 2540 m über Meer lieferte der September bisher 15 Tage mit Neuschnee, ein neuer Septemberrekord (Daten: WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Davos). Auf Rang zwei liegen die Septembermonate 1965, 1984, 1993 und 2001 mit je 13 Neuschneetagen. In der Klimaperiode 1961–1990 lag der Septemberdurchschnitt bei 5.5 Neuschneetagen, in der Periode 1991–2017 bei 6 Neuschneetagen (Grafik unten).

Auch die September-Neuschneesumme auf dem Weissfluhjoch ist beachtlich. Mit 107 cm belegt sie Rang drei seit Messbeginn 1959. Höhere September-Neuschneesummen gab es 1984 mit 153 cm und 1965 mit 114 cm. In der Klimaperiode 1961–1990 lag der Septemberdurchschnitt der Neuschneesumme bei 32 cm, in der Periode 1991–2017 bei 35 cm.

Sonniges Herbstwetter

Hochdruck über Mittel- und Osteuropa sorgte vom 21. bis am 25. September in der ganzen Schweiz für viel Sonne. Regionale herbstliche Morgennebel lösten sich überall bis gegen Mittag auf. Die Minimumtemperaturen lagen am frühen Morgen verbreitet unter 10 Grad, die Höchstwerte am Nachmittag stiegen auf 18 bis 22 Grad.

Die Blätter beginnen sich zu verfärben

Die ersten gelb verfärbten Bergahorn- und Buchenblätter, die an der Sonne gelbbraun leuchten: so langsam beginnen sich die Herbstfarben in den Wäldern auszubreiten. Die ersten Beobachtungen der Blattverfärbung der Bäume, d.h. wenn 50% der Blätter am Baum bunt verfärbt sind, wurden meist aus Höhenlagen oberhalb von rund 800 m ü. M. gemeldet.  Bisher waren es jedoch erst sehr wenige. An den Stationen des phänologischen Beobachtungsnetzes verfärben sich die Buchenblätter im Mittel der Vergleichsperiode 1981-2010 in Höhenlagen bis 600 m am 13. Oktober, in Höhen von 600 – 1000 m am 9. Oktober und oberhalb von 1000 m am 6. Oktober. Die Herbstzeitlosen blühten im September in allen Höhenlagen, an einigen Standorten früher, an andern auch später als normal. Allgemein begannen sie in diesem Jahr ab Mitte August zu blühen, etwa 10 Tage früher als im Mittel.

Reife Früchte von Bäumen und Sträuchern gehören ebenfalls zum September. Reife Beeren des Schwarzen Holunders wurden zwischen 650 und 1250 m ü. M. beobachtet, meist zu einem normalen bis leicht frühen Zeitpunkt. An der Mehrheit der Stationen reifte der Schwarze Holunder jedoch schon im August, rund 6 Tage früher als im Mittel. Weitere Beeren und Früchte von Sträuchern, die im phänologischen Netz nicht beobachtet werden, zeigen sich momentan in prachtvollen Farben, zum Beispiel Hagebutten, Weissdorn oder Pfaffenhütchen.

Der definitive Bericht zum September 2017 ist ab dem 10. Oktober 2017 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.
Klimaberichte
 

Kommentare (16)

  1. mc, 17.10.2017, 19:35

    Was soll dieser Klimawandel? ??

  2. Wolfgang, 06.10.2017, 09:12

    Mir persönlich sind Wärme und ein milder Winter zwar viel lieber, aber dass sich das Klima ändert, ist wohl nicht zu leugnen.
    Im Übrigen war der Winter 2017 in Australien/QLD sehr war und trocken...

    Mich würde allerdings dennoch interessieren, weshalb es trotz Erwärmungstendenzen immer wieder zu markanten Kälteinbrüchen kommt, so wie von Yves angemerkt.

    1. MeteoSchweiz, 06.10.2017, 14:10

      Markante Kälteeinbrüche sind meist die Folge von Nord- oder Nordwestlagen, welche polare Kaltluft zum Alpenraum führen. Mit der Klimaänderung sind diese Wetterlagen nicht verschwunden. Nachweislich treten sie aber zum Beispiel in ausgeprägten Warmwinter-Perioden seltener auf und werden durch milde Südwestlagen ersetzt.

      Milde und kalte Bergwinter
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/publikationen.subpage.html/de/data/publications/2015/4/milde-und-kalte-bergwinter.html

  3. Baur H.P., 06.10.2017, 00:48

    Ärger als die Klimaskeptiker sind die Klimaleugner, „es wird gar nicht wärmer“, welche damit die wissenschaftlichen globalen Temperaturmessungen leugnen. Falls es in Europa wieder einmal einen selten gewordenen kalten Winter geben sollte (was infolge Waccy-Effekt, Sonnenfleckenminimum ect auch in Zeiten der Klimaerwärmung noch möglich ist), so nehmen die Klimaleugner das als Beweis dass es „gar nicht wärmer sondern kälter wird“. Dass es global gesehen und wissenschaftlich belegt mit den Jahres-Temperaturen trotzdem steil aufwärts geht, wird geleugnet.

    1. Lars, 11.10.2017, 18:25

      Es mag ja sein, dass es global wärmer wird. Aber bis jetzt konnte mir noch keiner belegen, dass das auch für die Schweiz zutrifft. Ich merke auf jeden Fall nichts davon.

  4. Wolfgang, 29.09.2017, 23:19

    Damit steht es nun Unentschieden zwischen dem warmen August und dem kalten September.

    1. Domi, 06.10.2017, 18:19

      Wobei bis August sämtliche Monate (ausser Januar) über der Norm waren.

  5. Lars, 29.09.2017, 21:31

    Dass der September zu kalt war hab ich gemerkt. Leider war vom Spätsommer nicht viel zu merken.
    Wo waren die vier Sommertage, die es angeblich im September geben sollte?
    Ich halte den Klimawandel für ein Märchen, um den Bürgern das Geld aus dem Sack zu ziehen

    1. Seppätoni, 30.09.2017, 12:56

      Wenn man sich oft in der Natur draussen bewegt, sieht und spürt man die schleichende Klimaveränderung. Nur schon der jährliche Gletscherschwund, ist ja mehr als offensichtlich.
      PS: Die Bürger sind wir, die 6 Mio Schweizer. Dann sind da noch 2 Mio weitere Einwohner, welche übrigens mindestens gleich viel für alles bezahlen?

    2. Baur H.P., 30.09.2017, 21:10

      Da Du hier schreibst wirst Du die langen Temperaturreihen von Meteo Schweiz seit 1864 schon kennen und sehen dass die Durchschnittstemperaturen ständig steigen. Zu kühle Monate sind selten geworden im laufenden Jahr 2017 waren es nur Januar und September. Wann gefror der Zürichsee das letzte Mal ganz zu? 1962/63. Eben!

    3. Yves, 01.10.2017, 10:43

      Lieber Lars,
      Anstatt ahnungslos Kommentare zum Thema Klimawandel zu schreiben, könntest Du doch die Experten von MeteoSchweiz fragen, wieso es trotz Klimawandel gelegentlich zu kühleren Monaten kommen kann? ;-)

    4. Lars, 02.10.2017, 12:32

      Mir kamen nicht nur Januar und September als zu kalt vor, sondern auch April, Mai und Juli. Ausserdem rede ich nicht von den Tabellen, sondern von meinem Empfinden.

    5. MeteoSchweiz, 02.10.2017, 17:22

      Das Jahr 2017 brachte in der Schweiz den drittwärmsten Frühling und den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn 1864. Darin eingepackt waren der zweitwärmste März und der zweitwärmste Juni seit Messbeginn. Da kommt für das laufende Jahr bereits ein beachtlicher Wärmeüberschuss zusammen. Rechnet man das Jahr 2017 konservativ zu Ende mit je einer durchschnittlichen Monatstemperatur für Oktober, November und Dezember, landet es unter den sechs wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Damit hätte die Schweiz acht der zehn wärmsten Jahre nach dem Jahr 2000 registriert. Eine massive Häufung sehr warmer Jahre. Die Klimaänderung ist weder eine Fiktion noch ein Märchen, sie ist messbare Realität.

    6. Lars, 02.10.2017, 18:46

      @MeteoSchweiz
      Sie haben aber auch mal geschrieben, dass dieser Januar der Kälteste war. Also kann es so schlimm nicht sein. Und auch der diesjährige Sommer war für mein Empfinden nicht wirklich warm. Zum Beispiel wars Ende Juli im Tessin an mehreren nicht über 30 Grad, im Gegensatz zu den Vorjahren mit höherem Temperaturen.

    7. Ueli, 03.10.2017, 10:31

      Der von Menschen gemachte Klimawandel ist eine Mär.Bis jetzt konnte in keinem Labor der Einfluss von CO2 aufs Klima bewiesen werden.Die ganze Geschichte ist eine Hypothese, die es noch zu beweisen gilt.Klimawandel findet ständig statt.An manchen Orten wird es wärmer an anderen kälter.Es gibt Gletscher die wachsen und es gibt Gletscher, die sich zurückziehen.Die Südhalbkugel ging durch einen kalten Winter.Schnee in Australien, Chile,Frost in Brasilen und Argentinien.Der Sommer im Norden war kalt.Die Eisdecke in der Arktis ist gewachsen.Viel Experten rechnen mit einer Abkühlung wegen der geringen Anzahl Sonnenflecken und der vermehrten Vulkanausbrücher.

    8. MeteoSchweiz, 03.10.2017, 14:02

      Bis jetzt konnte kein Klima-Skeptiker überzeugend nachweisen, dass die menschlichen Aktivitäten keinen Einfluss auf das Klima haben. Eine grosse Zahl seriöser Wissenschaftler hat jedoch viele Fakten zusammengetragen, welche einen insgesamt negativen menschlichen Einfluss auf das Klima mit grosser Schadenswirkung offensichtlich machen. Angesichts einer solchen Faktenlage muss die Klimaproblematik in verantwortungsvolles Handeln einbezogen werden. Führende Experten der Schweiz im breiten Umfeld der Klimaänderungsthematik haben dazu im letzten Jahr eine umfangreiche Zusammenstellung veröffentlicht:

      Brennpunkt Klima Schweiz, Grundlagen, Folgen und Perspektiven https://naturwissenschaften.ch/organisations/proclim/activities/reports_factsheets/81637-brennpunkt-klima-schweiz

      Klimaskeptiker argumentieren oft sehr selektiv. ProClim-, das Forum für Klima und globalen Wandel, hat dazu schon vor längerer Zeit eine interessante Übersicht veröffentlicht:

      Die Argumente der Klimaskeptiker
      https://naturwissenschaften.ch/organisations/proclim/76830-die-argumente-der-klimaskeptiker

      Interessantes zu den Argumenten der Klimaskeptiker ist auch zu lesen unter:
      https://skepticalscience.com/argument.php