Milder und sonniger Oktober mit winterlichem Ende

30. Oktober 2018, 11 Kommentare
Themen: Klima

Der Oktober zeigte sich bis gegen Monatsende in der ganzen Schweiz sehr mild, sonnig und niederschlagsarm. Einzelne Messstandorte im Mittelland registrierten einen der sonnigsten Oktobermonate seit Messbeginn. Ein massiver Wetterumschwung brachte in den letzten Oktobertagen auf der Alpensüdseite sowie in den angrenzenden Gebieten vom Oberwallis über das Gotthardgebiet bis nach Graubünden grosse Niederschlagsmengen. In den nördlichen Alpen fiel regional reichlich Neuschnee.

Goldene Herbststimmung im Oberwallis bei Gletsch am 22. Oktober 2018. Foto: Daniel Gerstgrasser.
Goldene Herbststimmung im Oberwallis bei Gletsch am 22. Oktober 2018. Foto: Daniel Gerstgrasser.

Wechselhafter Monatsbeginn

Zum Monatsbeginn floss aus Nordwesten feuchte Kaltluft zur Alpennordseite. Am 1. fiel in der ganzen Schweiz Niederschlag. Ab dem 2. zeigte sich die Alpensüdseite mit Nordwind sonnig mit Tageshöchstwerten zwischen 20 und 26 Grad. Im Norden blieb es derweil oft trüb und lokal fiel etwas Regen. Die Tagesmaximumtemperatur bewegte sich verbreitet zwischen 12 und 17 Grad. Am 3. gab es im Genferseegebiet mit zunehmendem Hochdruckeinfluss aus Westen um 20 Grad.

Ein Hochdruckgebiet über Europa brachte am 4. und 5. Oktober in der ganzen Schweiz viel Sonnenschein. Der Jahreszeit entsprechend lagen über dem Flachland der Alpennordseite herbstliche Morgennebel. Die Tageshöchstwerte erreichten 19 bis 24 Grad.

Am 6. führte ein Tief über Norditalien feuchte Luft zur Alpensüdseite. Auf der Alpennordseite blies schwacher Föhn. Am Folgetag wurde ein Tief über Frankreich in der Westschweiz mit etwas Regen wirksam. Über der Ostschweiz und der Alpensüdseite lachte bereits wieder mehrheitlich die Sonne.

Anhaltend sonniges Herbstwetter

Wie bereits im Vorjahr 2017 brillierte der Oktober mit einem prächtigen Altweibersommer mit oft stahlblauem Himmel und Tageshöchsttemperaturen im sommerlichen Bereich. Vom 8. bis am 17. Oktober lag die Schweiz im Einflussbereich eines kräftigen Hochdruckgebiets über Osteuropa. Unmittelbar anschliessend an das Osteuropahoch dehnte sich am 18. ein Atlantikhoch nach Mitteleuropa aus. Es war in der Schweiz bis am 26. Oktober wetterbestimmend.

Das anhaltende Schönwetter wurde regional nur kurz unterbrochen. Am 10. und 11. Oktober sowie am 15. entstand an der Westflanke des Osteuropahochs eine Föhnströmung über dem Alpenraum. Auf der Alpensüdseite war es an diesen Tagen meist trüb. Am 10. und 15. fiel lokal auch etwas Regen.

Oktobersonne lokal im Rekordbereich

Die lange Hochdruckperiode brachte viel Sonnenschein. Trotz häufigem Nebel am Vormittag registrierten einzelne Messstandorte im Mittelland einen der sonnigsten Oktobermonate seit Messbeginn. Neuchâtel erlebte mit über 180 Sonnenstunden den zweitsonnigsten Oktober in der seit 1959 verfügbaren homogenen Messreihe. Der letztjährige Rekordoktober brachte hier 193 Sonnenstunden. In Zürich war es mit 170 Sonnenstunden der drittsonnigste, in Genf mit 168 Sonnenstunden der fünftsonnigste Oktober seit Messbeginn. In Zürich reicht die Messreihe der Sonnenscheindauer bis 1884, in Genf  bis 1897 zurück.

Erster Oktober-Hitzetag seit Messbeginn

Am 24. und 25. Oktober lag die Schweiz am Ostrand des Atlantikhochs in einer kräftigen Nordwestströmung. Auf der Alpensüdseite fegte der Nordföhn durch die Täler. Er trieb am 24. die Temperatur auf neue Oktoberhöchstwerte. Locarno-Monti registrierte mit einem Tagesmaximum von 30.5 Grad den ersten Hitzetag im Oktober in der Schweiz. In Magadino blieb der Tageshöchstwert von 29.6 Grad knapp unter der Hitzegrenze.

Im Süden viel Regen, im Norden viel Schnee

Auf den 27. Oktober erfolgte eine massive Wetterumstellung, welche sich auf der Alpensüdseite bereits am 26. durch ausgedehnte Bewölkung ankündigte. Mit einer kräftigen Südwestströmung floss mildfeuchte Luft zur Alpensüdseite, während die Alpennordseite aus Nordosten von Kaltluft erfasst wurde. Auf der Alpensüdseite fielen innerhalb von drei Tagen verbreitet 200 bis 300 mm Niederschlag. Das westliche Tessin verzeichnete auch Werte zwischen 300 und 420 mm. In den angrenzenden Gebieten vom Oberwallis über das Gotthardgebiet bis nach Nordbünden und ins Oberengadin erreichten die Niederschlagsmengen 150 bis 240 mm.

In Segl-Maria fiel mit 225 mm die höchste Dreitagessumme seit Messbeginn 1864. Der bisherige Rekordwert vom November 2002 war mit 223 mm allerdings vergleichbar hoch. Savognin registrierte eine Dreitagessumme von 213 mm. Das ist nur minim weniger als der Rekordwert von 214 mm vom November 2002. Die Messreihe von Savognin reicht bis 1892 zurück.

Am östlichen Alpennordhang sank die Schneefallgrenze regional bis auf 500 m. In Graubünden gab es vom 27. auf den 28. Oktober oberhalb von 1200 m 40 bis 70 cm Neuschnee. Arosa auf 1878 m fiel innert Tagesfrist ein neuer Oktoberrekord von 72 cm. Letztmals ähnlich viel Neuschnee im Oktober verzeichnete Arosa 1972 mit 68 cm und 1917 mit 65 cm innerhalb eines Tages. Alle übrigen Oktoberschneefälle lieferten in Arosa Tagessummen unter 50 cm. Die Aroser Neuschnee-Messreihe reicht bis 1890 zurück.

Die Wälder verfärbten sich nun definitiv

Die Wälder verfärbten sich im Oktober nun definitiv in allen Höhenlagen, nachdem bereits ab Ende Juli bis September vor allen an tief gelegenen, sehr trockenen Standorten sehr frühe Blattverfärbungen beobachtet wurden. Da der Monat Oktober der normale Monat der Blattverfärbung ist, lassen sich die ab Ende September eingetroffenen Meldungen der Blattverfärbung meist einem normalen phänologischen Zeitpunkt zuordnen. So betrug der Vorsprung der Blattverfärbung der Buche im Mittel nur noch 4 Tage auf die Periode 1981-2010. Über den ganzen Herbst gesehen waren die am stärksten verfrühten Phasen die Blattverfärbung der Rosskastanien (im Mittel 11 Tage), die Hängebirken (7 Tage) und die Winterlinden (6 Tage). Auch die Verteilung der Beobachtungen in die phänologischen Klassen hat sich etwas ausgeglichen: so liegen über alle bisher eingetroffenen Meldungen je nach Baumart 35-55% aller Beobachtungen in den Klassen „sehr früh“ und „früh“, 30-50% in der Klasse „normal“ und 10-25% in den Klassen „spät“ und „sehr spät“. Am Beispiel der Blattverfärbung der Winterlinde sieht man sehr gut, wie die Blattverfärbung zuerst in den tiefen Lagen aufgrund der Trockenheit startete. Erst ab Ende September begann sie auch in den höheren Lagen, nur noch wenige Tage verfrüht. Im Oktober verfärbten sich auch die restlichen Winterlinden in tiefen Lagen, meist zu einem normalen Zeitpunkt.

Als späteste Baumart verfärbt die Lärche ihre Nadeln. Auch hier konnte an einzelnen Standorten im Tiefland Anfang Oktober eine sehr frühe Nadelverfärbung beobachtet werden (z.B., in Hallau, Chur, Wil SG). Ab dem 9. Oktober verfärbten sich die Lärchen in den Bergen Graubündens, in Davos etwas früher und im Engadin normal bis wenige Tage später als im Mittel.

Der definitive Bericht zum Oktober  2018 ist ab dem 12. November 2018 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

Neue Klimaszenarien für die Schweiz

Mit dem September 2018 endet das wärmste oder zweitwärmste Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864, wie MeteoSchweiz in einem Blogbeitrag berichtete. Die massive Erwärmung des Sommerhalbjahrs in den vergangenen 20 bis 30 Jahren ist ein eindrückliches Signal des laufenden Klimawandels.

Als Alpenland ist die Schweiz dem Klimawandel und den damit verbundenen Naturgefahren besonders ausgesetzt. Die neuen Schweizer Klimaszenarien CH2018 beschreiben, wie sich das Schweizer Klima in diesem Jahrhundert verändern könnte. Sie übersetzen die komplexen wissenschaftlichen Ergebnisse der Klimamodelle in verständliche Aussagen. Ab dem 13. November 2018 stehen diese unter klimaszenarien.ch zur Verfügung.

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Bitte beachten Sie, dass die Kommentare von Montag bis Freitag freigeschaltet werden. Kontaktformular

Kommentare (11)

  1. emilio stecher, 03.11.2018, 14:39

    Das Weltklima ist, wie es ist! Lokal könnten wir aber viel bewegen: Ab 1. Januar 2020 bis 3,5 Tonnen nur noch Elekroautos zulassen oder Wasserstoffantrieb. Bei LKW und Bussen nur solche mit Gas als Treibstoff im Fernverkehr oder Elektroantrieb im Nahverkehr.
    Beim Verlassen jeder Wohnung oder des Hauses Strom weg, wie im Hotelzimmer, ausser Kühlschrank etc.
    Neueeste Generation A- Kraftwerke funktionieren ohne radioaktiven Abfall, also heizen nur noch mit Gas, Wärmepumpe oder Strom( Teslabatterie im Keller für eigene Stromspitzen abzudecken vorgeschrieben)

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  2. Schnyder Peter, 31.10.2018, 09:46

    Wir würden auch etwas für unser Klima tun, wenn wir weniger unserem Perfektionismus frönen würden (überallhin Wege bauen und verbreitern für Forstwirtschaft mit neuen Riesenmaschinen, alles hässlich zubetonieren und verbauen und vieles mehr). Wie wäre es mit konsequenter Anlegung von Hecken, obwohl die natürlich die monströs grossen Landwirtschaftstraktoren behindern könnten? Wir müssen umdenken und wir würden merken, dass das Aufgeben von Unsinnigem wie oben erwähnt Geld für nützlicheres zur Verfügung stellen würde. Ob wir zudem besser sind als das Ausland, wage ich zu bezweifeln. Den Lobbies sei Dank.

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    1. Läuchli Dani, 12.11.2018, 20:55

      Tja leider haben weder breite Forstwege noch grosse Traktoren etwas mit dem Klimawandel zu tun.

  3. Bruno Meier, 30.10.2018, 14:24

    Der Klimawandel lässt grüssen. Vielleicht sollten wir gerade in der Schweiz umdenken und betreffend dem Klimawandel einen anderen Weg einschlagen. Anstelle dagegen an zu kämpfen und versuchen die CO2 Emissionen zu senken, das Geld was dafür aufgewendet werden müsste anders zu investieren. Anscheinend ist doch so, dass sich die anderen Länder die sich ebenfalls dem Pariserklimaabkommen verpflichteten, sich kaum einen Deut darum scheren. Warum also sollte sich gerade so ein kleine Land wie die Schweiz, welche nur einen geringen Einfluss durch ihr tun auf das Weltklima hat, darauf verlassen, dass die anderen Länder noch zu Vernunft kommen und umkehren? Wäre es also nicht viel klüger, das Geld in Schutzmasssnahmen für das eigene Land zu investieren, damit unser Land noch lebenswert bleibt, trotz des Klimawandels? Statt also gegen das Unausweichliche ankämpfen, eben das beste daraus zu machen.

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    1. Baur, 30.10.2018, 16:52

      Und wie wollen Sie das in der Schweiz erreichen? Klimaanlagen in alle Wohnungen einbauen damit es keine Hitzetoten mehr gibt? Bewässerungsanlagen auf allen landwirtschaftlich genutzten Feldern? Sehr teure Bergsturz und Murgang-Sicherungen in den Bergen? Künstliche Beschneiungsanlagen für sämtliche Skipisten unterhalb 2500 Metern? Alle Gletscher beschatten gegen den Gletscherschwund? Sehr sehr teuer das Alles! Und woher nehmen wir die Energie für Alles, neue AKW‘s?

    2. Lars, 30.10.2018, 17:16

      Man könnte z.B. auch überlegen, wie man den Klimawandel touristisch nutzen könnte.
      Wenn es hier so warm werden würde wie am Mittelmeer oder so, dann müsste niemand in den Süden verreisen. Muss man nur geschickt vermarkten.

    3. Jürg Geilinger, 30.10.2018, 17:32

      Ich finde den Vorschlag von Bruno Meier gar nicht schlecht. Es kann nämlich sein, dass der Klimawandel ohnehin stattfindet. Es ist nicht sicher, dass er sich mit einer C02 Reduktion aufhalten lässt. Die Idee, dass sich das Klima nicht verändern darf, ist auf dem Hintergrund negativer Konsequenzen verständlich, aber nicht realistisch. Natürlich gibt es auch positive Effekte, wenn es wärmer wird, davon ist jedoch bei der aktuellen Klimadiskussion wenig die Rede. Auf der Nordhalbkugel muss man zum Beispiel viel weniger Heizen, da die Winter kürzer und wärmer sind.
      Das Klima war noch nie eine konstante Grösse. Dies gilt natürlich auch für die Gletscherausdehnung, so schade es ist, wenn sie wegschmelzen.

    4. Kunz, 31.10.2018, 07:33

      wir können auch mit gutem Beispiel voran gehen. nur weil andere blöd handeln müssen wir das ja nicht auch tun. Ich stimme zu dass wir alleine nicht das Weltklima retten können, aber all die CO2 senkenden Massnahmen beeinflussen auch direkt die Verhältnisse in der Schweiz, somit tun wir damit eben doch etwas für unser Land.

    5. Andrej, 04.11.2018, 01:46

      Ich würde bis 2050 die öffentlichen Verkehrsmittel stark ausbauen, komfortabler machen und dafür die Kosten für ein Auto mindestens verdoppeln.

    6. Michael Brunner, 06.11.2018, 09:02

      Der Mensch nimmt sich viel zu wichtig und glaubt ernsthaft, dass er etwas verändern könnte, was so oder so auf die Erde zukommt, der Klimawandel. Den gabs schon immer, die Schweiz war mal mindestens teilweise unter kilometerdicken Eisschichten bedeckt (davon zeugt ja unsere bergige und hügelige Landschaft, welche davon geformt wurde) und nicht erst seit es Autos, Flugzeuge, bzw. die ganze Industrialisierung gibt, hat der Klimawandel eingesetzt. Ich denke mit gesundem Menschenverstand und der sagt mir, dass wir sicher nicht mit der Umwelt rücksichtslos umgehen sollten, sondern sorgsam, aber dass wir hier etwas Entscheidendes bewegen können, ist Arroganz pur. Die Natur erholt sich immer wieder - sie erholt sich auch von der Menschheit - nur wir Menschen können das in unserem kurzen Dasein auf der Erde nicht fassen, kapieren oder gar verstehen, die Dimensionen sind viel grösser. Abgesehen vom Ganzen: solange die sicher gutgemeinten Massnahmen im Umweltschutz nicht WELTWEIT mitgetragen und zu 100% umgesetzt werden, ist sowieso nichts zu machen. Trotzdem bin ich dafür, dass wir in der Schweiz wenigstens versuchen, etwas umzusetzen, aber bitte immer im Wissen, dass wir den Klimawandel auf keinen Fall aufhalten oder gar verhindern können, das kann der Mensch nicht.

    7. Andrej, 06.11.2018, 09:44

      Ja, aber wir reden hier von Klimawandel der in tausenden von Jahren stattfindet und nicht innerhalb einiger Jahrzehnte, ich denke also nicht, das sich bei dieser Faktenlage der Mensch zu wichtig nimmt, im Gegenteil.