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Extreme Januarwärme

24. Januar 2018, 13 Kommentare
Themen: Klima

In den Niederungen beidseits der Alpen ist ein extrem milder Januar zu erwarten. Für die Westschweiz und das Wallis zeichnet sich sogar ein massiver Januarrekord ab. Dies nur ein Jahr nach dem kältesten Januar seit 30 Jahren, welcher das vergangene Jahr 2017 einleitete.

Symbolbild: Blattausbruch Rosskastanie
Symbolbild: Blattausbruch Rosskastanie

Wärmerekorde in der Westschweiz

Am Messstandort Genf erreicht die Januartemperatur 2018 nach den aktuellen Modellrechnungen den alles überragenden Rekordwert von 6 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4.5 Grad. Am  Walliser Messstandort Sion ist für den Januar 2018 mit knapp 4 Grad zu rechnen. Die bisherigen Januarrekorde lagen hier bei 3 Grad. An mehreren Messstandorten nördlich und südlich der Alpen wird der zweitwärmste Januar seit Messbeginn 1864 erwartet.

Die Januartemperatur an den Messstandorten Genf und Sion.

Bisher milder Flachlandwinter

Der extrem milde Januar 2018 folgt auf einen winterlichen Dezember 2017 mit verbreitet unterdurchschnittlicher Temperatur. Mit seiner enormen Wärme dominiert der Januar den bisherigen Flachlandwinter. Die beiden Wintermonate zusammengenommen liegen in Genf mit 4.3 Grad ebenfalls im Rekordbereich, allerdings nur noch knapp. In Sion stösst die Dezember-Januar-Temperatur nicht in den Rekordbereich vor.

Die Dezember-Januar-Temperatur 1865–2018 an den Messstandorten Genf und Sion

In Berglagen im normalen Bereich

In Berglagen bewegt sich die Januartemperatur im normalen Bereich. Auf dem Säntis liegen die erwarteten -6.3 Grad nur wenig über dem Normwert 1981-2010. Über beide Wintermonate Dezember und Januar betrachtet ergibt sich auf dem Säntis sogar eine leicht unterdurchschnittliche Temperatur.

Die Januar und die Dezember-Januar-Temperatur am Messstandort Säntis.

Stürme blasen den Flachlandwinter weg

Die Ursache der extremen Januarwärme in den Niederungen liegt in den anhaltenden kräftigen Strömungslagen aus West- und Südwest. Die fast ununterbrochene Zufuhr von milder Atlantikluft trieb die Monatsmitteltemperatur stark in die Höhe. Mit den anhaltenden West- und Südwestlagen bildeten sich keine Kaltluftseen im Flachland. Die bekannten winterlichen Kaltluftseen, oft verbunden mit Nebel oder Hochnebel, liefern einen wesentlichen Beitrag zur Normtemperatur im Mittelland. Fehlen die Kaltluftseen, ist die Temperatur in tiefen Lagen überproportional erhöht im Vergleich zu höheren Lagen. Das erklärt den aktuellen Unterschied zwischen Mittelland und Berglagen.

Kommentare (13)

  1. Alexander Kirsch ,Oberallgäu, 28.01.2018, 10:55

    Vielleicht ist noch ein Meteo Fan unter uns, der sich an den Winter 1746 erinnert, so warm im Jan UND Febr, daß die Vegetation uffe go isch....
    Der März war dann wieder winterlich, der April war zu Beginn warm und am Ende wieder viel zu kalt

    Der Sommer blieb dem Prinzip treu und war warm hitzig und trocken

    insgesamt ein sehr trockenes und warmes Jahr bis in den Herbst hinein, Ernteausfälle und ausgetrocknete Brunnen und Flüsse

  2. Altherr Elvis, 25.01.2018, 23:52

    wen wundert es. Der Klimawandel ist im vollen Gange und wir werden wohl uns damit abfinden müssen dass die kommenden Jahre noch viel schlimmer werden. 10 Grad + um 23.51 Uhr sind Lichtjahre von der Normalität entfernt.

    1. D. Keller, 27.01.2018, 07:16

      Beim Genfer Chart sehe ich seit 1980 einen Seitwärtstrend. Beim Säntischart seit 1990 einen klaren Abwärtstrend der Höchsttemperaturen.

    2. Tobias S., 28.01.2018, 10:16

      @Altherr elvis
      Nur weil es kurz vor 12 an einem Zeitpunkt 10° zu warm ist, sagt das doch lange nichts aus. Genauso wie es prinzipiell auch nichtsaussagend ist, wenn man nur die Durchschnittstemperatur der Schweiz nimmt und dann behauptet es sei eine GLOBALE Erwärmung.
      Und auch wenn: Es gibt dennoch Orte, ja sogar Kontinente, die (deutlich) zu kalt ausfallen. Schauen Sie nur einmal auf Nordamerika, und besonders in der ersten Winterhälfte auch Asien.

      @D. Keller
      Was ist mit einem "Seitwärtstrend" gemeint?

  3. Ernst Blum, 25.01.2018, 14:40

    Januarwärme - ist das jetzt ein meteorologischer Fachbegriff?

  4. Horst Naujoks, 24.01.2018, 22:28

    Bin ein Schweizer Flachländer, genauer ein Jurasüdfüssler. In meinem Vorgarten spriessen die Schneeglöckchen, gleichzeitig lese ich vom vielen Schnee in höheren Lagen.
    Ich finde das spannend (Betroffene , die andere Prioritäten haben - kommen zuerst). Bin weder Klimaskeptiker, noch das Gegenteil ...
    Die physische Differenz die ich erlebe, interessiert mich. Logische Erklärungen, die das zu erklären versuchen, würden mich freuen.

    1. MeteoSchweiz, 30.01.2018, 13:50

      Der Monat Januar 2018 ist in unserem detaillierten Blogbeitrag vom 30.01.2018 beschrieben. Daraus wird ersichtlich, dass es die anhaltende Zufuhr mildfeuchter Luftmassen war, die zu dem eigentlich logischen Gegensatz führten. Nur milde Luft kann grosse Wassermengen transportieren und damit grosse Schneemengen produzieren. Auch im berühmten Lawinenwinter 1999 (Februar 1999) war es mild und es regnete bis gegen 1000 m hinauf.

      Der Januar 2018 im Detail: http://www.meteoschweiz.admin.ch/home.subpage.html/de/data/blogs/2018/1/extrem-milder-januar-mit-viel-sturm-und-viel-schne.html

  5. Paul, 24.01.2018, 21:21

    Pourquoi pas vous écrivez en français???...

    1. MeteoSchweiz, 25.01.2018, 10:05

      Vous trouvez le MétéoSuisse-Blog ici:
      http://www.meteosuisse.admin.ch/home.html?tab=overview

  6. Peter Bernet, 24.01.2018, 21:07

    Extrem milde Januartemperaturen sind für die Natur oft gefährlich.
    Ich denke zurück an den sehr warmen Januar 1957. Damals folgte
    auf den warmen Januar ein sehr kalter Februar mit Temperaturen
    bis etwa -20 Grad C.
    Für gewisse Bäume, die schon im Saft waren, war das verheerend.
    In der Folge gab es schwere Frostschäden und zerrissene Stämme,
    besonders bei Walnuss- und Kirschbäumen und viele Bäume mussten in den folgenden Jahren gefällt werden.

    1. Wolfgang, 25.01.2018, 16:50

      So etwas befürchte ich auch. War im April 2017 ja schon schlimm mit dem Frost. Aber nachdem es nun gefühlt schon seit November fast nur Tiefdruckwetter gibt, wird sich daran nicht viel ändern...

    2. Jürg Röthlisberger, 27.01.2018, 22:23

      Das war 1956, nicht 57!

    3. Amdreas, 29.01.2018, 22:36

      Das war aber 1956